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Nr. 57.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Mustrirtes IlnterhaktungsßlatL".
Sonnabend den 15. Mai 1886.
Amtliches.
Bekanntmachung, betreffend die Ausreichung neuer Zinsscheine (Reihe IV) zu den Schuldverschreibungen des vormals kurhessischen Staatsanlehns vom 1. Juni 1863.
Der Absatz 2 unserer Bekanntmachung vom 16. v. M. wird dahin berichtigt, daß nicht durch Vermittelung der Königlichen Staatsschulden- Tilgungskasse, sondern durch Vermittelung der Königlichen Kontrolle der Staats- papiere zu Berlin die neuen Zinsscheine (Reihe IV) zu den Schuldverschreibungen des vormals kurhessischen Staatsanlehns vom 1, Juni 1863 bezogen werden können.
Sodann ist am Schlüsse der obengedachten Bekanntmachung für das letzte Wort „entspricht" — verspricht — zu lesen.
Caffel, den 3. Mai 1886.
KöniglichesRegierungs-Präsidium. Magdeburg.
Hersfeld, den 13. Mai 18867“
Die Herren Ortsvorstände des Kreises benachrichtige ich davon, daß in Ausführung des Reichs- Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 im Kreise Hersfeld die Jmpfstationen bezw. Impf- und Revisions-Termine für das Jahr 1886 wie folgt bestimmt worden sind.
1. Station Hersfeld.
Impfung: Mittwoch den 2. Juni, Vormittags 9 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1885 geborenen Kinder der Stadt Hersfeld und der Restanten.
Revision: Mittwoch den 9. Juni Vormittags 9 Uhr.
Impfung: Sonnabend den 5. Juni Vormittags 9 Uhr, Erstimpfung bezw. Wiederimpfung der - Kinder und Schüler aus den Gemeinden Kalkobes, Allmershausen mit Hählgans,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweiche!.
(Fortsetzung.)
Frau Oppenrieder hielt Cenzi davon zurück; sie wollte in der Abwesenheit ihres Mannes an Franz schreiben, wobei sie Cenzis Beistand nicht entrathen konnte. So legte diese denn wieder das Tuch ab, das sie zum Schutze gegen die Sonne über den Kopf gebunden hatte, enlschürzte ihre Röcke und setzte sich mit ihrem Klöppelkissen hinter den Blumen an ein Fenster. Die Mädchen von Täufers verstehen sich vortrefflich auf das „Klöckeln", und wenn ihre Spitzen auch nicht mit denen der Frauen von Chioggia sich messen können, so sind es immerhin zierliche Arbeiten von hübschem Muster, und der Spttzen-Schellt, der sie zum Verkauf im Lande umhertrug, fand gute Abnahme und die von Cenzi geklöckelten Spitzen gehörten zu seiner besten Waare. Eine Weile vernahm man in der großen Stube die ganz mit alters- braunem Zirbelholz ausgetäfelt war, nichts als das Ticken der Kuckucksuhr. Die Bäuerin sann auf dem Armstuhl ihres Mannes über ihren Brief und betrachtete dabei das Mädchen, deren weiße, wenn auch nicht weiche Hände sich fleißig regten.
Sie ist doch bildfein, dachte sie bet sich und es tauchte in ihr die Furcht auf, daß sie ihrem Franz! wohl gar die Christ! verleiden könnte. Den Buben stächen die hübschen Gitschen gar zu sehr in die Augen.
Heenes, Meisebach, Eichhof und fiscalische Oberförsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld.
Revision: Sonnabend den 12. Juni Vormittags 9 Uhr.
2. Station Sorga, umfassend die Ortschaften Sorga, Kathus, Petersberg, Wilhelmshof und Oberrode.
Impfung: Dienstag den 8. Juni Nachmittags 4Uhr. Revision: Dienstag den 15. Juni Nachmittags 4 Uhr.^
3. Station Friedlos, umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach und fiscalische Oberförsterei Meckbach.
Impfung: Mittwoch den 9. Juni Nachmittags 4Uhr. Revision: Mittwoch den 16.Juni Nachmittags4Uhr.
4. Station Asbach,
umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.
Impfung: Montag den 21.Juni Nachmittags 2 Uhr. Revision: Montag den 28. Juni Nachmittags 2 Uhr.
5. Station Kerspenhausen, umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilper- Hausen, Roßbach, Holzheim, Kruspis, Stärklos und fiscalische Oberförsterei Niederaula.
Impfung: Montag den 21.Juni Nachmittags 4Uhr. Revision: Montag den 28. Juni Nachmittags 4 Uhr.
6. Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Niederaula, Mcngs- Hausen, Solms, Niederjossa, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach. Impfung: Mittwoch den 23. Juni Vormittags 91/, Uhr,
Revision: Mittwoch den 30. Juni Vormittags 9'/z Uhr.
7. Station Kirchheim,
umfassend die Ortschaften Kirchheim, Reckerode, Gershansen, Goßmannsrode und Rotterterode. Impfung: Mittwoch den23.JuniNachmittags2Uhr. Revision: Mittwoch den30.JuniNachmittags2Uhr.
„Also der Hellriegel hat um Dich angehalten," begann sie plötzlich. „Es ist ein Jammer, wie er seine Wirthschaft verlumpen läßt. Er vermeint, den Teixl bei den Hörnern packen zu können, aber eine Frau, wo das Herz auf dem rechten Fleck hat, würd' ihn schon noch zur Ordnung bringen. Solche Ehen weisen sich hinterher oft als die besten aus."
Cenzis himmelblaue Augen zuckten groß fragend von dem Klöppelkissen zu ihr hinüber, und sie beeilte sich ihren Worten die Erklärung hinzuzu- fügen:
„Mir thut halt seine Mutter leid, die ist brav und sieht nach dem Rechten soviel sie kann. Aber sie ist nicht die Herrin und die Knechte gehorchen ihr schlecht. Es braucht eine Bäuerin auf dem Hof."
Cenzi ließ die Bemerkung unbeantwortet und auch die Muhme schwieg eine Weile. Dann sagte sie:
„Du könntest mir einen Kaffee machen, Kind. Das Kraut war ein Biß! zu sehr geschmalzt." — „Mach' gleich genug für uns beide", rief sie dem in die Küche sich begebenden Mädchen noch nach.
Als darauf beide an der Ecke des sauber gescheuerten Eichentisches vor dem duftenden Tränke saßen, nahm Frau Oppenrieder wieder das Wort, indem sie sich eine Fülle goldgelben Rahms in ihre Tasse schüttete.
„Ja, was ich sagen wollte! — Aber ich könnte halt ein Bißt was dazu essen. Hol' doch die Butter und das Brod l Ja, Kind, ich sorg' mich
8. Station Frielingen,
umfassend die Ortschaften Frielingen, Allendors, Gersdorf, Heddersdorf und Willingshain.
Impfung: Mittwoch den23.JuniNachnnttags4Uhr. Revision: Mittwoch den30.Juni Nachmittags 4Uhr.
9. Station Schenklengsfeld,
umfassend die Ortschaften Schenklengsfeld, Oberlengsfeld, Wehrshausen, Hilmes, Conrode, Lam- Pertsfeld, Landershausen, Unterweisenborn, Wüst- ;eltv Malkomes, Schenksolz, Dünkelrode, Motz- eld und Hillartshausen.
Impfung: Freitag den 25. Juni Vormittags 9 Uhr. Revision: Freitag den 2. Juli Vormittags 9 Uhr.
10. Station Ransbach,
umfassend die Ortschaften Ransbach und Ausbach. Impfung: Freitag den 25. Juni Nachmittags 2Uhr. Revision: Freitag den 2 Juli Nachmittags 2 Uhr.
11. Station Philippsthal,
umfassend die Gemeinden Philippsthal und Röhrigshof mit Nippe.
Impfung: Freitag den 25. Juni NachmittagsöUhr. Revision: Freitag den 2. Juli Nachmittags 5 Uhr.
12. 'Station Unterhaun, umfassend die Ortschaften Unterhaun, Oberhaun, Eitra, Sieglos, Rotensee, Wippershain, i Bien- gartes und fiscalische Oberförsterei Wippershain. Impfung: Montag den 5. Juli Nachmittags 4 Uhr. Revision: Montag den 12. Juli Nachmittags 4 Uhr.
13. Station Obergeis,
umfassend die Ortschaften Obergeis, Untergeis, Aua, Gittersdorf, Biedebach und fiscalische Oberförsterei Neuenstein.
Impfung: Mittwoch den 7.Juli Nachmittags4Uhr. Revision: Mittwoch den 14.Juli Nachmittags4Uhr.
14. Station Friedewald,
umfassend die Ortschaften Friedewald, Lauten- Hausen, Gethsemane, Herfa, Unterneurode und fiscalische Oberförsterei Friedewald.
Impfung: Mittwoch den2.JuniNachmittags3Uhr. Revision: Mittwoch den 9. Juni Nachmittags 3Uhr.
um Dich, Du kannst es mir glauben," und sie be. strich sich einen Brodschnitt dick mit Butter.
„Aber warum?" fragte Cenzi. „Ich könnte mir ja gar nichts mehr wünschen, Muhme."
Diese schüttelte mit vollem Munde den Kopf und nachdem sie ein Schlückchen aus ihrer Tasse geschlürft, noch ein Stück Zucker hineingethan, sagte sie umrührend:
„Daß Du den Tuifelebauer abgewiesen hast, kann ich Dir nicht verübeln, aber hetrathen mußt Du doch einmal."
„Ich mag aber nicht," erwiderte Cenzi, die ihr mit gespannten Brauen zugehört hatte. „Wozu denn? Ich kann schon allein bestehen, wenn es sein muß." ~ _
Sie führte entschlossen ihre Tasse zum Munde.
„So reden die Madien alle, wann sie noch keinen am Band! haben," versetzte die Bäuerin. „Zer- brochene Töpfe giebt es freilich in jedem Haus, halt; darum geht es sich doch besser zu zweien als alleine. Ein einzelnes Weibsbild ist übel dran in der Welt, wenn es ihr auch sonst an nichts fehlt." Sie leerte ihre Tasse und als Cenzi nach der Kanne griff, um ihr frisch einzuschenken, meinte sie, eine halbe leide es schon noch, und fuhr dann fort: „Wenn die Mannsleute nur mehr nütze wären. Die wollen heutzutage aber alle gar hoch hinaus. Es ist ihnen keine reich genug. Bon dem Hellriegel verwundert^ mich schier, daß er nicht aufs Geld steht. Just er könnt' es brauchen. Von der Lieb' wird halt keiner satt."
Cenzi kraulte unmuthig die Stirn; aber