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höht werden und in der Zwischenzeit 120 bezw. 160 Mk. betragen.

Dem Vernehmen nach gehen Mitglieder des Centrums im Reichstage damit um, geeignete Mittel zu finden, um die Frage der Sonntags­ruhe an der Hand der jüngst erschienenen Ueber­sicht über die bezüglichen Vorschriften in den ver­schiedenen Bundesstaaten zum Gegenstand einer Debatte behufs Erlasses einheitlicher Bestimmun­gen zu machen.

Aus München wird gemeldet, daß infolge der abgeneigten Haltung der klerikalen Partei das Zustandekommen des von der Regierung erstrebten Arrangements zur Regelung der Verhältnisse der Königl. Kabinetskasse jetzt als unwahrscheinlich betrachtet werden müsse.

(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Im neuen Zolltarife, welcher am Mittwoch dem Reichstag in Wien vorgelegt werden sollte, ist ein Getreide­zoll genau in derselben Höhe wie in Deutschland festgestellt.

(England.) Es verlautet, Gladstone wolle die Vorlage wegen Errichtung eines besonderen irischen Parlaments auf die nächste Session hinaus­schieben.

(Italien.) In Italien ist eine bedenkliche Gährung, theilweise veranlaßt durch den unglück­lichen Ausgang der Expedition des Grafen Porro nach Abessynien, eingetreten. Die Bevölkerung ist aufgeregt, weil die Greuelthaten des Sultans von Harrar fast unter den Augen der italienischen Garnison in Zeilah geschehen konnten. Das Land macht die Regierung hierfür verantwortlich. In mehreren Orten ist es bereits zu Ruhestö­rungen gekommen.

(Spanien.) Die spanische Justiz arbeitet langsam, wenigstens denen gegenüber, die im vergangenen Jahre sich an der Deutschenhaß be- theiligt haben. Der Prozeß gegen die Anstifter des Angriffs auf das deutsche Gesandtschaftshotel im Madrid im August v. I. wird am 5. k. M. zur Verhandlung kommen. (Zehn Monate also hat die Voruntersuchung in Anspruch genommen.)

(Türkei.) Die Vertreter der fünf Mächte hielten in Athen nochmals .eine Berathung ab, in welcher eine letzte an die griechische Regierung zu richtende Mittheilung berathen wurde, da die Antwort Delyannis aus das Ultimatum allseitig als nicht ausreichend angesehen wird. Man er­wartet, daß Delyannis, der bereits gegenüber Frankreich einen Schritt rückwärts gethan hat, nunmehr auch den Mächten seine Willfährigkeit beweisen wird. Er hat hierzu um so eher Ver­anlassung, als sein politischer Gegner Trikupis erklärt hat, daß er und seine Partei durchaus keine Lust dazu haben, den von Delyannis ver­fahrenen .Karren aus dem Sumpf herauszuziehen.

(Amerika.) Aus den Vereinigten Staaten wird von einer Arbeitseinstellung berichtet, welche am 1. Mai ihren Anfang genommen hat, und wohl der großartigste Streik genannt werden kann, der jemals staltgefunden hat. Zweck des­selben ist, den achtstündigen Arbeitstag zu er­zwingen. Einige Arbeitgeber haben diese For­derung bewilligt, andere sie abgelehnt. Die Bewegung ist namentlich stark in Chicago, wo mehrere Tausend Streikende die Straßen durch­zogen.

men und bald rauschten die Töne der Orgel durch das Gotteshaus und hallten weit hinaus aus den von Menschen erfüllten Platz vor demselben. Berg­fahrer aller Konfessionen wohnten andächtig dem Gottesdienste und der Predigt des würdigen Pfarrers bei, der mit taktvoller Rücksicht auf fein Publikum die Allwesenheit Gottes behandelte. Jeder fühlte die wichtigen Worte in seinem Herzen, die er ausrief:

Schaut um Euch von dieser hehren Höhe, schaut sie an die Herrlichkeit der Welt und schaut in euch, in euer eigenes Herz. Wer hat wohl den Muth dann auszusprechen und zu denken: es gibt keinen Gott der Zufall hat's gemacht. Gott aber ist die reine Liebe, die haltet fest in eurem Herzen und der Segen des Himmels wird bei euch fein."

Vielleicht, wenn Martin Meyer diese Worte ver­nommen, hätte auch er einen Einblick in die Häß­lichkeit seines Herzens gethan, aber das eben ist ja die Strafe jener Verruchten, daß ihnen ein sol­cher Himmelstrost versagt und ihr Herz todt bleibt jeder wärmeren Regung. ., , .,

Laurenz ließ nach Schluß der Predigt seinen Blick in der Kirche umherschweisen, da er täuschte sich nicht, sah er Emmas blaue Augen auf sich gerichtet. Die Tante stand neben ihr.

Ein flüchtiger Gruß und ein eben solcher Dank wurden gewechselt. Beide errötheten, beide hatten in diesem Augenblick wohl nur den Einen Gedanken, es sei der Lohn für ihr Gelöbnitz, daß sie sich hier träfen, und sie unterließen es nicht, der Himm­lischen dafür zu danken.

Ueber die Zustände in Harrar, wo soeben die italienische wissenschaftliche Expedition nie­dergemetzelt worden ist, bringt die Köln. Zlg. einen Be- richt aus Aden, der vom 10. April datirt und eine ge­nügende Erklärung für die Katastrophe bringt, die vor wenigen Tagen eingetreten ist England hat im vorigen Jahre die Aegypter zum Verlassen der vor zwölf Jahren mit schweren Opfern erkämpften und behaupteten Provinz Harrar am Golf von Aden gezwungen und dort einen Emir eingesetzt, unter dem sich eine schreckliche Wirthschaft herangebildet hat. Englische Offiziere hatten die wenigen eingeborenen Truppen nothdürst!g eingedrillt; dieselben haben sich aber wieder entfernt, und da auch kein eng­lischer Consul dort verblieben, geht jetzt alles in Harrar drunter und drüber. Der neue Emir thut alles Mögliche, um durch gewaltsames Regiment die von Aegypten ge­schaffene Ordnung umzustoßen.Der Emir, ein einfältiger Schwachkops, der seiner Umgebung, einer Rotte von Fana­tikern, ganz in die Hand gegeben ist, tritt völlig in die Fußtapsen seines Vaters, und was man von den Thaten des Emirs und seines Hofes hier hört, ist nicht sehr schmeichelhast für England, das einen solchen Menschen allen Ermahnungen zum Trotz einsetzte und sich selbst über­ließ, so daß dadurch im Vergleich zu der an sich auch nicht lobenswerthen ägyptischen Herrschaft das Land um einige Jahrzehnte in der Cultur zurückversetzt wurde. Der Emir und seine Umgebung wollen zunächst keine Händler im Lande leiden und die wenigen europäischen Kaufleute, Italiener und Griechen, die nach dem Ende der ägyp­tischen Herrschast in Harrar verblieben, sind nach mancherlei Demüthigungen von Seiten der Machthaber Harrars und nachdem sie verschiedene Male mit Stockprügeln und son­stigen Mißhandlungen bedroht wurden, bis auf einen, der sich zum Islam bekehrte, des Landes verwiesen worden. Dasselbe Schicksal droht den indischen und arabischen Händ­lern und der französischen Mission, deren Schicksal ganz von den Launen des Emirs abhängt. Auf in Harrar ein, geführtes Baargeld wurde ein Zoll von 5 pCt. gelegt, und um dem Mangel an Kleingeld abzuhelfen, hat der Emir aus alten Patronenhülsen Münzen schlagen lassen, die so gut wie werthlos sind und die jedermann bei An­drohung von Gefängniß und Prügel anzunehmen ver- pflechtet ist. Ueberhaupt spielt der Stock in Harrar eine große Rolle, um die durch die ägyptische Besatzung ver­dorbene Bevölkerung wieder zu der alten Einfachheit und den frommen Sitten der Väter zurückzuführen. Wer nicht regelmäßig die Moschee besucht und die vorgeschriebenen täglichen fünf Gebete verrichtet, erhält Prügel, bei schwereren Vergehen treten geradezu mittelalterlich grau­same Strafen, für Diebstahl z. B. Abhauen der Hände ein. Die Unterthanen müssen sich jeder äußerlichen Pracht enthalten und nach einer bestimmten Ordnung gekleidet gehen; nur der Familie des Emirs und seinem Anhänge sind ein gewisser Luxus und einige Vorrechte, wie das Tragen von Sonnenschirmen gestaltet. Zuwiderhandelnde trifft das Allheilmittel, immer dieselbe Strafe: Prügel. Unverheirathete Frauen, deren sittlicher Lebenswandel in irgend welcher Weise Verdacht erregt, werden auf öffent­lichem Markt an den Meistbietenden versteigert, kurz, es ist ein Regiment, wie es nur fanatischen mohamedanischen Priestern als Ideal vorschwebt, das sich aber bei dem Schützling eines Landes wie England sonderbar genug ausnimmt. Gestützt aus sein Heer, d. h. auf eine mit Reminglon-Gewehren bewaffnete Räuberbande, unternimmt der Emir in Gemeinschaft mit befreundeten Häuptlingen Raubzüge in die umliegenden Gegenden, die Mord und Raub weithin tragen, und die Hauptbeute dieser Züge, die Gefangenen, werden auf dem Markte Harrars öffentlich als Sklaven verkauft. Das jetzige Regiment in Harrar ist eine Schande für England und ein Hohn aus jede Cultur, selbst wenn dieselbe so gering ist wie die durch die frühere ägyptische Herrschaft eingeführte. Auch ohne die geringste Voreingenommenheit muß man England moralisch für die jetzigen Zustände verantwortlich machen, denn den Emir sich selbst zu überlassen, lag für England kein einziger ver- nünstiger oder zwingender Grund vor."

Aus Hessen-Nassau.

* Hersfeld, 5. Mai. Der Staatssecretär des Reichs-Postamts erläßt folgende Bekanntmachung:

Noch bevor der Gottesdienst zu Ende, eilte Laurenz zum Wirthe, ließ sich ein Tischchen im Freien reserviren und bestellte das Mittagsmahl. Er vergaß dabei auch nicht, für Sali, Sepp und das kranke Mädchen zu sorgen. Für diese und ihre Mutter wählte er auf acht Tage ein hübsches Zimmer aus, damit sie sich in der reinen Bergluft und bet guter Ernährung erholen und so eine Besse­rung ihrer Gesundheit eintreten könne. Dann er­wartete er die aus der Kirche kommenden Damen.

Ein Blick in Emmas Auge gab ihm Muth; er führte die Damen aus dem Gedränge nach einem ruhigen Plätzchen.

Sie haben sich doch nicht etwa hierher ver­lobt?" fragte die Frau von Welling lächelnd.

Ich kann nicht Nein sagen," antwortete Laurenz, und wenn es Sie interessirt, so sage ich Ihnen die Ursache ganz offen. Hier heroben geht Mund und Herz auf."

Bitte, sagen Sie es!" entgegnete Emma erröthend.

Nur unter vier Augen," sagte Laurenz. Dann nahm er das Fräulein bei der Hand und führte es einige Schritte von der Tante weg, welche das Paar mit freudigem Vorgefühl betrachtete.

Fräulein", begann Laurenz,ich habe mich hieher verlobt, auf daß ich in Ihnen eine Frau finde, die mit mir nach Amerika geht."

Emma sah in die ehrlichen Augen des vor ihr stehenden jungen Manges, die mit dem Ausdrucke inniger Liebe aus ihr ruhten und sagte dann.

Auch ich will offen gegen Sie sein. Ich habe

Vom 5. Mai ab wird die Wortgebühr für Tele­gramme aus Deutschland nach allen bedeutenderen Verkehrsorten in den Vereinigten Staaten von Amerika und Canada bei der Beförderung über das Deutsche Kabel Emden-Valencia von 1 Mark 65 Pf. bis Weiteres auf 65 Pfennig ermäßigt. Gleichzeitig tritt für Telegramme nach Mexico, sowie nach Mittel- und Südamerika rc. eine ent­sprechende Ermäßigung der bisherigen Wortgebühr ein. Nähere Auskunft ertheilen die Neichs-Tele- graphenanstalten.

Hersfeld, 5. Mai. (Jagdkalender.) Im Monat Mai dürfen nur Rehböcke, Auer-, Birk- und Fasanenhähne geschossen werden, alles übrige Wild hat Schonzeit.

Hersfeld, 5. Mai. Hatte sich ein beim Eisen- bahnbetriebe verletzter Mensch vorher freiwillig in *^| einen Grad von Trunkenheit versetzt, welcher ihn zu einem Verhalten auf dem Bahnkörper (der Nicht­beachtung des herannahenden Zuges) geführt hat, das er in nicht trunkenem Zustande, bei Anwendung gewöhnlicherAufmerksamkeit, hätte vermeiden können und müssen, und war in Folge dessen der Unfall eingetreten, so ist nach einem Urtheil des Reichs­gerichts, V. C'viisenats, vom 3. März 1886 die Eisenbahnverwaltung nicht schadenersatzpflichtig.

Hersfeld, 5 Mai. Eine für den gesammten Rechtsschutz wichtige Entscheidung hat der zweite Strafsenat des Reichsgerichts unterm 19. März 1886 gefällt. Danach ist jeder durch eine Strafthat Verletzte berechtigt, von jeder auch nur zufällig bet Begehung der Strafthat als Augenzeuge anwesen­den Person die Nennung ihres Namens und ihrer Adresse zu verlangen, um sich später auf deren Zeugniß berufen zu können, und kann im Weige­rungsfälle die polizeiliche Sistirung des Weigern­den behufs Feststellung seiner Persönlichkeit veran« lassen, falls die Gefahr des Verlustes des Beweis- mittels durch Nichlermittelung begründet erscheint.

Hersfeld, 5. Mai. Ein Gast, der über die Polizeistunde hinaus selbst dann noch in einem Lokal verweilt, wenn durch die Polizei Feier­abend geboten worden ist, erscheint nach einer am Donnerstag in der Revisionsinstanz erfolgten Entscheidung des Kammergerichts auch in dem Falle strafbar, daß er durch den Gastwirth selbst zum Dableiben veranlaßt worden ist.

Friedewald, 3. Mai. Vorgestern wurde hierselbst im Schulhause die Frühjahrs-Conferenz der Lehrer des Bezirksvereins Friedewald unter dem Vorsitz des Herrn Cantor Haffenpflug bei reger Betheiligung abgehalten. Nach Eröffnung derselben in herkömmlicher Weise hielt Herr Schütrumpf-Lautenhausen einen im Allgemeinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema:Der Landlehrer als Landwirth." An der Debatte betheiligte sich namentlich auch Herr Pfarrer Linz-Friedewald, welcher nicht blos für die Nützlichkeit, sondern für die Nothwendigkeit eines mäßigen Landwirthschaftsbetriebes der Landlehrer wie auch der Landpfarrer im Sinne des Reserenten lebhaft eintrat. Als die Vereins­geschäfte abgewickelt waren, fanden sich die Con- ferenztheilhaber in der Zinn'schen Gastwirth­schaft noch auf kurze Zeit bei einem Glase guten Friedewalder Bieres zusammen. (C. A. Z.)

Fulda, 26. April. Daß man den Dieben, welche kürzlich in der hiesigen Michaelskirche ein»

mich hierher verlobt, auf daß Ihre Wahl auf mich fallen möchte. Ich folge Ihnen, wohin es auch immer sei."

Laurenz ergriff beide Hände des hoch erglühenden Mädchens und rief:

Emma, dieses Glück kann ich kaum fassen! Sie vertrauen mir wirklich?"

Ich vertraue auf Ihr Herz, das ich kennen ge­lernt, und auf Ihre ehrlichen Augen."

Und meiner Liebe, nicht wahr?"

Gewiß. Auch mein Herz gehört Ihnen."

Laurenz war von diesen Worten so sehr berauscht, daß er, auf alles vergessend, das Mädchen an seine Brust zog und ihr einen feurigen Kuß auf die schönen Lippen drückte.

Aber was thun Sie denn?" rief erschrocken die Herbeteilende Tante.

Wir folgen dem Herrn Pfarrer," erwiderte Laurenz launig,wir halten die reine Liebe fest. Emma und ich haben uns soeben verlobt. Frau Tante Ihren Segen!"

Ah!" rief die Tante,unser Gelöbnitz ist rasch belohnt worden. Nehmt meinen Segen, meinen Glückwunsch!"

Thränen der Freude verhinderten sie, mehr zu sprechen. Ihr innigster Wunsch war erfüllt, Emma war glücklich.

Nun ward das Mittagsmahl eingenommen. Das erste Glas Wein ward aufdu" unddu" getrunken; es war beiden die schönste Stunde ihres Lebens.

(Schluß folgt.)