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Htrssel-er Kreisblutt

Mit wöchentlicher Kratis-AeikageIllustrirtes Anterkattnugsölatt".

Nr. 49.

Sonnabend den 24. April

1886.

Amtliches.

®%ä Z«M Osterfeste. sesss

Cassel, den 19. April 1886.

Der Sprachlehrer Camille Ernst Lambert in Hamburg, an welchen ein für Friedrich Lammert bestimmter Brief mit 800 Mark Werthangabe un­richtig ausgehändigt worden ist, hat seine Wohnung verlassen und wird von der Staatsanwaltschaft bei dem Landgerichte in Hamburg steckbrieflich verfolgt.

Personbeschreibung des Lambert: Zuname: Lambert. Vorname: Camille Ernst. Stand: Sprachlehrer. Geburtsort: Gorgies, Kanton Neu- chatel. Religion: reformirt. Alter: 28 Jahre (5. November 1857 geb.). Größe: Mittel. Sta­tur: schlank, hager. Gesicht: länglich, mager mit regelmäßigen Zügen. Augen: braun. Haare: dunkel; dunkler gekräuselter Vollbart (kurz ge­schnitten). Lambert hat braunen Winterrock aus diagonalbreitgestreistem Kammgarn und weichen, schwarzen Filzhut getragen.

Er redet fließend deutsch, indeß mit einigem An- klang an französische Sprachweise.

Das Königliche Landrathsamt ersuche ich er- gebenst, auf Lambert zu fahnden, denselben im Betretungsfalle sestzunehmen und vom Geschehenen der Kaiserlichen ©berwnrtrucrnjn^^^ Mittheilung machen zu wollen.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

In Vertretung: v. R u m o h r.

An das Königl. Landrathsamt in Hersseld. 7839.

$ ^ *

Hersseld, den 21. April 1886.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Kö­niglichen Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.

4744. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

(Nachdruck verboten.) Der ßrbe von Hollingsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt. (Fortsetzung.)

Sollte nicht auch Laurenz seiner Hanni, die nur von den Verhältnissen gedrängt und auf das Zu­reden seiner eigenen Mutter hin die unglückselige Verbindung mit dem Schwarzbauern eingegangen, jetzt, da sie elend war, die rettende Hand reichen? War es denn nicht überhaupt seit Jahren sein Lieblingsgedanke gewesen, sein Glück mit dem einst so geliebten Mädchen zu theilen? An sie dachte er ja ohne Unterlaß bei seinem Schaffen in der neuen Welt, ihr Bild begleitete ihn auf der ganzen See­reise, als er wiederkehrte in die Heimath.

Aber die Veränderung in dem Leben Hannis hatte auch in sein Herz mächtig eingegriffen. Die einstige Braut als Wittwe, als Mutter von zwei Kindern begrüßen zu müssen, das hatte er nicht erwartet. Diese Thatsache legte seinen Gefühlen für sie einen bedeutenden Hemmschuh an und ge- stattete dem Verstände ein gewichtiges Wort mit» zureden. Darüber aber war er keinen Augenblick im Zweifel, daß er als Freund im Unglück sich bewähren müsse und der erste Besuch bei Hanni sollte ihm dann die Richtschnur zu fernerem Han­deln sein. , ^ri

So schritt er unter den oft widersprechendsten Gefühlen und Gedanken seinen Pfad über die aus- getrockneten Moose dahin, dann hinaus zu den

In seines Blüthenzaubers Pracht

Ist wiederum der Lenz erwacht, Der Lebensfreude grüne Spuren Erglänzen auf den weiten Fluren: Allüberall in Feld und Au

Sieht man die zarten Gräser sprießen Und aus des Aethers reinem Blau Ertönt der Lerche jubelnd Grüßen.

Ein großes Auferstehungsfest,

Das tausend Glocken schallen läßt! Es predigt mit Millionen Zungen: Des Winters Herrschaft ist bezwungen; Bezwungen ist der eis'ge Bann, Von dem die Gotteswelt befangen, Man sieht ringsum auf weitem Plan Des Lenzes Siegeszeichen prangen.

Doch Horch, welch Klingen ? Feiert nur Ihr siegreich Walten die Natur?

Die Kirchenglocken tönen heute, Zur Andacht ruft das Festgeläute: Bezwungen ist des Todes Macht, Und der Erlöser auferstanden: ,________ -®n uua uua xocti mit HelfttuTC Ihn hielten nicht des Grabes Banden.

# Das Osterfest.

DasChrist ist erstanden" tönt auch heute wie­der in der ganzen Welt der Christenheit, zurFreude dem Sterblichen, den die verderblichen, schleichen­den, erblichen Mängel umwanden." Diese Oster- botschaft kündet der Welt Frieden und Erlösung von des Grabes Nacht und Finsterniß, in ihr ruht der Glaube der Christenheit an das Jenseits, aber auch ihre Zuversicht, daß aller Irrthum, alles Trübe, alles Elend, alle Noth, aller Kampf und

prächtig gelegenen Nußberger Weihern, in deren Nähe sich das ihm wohlbekannte Schwarzbauern­anwesen befand. Zur Seite des ansehnlichen Hauptgebäudes, das mit einem Legschindeldach und einer das ganze Haus umgebenden Galerie, der sogenanntenLaaben" versehen war, befand sich der große Obstgarten mit von Aepfeln und Birnen strotzenden Bäumen.

Als Laurenz in den Hof eintrat, hörte er das Kreischen einer Weiberstimme, dazwischen Schläge und das Jammergeschrei von Kindern. Nach einigen Schritten war er auch schon Zeuge der Execution. Ein etwa sechsjähriger Bube und ein fünfjähriges Mädchen, beide barfuß und in äußerst ärmlichem Anzüge, wurden eben von der hocherzürnten Mutter geprügelt, weil sie im Garten unreife Birnen von den Bäumen geschüttelt und verzehrt hatten. Das Weib, es war Hanni, hatte das Kopftuch schief aus dem Kopfe; ein kurzer, schmutziger und zerrisse­ner Rock und ein röthlicherLeibhansl", eine Art ärmelloser Weste, machte ihre ganze Kleidung aus. Ihr Gesicht zeigte freilich noch Spuren ihrer einstigen Schönheit, aber sie blickte so grimmig aus die kleinen Verbrecher, und hieb so unbarmherzig auf dieselben ein, daß sie Laurenz in diesem Augen­blick sehr häßlich fand.

Oho!" rief er;Schwarzbäurin, laß's gut sein: du erschlägst ja die Kleinen."

Und gehts nacha di ebbas an?" entgegnete die erzürnte Frau, ohne aufzuschauen.Mach, daß d' I weiter kimmst; da wird nix gebn."

I Und wiedertrischakte" ssie den kleinen Buben,

So singt der frommen Andacht Schaar

Und betend blickt sie zum Altar. Christ ist erstanden!" klingen Lieder, Der Welterlöser ward uns wieder." Sein Jünger ist, wer Gutes thut Mit Freudigkeit aus freiem Triebe, Und mit des Glaubens heil'gem Muth Sich übt in echter Nächstenliebe.

Auch die Natur zum Feste heut, Legt an ihr neues Feterkleid, Und was uns Glaub' und Bibel lehren. Will auch dem Auge sie erklären: Nicht dauernd ist dem Tod die Kraft Ob allem Irdischen gegeben, Des Frühlings Auferstehung schafft Aus Winters Tod ein neues Leben!

Darum, mein Herz, verzage nicht, Wo Hoffnung so vernehmlich spricht. Empfang' des Osterfestes Weihe! Der Lenz belebe dich aufs neue, Sieh, wie die Welt so freudig blickt, un^lukle^wie die Lerche singt In Lüften hoch, zur Osterfeier.

aller Hader, welcher das menschliche Leben durch­zieht, auch schon auf Erden siegreich überwunden werden kann, und daß bald früher, bald später ein Strahl der Ostersonne in eines Jeden Leben, in eines Jeden Hütte dringen wird.

Ein solcher Strahl der Ostersonne beleuchtet heute unser Vaterland in mannigfacher Beziehung. Unser Kaiser feiert das Fest in jugendlicher Frische, der Sorgen überhoben, welche Krankheit über sein Haus heraufbeschworen hatte. Das nationale Be-

ber abermals ein

jämmerliches Geschrei anhob.

Das Mädchen aber flüchtete sich zu Laurenz, der es auch sofort aus seine Arme nahm. Sobald der Bub dies sah, entriß er sich gleichfalls der Mutter und suchte bei dem Fremden Schutz gegen die Erzürnte.

Die Bäurin sah jetzt verblüfft nach Laurenz. Sie hatte in dem Ankömmling einen bettelnden Handwerksburschen vermuthet und bemerkte erst jetzt, daß es ein anständig gekleideter Mann sei. Aber sie ärgerte sich so sehr über den unberufenen Beschützer ihrer bösen Kinder, daß sie ihn auch jetzt rauh anließ:

Was wollts denn? Wer hat enk g'ruasen? Oder seids vom G'richt? Geht der Teufl scho' wieder an? Her mit meine Kinder l Gel, die könnts mir halt nit nehma, sunst schaffets es aa furt, wie oa' Stückl Vieh nach'n andern, wie d' Arnt undn letzten Kreuzer Geld. Was wollts denn no' habn von mir? Nehmts, was 's find'ls. Es wird aa r amal a Ruah wern i schaff a Ruah, verlaßts enk drauf!"

Aber Hanni", entgegnete jetzt Laurenz,so schau mich doch genau an. Ich komme ja nicht, um dir was zu nehmen, ich will dir was bringen, vor allererst mich selber, einen guten Freund."

An' guaten Freund?" rief Hanni, höhnisch lachend.Mach nacha nur, daß d' glei wieder surtkimmst. Die guaten Freund kemma durch mi ins Elend. Wer mir helfa will, wird selm elend frag nur nach beim Pollingsrieder drent. O du lieber Herrgott, was hon i an dene Leut der­