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des Arbeiter-Fortbildungs-Vereins Holländische- straße, in Cassel, statt.

Hersfeld, 4. Juni. Ein bei Empfehlungen von unzuverlässigen Personen zur Vorsicht mahnen­der Fall in Bayern ist beim Reichsgericht, II. Ci- vilsenat, am 30. März 1886 zur Entscheidung gelangt. Der Banquier B. zu München, welcher früher ein Tuchgeschäft betrieb, empfahl bei Auf- gäbe dieses Geschäfts im Juli 1882 aus freien Stücken der Firma D. u. Co. zu München den 10 Jahre lang bei ihm als Reisender in Dienst ge­standenen Karl O. aufs Wärmste und betonte namentlich dessen Ehrlichkeit. Einige Tage später, am 23. Juli, erlangte B. Kcumniß, daß O. zu seinem Nachtheil einen Betrag von über M. 1100 ver­untreut habe. Von dieser Thatsache machte B. der Firma D. u. Co. keinerlei Mittheilung, ob­wohl ihm bekannt war, daß die Engagementsver- Handlungen zwischen D. u Co. und dem O. noch nicht abgeschlossen waren, vielmehr behielt B. den O., gleich als ob nichts vorgefallen wäre, in seinem Dienste. Der Engagementsvertrag der Firma D. u. Co. mit O. wurde am 28. Juli 1882 abgeschlossen und O. trat sodann in den Dienst der Firma D. und Co. Das ihm von seinen neuen Prinzipalen geschenkte Vertrauen mißbrauchte O., indem er auf Grund gefälschter Rechnungen Gelder im Betrage von M. 4264 einkassirte und sür sich verwandte. Da bei seiner Vermögenslosigkeit das Geld verloren war, so klagten D. u. Co. gegen B. aus Schadenersatz. D. u.Co. erstritten in beiden Instanzen obsiegende Urtheile und die von B. ein­gelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurück­gewiesen.

Hersfeld, 4. Juni. Wegen Bedrohung war der Ackersmann Heinrich Klee von Matkomes von der Strafkammer Königlichen Landgerichts zu Cassel in eine Geldbuße von 30 Mark genommen worden. Gegen dieses Urtheil hatte der Ange­klagte die Revisionsbeschwerde beim Reichsgericht eingebracht. Unter Aufhebung des angeiochtenen Erkenntnisses wurde Seitens des höchsten Gerichts­hofes die nochmalige anderweitige Verhandlung dieses Strasprocesses vor dem Forum der Strafkammer I. zu Cassel angeordnet. Zwei Parzellen Landes, von denen die eine dem Ange­klagten, die andere dem Lehrer Schrön zu Malkomes gehören, liegen ziemlich eng bet einander. Letzterer war nun, um auf sein Land zu kommen, über das Land des rc. Klee gefahren. Dies hatte den Angeklagten zu Drohworten veranlaßt, die nach Lage der Sache wohl nur den Zweck ver­folgten, daß ähnliche Unzuträgtichkelten sich künf­tighin nicht wiederholen möchten. Der Gerichts­hof faßte die Sache auch thatsächlich nicht anders aus und sprach rc. Klee frei.

* Hersfeld, 4. Juni. Wie man uns mittheilt, wurde vor Kurzem beim Pflügen auf einem in der Gemarkung von Petersberg ge­legenen Felde von einem Landmanne ein interessanter Fund zu Tage gefördert. Der­selbe bestand in einer Urne, deren Inhalt aus einer beträchtlichen Anzahl alter Münzenzusammen- gesetzt war, welche aus der Zeit Theodosius des Großen, eines römischen Kaisers, (379395 n. Chr.) stammten.

Cassel, 1. Juni. In der heutigen 10 Uhr Vormittags eröffneten Sitzung des Communal- landtages schritt man zunächst zur Wahl des Vor­sitzenden und dessen Stellvertreters. Es wurden einstimmmig durch Acclamation gewählt zum Vor­sitzenden Herr Oberoorsleher v. S ch u tz b a r gt. Mischling und als dessen Stellvertreter Herr Oberbürgermeister Weise in Cassel. Nachdem sodann beschlossen war, die frühere Geschäftsord­nung, soweit dieselbe mit den Bestimmungen der neuen Provinzialordnung nicht im Widerspruch steht, bis zur Feststellung der neuen Geschäftsord­nung in Kraft treten zu lassen, wählte man zu

Schriftführern die Herren Oberbürgermeister Rang und Rauch und als deren Stellvertreter die Herren Landräthe v o n W e g n e r n und K r e k e l e r. Ferner wählte man einen Legitimationsausschuß bestehend aus 7 Mitgliedern, einen Eingabenaus- schuß bestehend aus 12 Mitgliedern und einen Haupt- ausschuß bestehend aus 20 Mitgliedern. Letzterem sollen alle diejenigen Vorlagen zur Lorberathung überwiesen werden, für welche nicht ein besonderer Ausschuß bestimmt ist. Der Hauptausschuß be­steht aus den Abgeordneten: Kammerherr H. v. d. Malsburg, Gutsbesitzer Hüter, Gutsbesitzer Nöll, Oberbürgermeister Rang, Oberbürgermeister Rauch, Justizrath. Dr. Renner, Geh. Commerzienrath Henschel, Professor Dr. Enneccerus, Apotheker Dr. Müller, Rittergutsbesitzer Graf von Berlepsch, Guts- besitzer Herrletn, Gutsbesitzer von Pappenheim, Erbprinz Friedrich Wilhelm zu Isenburg und Büdingen, Durchlaucht, Bürgermeister Knobel, Bürgermeister Dohme, Bürgermeister Fenge, Bürger­meister Kopp, Gutsbesitzer Beinhauer, Landrath v. Altenbockum, Oberstlieutenant a. D. v. d. Tann. Der Eingaben-Ausschuß besteht aus den Abgeord­neten: Kammerherr v. Dörnberg, Bürgermeister Lotz, Gutsbesitzer Pfaunstiehl, Bürgermeister Winter, Gutsbesitzer Metz, Gutsbesitzer Ruth, Bürgermeister Hold, Gutsbesitzer Reinhard, Justizrath Rieß, Bürgermeister Gebhard, Gutsbesitzer Bierschenk, Landrath v. Eschwege. Legitimations-Ausschuß: Landraty Riesch, Landrath Roth, Gutsbesitzer Sinning, Bürgermeister Schöffer, Major a. D. Brack, Bürgermeister, Bürgermeister Scheffer.

Cassel, 2. Juni. (Strafkammer l.) Aus der Strafanstalt zuWehlheiden wird vorgeführt der Uhr­macher Jacob Schaake von Asbach. Derselbe verbüßt daselbst 1 Jahr 3 Monate Gefängniß wegen Unterschlagung verschiedener ihm zur Re-

paratur anvertraut gewesener Uhren. Der Ange­klagte Darnach Begehung dieser Strafthaten flüchtig geworden, wurde steckbrieflich verfolgt und von Bei-, Wange verwundet, gefangen genommen und nach gien aus, wo er in Arbeit stand, ausgeliesert. Zwei , Berlin ins Spital gebracht, von wo er nach dem Fälle von Uhrenunterschlagung, auf die sich die I Friedensschluß entlassen wurde. Die Wunde wurde im Spitale geheilt, jedoch die Kugel, welche durch die Wange in die Speicheldrüse drang, nicht entfernt. Erst jetzt, nach 20 Jahren, wurde die Kugel auf Andringen des Arztes entfernt. Die Operation gelang glücklich und befindet sich der Patient ziemlich wohl.

Anklage ebenfalls erstreckte, konnten in dem da­

maligen Audienztermine nicht abgeurtheilt werden, weil es noch an der nöthigen Aufklärung in dieser Beziehung fehlte. Die heutige Verhandlung führte hinsichtlich der qu. zwei Anklagepunkte zur Frei­sprechung Schaakes.

Vermischtes.

Berlin, 2. Juni. Eine entsetzliche Selbst­verstümmelung fügte sich gestern der 18jährige Stiefsohn des Brunnenmachers Habicht, Ernst Pattke, in Rixdorf zu. Der junge Mann, der sich seit Jahren vom Hause seines Stiefvaters fern- gehalten hatte, verlangte von diesem am Dienstag Ausnahme, bezw. Beschäftigung. Da aus triftigen Gründen seinem Verlangen nicht entsprochen wurde, geriethP. in höchste Wuth, begab sich in einen Schup­pen, ergriff dort ein Beil und hieb sich mit demselben die linke Hand vollständig vom Arme ab.

Braun schweig, 30. Mai. Eine Liebes- tragödie nach französischem Stuftet hat sich hier in unserer Umgebung zugetragen. Die einige 20 Jahre alte Dienstmagd des Oekonomen Troch in Ahlum hatte mit einem dortigen Arbeiter aus der Gegend von Landsberg ein Liebesverhältniß angeknüpft. Als nun der Arbeiter in letzter Zeit anderen Ar­beiterinnen den Hof machte, versuchte die Betrogene sich auf grausame Weise zu rächen. Sie kaufte sich in einem Droguengeschäft eine Flasche Schwefel- läute und Salzsäure und übergoß mit ersterer Flüssigkeit heute Morgen den Arbeiter, der in Folge eines Wortwechsels von seinem Herrn entlassen war. Der Arme hat dadurch das ganze Augenlicht ver­loren und ist gräßlich entstellt; an seinem Auf­kommen wird gezweifelt.

Ste t ti n, 30. Mai. Fürst Bi sm a rck, der erst kürzlich in Friedrichsruh den Verlust einer

Schneidemühle durch Feuer zu beklagen hatte, hat am Sonnabend seine in Hammermühle bei Varzin belegene große Papierfabrik infolge einer Feuers­brunst verloren. Das Feuer entstand bald nach 6 Uhr Abends und griff mit so reißender Schnellig­keit um sich, daß in ganz kurzer Zeit sämmtliche Fabrikgebäude mit allen Papier-Vorräthen in Asche gelegt wurden. Die aus der Umgegend nach der Brandstelle geeilten sechs Spritzen konnten nur zur Sicherung der angrenzenden Wohngebäude verwandt werden. Der Pächter der Fabrik, Herr Behrend, war zur Zeit des Brandes auf einer Geschäftsreise. Das Feuer soll dadurch entstanden sein, baß ein Monteur beimDurchbohren eines Balkens ein glühen­des Stück Bandeisen benutzte, von welchem Funken in eine Menge Papierspäne fielen. Diese fingen sofort Feuer und in einem Moment stand die ganze Fabrik in Fammen.

Metz, 27. Mai. Ein Bewohner von St. Martin fand dieser Tage in dem Walde bei Grave- lotte ein Nest mit drei jungen Wölfen, welche er an sich nahm. Noch ehe er den Wald verlassen konnte, hatten ihn die alten Wölfe eingeholt und es blieb ihm nichts Anderes übrig, als so rasch wie möglich einen Baum zu erklettern, auf welchem er mit den Jungen im Arm bis Nachmittag 3 Uhr sitzen bleiben mußte, da ihm erst zu dieser Zeit Hülfe von anderen Waldbesuchern zu Theil wurde. Die jungen Thiere wurden von.einem Menagerie- besitzer angekauft.

Der australischeDampferLycemon" scheiterte in der Nähe Sidney; von seinen 85 Passagieren ertranken 70.

(20 Jahre eine Kugel im Halse.) In der Klinik des Professors Albert in Wien wurde am Sonnabend, den 22. d. Mts., an einem armen

Hausirer eine äußerst seltene Operation vorge­nommen. Dieser wurde im Feldzuge 1866 in dem Gefechte bei Nachod.durch einen Schuß in die

C a t a n t a, 2. Juni. In dem Ausbruche des Aetna ist neuerdings ein Stillstand eingetreten. Der Lavastrom rückt, wenn auch langsam, in einer Breite von 25 Metern und einer Höhe von 3 Metern vor. Mehrere Villen der Vorstadt von Nicolosi sind durch dieselbe zerstört. Nicolosi selbst ist von den Bewohnern vollständig verlassen und wird von einer Abtheilung Soldaten besetzt gehalten.

(Aus d e r S ch u l e.) Lehrer (der eine Aufgabe an die Tafel geschrieben):Wer von Euch trifft mir diese Aufgabe?" Martin (indem er seine Stille gegen die Tafel wirft): "Ich, Herr Lehrer."

(Oeconomisch.)Lina, ich gehe jetzt fort. Heize den Kindern ein; nimm aber nicht, wie gewöhnlich, vier Scheite Holz, sondern nur drei, weil der Rudolf mit mir geht!"

Kascharr -Oderberger Eisenbahn 5plC. Gold-Prioritäten und Silber- Prioritäten ä 200 Fl. Die nächste Zie­hung findet am 1. Juli statt. Gegen den Coursverlust von ca. 3</2 pCt. bei der Ausloo- sung übernimmt das Bankhaus C arlNcu bür­ge r, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 4 Pf. pro 100 M.

Kirchliche Nachrichten.

Gottesdienst Sonntag den 6. Juni. Vormittags: Herr Jnspector Dr. Vial. Nachmittags: Herr Pfarrer Hosbach.

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Kirchliche Nachrichten.

Der Gottesdienst in der Bap- tisten-Capelle beginnt am Sonntag:

Morgens präcis 9 Uhr

Mittags 3

Abends 8

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