Hersfeld, 10. Mai. Die für den Handwerker- kond und die Hausindustrie wichtige Frage, ob Haussöhne dem Versicherungszwang des Kranken- kassengesetzes unterliegen, hat das Amtsgericht in Heinsberg (Reg.-Bez. Aachen) in drei Fällen, für welche das Bestehen eines förmlichen Vertragsverhältnisses nicht erweislich war, verneint.
* Hersfeld, 10. Mai. “
Wie aus dem
Jnseratentheil der heutigen Nummer unseres
Blattes ersichtlich, bietet
. . sich gegenwärtig auf hiesigem Marktplatz eine Sehenswürdigkeit,
deren Charakter sich durch Leistungen der modernsten optischen, physikalischen und electrischen Experimente kennzeichet. Es ist daher ein Besuch jenes Cabinets sehr zu empfehlen.
Hersfeld, 10. Mai. Der Geschäftsgebrauch, die Packete im innern deutschen Postverkehr auch ohne Siegelverschluß zu versenden, wird nicht selten auch auf den Auslandsverkehr übertragen. Dem gegenüber muß hervorgehoben werden, daß Post- packete nach dem Auslande in jedem Falle mittelst Siegelabdrucks, Plombe und sonstigen Abdruck eines eigenartigen Petschafts des Absenders verschlossen sein sollen.
Ober- Appenfeld bei Homberg, 6. Mai. Heute srüh erhängte sich hier in einem Anfall von Schwermuth die Frau des Bürgermeister R.
Bebra, 9. Mai. Gestern früh um 11 Uhr fand hier von dem schönsten Wetter begünstigt die feierliche Grundsteinlegung zum Bau einer katholischen Kirche statt.
Fulda, 7. Mai. Von Meiningen war am Mittwoch eine Deputation des dort bestehenden Eisen- bahn-Comits's unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters S ch a 11 e r hier eingetroffen, um sich mit dem hiesigen Herrn Oberbürgermeister und noch mehreren Herren, welche sich für das Zustandekommen der hochwichtigen Bahnbau-Angelegenheit Fulda- Meiningen interesfiren, zu besprechen. DieMeininger Herren haben auch bei der Fahrt von Meiningen hierher und zurück die projectirte Linie bereist, um in den betreffenden Ortschaften das Interesse dafür zu wecken.
Cafsel, 7. Mai. Wie berichtet wird, hat gestern Morgen bei der »Grauen Katze" ein Säbelduell zwischen einem Studenten und einem Forst- academiker aus Münden stattgefunden. Beide Duellanten sollen verwundet worden sein.
Hanau, 4. Mai. In den Klein-Steinheimer Feldbacksteinfabriken feuerte ein Arbeiter (Italiener) zwei Schüsse auf einen in einer andern Fabrik beschäftigen Arbeiter ab und verwundete denselben schwer. Untersuchung ist eingeleitet.
Eschwege, 3. Mai. Wie vorsichtig man mit Haarabfällen umzugehen hat, beweist ein trauriger Vorfall. Ein junger Mann von 17 Jahren aus hiesiger Stadt brächte einen Sack mit solchen Abfällen seinem Gesichte, auf dem sich eine Wunde be» fand, zu nahe. Wahrscheinlich kam diese mit den Abfällen in Berührung und es entstand eine Geschwulst, die man Anfangs nicht beachtete, aber in Milzbrand ausgeartet sein soll, der leider den Tod zur Folge gehabt hat.
Frankfurt a. M, 6. Mai. Der Schuhmacher C. Frommer aus Stuttgart erschoß stch, nachdem er noch eben vergnügt gezecht hatte, an der Ober- Mainbrücke und fiel ins Wasser. Die mit der Bergung der Leiche beschäftigen Polizisten entdeckten, nach der „Frkf. Ztg.", im Wasser, dicht neben der Leiche eine Reihe von mit Pergamentpapier um- hüllten Sprengstoffhülsen, welche mit der Bezeichnung »Rheinische Dynamitfabrik" versehen waren. Ein Arbeiter des Badeanstaltsbesitzers Wirth brächte den aus neunzig Patronen bestehenden Fund aufs Trockene, wo man constatirte, daß die Patronen wohl schon einige Zeit im Wasser gelegen haben mochten, denn die Sprengmasse war so durchweicht, daß sie Herausfloß. Was es mit diesen Dynamit- Patronen für eine Bewandtntß habe, hat die eifrig forschende Polizei noch nicht herausgebracht.
Vermischtes.
— Mainz, 5. Mai. Ein vermuthlich geistesgestörter Italiener, der bereits gestern Abend in einer Kirche Unfug getrieben und dieserhalb heute Morgen zu einer Polizeistrafe verurtheilt worden war, trat heute Nachmittag in einen Metzgerladen, ergriff ein Fleischermesser und stieß sich dasselbe zum Entsetzen der Anwesenden unterhalb des Herzens in den Leib.
— F r a n k f u r t a. M. Ein Gemüsehändler E. erhob am Sonnabend in Bessungen eine Erbschaft von 32,000 Mark. Der Anblick des Geldes scheint ihn verrückt gemacht zu haben, denn nachdem er sich stark betrunken, warf er in Darmstadt Hände voll Geld unter die Leute auf die Straße. Die Darmstädter Polizei, in Besorgniß der Mann könne um seine Habe kommen, ließ ihn durch einen Schutzmann nach Frankfurt bringen. Hier geber- dete sich der Wein- und Freudetrunkene immer
toller und es kostete Mühe, ihn zu feiner Frau zu bringen. Bevor dies jedoch gelang, zerriß cr erst einen Tausendmarkschein und einen andern suchte er zu verschlingen, was noch glücklich verhütet wurde, worauf der Betrunkene schließlich zu Hause Alles klein schlug
— Kiel, 6. Mai. Die Abgangszeiten der diesjährigen Ablösungskommandos sind wie folgt festgesetzt: a. Kreuzerfregatte »Bismarck" und Kreuzer „Nautilus" gegen Ende Juni ab Wilhelmshaven; b. Kreuzer „Albatroß" am 14. Juli ab Bremer- Haven; c. Kreuzer „Möwe" und Knbt. „Hyäne" Ablösung in Aden Ende Juli; d. Aviso „Lorelei)* Ende August von Wilhelmshaven via Wien-Galatz; s. Kreuzer „Habicht" und Kanonenboot „Cyclop" voraussichtlich im Oktober.
— Herford, 2. Mai. Der in der hiesigen Ge- fangenanstalt untergebrachte ehemalige Husar Kuphal diente im Feldzug gegen Frankreich 1870—71 im 8. Husarenregimente. Bei Gelegenheit eines Recog- noscirungsrittes außerhalb der Festung Metz widersetzte er sich im berauschten Zustande mit der Waffe in der Hand gegen einen Officier und wurde er dieserhalb durch das Kriegsgericht zum Tode mittelst Erschießens verurtheilt. Im Gnadenwege wurde Kuphal zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurtheilt. Seit Jahren verbüßt derselbe in hie- siger Gefangenanstatt die Strafe. Durch Allerh. Cabinetsordre vom 27. April, die vorgestern eintraf, ist Kuphal vom Kaiser begnadigt und gestern aus der Anstalt hierselbst entlassen worden. Knphal hatte sich während der ganzen Dauer seiner Strafzeit musterhaft geführt, und keine Veranlassung zu Beschwerden gegeben. Die unverhoffte Freude rührte den inmittelst zum Manne herangereiften Begnadigten tief; seinen Gefühlen gab er durch Weinen und Lachen Ausdruck.
— Letzthin war in Basel Gewehr-Jnspection und da erschien mit dem Vetterli-Gewehr auf der Schulter eine Währschaftglarnerin. „Min Ma ist chrank", sagte sie, „luege i he Schießprügel ie und g'schauet fiS Wäärli, i mueß bald wieder heim zua." Und als die Sache in Ordnung befunden war, lud sie Wehr und Waffe auf den Kinderwagen und zog fürbaß. — Das erinnert uns, schreibt die „Magdb. Ztg." an eine Bezirksreveue des zweiten Aufgebots, der wir einmal im Canlon Aargau beizuwohnen Gelegenheit hatten. Jeder Bezirk hat auch eine Anzahl Cavallerislen beizu- stellen, welche ihre eigenen Pferde — die im Frieden
gemüthlich den Pflug zu ziehen Pflegen — selbst mitbringen müssen. Es kamen denn auch richtig
fünf Cavalleristen nach,, und nach „angcsprengt", liegen."— Kellner: „Entschuldigen Sie, mein Herr, und einer derselben, der es recht nobel geben wollte .4CI). itei6-^*^_i£fjbin erst seit acht Tagen hier erschien in schwarzen Glacehandschuhen. — Bei im Dienst." -----^■»miinimitninn.......
einem Brückenschlag, den eine schweizerische Sappeur-
abtheilung bald darnach gelegentlich der Waffen- übung über den Oberrhein nächst dem badischen Städtchen Waldshut ausführte, hatten wir ebenfalls Gelegenheit, ein Pröbchen der Gemüthlichkeit, die im schweizerischen tzeerestheile herrscht, zu beobachten. Ein Hauptmann — im bürgerlichen Leben schaltet der Mann in einem wohlassortinen Kramladen — schritt im vollen Gefühl seiner Würde über die Brücke, um die aufgestellten Wachtposten zu visitiren. Er stieß dabei am deutschen Ende der Brücke auf einen biedern Landsmann, der ihn sofort also ansprach: „Aber, Hauptmo, jetzt floh i scho zwei Stunda uff der Brucka do, jetz isch's bigoscht Zit, daß d' mi ablösa loschtl" — Ohne über diese sonderbare Anrede besonders überrascht zu fein antwortete der „Hauptmo" im cor- dialsten Tone: „Jo, jo, bim Strohl, t wir chli schaua, daß d' o' gelöst wirscht."
— Zwei neue Kometen sind vorKurzemin Cambridge, Nordamerika, von Brooks entdeckt worden. Der erste wurde am 27. April aufgesuu- den. Am 30. April wurde dieser Komet auch in Kiel aufgesunden. Der zweite Komet wurde am 1. Mai entdeckt. Beide Himmelskörper sind zur Zeit nur durch größere Fernrohre zu sehen.
— Barmen. Die hiesige »Gefängnißgesell- schaft" schickte vor einiger Zeit aus ihre Kosten den gefährlichen Wildschützen Liebighäuser nach Amerika. Die Behörden der Vereinigten Staaten haben aber den ehemaligen Sträfling nicht landen lassen und war B. daher genöthigt, mit dem nächsten Schiffe die Rückreise anzutreten. Die Zeiten sind eben vorbei, in denen europäische Behörden gemeingefährliche Personen zur Auswanderung nach Amerika
„verurtheilen" konnten. Die Amerikaner wollen heute von europäischen Zuchthaus-Kandidaten nichts mehr wissen.
— Wien, 6. Mai Eine ärmlich gekleidete Frau stieg heute mit ihren Kindern, einem acht Monate alten Säugling und einem Knaben von sechs Jahren, auf den dritten Stock eines fremden Hauses an der Hernalser Straße. Hier warf sie die Kinder zum Fenster hinaus und sprang dann selber nach. Die Mutter und der Säugling blieben sofort todt.
Redaction Druck und Verlag von Ludwig Funk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) in Hersfeld.
Das ältere Kind ist lebensgefährlich verletzt. — Nach weiteren Mittheilungen hat die Frau zunächst den Säugling aus dem Fenster geworfen, dann faßte sie ihren älteren Knaben, der, die Absicht der Mutter vielleicht errathend, jämmerlich schrie und sich nach Kräften wehrte, hing ihn über den Rücken und stürzte sich mit dem Kleinen in die Tiefe. Der ganze geschilderte Vorfall war das Werk nur weniger Augenblicke. Den polizeilichen Nachforschungen wird es wohl gelingen, das Geheimniß, welches zur Zeit noch diese schauerliche That umschwebt, bald zu enthüllen.
— R o m. Eine Dynamit-Katastrophe hat sich am 3. Mai in Civitavecchia ereignet. Bet den dort vorgenommenen Tunnelbauten explodirte eine Mine und verwundete zehn Arbeiter, darunter sieben tödt- lich. Fast zur selben Stunde flog in Mondori das Pulvcrdepot unter fürchterlicher Detonation in die Luft. Ein in der Nähe befindlicher Maulesel flog über hundert Meter in die Luft. Fast alle benachbarten Häuser wurden beschädigt.
— An einem Hause der englischen Stadt Brid- gewater befand sich bis vor Kurzem eine Firmen- tafel mit folgender sonderbaren Inschrift: „Burneß und Sohn, Schmiede- und Barbiergeschäite aller Art; hier werden Pferde beschlagen und der Bart geputzt, große Schlösser ausgebessert und Haare gekräuselt, Zähne ausgerissen und Pferden und Menschen zur Ader gelassen, und dergleichen Hufschmieds- und Barbiersachen mehr. Dabei alle Sorten geistiger Getränke und Liköre. Meine Frau hält eine Schule, unterrichtet in Lesen, Schreiben und fremden Sprachen, und hat überdem Gehilfen und Gehilfinnen für Mathematik und Modenar- beit." — Jedenfalls eine vielseitige Familie!
— (Eine schwimmende Ausstellung.) Die Pariser Industriellen beabsichtigen, nach dem Muster der Deutschen, auf einem riesigen, eigens hierzu gemietheten Schiffe eine Ausstellung französischer Gewerbe-Artikel zu veranstalten. Das Schiff soll im Laufe dieses Sommers in den exotischen Häfen landen, und überall so lange bleiben, bis die Bewohner Zeit gesunden, das Musterlager zu besichtigen und soll dann weiter ziehen.
— (Ausrede.) »Aber, Auguste, was muß ich sehn, unter Ihrem Kopfkissen ist ein siberner Löffel versteckt?" — »Ach, Madame, mir träumte gestern schon zum zweiten Male, ich müßte Medizin ein»
nehmen und hätte keinen Eßlöffel, und da wollte ich doch nicht gern in Verlegenheit kommen."
— (Im Restaurant). Gast: .Kellner,der Fisch ist nicht frisch, der muß schon lange bei Ihnen
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Cöln-Mindener 3^/) pCt. 100 Thaler Loose. Die nächste Ziehung findet am 1. Juni statt. Gegen den Coursverlust von ca. 70 Mk. pro Stück bei der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 35 Pfg. pro Stück.
Standesamtsvezirk Hersfeld.
Vom 16. bis incl. 30. April 1886.
Eheschließungen.
Am 17. Otto Umfahrer, Schlosser mit der Fabrikarbeiterin Maria Caroline Kromm dahier. — 21. Gustav Moritz Greger, Sergeant mit Katharina Elise Adelheid Sommer dahier. Heinrich Sauer, Tuchmacher mit Anna Barbara Kemps dahier.
Geburtsanzeigen.
Am 16, Anna Barbara, T. des Drechslers Carl Fey.
Maria Margrethe, T. des Arbeiters Friedrich Carl Richter aus Berlin — 17. Maria Magdalene, T. des Metzgermeisters Heinrich Hermann Wolfs. — 18. Johannes, S. der unverheiratheten Fabrikarbeiterin Catharina Frick. — 20. Engelhard, S. des Tuchmachergejellen Christian Hagemann, — 23. Jacob, S. des Kaufmanns
Louis Goldschmidt. Lisette Louise, T. des Tuchwebers Ballhasar Geyer. — 29. Henriette Rosa, T. des Ge- schäslsreisenden Johann Adam Weißbecker. Catharina, T. des Wirths Carl Friedrich Gamm. — 30. Catharina Elisabeth, T. der unverheiratheten Köchin Martha Grebe.
S l e r b e f ä I l e.
Am 17. Elise, Wittwe des Fabrikarbeiters Wilhelm
Bätz, 68 Jahre alt. — 18. Christine Wilhelmine, Wittwe des Kaufmanns Friedrich Heuser, 73 Jahre alt. — 19, Johannes Heinrich, S. des Schuhmachermeisters Johannes Gebauer, 1 Monat alt. — 21. Caroline, Ehefrau des Kaufmanns Louis Rosenthal, 30 Jahre alt. — 26, Georg Kühn, Tuchmachergeselle, 63 Jahre alt. — 27. Georg Heinrich Wilhelm, S. der Köchin Anna Schnarr, 4 Monate alt. Barthold Luckhardt, Tuchmachergeselle, 36 Jahre alt. — 29. David Mahres, Leistenmacher, 62 Jahre alt.
Fruchtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 16 M. — Pf. bis 16 M. 50 Pf. Roggen 100 Kilogr. 14 M. 15 Pf. bis 14 M. 40 Pf. Gerste — Mk. - Pf. bis — M. — Pf. Hafer 100 Kilogr. 13M35Pf. bis 13 M. 75 Pf.