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Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllustrirtes Hlnterhaktungsölatt".

Nr. 62.

Donnerstag den 27. Mai

1886.

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Aus den Parlamenten.

Berlin, 24. Mai. Der Reichstag trat heute in die erste Berathung des Gesetzentwurfs über die Besteuerung des Branntweins ein. Dieselbe wurde mit einem längeren Verträge des preußischen Bundesbevollmächtigten, Staats- und Finanzministers Dr. von Scholz, eingeleitet, welcher in klarer und eingehender Weise die Ziele darlegte, welche die gegenwärtige Vorlage versolgt, und welcher mit der dringenden Bitte schloß, namentlich in Anbetracht der Be­dürfnisse, welche im Reiche, wie besonders in den Einzel- staaten und in den Kommunen zu befriedigen seien, in eine eingehende und wohlwollende Prüfung der Vorlage einzutreten. Als Gegner der Vorlage erhielt daraus Ab­geordneter Richter (deutschfreisinnig) das Wort, um den Gesetzentwurf als den Versuch einer Plusmacherei darzu- stellen, wie ein solcher bisher noch nicht dagewesen sei, dem man einen entschiedenen Widerstand entgegensetzen müsse, und welchen er nach verschiedenen Richtungen hin als ge­rechtfertigt darzustellen suchte. Abg. v. Wedell-Malchow (deutschkons.) stand dagegen der Vorlage keineswegs prin­zipiell ablehnend gegenüber, empfahl aber die Prüfung der­selben in einer besonderen Kommission von 28 Mitgliedern. Der Abg. Dr. Windthorst (Centrum) betonte, daß seine politischen Freunde jeden Gedanken der Vorlage, welche zu einem Monopol sühren könnte, bestimmt entgegentreten würden, daß sie andererseits aber das Bedürfniß von Mehreinnahmen, wenn auch nicht sowohl für das Reich, so doch für die Einzelstaaten und Kommunen im gewissen Umfange anerkennten und daß sie auch den Branntwein als ein besonders geeignetes Steuerobjekt erachten müßten. Sie seien deshalb auch bereit, in eine kommissarische Be­rathung der Vorlage einzutreten. Abg. Oechelhäuser er«

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf dem Kranwethof.

Eine Geschichte aus den Alpen. Bon Robert Schweichel.

(Fortsetzung.)

Meinst Paul Hellrigel, ich kenn' mich in den Menschen so schlecht aus, daß ich aus Dank von Dir gerechnet habe? Muß ich hin sein, nachher wird's heißen: so zahlt der Tuifelebauer seine Schulden."

Hellrigel blickte finster vor sich nieder. In diesen Verdacht wollte er denn doch nicht gerathen. Marlinger fuhr fort:

»Ich hab' Dir bewiesen, daß ich ein Zutrauen zu Dir habe, sonst wär ich nicht hergekommen in die Höhle des Bären. Dabei sällt mir ein, daß jetzt die Gamsen fett sind; hast Lust, so gehen wir ein Mal wieder mitsammen in die Berge."

Hier trat die Magd unter die Thür und fragte, ob der Bauer heute gar nicht sein Frühmahl essen wollte? Es verdürbe alles.

Was, Du bist jetzt noch nüchtern nach dem gestrigen Abend?" rief Stephan.Da begreift es sich freilich, daß schlecht mit Dir reden ist. Geh jetzt und; trink auch einen Kirsch, derbringt Stimmung in den Magen. Glaub' mir, es stirbt Keiner daran, daß ihn ein Madl nicht mag. Wirst selbst noch darüber lachen. Die ganze Welt ist's nicht werth, daß sich Einer um was grämen sollte. B'hüt Gott!"

Er nickte und ging.

klärte sich Namens der nationalliberalen Partei mit dem Grundgedanken der Vorlage einverstanden, hob indeß eben­falls einige Bedenken gegen dieselbe hervor. Im Uebrigen betonte auch er die Nothwendigkeit, den Einzelstaaten und den Kommunen in ihrer bedrängten finanziellen Lage zur Hülfe zu kommen. Morgen: Fortsetzung der Berathung.

Das Abgeordnetenhaus hielt heute eine kurze Sitzung, in welcher ohne wesentliche Debatte die Gesetzentwürfe, betr. die Beseitigung der schwebenden Schuld von 30 Millionen Mark, und betr. die Gewährung eines Beitrages von 60 Millionen Mark zu den Kosten der Herstellung des Nord­ostseekanals von Seiten Preußens, in zweiter Lesung im Wesentlichen unverändert genehmigt wurden. Morgen: Fortsetzung der am Sonnabend abgebrochenen zweiten Be­rathung der Kanalvorlage.

Berlin, 25. Mai. Der Reichstag beendigte die erste Be­rathung der Brantweinsteuer-Vorlage, Nachdem der erste Redner, Abg. Delbrück, zwar seine Sympathien für den Zweck der Vorlage ausgesprochen, aber dieselbe in vor­liegender Form für unannehmbar erklärt hatte, nahm der Bundesbevollmächtigte, Finanzminister Dr. v. Scholz, das Wort, um sowohl die Bedenken des letzten Vorredners, wie auch diejenigen der gestrigen Redner zu widerlegen und dabei besonders bei einer eingehenden und entschiedenen Bekämpsung der gestrigen Ausführung des Abg. Richter zu verweilen. Abg. Bock-Gotha sprach vom socialdemokratischen Standpunkt gegen die Vorlage. Abg. Zorn v. Bulach (Elfasser) erklärte sich im Allgemeinen mit der Vorlage einverstanden, verlangte aber Berücksichtigung der kleinen Brennereien in den ReichSlanden, während Abg. Rickert (deutschfreis.) die gegenwärtige Steuerpolitik überhaupt entschieden bekämpfte und in derselben nur eine Verschie­bung der Steuerlasten zu Ungunflen der ärmeren Bevöl­kerung erblicken wollte. Abg. Dr. Buhl (nat.-lib.) dagegen hielt seinerseits die Bedürsnißfrage für zweifellos und be­tonte die Bereitwilligkeit der Nationalliberale», in eine eingehende Prüfung der Vorlage einzutreten. Die Vorlage wurde daraus einer Kommission von 28 Mitgliedern über- wiesen, und mit Rücksicht auf die Berathungen dieser Kom­mission die Plenarsitzungen aus unbestimmte Zeit vertagt.

Das Abgeordnetenhaus beendete die zweite Be- rathung der Kanalvorlage, nachdem von den verschiedenen Rednern die Gründe für und gegen die Vorlage noch ein» mal ausführlich erörtert waren Auch der Staatsminister von Boetticher nahm Veranlassung, den Standpunkt der Regierung zur Sache klarzulegen und zu betonen, daß diese Vorlage wesentlich dazu bestimmt sei, dem wirthschastlichen

Der Tuifelebauer, der die Arme über der Brust gekreuzt hatte, stand regungslos mit finstern Mienen. Er sah Marlinger weder an, noch dankte er ihm. Einen bösen Blick aber schoß er ihm nach. Dann begab er sich in die Stube, wo er sich an den Tisch setzte, die Ellenbogen aufstützte und die Finger in seinem Haar vergrub. Er starrte vor sich hin und schien es nicht zu be­merken, daß die Magd das Essen vor ihm hin- stellte. Plötzlich ergriff er die Schüssel mit beiden Händen und schmetterte sie unter einem wilden Fluche auf den Boden.

4.

Auf dem Ansitze Oppenrieder's wurde fleißig an Cenzi's Aussteuer geschaffen. Es war aus Bruneck eine Rätherin ins Haus genommen, die Tag für Tag von früh bis spät mit Scheere und Nadel hantirte. Die Bäuerin hielt ihr Versprechen, und Wäsche, Kleider, Betten, Hausgeräth, alles, was sie aus den eigenen Vorrälhen hergab oder anschaffte, war gut und reichlich. Weder der Kranwetbauer noch die Tauferer sollten sagen können, daß sie nicht bis zuletzt wie eine Mutter für Cenzi gesorgt hätte. Stephan Marlinger hätte seine Braut am liebsten gleich aus seinen Wagen gesetzt und wäre mit ihr davon gefahren. Auf sein Drängen wurde die Hochzeit auf das Ende des Monats October festgesetzt. Die Bäuerin bestand auf den Tag des heiligen Crispin, weil er ihr Namenstag war. Es gelang ihr aber nicht, den Bräutigam für denKram und Plunder", wie er die Ausstattung nannte, zu interessiren, und

geben neue Bahnen zu eröffnen, um so dem Volkswohle zu dienen. Auch würden diese Kanalanlagen dazu beitragen, die Handelsbeziehungen zwischen den verschiedenen Landes- theilen neu zu beleben, eine Gefährdung einzelner Distrikte oder Industriezweige aber sei von denselben nicht zu befürchten. Die Vorlage wurde darauf in ihren einzelnen Theilen mit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Morgen: Petitionen.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser gedenkt, wie dasD. Tgbl." hört, alsbald nach der Feier der Enthüllung des Standbildes Fried­rich Wilhelms IV. seine Sommerreisen anzutreten und sich zunächst nach Ems und dann später nach Gastein zu begeben.

Der Erbgroßherzog von Baden ist soweit herge- stellt, daß er mit Hilfe eines Stockes wieder gehen kann.

In der Sitzung der Petitionskommission des Reichstags wurde eine Petition des Verbandes der Thierschutzvereine des Deutschen Reichs, welche sich gegen die unnöthigen Quälereien beim Schlachten des Viehes wendet und Abhülfe er­bittet, dem '.Reichskanzler zur Erwägung über« wiesen.

Wie die MünchenerAllgem. 3tg" meldet, soll der Staatssecretär Graf Herbert Bismarck zum Generalstellvertreter des Reichskanzlers ernannt werden.

Ueber die Geschäftsdisposition im Reichstage verlautet, daß nach der ersten Lesung der Brannt­weinsteuervorlage, aus welcher dieselbe in eine Kommission verwiesen werden wird, die Zeit über, welche zur Vorberathung in der Kommission nöthig ist, der Reichstag sich vertagen wird.

In der Gegend von Bremerhaven sollen auf An­regung des dortigen Pastors Kronemeyer außer einer Arbeiter-Kolonie nach dem Vorbilde von Wilhelmsdorf bet Bielefeld auch eine sog.Hei-

sein Dank für alles, was sie an Cenzi that, be­stand in ironischen Bemerkungen über ihre Gut- Herzigkeit. Seine Menschenkenntnitz ließ sich durch den äußeren Schein nicht blenden. Cenzi kam kaum zur Besinnung; zuweilen aber durchfröstelte es sie mitten in aller Geschäftigkeit und die Ge­danken vergingen ihr. Sie faßte sich jedoch immer wieder rasch und ging entschlossen vorwärts. Ihrem Bräutigam trat sie innerlich nicht näher. Wie verliebt er auch in ihre Schönheit war, so sah er doch in ihr nur ein untergeordnetes Wesen, mit dem man scherzt oder zärtlich ist; weiter braucht es für sie nichts. Seine spöttische Art widersprach aber ihrem ernsten Wesen ebenso, wie seine Zärtlichkeit sie innerlich durchschauerte. Zu ihrem Glücke, wenn es ein solches genannt werden darf, konnte er nur selten nach Täufers kommen. Er hatte Maurer, Zimmerleute und Tischler im Hause, denn seitdem er auf dem Kranwethofe wirthele, war in den Wohnräumen kaum eine Ausbesserung vorgenommen worden.

Cenze's Wangen waren ein wenig blaß, allein auf ihren fein geschweiften Brauen schwebte ein entschlossener Geist, als sie, von der Muhme und ihren Freundinnen geputzt, am Hochzeitsmorgen mit Stephan Marlinger zur Kirche ging, wo sich die ganze Dorfschaft versammelt hatte. Auch Paul Hellrigel befand sich in der Menge und seine Augen glühten düster auf die schöne Braut, neben der sich Marlinger etwas kümmerlich ausnahm. Mit einer natürlichen Vornehmheit trug sie das beflitterte Brautkrönchen aus dem Haupte, von