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fjtrsfcliirr Armblatt.
Wit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes IlnterssaktungsKlatt".
Nr. 67.
Dienstag den 8. Juni
1886.
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Amtliches.
Hersfeld, den 31. Mai 1886.
Der seitherige Bürgermeister Valentin Gömpel zu Beiershausen ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und von mir bestätigt worden.
6330. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersseld, den 7. Juni 1886.
Die Königlichen Standesämter des Kreises erinnere ich hiermit an Erledigung meiner Verfügung vom 20. Juni 1878 Nr. 6079 (Kreisblatt Nr. 50), betreffend die Anzeige des Bedarfs an Formularen zu Registerauszügen pro 1887 bis zum 10. Juni d. I.
6551. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
In der Nacht zum 2. d. Mts. sind in Hersfeld gestohlen:
1) eine vierreihige silberne Halskette, deren Verschluß unit einer eingravirten Blume versehen ist,
2) ein viereckiger silberner Manscheltenknopf,
3) eine silberne Uhrkapsel,
4) eine als Uhrgehänge dienende silberne Spielmarke.
Um Nachforschung nach dem Thäter, Anhaltung der gestohlenen Sachen und Nachricht wird ersucht zu den Acten J. 11. 978/86.
Cassel, den 3. Juni 1886.
Der Königliche Erste Staatsanwalt.
J. A.: von Ditfurth.
Aus dem Landtage.
Berlin, 4. Juni. Das Abgeordnetenhaus erledigte zunächst in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Verletzung der Dienstpflichten des Gesindes, durch be- finitive Annahme und beschäftigte sich sodann mit vem Ge-
^.E—«————------ , .::.:.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranwethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweichel. (Fortsetzung.)
Es fiel Marlinger indessen nicht ein, Cenzi näher an sich heranzuziehen und auch nur den Versuch zu machen, mit ihr von dem zu sprechen, was er las und worüber er grübelte. Er dachte zu gering von den Weibern, um Cenzi ein Verständniß dasür zuzu- trauen und hinter ihrem Ernste etwas Anderes zu vermuthen, als die Sorgen für den Haushalt, für ihren Putz und für ihre Schönheit. Von den Schriften vorwiegend populär naturwissenschaftlichen Inhaltes, an denen er sich erlabte, konnte ein Weiberhirn ja nichts verstehen und anstatt sie eines Bessern zu belehren, spottete er über sie, wann er von ihr Aeußerungen vernahm, die mit seinem bessern Wissen und der Ausklärung, deren er sich rühmte, im Widerspruch standen.
So hatte er auch nur bissigen Spott und Hohn über den dicken Aberglauben, wann zu dem Schnurren der Spinnräder mit gedämpfter Stimme Geister, geschichten erzählt wurden. Gemeinsam zu ihrer Unterhaltung den Rosenkranz in seiner Gegenwart zu beten, wagten seine Leute schon lange nicht mehr. Eines Sonntags, an dem das schlechte Wetter den Gang zur Kirche im Thäte unmöglich machte, holte Cenzi von der sogenannten Stelle, dem Brette unter der Stubendecke, ein alles Predigt- buch herunter, das nebst einer Heiligenlegende,
setzentwurfe, betreffend die Kantongesängnisfe in der Rheinprovinz, dessen § 5, welcher die gerichtlichen Strafgelder statt, wie bisher, den Kommunen, der Staatskasse als Aequivalent für die Uebernahme der Unterhaltung der Kantongefängnisse überweist, die Kommission gestrichen hat.
Ein auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage gerichteter Antrag gelangte nach längerer Diskussion zur Annahme. Der Rest der Vorlage wurde nach den Beschlüssen der Kommission unverändert genehmigt. Schließlich gelangte noch der vom Abg. Seer (natdib.) beantragte Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr aus den Kunststraßen, mit einem Zusatzantrag in zweiter Lesung zur Annahme, wonach das Gesetz außer aus die Provinzen Westpreußen und Posen auch aus Schlesien Anwendung finden soll. Morgen: Schlußabstimmung über das LehreranstellungsGesetz und dritte Berathung des Antrages Seer.
Berlin, 5. Juni. DaS Abgeordnetenhaus hielt heute seine letzte Sitzung vor dem Pfingstfest. In derselben gelangte zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Anstellung der das Dienstverhältniß der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen im Gebiete der Provinzen Posen und Westpreußen zur zweiten Abstimmung. Nachdem der Abg. Szumann Namens der polnischen Fraktion eine Erklärung abgegeben, in welcher dieselbe sowohl gegen dieses Gesetz wie gegen alle sonstigen gegen die polnische Nationalität gerichteten Maßnahmen nochmals Verwahrung einlegt, wurde der Gesetzentwurf in seinen einzelnen Paragraphen und sodann im Ganzen gegen die Stimmen der Polen, der Freisinnigen und des Centrums definitiv angenommen. Desgleichen gelangte der von dem Abg. Seer (nal.-lib.) beantragte Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr auf den Kunststraßen. nach kurzer Debatte in der in zweiter Lesung beschlossenen Fassung definitiv zur Annahme. Der Präsident wurde ermächtigt, Zeit und Tagesordnung der nächsten Sitzung aus eigenem Ermessen zu bestimmen; doch wird dieselbe vor dem 21. Juni nicht stattfinden.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestätder Kaiser empfing den zum Besuch in Berlin eingetroffenen Großherzog von Weimar und unternimmt täglich Spazierfahrten.
Fürst Bismarck wird dem Vernehmen nach seinen Aufenthalt in Friedrichsruh vorläufig nicht aufgeben und jedenfalls an dem Rest der parla
einem Kräuterbuche und dem Kalender die Hausbibliothek bildete, und begann dem Gesinde daraus vorzulesen. Marlinger zuckte mit den Achseln und verließ die Stube.
„Das sei Gott geklagt, daß der Bauer kein Christenthum hat," seufzte Guudl laut. Aber das kommt von den Geschritten, in denen der Bauer immer liest. Wenn da die Frau was zu thun könnte, daß er die in's Feuer wirft. Es ist ein Wunder, daß der Krauwethof nicht längst zu Grunde gegangen ist."
Ein Gemurmel der Knechte und Mägde verrieth, daß sie mit ihrer Ansicht nicht allein stand. Cenzi erschrack innerlich. Daß ihr Mann nicht sonderlich fromm war, hatte sie wohl schon bemerkt, allein sie hatte bisher nicht weiter darüber nachgedacht. Nun war es, als ob plötzlich ein Schleier vor ihren Blicken zerrissen würde und fromm gewöhnt, wie sie war, schnitt ihr Gundl's schwere Anklage tief in die Seele. Sie verwies ihr zwar dergleichen Reden, aber sie vermochte ihre Gedanken nicht von ihnen zu wenden. Als die tzausandacht vorüber war, suchte sie ihren Mann auf, den sie vor seinem „Giftschrank" fand. Er hatte ihn ausgeschlossen und beschäftigte sich damit, die Gläser, Büchsen und Töpfe seiner Hausapotheke abzustäuben.
„Hast ausgepredigt V" fragte er. „Du kannst es gut. Wäre vielleicht am besten, wenn man Euch Weibern die Kanzel und die ganze Seelsorge überließe«*
„Du solltest darüber nicht spotten," verwies sie ihm, und er versetzte;
mentarischen Session sich nicht betheiligen. Erzbischof Dinder ist zum Besuch des Kanzlers in Friedrichsruh gewesen.
Der preuß. Landtag hat sich am Sonnabend bis nach Pfingsten vertagt.
Die Branntweinsteuer-Commission hat am Freitag ihre Verhandlungen mit einem vollständig negativen Resultat geschlossen. Die verschiedenen Parteien, welche in der Nothwendigkeit und Füglichkeit einer höheren Branntweinsteuer über- einstimmen, konnten sich weder auf der Grundlage des Regierungsentwurfs, noch auf einen der Anträge einigen; selbst die in erster Lesung auf den Antrag des Centrums beschlossene Consumsteuer in Höhe von 25 Mk. für den Hectoliter ist in zweiter Lesung abgelehnt worden. Der Bericht wird voraussichtlich am 21. Juni im Plenum des Reichstages zur Verhandlung kommen.
Der Consularvertrag zwischen Deutschland und Rumänien .ist am Donnerstag in Berlin unterzeichnet worden.
Den Münchener „Neuesten Nachrichten" zufolge haben die mit beiden Kammern vereinbarten Landtagsgesetze bereits die UntertorHLiielÄ erhalten. Damit muWrTTernesen Gerüchte widerlegt, die in letzter Zeit über den Gemüthszustand verbreitet worden sind. Eine Wendung steht nach Auffassung des Münchener Korrespondenten der „Rhein. Westsäl. Ztg." bevor: König Ludwig werde dauernd in ferne Hauptstadt zurückkehren.
Der Bischof Roos von Limburg ist zum Erzbischof von Freiburg gewählt worden.
Wie es heißt tritt demnächst in Berlin eine Kommission unter dem Vorsitz des Generals der Kavallerie Frhrn. v. S ch l o t h e t m, komman- direnden Generals des XI. Armeecorps, zusammen, um über verschiedene Angelegenheiten, die Theilnahme der Officiere an öffentlichen Rennen betreffend, zu berathen.
„Nu, es ist mir ganz ernst damit. Ihr Weiber habet noch das Herz, was beim Pfarrer doch die Hauptsach' ist, und Euch möcht' Einer vielleicht noch glauben, wenn ihr von Gott predigt und der ewigen Seligkeit und all' dem Kram."
„Du glaubst nicht an Gott?" fragte Cenzi mit zuckenden Lippen. „
„Ich glaub' halt, daß der Teufel die Welt regiert," versetzte er mit zwinkenden Augen.
Cenzi schrie entsetzt auf und bekreuzte sich hastig. Stephan aber sagte: IO .
„Geht es irgendwo nichtswürdiger zu als in der Welt? Wo du hinschaust, ist's eine Lumperei. Ueberall ist der Teufel geschäftig, Unkraut unter den Weizen zu säen. Allerlei Gethier, das so klein ist, daß es der Mensch nicht mal mit den bloßen Augen sehen kann, Dürre, Hagelschlag und Fluthen verderben die Ernten. Allerlei Krankheiten und Pestilenzen fallen Thier und Menschen an, daß sie wie die Fliegen hinsterben. Und unter einander gönnt Keiner dem Anderen was Gutes; da frißt Einer den Andern auf. Dem Teufel sollten die Bethäuser gebaut werden; zu ihm sollten wir beten, daß er uns gnädig sei.
„Jesus, Maria," ächzte seine Frau, die ihn mit wettgeöffneten Augen anstarrte.
„Ja, was helfen die?" rief er, und auf seine Medicamenie weisend: „Schau her, wenn nicht das Böse in der Welt Meister wäre, wozu brauchte es diese Salben und Kräuter und Tropfen und Tränke? Kühe und Pferde blieben gesund und ich brauchte nicht an ihnen herurnzudoctoren; auch