15. Station Widdershausen, umfassend die Gemeinden Widdershausen, Kleinensee und Leimbach.
Impfung:Sonnabendden5.JuniVormittags11Uhr. Revision:Sonnabendden12.JuniVormiitags11Uhr.
16. Station Heringen,
umfassend die Ortschaften Heringen, Bengendorf, Lengers und fiscalische Oberförsterei Heringen. Impfung: Sonnabendden5.JuniNachmittags1Uhr. Revision:Sonnabendden12.JuniNachmittags1Uhr. 17. Station Heimboldshausen,
umfassend die Ortschaften Heimboldshausen, Wöl- fershausen, Harnrode und fiscalische Oberförsterei Heimboldshausen.
Impfung: Sonnabendden5.JuniNachmittags4Uhr. Revision:Sonnabendden12.JuniNachmittags4Uhr.
In der Stadt Hersfeld findet die Impfung und Revision im oberen Rathhaussaale statt; in den übrigen Jmpfstationen des Kreises werden hierzu die Schulräume benutzt.
Die Impfung wird seitens des Jmpfarztes auf den vorstehend bezeichneten Jmpfstationen und in den betreffenden Terminen unentgeltlich ausgeführt. Außer denjenigen, welche sich aus freier Ent- schließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1886,
1) jedes im Jahre 1885 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugniß die natürlichen Blattern überstanden hat.
2) die Kinder, welche im Jahre 1884 oder früher geboren und im Jahre 1885 ohne Erfolg, ohne genügenden Erfolg oder gar nicht geimpft worden sind, sofern sie nicht nach ——ärztlichem Zeugnisse die natürlichen Blattern überfirmdr^chaben,
3) jeder SchüleHner-sffeutlichen Schule oder Privatschule, welcher
a) in diesem Jahre das 12/Oebdnsjahr zurückgelegt hat bezw. zurücklegt oder b) den Nachweis der geschehenen Impfung, resp, wenn er über 12 Jahre alt ist, auch den der Wiederimpfung nicht erbracht hat.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben Vorstehendes, namentlich aber die Termine, alsbald auf ortsübliche Weise zu wiederholten Malen bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß alle zu impfenden Kinder und Schüler pünktlich an Ort und Stelle sind. Bei den Bekanntmachungen ist gleichzeitig nachdrücklichst darauf aufmerksam zu machen, daß nach §14 des oben erwähnten Gesetzes, Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche den ihnen obliegenden Nachweis, daß die Impfung ihrer Kinder oder Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist, zu führen unterlassen, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mark und Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebefohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz erfolgter amtlicher Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Revision entzogen geblieben sind, mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft werden.
Die Herren Lehrer haben ebenfalls, als Vorsteher der Schulanstalten, die Verpflichtung, bei der Aufnahme von Schülern durch Einfordern der vorgeschriebenen Bescheinigungen festzustellen, ob die gesetzliche Impfung erfolgt ist, bezw. dafür zu sorgen, daß die während des Besuchs der
sagte nichts und ließ den Rest ihres Kaffees kalt werden.
„Nu, es wird sich schon noch einer für Dich jnden," fuhr die Muhme tröstend fort. „Du ver- tehst Deine Sach', bist fleißig und brav und eine eine Gitsche bist Du auch. Gelt, es wäre vcr- ounderlich, wenn Du nicht einen rechtschaffenen Mann kriegen thätest. Und eine gute Ausrichtung geben wir Dir auch, dafür werd ich schon sorgen. Die Leut' sollen uns nicht nachsagen können, daß Du aus unserm Haus herausgehst, wie Du hereingekommen bist."
«Sie hielt inne, als ob sie den Dank Cenzt's erwartete. Diese aber, der die Wangen wie Feuer glühten, vermochte nur stumm zu nicken. Die Muhme fuhr fort:
„Eile hat es ja auch nicht. Denn das sollst Du nicht glauben, daß wir Dich nicht gern bei uns haben. Da ich Dich wie ein eigen Kind ausgenommen habe, so ist's auch meine Pflicht, daran zu denken, daß Du versorgt bist, wenn der Bauer sich einmal zur Ruhe setzt. Bet seiner Bölligkeit fällt ihm das Schaffen halt schon beschwerlich. Ehe mein Franzl aber nicht heimgekommen ist, möchte ich Dich nimmer gern missen."
Sie trank ihren Kaffee bedächtig aus und strich die Brodkrümchen von ihrem Fürtuche. Cenzi starrte einige Sekunden lang in ihre Tasse; dann leerte sie dieselbe hastig und räumte das Geschirr ab. Zu ihrem Klöppelkissen aber griff sie nicht wieder. Es wäre ihr unmöglich gewesen, mit all' den Gedanken, die hinter ihrer weißen Stirn sich
Anstalt impfpflichtig werdenden Zöglinge dieser Verpflichtung genügen.
Selbstredend haben die Herren Bürgermeister der Jmpfstationsorte für Bereithaltung des Jmpf- locals und Stellung der erforderlichen Schreibhülfe beim Jmpfgeschäft Sorge zu tragen. Endlich mache ich noch auf die neuerdings zur Sicherung der gehörigen Ausführung des Jmpf- geschäfts ergangenen Vorschriften im Amtsblatt Nr. 23 pro 1886 besonders aufmerksam. Hiernach hat u. A. ein Vertreter der Ortspolizeibe- Hördec und für die Wiederimpfung ein Lehrer in dem betr.Jmpfgeschäftstermine zur Unterstützung des Jmpfarztes und zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu erscheinen.
5430. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.
Zu der Mittwoch den 19.d. Vormittags 10 Uhr im Gasthause zum Stern dahier stattfin- denden amtlichen Frühjahrs-Conferenz des Bezirks H e r S f e l d I werden die Herrn Lo- calschulinspectoren und Lehrer hierdurch ergebenst eingeladen.
Hersfeld, den 13. Mai 1886.
Der Oberschulinspektor: Hosbach. __ Cassel, den 4. Mai 1886.
Bekanntmachung.
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen wieder eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildungen f.Stadt) unterhalten werden.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde.
Aus dem Landtage.
Berlin, 12. Mai. Das Abgeordnetenhaus beendigte die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Anstellung und das Dienstverhällniß der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen im Gebiete der Provinzen Westpreußen und Posen. Zur Debatte kam allein noch der §. 3, welcher nach der Regierungsvorlage lautet: „Der Staat übernimmt rücksichtlich der Unterhaltung der Volksschulen auf dem Lande diejenige Verpflichtung, welche durch die Vorschrift des §. 33, Tit. 12 Theil II des Allgemeinen Landrechts den Gutsherrschasten aus dem Lande gegenüber ihren damaligen Unterthanen auserlegt wurde." Dazu hatte noch der Abg. von Rauchhaupt (tonf.) den Zusatz beantragt: bezw. §. 56 der Schulordnung vom 11. Dezember 1845". Die Kommission hat den § 3 abgelehnt; das Haus trat auch nach längerer Berathung dem Kommissionsantrage bei, obwohl der Herr Kultusminister Dr, von Goßler dargelegt hatte, wie sehr die Regierung die Ausrechthaltung dieser Bestimmung wünsche. — Demnächst ging das Haus zur Berathung des Antrages Knebel (nat.-lib.), betreffend Maßregeln gegen die Ausbeulung einzelner Bevölkerungsklaffen bei Geld- und sonstigen Geschäften, über, zu dem von freikonservativer Seite ein den Zweck deffelben mehr verallgemeinernder Antrag gestellt war. Die Tendenzen des von dem Anträge Knebel gestellten Antrages wurden von allen Seiten gebilligt, nur wurde von den verschiedensten Rednern, auch von dem Herrn Minister des Innern dargelegt, daß die Mittel, welche der Antragsteller vorschlage, um den von ihm erstrebten nützlichen Zweck zu erlangen, bedenklich seien und dem Zwecke wie der Sicherheit der Sparkassen nicht entsprechen würden. — Der Antrag auf kommissarische Berathung wurde abgelehnt; ebenso der Antrag Knebel selbst, dagegen der freikonservative Antrag angenommen. — Morgen: zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Staatszuschuß zu den Kosten des Altonaer Zollanschlusses; Rechnungssachen; Petitionen.
Berlin, 13. Mai. Das Abgeordnetenhaus genehmigte nach kurzer Diskussion den Gesetzentwurf, betr. den Beitrag des Staates zu den durch den Anschluß der Stadt Altona an
verworren kreuzten, still zu sitzen. Sie band das in ein Dreieck gelegte Tuch wieder über ihr Haar und stieg nun doch noch auf's Feld hinauf, um bei dem Aufladen zu helfen. Die Bäuerin ließ es geschehen. Der Brief an Franz wurde heute nicht geschrieben.
(Fortsetzung folgt.)
— G e ra, 10. Mai. (Ein Hund ist der Entdecker eines Raubmörders'geworden.) Um die Mittagszeit des 10. November v. Js. fand der Pflegefohn der verwittweten Pfandverleiherin Zetzsche feine Mutter in einer Blutlache in der Küche fast leblos liegend. Aus dem erbrochenen Sekretär waren etwa 300 Mk. geraubt. Der sorgsamsten Pflege gelang es, die Frau am Leben zu erhalten. Längere Zeit war von dem Raubmörder keine Spur zu entdecken; eines Tages fiel der Frau das Benehmen ihres Hundes dem sie öfters besuchenden Handarbeiter Meißner gegenüber auf. Sobald der Hund dieses Mannes ansichtig wurde, zog er den Schwanz ein und verkroch sich scheu in die Ecke. Dies wiederholte sich bei jedesmaligem Begegnen. Hieraus schöpfte die Frau Verdacht gegen Meißner, theilte der Polizei ihre Wahrnehmung mit und der scharfen Beobachtung derselben gelang es, noch verschiedene Verdachtsmomente aufzufinden, auf Grund deren Meißner verhaftet und in der letzten Schwurgerichls- sitzung zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde. Von allen Verdachtsspuren hatte der Hund der Frau Zetzsche, der offenbar Zeuge des Verbrechens war, die überzeugendsten gegeben.
— Aus Diedenhosen schreibt man vom 8.
d. Mts.: Ein bedauerlicher Vorfall ereignete sich heute Nachmittag im kameradschaftlichen Kreise der 5. Compagnie des 8. Rhein. Infanterie-Regiments Nr. 70. Mit Mannschaften zu Schießübungen com« mandirt, schössen auch die beiden Sergeanten Hart- mann, ein geborener Berliner, und Chilius der genannten Compagnie mit „Zielgewehren" nach einem Baume. Chilius hatte seinen Schutz abgegeben und wollte sich von dessen Wirkung überzeugen, als unversehens Hartmann sein Gewehr abfeuerte und seinen Waffengenossen am Unterleib verwundete, so daß Chilius zusammenstürzte. Ohne mit irgend Jemand noch ein Wort zu sprechen, eilte Hartmann in die Caserne und jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Der Tod trat augenblicklich ein. Die Verwundung des alsbald nach dem Gar- nisonlazareth verbrachten Chilius ist eine ziemlich ernste.
— Ein sonst ganz harmloses Pferd in D r e s d e n bitz ganz plötzlich und ohne jede Veranlassung am Sonnabend dem ihm die Tränke verabreichenden Kutscher die Nase ab und zwar derart, daß das abgebissene Stück vollständig verschwunden ist und wahrscheinlich vom Pferde verschluckt wurde.
— (Ein pikanter Dialog.) Zwischen dem Director eines größeren Provinzialtheaters und einer Schauspielerin fand kürzlich folgender pikante Dialog statt: Director: „Alle Wetter, Sie kommen schon wieder zu spät zur Probe! Schauspielerin: „Ja, ich mußte mir erst mein Haar kräuseln lassen !„ Director: „Dazu war Ihre Gegenwart doch nicht nöthig!"
das deutsche Zollgebiet veranlaßten Kosten, unverändert in zweiter Lesung; ertheilte für die Rechnungen der Lasse der Oberrechnungskammer für 1884/85 Decharge und beschäftigte sich dann mit Petitionen. Eine lange Debatte knüpste sich dabei an die Petition der Mitglieder des Gemeinderaths zu Rheinbrohl, betr. die Kosten für die außerordentlichen polizeilichen Maßregeln in Rheinbrohl im Februar 1882, die schließlich aber durch Uebergang zur Tagesordnung ihre Erledigung fand. Eine Petition von Einwohnern aus den vier ostpreußischen Kreisen Allenstein, Rössel, Ortelsburg und Sensburg um anderweite Regelung des deutschen Sprachunterrichts in der von Kindern polnischer und littau« ischer Zunge besuchten Volksschulen, wurde in Erwägung, daß das Ermland eine ganz überwiegend deutsche Bevölkerung hat und ein Bedürfniß zur besonderen Pflege der polnischen Sprache in der Volksschule im Allgemeinen nicht besteht, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Bezüglich einer Petition der Oberin und mehrerer Schwestern des aufgehobenen geistlichen Unterrichts- und Erziehungsinstituts zu Münstereifel um Entschädigung, wurde einfache Tagesordnung beschlossen. Morgen: dritte Lesung des Lehreranstellungsgesetzes.
In Frankreich
erblickt man in dem Zusammengehen der Mächte gegen Griechenland den Beweis, ,.daß gegenwärtig alle Cabinette, England leider nicht ausgenommen, der Leitung des Auswärtigen Amts in Berlin folgen." Weshalb sich Frankreich von den übrigen Mächien getrennt, bildet den Gegenstand lebhafter Erörterungen in der gesammten Presse. Zweifel- los hat es Griechenland durch sein Verhalten zum Widerstände gegen Europa ermuthtgt. Der englische Staatssecre- tär des Auswärtigen meinte trotzdem am Montag im Oberhause, das Einvernehmen der Mächte sei glücklicher Weise aufrecht erhalten worden, obwohl Frankreich allein vorgehe, ohne Zweifel in dem gleichen Wunsche, zu einer friedlichen Lösung zu gelangen. Oesterreich, Italien, Deutschland und Rußland befänden sich im Einklänge mit England, das sei sehr wichtig, denn ohne Zweifel würden die Bemühungen der Mächte im Zusammenhang mit der parallelen Action Frankreichs von Erfolg begleitet sein.
Die Haltung Frankreichs ist gleichwohl beachtenswerth und verdient weitere Aufmerksamkeit. Der Kriegsminister Boulanger hat soeben in einer Ansprache, die er bei Besichtigung der Militärschule von Saint Cyr gehalten, durchblicken lassen, wie lebendig gerade jetzt wieder die chauvinistischen Hoffnungen in Paris sind. „Vergeht niemals — so sagte er zu den jungen Leuten — daß die Heere ein Herz wie einen Kops haben und daß die Erziehung des Soldaten mit seiner Jnstruction eng verknüpft sein muß. Gebt euch rückhaltlos den Ideen eures Jahrhunderts hin; laßt euch von dem Hauch des Fortschritts durchdringen, der euer bevorrechtigtes Geschlecht so weit und hoch bringen wird. Bereitet euch aus die hohe Aufgabe der heutigen Armee vor, um die sich im Interesse des Vaterlandes aller guter Wille und alle Opferwilligkeit unseres edelmüthigen Landes schaart. Auf Wiedersehen, meine theuren Kameraden; gern möchte ich längerere Zeit in eurer Mitte weilen, denn mit Wehmuth betrete ich diese Stätte jetzt wieder; vor dreißig Jahren war ich Zögling dieser Anstalt und vor zwanzig Jahren als Hauptmann hier thätig; heute aber kommt es mir vor, als ob ich sie erst gestern verlassen, um in den Krieg zu ziehen und durch die Welt zu marschiren, hinter dieser theuren dreifarbigen Fahne, deren Falten unsere Zukunftsträume bergen, dieser Fahne, die wir um so mehr lieben müssen, als sie nach ruhmvollen Tagen auch trauervolle kennen lernte. Aber sie wird die Tage des Ruhmes wieder erleben, davon bin ich überzeugt, mehr als je habe ich die Ueberzeugung, seit ich eure erhabenen patriotischen Gesinnungen kennen gelernt und in euren Augen den edlen Wahrspruch gelesen habe, welcher der Leitstern eines jeden Officiers sein muß, der des Namens eines Franzosen thatsächlich würdig sein will, und der da lautet: „Alles für Frankreich!"
Das osficiöse „Paris" macht diesen Kohl noch fett, indem es der Ansprache des Kriegsministers folgende „Erläuterungen" hinzufügt:
„Wir erfahren aus der Rede des Kriegsministers, daß derselbe in die Vertheidigungsmittel Frankreichs vollständiges Vertrauen setzt. Das muß uns genügen, denn es liegen die Beweise Dafür vor, daß der Kriegsminister nicht