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ersskl-er Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Hratis-IeitageMustrirtes Anterhattungsblatt".

Nr. 47. Dienstag den 20. April 1886.

Amtliches.

Die sperren Ortsvorstände des Kreises fordere ich auf, eine strenge und fortgesetzte Controlle über die Krankenfälle der Mitglie­der der gemeinsamen Ortskranken« kasse des Kreises 311 führen. Diese besteht darin, daß sich die Herren die p s l i ch t mäßige Ueber- zeugung verschaffen, ob ein Kastenmitglied (ver­sicherter Arbeiter), welches krank zu sein angiebt und Anspruch an die Krankenkasse macht, in Wirk­lichkeit so krank ist, daß es arbeitsunfähig ist und der ärztlichen Behandlung bedarf. Der Beginn sowohl als der Fortgang der Krankheit istzucon- trolliren, damit der Wiederbeginn der Arbeits­fähigkeit ermittelt werden kann und ein Mißbrauch der Krankenkasse verhütet wird. Auch hat der Herr Bürgermeister sich davon zu überzeugen, ob der ihm angemeldete oder sonst zu seiner Kennt­niß gelangte Krankheitsfall derartig ist, daß er der ärztlichen Behandlung bedarf, wenn er auch eine zeitweise Arbeitsunfähigkeit des Erkrankten verursacht. In solchen Fällen, deren sehr viele Vorkommen, können die erheblichen Kosten des Arztes der Kasse erspart werden, während der er­krankte und deshalb arbeitsunfähige Arbeiter auf die pflichtmäßige Bescheinigung des controllirenden Bürgermeisters die regelmäßigen Vergütungen aus der Kasse erhält.

Ohne eine solche Controlle und Mitwirkung der Bürgermeister kann die Kasse nicht mit so geringen Beiträgen der Arbeiter und Arbeitgeber ihre Ver­bindlichkeiten erfüllen. Es dient diese Controlle also allein dem eigenen Vortheil der Kassenmitglieder. Ebenso und zwar ganz besonders ist die Controlle von den Kassenmitglie- dern selbst daraus zu richten, daß alle verstche- rungspflichtigen Arbeiter auch sofort als Kassenmitglieder von dem Arbeit­

(Nachdruck verboten.) Der Erbe von Aollingsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

Wennst a guat thuast, Sepp, so nimm i di als Jagdaufseher in Dienst," sagte der Hohenberger jetzt zu ihm.Aber dös, was d' grad gsagt hast, muaßt b'haupten kinna, felm beim Gricht."

Dös kann i aa b'haupten I" rief der Ueberraschte. An' Deanst wollts mir gebn? Da wär ja met' Hauptwunsch erfüllt."

Der eine," sagte Laurenz lächelnd.Den zwei­ten, daß ihr mit der Sali einen Hausstand gründen könnt, werbe ich möglich zu machen suchen."

Oss" fragte der Filzler.Os wollts mt mit meiner Sali zamrichten? O, so ebbs gibt's nim­mer auf derWelt für mt. Dös Glück wär t gar nit werth. Os tribulirts mi grad, dös mirk i scho'."

Nein, nein, es ist mein Ernst."

Sepp rieb sich die Augen, als wollte er sich überzeugen, daß er nicht träume.

Aber i kenn enk ja gar nit, Herr," sagte er.

Ich bin der Laurenz Pollingsrieder!"

Sackara!" rief Sepp. aufspringend,da hon i was schöns angricht. Os seids der Lenzt aus Amerikas Und ös hauts minit untern Tisch awi, iatz, nachdem i so dumm plauscht s"

Nein Sepp," sagte Laurenz.Hier meine Hand. Ich hoffe, durch euch eigen Theil des Verlorenen wieder zu erhalten. Und dann stelle ich euch so,

daß ihr eure Sali heirathen könnt. Ihr sollt das Glück noch kennen lernen, ihr verdient bessere Tage, denn ihr habt ein Herz."

Sepp hatte den Hut abgenommen. Thränen standen ihm in den Augen.

3a, ja", sagte er,i hon freili a Herz und die etli Stunden, die t bin glückli gwen in mein Lebn, die hat mir mei'Herz gschaffen. Mei' Muatta hat oft gsagt: Sepp, du bist a Lump und hast nix, als a guats Herz. Bewahr dic's Gott, es wird einmal bei Glück sei'. Vielleicht hats nit unrecht prophezeit. Möchts enk Gott vergelten."

Da nehmt einstweilen einDranggeld", sprach Laurenz, ihm ein Zwanzigmarkstück in die Hand drückend.

Und bei mir kannst di glei einlogirn", sagte der Hohenberger.Für a Gwanta sorg i schon; es wird dir an nix fehln. Aber unterschretbn muaßt, was d' da gsagt hast."

Ja, t unterschreibs," sagte Sepp.

Laurenz schrieb alles auf einen Bogen Papier und Sepp unterschrieb, nachdem er es gelesen, mit fester Hand.

Därf i der Sali die Nachricht bringa von dem gachen Glücks" fragte er dann.

Ja, bring ihrs, antwortete der Hohenberger, und schick mtr's her; i hab mit ihr z' reden."

Da laaf i ja glei, daß i koa' Minuten verlier. No'mal vergelts Gott für alles. Der Teuft soll mi holn, wenn enk nit dankbarlt gsinnt bleib in alle Ewigkeit."

Und eiligen Schrittes entfernte er sich.

geber angemeldet werden. Erfolgen diese Anmeldungen erst dann, wenn eine Krankheit des Arbeiters in Sicht ist, so wird die Kasse natürlich sehr geschädigt.

Solche Versäumnisse der Arbeitgeber sind un- nachsichtlich nach §. 81 des Kranken- kassengesetzes zur Bestrafung zu bringen. Meinerseits werde ich gegen diejenigen Herren Ortsvorstände, welche ihre Pflicht i« letzterer Beziehung verabsäum-^ ^" »«"^samen Maßregel" vsr^.h^" UNO nöthigen Falls sie haft- pflicytig für den der Kaste zugefügten Schaden machen.

Die Anfragen des Vorstandes der Krankenkasse und des Kastenführers wollen die Herren Ortsvor­stände pflichtmäßig und schleunig beantworten.

Hersselb, den 16. April 1886.

4617. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 15. April 1886.

Die Herren Ortsvorstänbe des Kreises werden aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die Nollsteine, welche aus den Landwegen zerstreut umherliegen, und den Verkehr stören, alsbald zusammengelesen werden, auch die im vergangenen Herbste chaustirten Strecken, soweit es noch nicht geschehen ist, mit dem nöthigen Deckmaterial nach Anweisung der ständischen Wegebau-Aufseher überworfen werden. 4336. Der Königliche Landrath _________Freiherr von Schleinitz.

Hersseld, den 16. April 1886.

Die Herren Bürgermeister zu Kleinensee, Wid­dershausen, Leimbach, Heringen, Lengers und Philippsthal mache ich, unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 25. April 1884 abgedruckt im Kreisblatt Nr. 51 daraus aufmerksam, daß am 1. Mai c. die Begehung der Landesgrenze stattzufinden hat.

14616. Der Königliche Landrath

1 Freiherr von Schleinitz

Hersfeld, den 17. April 1886.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden in Kürze die nach den festgesetzten Unicaten berich­tigten Duplicate der Klastensteuer-Zu- und Ab­gangslisten pro II. Semester 1885/86 zugehen. Die darin nachgewiesenen Abgänge sind nach Zeit und Betrag in den Duplicat-Klassensteuer-Rollen zu notiren und die ermähnten nur-« 4612....... Der Königliche Landrath ______________ Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, ben 47^5ril 1886.

Für den am 4. Mai 1864 geboreürn-LLohert Eduard Most von hier ist um Entlassung aus dem- diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Australien bezw. ferneren Verbleibs daselbst nachgesucht worden.

4620. Der Königliche Landrath __Freiherr von Sch leinitz.

Hersfeld, den 17. April 1886.

Die am 14. Juli 1859 geborene Anna Martha Prenntzell von Gittersdorf hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

4647. Der Königliche Landrath ___________________Freiherr von Schleinitz.

Castel, den 13. April 1886.

Der unter Nr. 22 der Brieskarte von Moskau nach Berlin vom 15. März (alten Stils) einge­tragene Einschreibbrief Nr. 2428 an das Bankge­schäft von Robert Warschauer und Co. in Berlin ist in Verlust gerathen. Der betreffende Brief- kartenschluß ist der Bahnpost Nr. 18 Thorn-Ber- lin am 29. März 12 Uhr Nachts zugegangen und in letzterer entkartet worden. Ob der vermißte Bries der Bahnpost 18 überhaupt zugegangen ist, hat mit Sicherheit noch nicht festgestellt werden können.

Der Inhalt hat aus 120,000 Rubel gleich 252,000 Mark Russischer III. Orient'Anleihe, und

Der Hohenberger sah ihm lächelnd, Laurenz ge­rührt nach.

Er bleibt seiner ersten, alten Lieb' treu," sagte letzterer leise.Hanni, der morgige.Tagghörtdir. Wer weiß, was gfchieht."

Aber während er dieses dachte, schwebten ihm die wunderbaren, blauen Augen jenes Mädchens vor, welches ihm im Momente der größten Betrüb­niß Trost gebracht; ihre süße, melodische Stimme klang ihm in den Ohren, seine Gedanken flüch­teten sich zu ihr, um auszuruhen von der Prosa des Lebens.

6.

D' Hanni wennst ma halt als Schwiegertochter bringest 1* wünschte die alte Pollingsriederin, als Laurenz am Abend dieses Tages an ihr Bett trat, um ihr gute Nacht zu sagen. Und als er am anderen Morgen wieder in ihre Kammer trat zum Morgengruß, da war es wieder der erste Wunsch der in Folge ihres Alters und ihrer traurigen Er­lebnisse tn der That schon kindisch gewordenen Frau.

Laurenz folgte wirklich dem Zuge seines Herzens, als er nach dem Frühstück die Wanderung auf den Schwarzhof antrat. Es war ein prächtiger Morgen. Das Gebirge auf der einen, der nahe Peissenberg mit seiner deutlich sichtbaren Kirche auf,der anderen Seite grüßten über die tannendunklen Wälder herein, und die am wolkenlosen, tiefblauen Himmel aus­steigende Sonne beschien eine prächtige Herbstland­schaft. Gelb und roth schimmerte es zwischen dem Grün der Nadelhölzer, aus den Waldwiesen blaute die Herbstzeitlose und dazwischen glitzerte die Silber-