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Ittsftlhrr Krcislillltt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Issußrirtes Anterhattungsölatt".

Nr. 55. Dienstag den 11. Mai 1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 7, Mai 1886.

In der am 3. d. Mts. stattgefundenen Kreis­tagssitzung, zu welcher sämmtliche Mitglieder erschienen waren, wurde vor Allem der landräth- liche Büreaugehülfe Reinmöller dahier zum Pro­tokollführer des Kreistages bis auf Weiteres bestellt, und, nachdem die Herren Mühlenbesitzer L. Noll zu Bingartesmühle, Gutsbesitzer Glieme- roth zu Wölfershausen und Bürgermeister Rein­hard zu Landershausen zur Vollziehung des Protokolles und die Herren Oberamtmann Olden­burg zu Wilhelmshof und Bürgermeister Braun dahier zur Prüfung der rechtzeitigen Vorladung Seitens der Versammlung bestimmt worden waren, sodann zur Tagesordnung geschritten.

ad 1 der Tagesordnung.

Die Geschäftsordnung für den Kreistag des hiesigen Kreises wurde festgestellt.

ad 2 der Tagesordnung.

Als Vertrauensmänner für den zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen bei den 4 Amts­gerichtsbezirken des hiesigen Kreises berufenen Ausschuß wurden folgende Personen gewählt:

a) für den Amtsgerichtsbezirk Friedcwald :

1. Apotheker Cred6 zu Friedewald,

2. Bürgermeister Höll daselbst,

3. Bierbrauer L. Zinn daselbst,

4. Gutsbesitzer Friedrich Sandrock zu Lauten- hausen,

5. Bürgermeister Siebold zu Heringen,

6. Bürgermeister Wiegand zu Harnrode,

7. Bürgermeister Brandenstein zu Heimbolds­hausen;

b) für den Amtsgerichtsbezirk Hersfeld:

1. Bürgermeister Braun hier,

2. Bürgermeister a. D. Kempf hier,

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf dem Kramvethof.

Eine Geschichte aus den Alpen.

Von Robert Schweiche.l.

(Fortsetzung.)

„Wenn das Wetter stat bleibt, bringen wir morgen auch das letzte Korn herunter*, unterbrach Joseph Oppenrieder endlich das Schweigen. „Es wird ein heißer Tag werden." Schmatzend sog er an seiner Pfeife. Da seine Frau stumm blieb, fuhr er nach einigen Zügen fort: „Ja, ein heißer Tag — und's Schaffen wird mir allbereits ein Bißt beschwerlich. — Ich weiß auch nicht, warum ich mich quäle? Es hat halt keinen Zweck nicht." Er seufzte.

„Keinen Zweck nichts* fragte Frau Crispine, indem sie den Kopf hob und die Arme langsam sinken ließ.

„Du hast es freilich gut,* sagte er, eine un­mittelbare Antwort vermeidend, „Dir hilft die Cenzi in der Wirthschaft und in allen Stücken, so daß Du die Hände ganz in den Schooß legen könntest, wann's Dir gelüftet. Ich habe Keinen, auf den ich mich verlassen kann, und wo ich nicht hinterher bin, da geschieht nichts ordentlich.*

Er blies starke Rauchwolken von sich, seine Frau aber sagte:

„Keinen? Ich bitt' Dich, Joseph, schreib' dem Franz! ein gutes Wörtlein. Und wer soll denn nach Dir auf dem Hof hier Wirthen, wenn nicht er ?* „Er s er s* rief Oppenrieder und zog die dicken

3. Gastwirth und Oekonom B. Knauff hier,

4. Fabrikant Friedrich Braun hier,

5. Gutsbesitzer Ferdinand Roll zu Obergeis,

6. Bürgermeister Jffland zu Mecklar,

7. Bürgermeister Groscurth zu Unterhaun;

c) für den Amtsgerichtsbezirk Niederaula:

1. Apotheker Stamm zu Niederaula,

2. Hospitals-Rendant Nutzn daselbst,

3. Gastwirth Heinrich Eichmann daselbst,

4. Bürgermeister Eckhardt zu Niederjossa,

5. „ Groscurth zu Hattenvach,

6. „ Nuhn zu Asbach,

7. „ Rössing zu Kerspenhausen;

d) für den Amtsgerichtsbezirk Schenklengsfeld:

1. Bürgermeister Wolf zu Schenklengsfeld,

2. „ Mohr zu Conrode,

3. „ Pfaff zu Oberlengsfeld,

4. „ Lingemann zu Philippsthal,

5. „ Westphal zu Wüstfeld,

6. „ Reinhard zu Landershausen,

7. „ Klotzbach zu Malkomes;

ad 3 der Tagesordnung.

Mit der Untervertheilung der nach § 16 des Reichsgesetzes über die Kriegsleistunger -vom 13. Juni 1873 auszuschreibenden Landlieferungen wurden die Mitglieder des Kreisausschusses, deren Namen bereits früher veröffentlicht worden sind, betraut.

ad 4 der Tagesordnung.

Als Sachverständige und deren Stellvertreter zur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung wurden gemäß § 33 des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1873 folgende Per­sonen für die Jahre 1886 bis incl. 1888 gewählt und zwar:

a) als Sachverständige:

Oeconom und Gastwirth Balthasar Knauff hier,

Gutsbesitzer Heinrich Schwarz zu Unterhaun,

Lippen herunter. .Das wäre! Was versteht ein Seefahrer von der Landwirthschaft? Soll ich mich darum mein ganzes Leben lang gequält haben, damit er im Handumdrehen den schönen Hof in Grund und Boden verwirthschaftet und mein ehr­licher Namen im ganzen Land zum Spott wird? Das zahlt sich nit aus."

„Ach, Joseph, Joseph, er ist doch Dein eigen Fleisch und Blut, unser einziges Kind,* klagte die Bäuerin erregt. „Wie kannst Du so hart gegen ihn sein? Schreib' ihm, daß er heim kommt, und versuch es mit ihm. Einem fremden Menschen kannst Du doch den Hof nicht vermachen wollen.*

„Und warum sollt' ich das nicht können s* gab er unter großen Rauchwolken zur Antwort. „Der Hof gehört mein und ich kann mit ihm thun, was ich will. Hat's der Franz etwan bewiesen, daß er unser Sohn ist? In die Welt ist er gelaufen und hat all' die Jahre nichts nach gefragt, ob wir uns grämen oder nicht, ob wir leben oder gestorben sind? Laß mich aus mit ihm!*

Mit diesen Worten stopfte .er seine Pfeife so kräftig aus, daß er deren Kops mit dem Brust­bilde des Kaisers Joseph beinahe zerschlagen hätte. Seine Frau schwieg seufzend.

Unterdessen war ein Mädchen in die Hausthür getreten und als Oppenrieder sich jetzt schwerfällig in seiner Leibesfülle von der Bank erhob, sah er sie, eine große, schlanke Gestalt, an den Pfosten gelehnt. Sie hatte einen Fuß über den andern gestellt und ihre Augen schauten unter der breiten, weißen Stirn, von der sie das gelbe Haar in den

Gutsbesitzer Baron von Lepel zu Hattenbach, Gutsbesitzer Sandrock jun. zu Lautenhausen.

b) als Stellvertreter:

Oberamtmann Oldenburg zu Wilhelmshof, Gutsbesitzer Adolph Reinhard zu Unterweisen­born.

ad 5 der Tagesordnung.

AIs bürgerliche Mitglieder der Ersatz-Com­mission und deren Stellvertreter gemäß §. 2 pos. 6 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875 wurden für die Jahre 1887, 1888 undZ1889Fol- gende Personen gewählt und zwar:

a) als Commissions-Mitglieder:

1. Oeconom und Gastwirlh Balth. Knauff hier,

2. Posthalter Friedrich Heil hier,

3. Bürgermeister Nuhn zu Asbach,

4. Bürgermeister Schmitt zu Frielingen.

b) als deren Stellvertreter:

1. Kaufmann Hermann Altenburg hier,

2. Oeconom und Gastwirth Peter Heil hier,

3. Bürgermeister Groscurth zu Unterbaun,

4. Bürgermeister Reinhard zu Landershausen.

ad 6 der Tagesordnung.

Zu Mitgliedern des Vorstandes der Elemen­tar Irhrer-Witwen- und Waisenkasse wurden ge­mäß §. 7 gewählt die Herren:

1. Tuchfabrikant Adam Rechberg hier,

2. Bürgermeister Groscurth zu Hattenbach.

ad 7 der Tagesordnung.

Zu Mitgliedern der Commission zur Verthei- lung der Einquartirung wurden gemäß §. 7 des Quartierleistungsgesetzes vom 25. Juni 1868 die Herren:

1. Tuchfabrikant Friedrich Braun hier, und

2. Bürgermeister Nuhn zu Asbach gewählt.

ad 8 der Tagesordnung.

Zu Mitgliedern der Körungs-Commissionen

Nacken zurückgekämmt trug, mit einem fast schwer- wüthigen Sinnen in das von der Abenddämmerung erfüllte Thal.

.Schau die Cenzi," sagte Oppenrieder. „Willst Dich auch noch ein Biß! verkühlen? Ja, ja, das hat heut warm aemacht."

Das Mädchen nickte und setzte sich neben die Bäuerin, deren erregte Mienen mit einem fragen­den Blick prüfend. Der Mann stand unschlüssig, ob er gehen oder bleiben sollte.

„Morgen heißt's wieder früh auf sein,* sagte er dann, gähnte und ging ins Haus.

„Ich habe es nimmer geglaubt, daß er so hart ist," hob die Frau seufzend an, nachdem er sich entfernt hatte. „Er will dem Franz nicht ant­worten*

„Er ist auch nicht hart," versetzte Cenzi. „Glaubet mir, Muhme, wenn der Franz selbst kommt, wird sich alles zurechtrücken. Schreibet ihm, daß er kommen soll und sein Glück selbst versucht*

„Meinst s* fragte die Bäuerin unsicher.

„Ich mein' halt, daß der Franz das Spiel ge­winnen wird," sagte das Mädchen, mit dem Kopfe nickend. „Anders kann es doch nicht entschieden werden. Wer nicht wagt, gewinnt nicht."

„Jesus, wenn ich es mir vorstellen thue, daß ich den Franz! Wiedersehen soll," rief die Mutter und ihre braunen Augen wurden feucht. „Du weißt's, was ich um seinetwillen für einen Kummer all' die Jahre gehabt habe.

Ein Chorgesang von Männer- und Frauenstimmen ließ sich aus der Landstraße vernehmen und näherte