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Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes AnterhaktungsölatL".

Dienstag den 18. Mai

Amtliches.

Hersseld, den 17. Mai 1886.

In Folge Abbruch der alten Werra-Brücke bei Widdershausen und Aufstellung einer Jnterims- Brücke wird der Verkehr auf dem Landwege Widdershausen - Dippach für die Zeit vom 18. bis 21. d. Mts. unterbrochen, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Die Jnterims-Brücke darf nur mit Lasten bis zu 20 Zentnern befahren werden.

Die Herren Ortsvorstände der dabei am ersten interessirten Gemeinden haben Vorstehendes auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

5732. Der Königliche Landrath _________ Freiherr von Schleinitz._

Hersfeld, den 15. Mai 1886.

Für den am 2. August 1867 geborenen Schnei­der Adam Rohrbach von Kerspenhausen ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsver- bande behufs Auswanderung nach Amerika nach- gesucht worden.

5683. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz. Hersfeld, den 14. Mai 1886.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekannt­machung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den Ortspolizeiver­waltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeranwalt zwecks der gerichtlichen Bestra­fung nach §_. 368, 2 des Strafgesetzbuches zur An­zeige zu bringen.

Die Königliche Gendarmerie wird thun, was ihre Pflicht ist.

Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister I den Auftrag, für thunlichste Verbreitung der hier­unter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.

5637. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Die Vertilgung der Kohlweißlinge.

Jeder Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenigen des Kohl­weißlings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt des­halb vorzugsweise der menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.

Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großer Menge an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.

Bald nachdem sich die Geschlechter gesunden, beginnt das Eierlegen an der unteren Seite kreuzblüthiger Gewächse (Raps, Meerettig re.) Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Räupchen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächse ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb 4 Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.

Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auSkriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trocknen als seuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.

Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß diese sich erstrecken

1) auf das wiederholte Aussuchen und Zerdrückender Eier welche sich, wie gesagt, auf der unteren Seite der kohl- artigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden,

2) auf das Einsammeln und Vernichten derPuppen während der Wintermonate besonders während des Januars und Februars und ganz besonders

3) aus das Fangen der der ersten Generation an gehören­den Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vor­sommer fliegen.

Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Gene­ration gar nicht bewältigt werden können.

Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.

Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Den Männchen fehlen dieselben.

Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbe. schäftigung der Jugend. Schaffe nur jeder Landwirth und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Ein­lieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetter- linge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu be­trauen.

Stadt- und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen prämiiren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Harurode.

Aus dem Landtage.

Berlin, 14. Mai. Das Abgeordnetenhaus erledigte zu­nächst eine Rechnungssache und ging dann zur Berathung des Lehreranstellungsgesetzes für die östlichen Provinzen in dritter Lesung über. Abgesehen von einem Kompromißan- trage, der lediglich eine redaktionell bessere Formulirung der Beschlüsse zweiter Lesung bezweckt, lag zu demselben außer einem Abänderungsantrage zu §. 2, den Landkreis

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf dem Kranmethof.

Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert SchweicheI. (Fortsetzung.)

2.

Auf allen Straßen wanderten die Menschen zu Wagen, zu Pferde und zu Fuß nach Bruneck und auch die Eisenbahnzüge, die von der Eisack herauf- kamen oder zwischen den Bergen des oberen Rienz- thales wie schwarze Riesenwürmer sich hervor- wanden, entluden auf der Station vor dem feinen Städtl eine Menge Leute. Denn es fand in dem Orte, der sich mit seinen beiden Kirchen wie eine Perlenschnur an dem Fuße des Berges hinzieht, den die ehemalige Sommerresidenz der Bischöfe von Brixen krönt, der berühmte Viehmarkt statt, zu dem Verkäufer und Käufer nicht bloß aus dem Jnlande sich einzufinden pflegten. Die Pusterer sind ein munteres Völklein, und da es zudem ein schöner Morgen war, so wurden zwischen Fahren­den und Wandernden manche heiteren Zurufe und Scherze ausgetauscht. Auch Joseph Oppenrieder, hinter dessen breitem Rücken seine Frau und Cenzi, beide aufs beste geputzt, saßen, war in guter Laune, die sich jedoch seiner Würde und Beliebtheit gemäß, mehr in seinen Erwiderungen kund that, als in der Initiative, die er selten ergriff. Er hatte zwei Sterken, mit denen der Großknecht noch in der Nachta usgebrochen war,zu Markte geschicktund .lenkte nun selbst dengroßen starkknochigen Schecken.

Je näher man Bruneck kam, je belebter wurden die Straßen und nachdem der würdig einhertrottende Schecke die Barriere der Eisenbahn passirt hatte, konnte er bald nur noch im Schritte und mit Unterbrechungen vorwärts kommen. Die breite, schattige Promenade, die sich an der Stelle des ehemaligen Stadtgrabens im Norden vor dem alterthümlichen Thore bis zur Rienz erstreckt, diente zum Marktplatze. Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine erfüllten die Lust mit ihrem dumpfem Brüllen und Hellem Gewieher, mit Blöken, Meckern, Grunzen und von der Wiese am Flußufer her vermehrten Drehorgeln, Trompeten und große Trommeln mißtönend den betäubenden Lärm. Dort waren die buntbewimpelten Zelte der Marke­tender und Küchler und allerlei Schau- und Glücks­buden und Karousfels aufgeschlagen,

Nu man statt* rief Oppenrieder seinem Schecken zu und faßte die Zügel straffer. Es gelang ihm auch sein Gefährt durch das Gedränge und das niedrig gewölbte Thor, das dem Flugloche eines Bienenkorbes glich, ohne Havarie in die Stadt zu bugsiren. Vor dem Adler, wo er einkehrte, wartete schon der Großknecht auf ihn. Während er mit diesem, der die beiden Jungkühe am Seil führte, auf den Markt ging, besorgten die Bäuerin und Cenzi, nachdem sie sich von dem Staube gesäubert, zunächst ihre wirthschastlichen Einkäufe und die Marktgeschenke für das Gesinde. Die lange Haupt­straße war voll Menschen unter denen sie vielen Bekannten begegneten. Aus allen Schenken und Gasthäusern erklang Musik; überall wurde gezecht,

gespielt, gesungen und getanzt. Frau Oppenrieder brauchte in den Läden nicht zu warten, bis die bereits anwesenden Käufer abgefertigt waren. Man stellte ihr und Cenzi sogleich Stühle hin und be­eilte sich, die stattliche Frau, die als gute Kundin bekannt war, zu bedienen. Sie trat denn auch mit dem Vollbewußtsein ihres Werthes auf, wählte zwar lange, ehe sie sich entschloß, machte aber wenig Worte und feilschte nicht. Cenzi ging da­bei nicht leer aus. Die Muhme kaufte für sie schillerndes Seidenzeug zum Mieder und Band zu Gürtel und Schleifen. Cenzi behauptete bet Allem ihren nachdenklichen Ernst, der nur zuweilen in einem flüchtigen Lächeln verschwand.

Oppenrieder war noch aus dem Markte, als die Peinigen in den Adler zurückkamen. Befreundete rückten in dem Gastzimmer zusammen um ihnen an ihrem Tische Platz zu schaffen, Man stärkte sich mit Speise und Trank und beschloß, die Markt­buden auf der Wiese gemeinschaftlich zu besuchen Aber über den Köpfen vollführten die Tanzenden ein zu verlockendes Gestampfe für die Jugend, und diese flog bald auf. Die Mütter folgten, um zu- zuschauen und zu kritteln. Der Sohn des Post­halters von Täufers führte Cenzi in den Tanzsaal, in welchem trotz der offenstehenden Fenster und Thüren eine Wüstengluth herrschte. Cenzi kam wenig zum Ausruhen. Denft fehlte es auch nicht an hübschen Dirnen im Saale, so war sie doch unstreitig die hübscheste. Sie sah ihrem Vater ähnlich und ihre schlanke groß emporschwelleude /

Gestalt, sowie das reine Oval ihres Gesichtes mit