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wenig überrascht, als sie in seinem stets wohlver­schlossen gehaltenen Pulte die Summe von 120,000 Mark in Werthpapieren vorfand. Die alte Frau erinnert sich jetzt, daß sie vor Jahren einmal ge­hört hatte, ihr Sohn habe in der Lotterie ge­wonnen, er hatte dies jedoch stets in Abrede gestellt. Nun scheint es, daß die Einkehr Fortunas damals doch Wahrheit gewesen ist. Der Schatz kommt der Frau an ihrem Lebensabend sehr gelegen, denn sie war als Wittwe von den Liebesgaben ihrer Kinder abhängig.

Vermischtes.

B e r l i n, 11. Mai. (Drei Monate Gefäng­niß für einen Kuß.) Ein hiesiger Zahntechniker wurde gestern durch Urtheil der 88. Abtheilung des Schöffengerichts zu drei Monaten Gefängniß ver- urtheilt, weil er einer jungen Dame, welche sich bei ihm die Zähne plombiren ließ, nach beendeter Operation einen Kuß geraubt.

(Neues Seiten gewehr.) Die Mann­schaften des Elisabeth-Regiments in Spandau tragen jetzt ein Seitengewehr, welches nicht viel größer als ein Dolch ist. Dasselbe bildet das Bajonnet des neuen Repetirgewehrs. Das Gewehr hat übrigens seine Probezeit bestanden und soll, wie man hört, bei der Armee eingeführt werden. In der Span­dauer Gewehrfabrik soll Tag und Nacht an der Fertigstellung der neuen Waffe gearbeitet werden.

Köln, 9. Mai. HeuteAbend 6 Uhr brach in dem Petroleumschuppen des ehemaligen Köln- Mindener Bahnhofes in Deutz ein heftiges Feuer aus. Nach mehrstündiger Löfcharbeit gelang es den Feuerwehren von Köln und Deutz, die weitere Aus­breitung des Feuers zu verhindern.

Nord Haufen, 8. Mai. Ein vor fünf Jahren in Magdeburg desertirter Musketier von der achten Kompagnie des 26. Infanterie-Regiments, welcher damals seine Uniform in die Elbe geworfen und unter Annahme eines falschen Namens noch längere Zeit in Magdeburg als Steinmetz ge­arbeitet, später aber nach einigen Irrfahrten hier in Nordhausen in Arbeit getreten, ist ermittelt und verhaftet worden. Nach langem Leugnen halber endlich ein Geständnis abgelegt und ist heute unter militärischer Eskorte nach Magdeburg transportirt" worden.

Wesel, 8. Mai. Lieutenant Schlüter, der Führer der letzten Expedition der Deutschen Ost- asrikanischen Gesellschaft nach dem Nyaffa-See, ist heute wohlbehalten zurückgekehrt.

Darmstadt. Das hessische Ministerium hat aus das Gesuch um Erlaubniß zur Errichtung eines Leichenverbrennungsosens hierselbst einen voll­ständig ablehnenden Bescheid ergehen lassen.

Gießen, 9. Mai. Dieser Tage ist zwischen Gunzenau und Steinau auf einen tzandwerksburschen Martin Worster ein Raubmordversuch verübt und dem W., nachdem er in Folge des Blutverlustes ohnmächtig zusammengebrochen, seine gesammte Laarschast und Papiere gestohlen worden. Der That dringend verdächtig ist ein 28jähriger Mensch von mittlerer, kräftiger Statur mit bleichem Ge­sicht und hellblondem, kleinem Schnurrbart. Der Raubgeselle, der Julius Ackermann heißen soll, wird allem Anschein nach unter dem Namen des Beraubten Weiterreisen.

H irschberg, 5. Mai. DerSchl. Zig."

wird geschrieben: Während eines der letzten starken Gewitter ist von einem Hause in der Wilhelm- straße aus, das seltene Phänomen eines Kugelblitzes beobachtet worden. Eine blendende Feuerkugel (von der Größe einer mittleren Kegelkugel) zog in flachem Bogen quer über die Wilhelmstraße, wenig höher als die Telegraphendrähte, und senkte sich mitten auf einem Bauplatze an der Ecke der Wilhelm- und der Jnspectorstraße zur Erde herab, erhob sich aber sofort unter schwachem Gewitter wieder und flog in einem mächtigen Bogen über die Häuser hinweg. Hinter dem Gymnasialgebäude verschwand die Feuerkugel.

R a t h e n o w , 10. Mai. An dem Jahres­tage des Ablebens des Prinzen Friedrich Karl, dem 15. Juni, wird zum Andenken an denselben von dem Ziethen-Husaren-Regiment ein Denkste n auf dem Reitplatz hierselbst errichtet werden.

Kiel, 10. Mai. Der Marine-ArztWolffist wegen seines Duells zu drei Jahren Festung ver- urtheilt worden.

W e tz i k o n. Am Mittwoch Nachmittag wollte sich eine 27 Jahre alte Frau einige Zähne ausziehen lassen. Zu dieser Operation wurde sie chloroformirt; sie wachte aber nicht mehr auf.

Münden, 9. Mai. Heute Abend 6 Uhr erschoß sich hier der Forstakademiker Richter beim Forstort Kattenbühl. Motiv unbekannt.

(Maikäferplage.) DieSalzburger Ztg." schreibt: Seit Jahren hatte man nicht mehr die Gelegenheit, die Maikäfer in solchen Massen auf­treten zu sehen, wie dies heuer der Fall ist. Ver­flossenen Sonntag Abend schwärmten die Maikäfer in solchen Massen, daß die Passanten, welche in diese Maikäferwolken gerathen waren, eiligst die Flucht ergriffen, da die summenden Käfer sich in Kopf- und Barthaar festsetzten, gegen das Gesicht stießen und so dicht den Feldern entstiegen, daß jeder Stockstreich ein paar Dutzend von tödtete.

G e r a 9 Mai ^ -mem Neubau hier untersuchte der m>a»»ermeister Engelhardt mit dem Visireis-n vie Bodenschicht des Fundamentgrabens. Hierbei trat eine Rutschung des seitlichen Terrains ein, Engelhardt wurde verschüttet und getödtet; ferner erlitt ein Lehrling einen Schenkelbruch.

Von einem Rettungswerk bringt das N. W. T." aus Oberhollabrunn eine Mitthei- lung so empörenden Inhalts, daß der Wunsch er­klärlich ist, der Bericht möge bald dementirt werden. Der Korrespondent des erwähnten Blattes erzählt: Sonnabend stürzte gegen Mittag der Brunnen des Bauern Joses Mater in Wolssbrunn ein, und der Geselle Laurenz Bileck, aus Dunajic bei Budwets gebürtig, wurde dabei verschüttet. Statt daß man nun sofort an die Ausgrabung zur Rettung des Unglücklichen ging, verständigte der Bürgermeister zunächst das Bezirksgericht von dem Vorfälle. Um 4 Uhr Nachmittags endlich langte ein vom Bezirksgerichte beorderter Brunnenmeister mit seinen zwei Gehilfen an. Man arbeitete nun bis 2 Uhr Nachts ohne Erfolg, setzte dann aus und begann um 6 Uhr früh von Neuem. Trotz der unzureichen­den Kräfte war man bis gegen 9 Uhr des anderen Tages so weit vorgedrungen, daß man die Stimme des Verschüttelen hören konnte, welcher kläglich um Hilfe riet. Jetzt mußte aber zunächst

gefrühstückt werden! Man unterbrach also die Arbeit. Als die Arbeiter nach dem Frühstück wieder zu graben begannen, rief der Unglückliche: Ich halte es nimmer aus, reicht mir um Gottes- willen Wasser!" Allein, wenn seine Rettung auch nicht mehr ferne war, konnte sie ihm jetzt doch nicht werden, da Mittagzeit war, wo man essen gehen mußte. Man unterbrach also wieder das Rettungswerk und so noch einmal bet derJause* (dem Nachmittagskaffee), bei der man sich von der anstrengenden Arbeit wieder gehörig ausruhen konnte. Als man dann nach 4 Uhr sich wieder zur Arbeit bequemte, hörte man keinen Hilferuf des Unglücklichen mehr, man stieß vielmehr gleich mit dem ersten Schaufelstich auf den verzwetflungs- voll durch das Erdreich emporgestreckten Arm des Verschütteten. Bald gelang es auch, diesen selbst zu Tage zu fördern, allein nur mehr als Leiche! Der Körper war zwar noch warm, doch blieben alle Wiederbelebungsversuche vergeblich. Der Unglückliche war während der obligaten Jause seinerRetter" - erstickt! Die Behörde hat eine Untersuchung des Vorfalles angeordnet.

In Athen hat sich wieder einmal zum Gaudium der Nation, die solche Intermezzos leiden­schaftlich liebt, im Parlament eine solenneKeilerei* abgespielt. Der Abgeordnete Koffonakis, früher Polizeichef von Athen, wurde von seinem Kollegen Axelos, dem fanatischen Deputirten von Volo, im Saale überfallen und fürchterlich durchgebläut. Die Gallerien applaudirten, während die Deputirten sprachlos zuschauten. Die Keilerei dauerte länger als zehn Minuten, und es fehlte nicht viel, so hätte sich das ganze Haus daran betheiligt. Sei- sonakis wurde halb todt nach seiner WMmmuna schafft. Man steht, daß bie .XrßScögrabtfle ist. in dem kleinen KonM"A p. Nachmittags stürzten . ~, ^LH "Grove 4 im Bau begriffene dreistöckige Mauser ein und begruben unter ihre Trümmer 9 Arbeiter, von denen 6 Arm- oder Beinbrüche er­litten, während die andern mit geringeren Ver­letzungen davon kamen

(Immer nobel).Haben Sie denn schon die Kunstgalerie besucht, gnädige Frau?" Nein! Wir besuchen überhaupt nie die Galerie, sondern gehen immer nur in die Loge!"_________________

^Fn r he s s isch e 40 Thaler Loos e von 1845.

Die nächste Ziehung findet am 1. Juni statt. Gegen den Coursoerlust von ca. 50 Mk. pro Stück bet der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße------- 13, die Versicherung für eine Prämie von Mk. 3,20 pro Stück.__

Schiffs-Bewegung der Posidampstchisse der Hamburg-Amerikanifchen Packet- fahrt-Actien-Gesellschast.

Lessing», 22, April von New-Aork, 4. Mai in Ham­burg angekommen;Wieland", 3. Mai von Hamburg nach New-Uork, 5. Mai von Havre weitergegangen;Mo- ravia", 5, Mai von Hamburg nach New-Uork;Bavaria", 3. April von Hamburg nach Mexico, 6. Mai in Bera-Cruz angekommen;Geliert", 28. April von Hamburg, 10. Mai in New-Aork angekommen. _____________________

Fruchtpreise.

Weizen 100 Kilogr. 16 M. Pf. bis 16 M. 50 Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 15 Pf. bis 14 M. 40 Pf. Gerste Ntk. - Pf. bis M. Pf. Hafer 100 Kilogr. 13M.35Pf. bis 13 M. 75 Pf.

Pflege des hinsiechenden Hannes beizustehen! Welch eine Stütze und Tröstung und Ermuthigung war sie dem kinderlos gewordenen Paare gewesen! Ihr dankte es das alle Haus, daß es allmählich wieder von einem frischen Jugendhauch durchweht wurde, und die Vereinsamten sonnten sich in ihr und thaten ihr alles zu Gefallen. Frau Oppen- rteder besonders konnte bald keine Stunde mehr ohne sie sein und mußte sie überall zur Hand haben. An Sonn- und Feiertagen, auf den Kirch­gängen und Stadtfahrten führte sie Cenzi, die in dem Wohlleben wie eine Rose aufblüthe, trium- phirend mit sich und sammelte mit gespanntem Auge und Ohr den Beisall ein, den das Mädchen fand. Eine Mutter hätte nicht eitler auf ihre hübsche Tochter sein können, als sie es auf Cenzi war. Kein Wunder daher, wenn diese es wußte, daß sie hübsch war und Gefallen an ihrer Er­scheinung fand. Aber gefallsüchtig war sie nicht. Wie sie heute zur Nachtruhe ihr reiches Haar ordnete, mochte sie gar nicht in den Spiegel blicken. Was halfen ihr ihre Reize, was, daß die beiden alten Leute sie wie ihre eigene Tochter hielten? Es war nur ein schöner Traum, daß sie eines Abends als blutarme Dirne sich zu Bett gelegt und am Morgen als reiche Großbauerntochter auf­gewacht war. Sie seufzte tief auf und konnte lange nicht einschlafen.

Auch Frau Oppenrieder lag noch lange wach. Sie fand Cenzis Rath gut, sie wollte an Franz schreiben, und die Freude, ihr Herzblatt! wieder- usehen, hielt den Schlaf von ihren Lidern fern.

Es gab nach der Schätzung ihres Mutterherzens keinen prächtigeren Buben als den ihrigen und wie sooft malte sie sich auch jetzt wieder seine Zukunft aus. Er kam, übernahm den Hof und den Schluß bildete ein glänzendes Hochzeltsfest. Aber Cenzi war ebenso wenig jetzt wie früher die Braul, die sie in ihren Träumen sah, obgleich es schon darum nahe gelegen hätte, sie mit Franz zusammen zu denken, da beide vor ihren Augen vertraulich mit einander verkehrt hatten. Freilich noch als halbe Kinder. Als Franz zu den letzten großen Ferien vor seiner Flucht von Brixen ins Elternhaus ge­kommen, befand sich Cenzi schon seit einigen Monaten dort. Ein armes Mädchen, mochte es auch noch so hübsch sein, war der Mutter für ihren Franzl nicht gut genug. Ebenso wenig wog in dieser Beziehung der Trost für sie, den sie in ihrem Unglücke bei Cenzi gefunden, noch der Lei­stand, den ihr stets das Mädchen geleistet, wenn es galt, Franz gegen den Unwillen des Vaters zu vertheidigen. Sie hatte schon längst im Geiste unter den Töchtern des Landes Brautschau ge­halten und ihre Wahl war aus Gindharts Christl gefallen. Für die Blatternarben im Gesicht des Mädchens hatte sie kein Auge und ihren Hochmuth erkannte sie als berechtigt an. Denn der alte Prosper Gindhart stand unter der bäuerlichen Plutokratie von Täufers oben an; er war Ge­meindevorsteher und die ganze Sippe saß auf reichen Höfen.

Das laute Sprechen vor dem Hause unterbrach die Bäuerin in ihrer Zukunftsträumerei. Sie er­

kannte Cenzis Stimme, das laute Schnarchen ihres Mannes verhinderte sie aber zu verstehen, um was es sich handelte. Auf diese Weise an Cenzi erinnert, drängte sich ihr nun doch die Frage auf, was aus dem Mädchen werden sollte, wenn ihr Mann den Hof an Franz abgab und dieser die Christi heimführte? Es war dann für dieselbe kein Platz mehr im Hause und sie seufzte, daß sie sich mit ihr eine große Last aufgebürdet, als ob sie an ihren eigenen Sorgen nicht schon genug hätte.

Am nächsten Margen nach dem Frühmahle fragte sie Cenzi, mit wem sie am Abend vor der Thür noch geschwätzt hätte! Mit innerem Widerstreben berichtete Cenzi kurz die Werbung des Tuifele- bauer. Frau Oppenrieder war kaum weniger überrascht als ihre Pflegetochter es gewesen. In­dessen fehlte es augenblicklich an Zeit, darüber weiter zu sprechen. Die Haushaltung nahm die Thätigkeit beider in Anspruch. Die Bäuerin war eine tüchtige Wirthin und trotz ihrer Leibesfülle sehr rührig, und Cenzi machte es Freude, in einem so großen Wesen, in dem es stets aus dem vollen und auch wohl mitunter darüber ging, mitzuschaffen. Erst nach dem Mittagessen kam eine ruhige Stunde. Oppenrieder war auf den Bergacker gegangen, um das Herabschaffen der Garben durch die Ochsenge­spanne zu überwachen. Cenzi schickte sich an ihm zu folgen um bei dem Aufladen behilflich zu sein.

(Fortsetzung folgt.)