Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postausschlag.
Die Jnsertionsgebühren betrogen sür den Raum ener Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 64 Dienstag den 1. Juni 1886.
Iöonnements-Zinladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder KreLsvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage
„Mustrirtes Unterhaltungsvlatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Um den Nachtheilen und Gefahren des immer mehr um sich greifenden Geheimmittel-Unwesens entgegen zu treten, bringen wir die nachfolgenden Warnungen des KönigUchem PollzeLPräsidt- ums zu Berlin höherem Auftrage gemäß hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Cassel, den 18. Mai 1886.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Ausschnitt aus Nr. 22 (Haupt-Blatt) der Zeitung „Die Post". Berlin den 23. Januar 1885. Verantwortlich als Redakteur: Dr. R. Dietze.
t t Geheimmittel-Schwindel.
Unter dem Namen „Swagatin Zahnschmerz- Paste" wird durch eine in sieben verschiedenen Sprachen gedruckte Gebrauchsanweisung ein Mittel angepriesen, welches, bei hohlen Zähnen angewandt, jeden Sthmerz sofort und für immer beseitigen soll. Ein von einem Holzbüchschen umkleidetes Gläschen mit diesem Präparat, welches zum Ladenpreise von 60 Pfg. auf polizeiliche Veranlassung in dem Droguen-Geschäft von Schwarzlose Söhne, Markgrafenstraße 29, hier angekauft worden ist, enthielt, wie die chemische
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen.
Von Robert Schweichel.
(Fortsetzung.)
„Hab' keine Angst nicht," beruhigte Marlinger die Eenzi. „Der Knecht weiß, daß es jetzt gilt, die Augen offen zu halten und schau, da kommt auch der Mond herauf!"
Eben stieg die abnehmende Scheibe im Osten empor und ihr Dämmerlicht überhauchte silbern die Tannenwipfel in der Tiefe und die Bergwände wie den Wildbach, der unter einer geländerlosen Brücke brausend und silberne Funken stiebend zu Thal schäumte. Es gab manche bedenkliche Stelle und Schritt vor Schritt ging es weiter. Nicht lange, so kamen sie an eine solche, die Marlinger als die gefährlichste bezeichnete. Der Weg war nur schmal und hart neben ihm, gerade auf der Seite, aus der Eenzi saß, brach der Fels jäh ab. Die Tiefe verlor sich im leuchtenden Nebel wie in einem See. Eenzi schaute furchtlos hinab und ihr Muth gefiel Marlinger.
„Es muß Einer nur allem herzhaft in's Gesicht schauen, um so besser wird er damit fertig", äußerte er, als sie an der bedenklichen Stelle vorüber waren, und Eenzi pflichtete ihm bet.
„So ist's recht", rief er und zog sie an sich. Nach einer Weile begann er wieder:
„Ich bin froh, daß all die Unruhe, das Hin- und Hersahren und der ganze Hochzeitsspectakel
Untersuchung ergeben hat, „entwässerten Borax" in einer Quantität, deren Werth noch nicht einen halben Pfennig beträgt. Im Interesse und zur Warnung des Publikums sind wir in den Stand gesetzt, diese Thatsache zu veröffentlichen.
Ausschnitt aus dem Intelligenz-Blatt vom 7. Mai 1885. Nr. 105.
Bekanntmachung.
Die amtlich veranlaßte sachverständige Untersuchung der beiden Geheimmittel, welche der Kellner Max Falkenberg hierselbst, Rosenthaler- straße Nr. 62 wohnhaft, gegen Trunksucht in der Tagespresse empfiehlt und in zwei ungleich großen Blechbüchsen zum Preise von zusammen 10 Mark verkauft, hat ergeben, daß diegrößere Büchse 313 Gramm Enzianwurzelpulver, die kleinere Büchse 68 Grgmiu -Calmuswurzelpulver enthält, und daß derMerth der Mittel nicht 10 Marh ffimveiiniuf 61 Pfennige (52 Pfennige Enzianwurzelpulver und 9 Pfennige Calmus- wurzelpulver) beträgt. Da die beiden obenbe- zeichneten Mittel keinerlei Heilkraft gegen Trunksucht besitzen, so wird Solches zur Warnung des Publikums hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Berlin, den 1. Mai 1885.
Königliches Polizei-Präsidium, von Madai.
Ausschnitt aus dem Jntelligenzblatt vom 27. Mai 1885. Nr. 120.
Bekanntmachung.
In der Tagespresse wird gegenwärtig unter dem Namen „Homeriana-Thee" ein angeblich gegen Lungen-, Halsleiden und Asthma wirksames Geheimmittel angepriesen, welches von dem Agenten A. Wolffsky, Alte-Jacobstraße Nr. 93 hierselbst wohnhaft, in Päckchen mit 65 Gramm Inhalt bei einem Werthe von 5—6 Pfennigen für den Preis von 1,20 Mark verkauft wird und
jetzt ein End' hat. Wie ein Narr bin ich mir vorgekommen, daß ich stundenlang habe dabei sitzen müssen, wie die Menschen sich den Bauch vollgestopft und gemeint haben, sie thun uns damit eine Ehr' an und es ist ein Vergnügen. In der Ruhe daheim wird mir's wieder wohl werden."
„Mich freut's halt, wann ich was dazu thun kann, daß auch Andre eine Lust haben," bemerkte Eenzi.
„Da hättest Du ein Musikant werden sollen," scherzte er. „Nu, Du bist noch jung und wirst es schon noch lernen, daß dabei nichts herauskommt. Der Oppenrieder hat mir erzählt, daß Du allemal wegen des Franz die Kante der Bäuerin gegen ihn gehalten hast und auch heut noch. Glaubst Du, daß sie es Dir danken wird? Dank liegt den Menschen noch schwerer wie Blei auf der Zunge."
„Ich begehr auch keinen Dank nicht," versetzte sie rauh und zog ihr Tuch fester um das Kinn.
„Wer Dank von ihnen begehrt, kommt nimmer mit ihnen aus," bemerkte er noch, und darauf blieben beide stumm, bis sie den Plan gewannen, auf dem das Gehöft lag. Im Hause brannte noch Licht. Der Knecht knallte mit der Peitsche. Zwei Hunde kamen bellend den Pferden entgegen gesprungen und aus der Hausthür stolperten Knechte und Mägde.
Auch auf dem Hofe war die Hochzeit gefeiert worden, aber nicht daher stammte die Aufregung, mit der Gundl die Herrschaft begrüßte, indem sie erst Marlinger und dann der jungen Frau mit einem: „Grüß Gott!" die Hand gab. Neu
nach dem Ergebniß der amtlich veranlaßten sachverständigen Untersuchung lediglich aus Vogelknöterich besteht, wie er auf allen Wegen und namentlich auch oft in wenig verkehrsreichen städtischen Straßen zwischen den Pflastersteinen wächst.
Eine specifische Heilwirkung hat das obengenannte Kraut nicht.
Solches wird hierdurch zur Warnung für das Publikum zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Berlin den 22. Mai 1885.
Königliches Polizei-Präsidium.
In Vertr.: Fri edheim.
Ausschnitt aus Nr. 205 des Berliner Intelligenz- blatts vom 3. September 1885.
Bekanntmachung.
-Eitle amtlich angeordnete sachverständige Prüfung des von Richard Mohrmann, Hausvoigtei- platz Nr. 8a, unter der Bezeichnung „Zahnreno- vator" vertriebenen Mittels hat ergeben, daß dasselbe als pseffekmünMHaMg^-^nüßig starke Salzsäure zu erachten ist. Dieses Mittel ist nicht geeignet, die Zähne zu erhalten, sondern zerstört dieselben.
Zur Warnung für das Publikum wird Vorstehendes hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Berlin den 31. August 1885.
Königliches Polizei-Präsidium. In Vertr.: Friedheim.
Hersfeld, den 4. Mai 1886.
Das diesjährige Ober-Ersah-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am
Dienstag den 8. Juni d. I. und
Mittwoch den 8. Juni d. I.
jedesmal von Morgens präcis '/,8 Uhr an im hiesigen städtischen Rath-
gierig waren sie freilich Alle auf Eenzi; für Gundl aber stand die Herrschaft auf dem Spiele, die sie seit so vielen Jahren im Haushalte und zum Theil auch über Marlinger ausgeübt hatte. Was würde auch aus den Junggesellen werden, wenn ihre Wirthinnen sich ihrer nicht mütterlich aunähmen? Gundl hatte es dem Bauer gerade heraus gesagt, als er ihr angekündigt, daß er heirathen würde, er sollte bei seinen Jahren eher an's Sterben, als an's Heirathen denken. Cenzi's Erscheinung machte sie betroffen und als die junge Frau in der großen Stube, rechts von dem Gange, der das ganze Haus in zwei Hälften theilte, aus Mantel und Tüchern sich herausschälte, entfiel ihr das Herz, «so schön hatte sie sich Eenzi nicht vorgestellt.
Dem Geräusch und der Geschäftigkeit, welche die Ankunft der Herrschaft und das Abladen des Wagens verursachten, folgten bald Stille und Dunkelheit. Nur aus einem Fenster auf der Westseite drang noch ein matter Lichtschein und im steinigen Bette rauschte dort der Wildbach vorüber.
Gundl ächzte und stöhnte aus ihrem Lager. Es blieb ihr nur noch die eine Hoffnung, daß die Frau bei ihrer Jugend nicht viel von der Haushaltung verstehen würde. Sie war eine ehrliche und tüchtige Person und dem Lauer anhänglich; wer aber die Süßigkeit der Herrschaft einmal gekostet hat, der vermag sich ihrer nur schwer zu entwöhnen.
Als sie am nächsten Tage die junge Frau durch Stuben und Kammern, Küche und Keller sührte, entschwand ihr auch die letzte Hoffnung. Lenzt