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Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Antechaktungsökatt"
Nr. 51
Amtliches
| Persisch, Indisch, Chinesisch, Japanisch) erstrecken. Dem Reichstage sind zwei neue Vorlagen zuge-
Hersfeld, den 28. April 1886.
Für den am 7. December 1867 zu Berlin geborenen Leichtmatrosen Willy Hugo Eugen Haupt von hier ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Südamerika bezw. ferneren Verbleibs daselbst nachgesucht worden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n itz.
4905.
UoMische Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Donnerstag Vormittag hörte Se. Majestät der K a i s e r den Vortrag des Grasen Perponcher, nahm persönliche Meldungen entgegen, hatte eine Conferenz mit dem Kriegsminister Bronsart von Schellendorff und arbeitete längere Zeit mit dem Chef des Mi- litär-Kabinets L. Albedyll, — Nachmittags hatte der Kaiser eine längere Conferenz mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck.
Prinzessin Maria Josepha von Sachsen (zweite Tochter des Prinzen Georg) will sich mit dem Erzherzog Otto von Oesterreich, zweitem Sohne des Erzherzog Carl. Ludwig, verloben.
■ Fürst Bismarck hat infolge der Erkrankung seines Sohnes, des Unterstaatssekretärs Grafen Herbert Bismarck, seine Reise nach Friedrichsruh aufgegeben und einen Theil der Geschäfte des Staatssekretariats selbst übernommen.
Dem Bundesrath ist der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen zugegangen. Die Errichtung dieses Seminars ist als preußische Einrichtung unter Betheiligung des Reiches beabsichtigt. Die Aufgabe desselben soll sich auf die sechs Hauptsprachen des Orients und Ostastens (Türkisch, Arabisch,
(Nachdruck verboten.) Der Erbe von AoNngsried.
Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.
Von Maximilian Schmidt.
(Fortsetzung.)
Laurenz setzte sich neben die Bäuerin und ergriff ihre Hand. Er fühlte herzliches Mitleid und einer plötzlichen Regung nachgebend, fragte er:
„Hanni magst mit mir gehn nach Amerika?*
Die Frau trocknete mit der Schürze ihre Thränen und sah ihn einen Augenblick mit großen Augen an.
„Nach Amerika?" fragte sie dann zurück. „Na', Lenzt, dös vermöcht i nit. Ueber dös groß's Wasser trauet i mi nit. Und mit wem sollt' i gehn?"
„Mit mir."
„Mit dir? O liawe Zeit! Wir zwoa passen nimmer zam. Du bist a herrischer worn und bist jung bliebn; i bin a zamg'rakerts Bauernwei', und nur gleich und gleich gsellt st' gern."
„So hast schon an' andern im Kopf?" fragte Laurenz, von ihrer Weigerung nicht gerade unangenehm berührt.
„I, an'andern?" erwiderte Hanni. „Fallet mir ein! I hon scho' an mein ersten, Gott tröst'n, gnuag ghabt. Wenn's wirkli Bstand hat und met Hof von der schweren Last befreit is, so will i für meine Kinder sorgn, und trachten, daß die aar amal ebbas kriegn. Heirathen möcht i nimmer — selm di nit, Lenzl. I werd dir ewi dankbar sei', dir aus vollem Herzen Glück und Segen wünschen
SiilnaLend dcu 1. Mai
gangen: ein Gesetzentwurf, betreffend die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitig- keiten, und eine Uebersicht der im Reiche geltenden gesetzlichen und politischen Bestimmungen über die Vornahme gewerblicher Arbeiten an Sonn- und Festtagen.
Dem Reichstage soll ein Nachtragsetat, betr. die durch das Militärpensions-undReichsbeamten- Gesetz erforderlich werdenden Mehraufwendungen zugehen.
Wie erheblich die Ueberschüsse der Postverwal- tung gestiegen sind, geht aus folgenden amtlichen Angaben für das ganze Deutsche Reich (incl.
Bayern und Württemberg) hervor:
Gesammteinnahme.
Ueberschuß.
1875
M. 127,1 Mill.
M. 2,6 Mill.
1876
„ 131,8 „
„ 3,6 „
1877
„ 138,7 „
„ 9,5 „
1878
„ 142,0 „
„ 12,8 „
1879
„ 146,4 „
„ 16,3 „
1880
„ 153,6 „
„ 17,6 „
1881
„ 164,2 „
„ 23,5 „
1882
„ 170,4 „
„ 23,6 „
1883
„ 177,9 „
„ 24,3 „
1884
„ 186,7 „
„ 26,7 „
Württemberg, welches 1875
noch eines Zuschusses
von M. 12,541 bedurfte, erzielte 1884 aus dem Postwesen bereits M. 1,423,165 Ueberschuß.
Der neue Zuckersteuerentwurf schlägt die Besteuerung der Rüben mit 1,70 Mark der Doppel- centner und eine Aussuhrvergütung mit 18 Mk. vom 1. Oktober 1886 bis Ende September 1887 und später von 17,25 Mk. vor.
Das „Münchener Fremdenblatt" weiß zu berichten, daß ein Ausgleich zwischen der bayrischen Kabinetskasse und deren Gläubigern zu erwarten steht.
Infolge einer zwischen dem päpstlichen Stuhl und für di beten; aber damit muaßt dir's gnüagn lassen."
Laurenz fühlte bei dieser Rede sein Herz erleichtert. Wohl erkannte er dabei wieder die Charakterfestigkeit seines einst so geliebten Mädchens und nochmals verdrängte die Erinnerung an jene selige Zeit das Andenken an die jüngsten Tage. Hanni suchte das Gespräch in andere Bahnen zu lenken, sie fragte nach dem Wohlergehen seiner Mutter, wie es ihm drüben in der neuen Welt gefallen und wann er wieder dorthin zurückzukehren gedenke. Aber sie war dabei ängstlich bemüht, die Erinnerung an ihre Jugendzeit ferne zu halten. Jetzt kam der kleine Lenzl hereingesprungen und rief:
„Muatta, der Veri kimmt!"
Laurenz bemerkte wohl, wie die Bäuerin bei dieser Nachricht erröthete. Die Thüre öffnete sich und ein behäbig aussehender noch in den besten Jahren stehender Bauer trat ein. Hanni ging ihm entgegen und grüßte ihn freundlich.
„Dös is der Bruader von mein Nachbarbauern, der Vormund von meine Kinder," stellte sie ihn dem Ingenieur vor, „aMann, der mir beisteht, so viel er's vermag."
„Gwiß thua i dös," entgegnete der Bauer freundlich; „wenn nur 's kinna 'n Willen nacht kaannt."
„Denk dir nur, Verie," erzählte jetzt Hanni, „dös is der Pollingsrieder Lenzl, der aus Amerika kemma is. Was moanst, daß er grad tho' hat? 'n Hof hat er mir frei gemacht, i bin nix mehr
1886.
und der hessischen Regierung stattgehabten Ver. ständigung ist die Ernennung des Domkapitulars Haffner zum Bischof von Mainz als bevorstehend anzusehen.
(Frankreich.) Am 1. Osterfeiertag hat zu Paris auf dem Trocadero ein Jahrmarktsfest zu Ehren Elsaß-Lothringens stattgefunden, bei welchem der Deutschenhaß förmliche Orgien feierte. Zum Scheibenschießen daselbst hatte auch der Kriegsminister Boulanger (ein Hans in allen Gassen) einen Adjutanten entsendet, „um den Schützen den Beweis zu geben, daß er der Pflege kriegerischer Uebungen mit Aufmerksamkeit folge."
(Belgien.) Noch ist das Land von der Arbeiterbewegung tief erregt, und schon beginnt ein neuer leidenschaftlicher Kampf — die Wahlen stehen unmittelbar bevor. Das ganze Land ist jetzt in dieWahlbewegung eingetreten. Den allgemeinen Wahlen geht am 11. Mai die Wahl eines Abgeordneten in Brüssel voran. Am 23. Mai finden die Erneuerungswahlen für die Pro- vinzialräthe und am 11. Juli die Erneuerungswahlen für die Hälfte der Deputirtenkammer statt; 69 Abgeordnete sind in den wallonischen Provinzen Hennegau und Lüttich und in den flämischen Provinzen Ostflandern und Limburg zu wählen.
(Orient.) Die Freude über die Nachgiebigkeit der griechischen Regierung war eine ver- rühte. Nachdem die Mächte ihr Ultimatum ge- tellt hatten, erklärt jetzt Herr Delyannis: „Nun gerade nicht!" Den gütlichen Zureden Frankreichs wollte er Gehör geben, dem drohenden Verlangen der gesammten Großmächte widersetzt er sich — hoffentlich nur für die kurze Zeit, welche genügen wird, ihm das VergeblicheLsemes Sträubens klar zu machen. Am Mittwoch fand in Athen eine große Volksversammlung statt, welche sich begeistert für den Krieg aussprach und eine Deputation an Delyannis sendete. schuldi, i kann wieder schnauf« und alles wird wieder guatl"
„Juchel" rief der Bauer. „Nach« kinna ma ja gar an's heirathn denka. Ja liawa Herr, enk schickt ja dengelst unser Herrgott vomHtmmt awa?"
Hanni hatte vor Verlegenheit ihr Gesicht mit beiden Händen verdeckt. Eine solch jähe Enthüllung hatte sie nicht erwartet. Laurenz aber, vorerst aufs höchste überrascht, mußte jetzt geradehinaus lachen, denn diese Wendung hatte auch er nicht erwartet.
Dann zog er dem Weibe die Hände vom Gesicht und sagte:
„Hanni, warum diese Verlegenheit? Vor mir ist das nicht nöthig. Thue, was du für's beste hälft. Und ein braver Bauer auf dem Hof ist gewiß das beste. Ich bin und bleib dir ein treuer Freund in Rath und That. Mach meiner Mutter die Freud' und komm bald nach Hohenberg. Jetzt laß i dich mit dem Vormund deiner Kinder allein; berathe mit ihm über eure Zukunft und Gott geb seinen Segen dazu."
Er verabschiedete sich dann aufs herzlichste. Hanni begleitete ihn vor das Haus, dankte ihm unter Thränen und fragte ihn hocherglühend, ob er ihr verziehen habe.
„Verziehen ist das Vergangene und verziehen das Zukünftige," antwortete er. „Ehen werden im Himmel geschlossen, und ich glaube, der hat dir den Veri geschickt."
„Und dir?" fragte Hanni. , _ r
„Mir? Mir hat er vielleicht auch ein Glück aufgehoben. Der Himmel machts schon recht T