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Nr. 46. Sonnabend den 17. April 1886.

Amtliches.

Polizei-Verordnung. Auf Grund des §. 11 der Verordnung Dom 20, September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen wird hierdurch für den Umfang unseres Regierungsbezirkes Folgendes angeordnet:

Einziger Paragraph.

Die Begleit-^. .mandos militairischer Pulver­transporte ho'Vn behufs Verhütung der Gefähr­dung der Transporte die ihnen begegnenden Wagen­führer, Schiffsführer, Reiter und sonstigen Personen zu den je nach Umständen erforderlichen Handlungen oder Unterlassungen insbesondere zu langsamem Vorbeipaffiren oder Ausweichen, zum Unterlassen von Tabackrauchen, zum Aus­löschen von Feuer aufzufordern.

Wer solcher Aufforderung nicht ungesäumt Folge leistet, wird unbeschadet des nöthtgenfalls zur Anwendung zu bringenden unmittelbaren Zwanges nach §. 367 Nr. 5 des Strafgesetzbuches be­straft.

Cassel, den 8. April 1886.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Hersfeld, den 15. April 1886.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir bis s p ä t e st e n s zum 2 6. d. M t s. ein- zuberichten, ob und eventl. welche Personen in ihren resp. Verwaltungsbezirken vorhanden, welche im Besitze von Bullen sind, die bei der diesjäh­rigen Frühjahrs -Körung der Commission vor­geführt und zur Nachzucht verwendet werden sollen.

Unter Abänderung der Verfügung vom 8. September 1881 Nr. 10411 Kreisblatt Nr. 73 bestimme ich hierbei gleichzeitig, daß diese Anzeige fortan bis zum 15. März jeden Jahres zu erstatten ist, dagegen bleibt der Termin

(Nachdruck verboten.)

Ier Gr6e von AoNngsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

»Der Mensch soll st' nie was dumms wünschen. Wtlsch! über kurz oder lang geht's in Erfüllung und hintnach siehgt er's ein, was er für a dummer Kerl gwen is. So is's mir aa ganga. Ich hab mir von jeher gwünscht, unser Herrgott möcht mi aamal mit recht viel Geld strafa, und gestraft hat er mi!*

»Mit Geld?" fragte der Ingenieur ungläubig lächelnd.

Gründli!" versicherte Sepp ernst, »Hörts nur! A Dirndl hon i ghabt, die Tochter von an' Filzler, a bravs, frumms, aber arms Dirndl. Sobal mei' Militärzeit um, Hätt' i 's gheirath. Um a etli hundert Gulden krieg i a Hirwa (ein kleines Häus­chen) im Fils und bös wär meiner Sali und aa mei' ganze Seligkeit gwen. Wenn i nur mit recht viel Geld gstrast weret, hon i mir da ost gwünscht, und damit das gschehgn kann, hon i fast mei' ganze Löhnung in d' Lotterie gsetzt, hon «hungert und dürst', Lohnwachen brennt, aber gwunna hon i nix. Wie d' Lotterie eingang is und die letzt' Ziehung is kemma, da hat's mi scho' so viel druckt, gern hätt' i 's no'mal probirt, aber koan Pfenning hon i in Beutel ghabt. Da bin i für an' andern auf d' Wach zogn, sieben Kreuzer hat er mir dafür gehn und die hon t versetzt auf an' Terno, auf

für die Berichterstattungen zur Herbstkörung 15. September unverändert bestehen.

Der Terminkalender ist hiernach entsprechend zu berichtigen.

4578. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.

tzersfeld, den 14. April 1886,

Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des hiesigen Kassenbezirks werden ersucht, die Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Sleuerzettel für das Etatsjahr 1886/87 alsbald an die betr. Zahlungspflichtigen auszuhändigen und die ge­schehene Aushändigung innerhalb 8 Tagen anher anzuzeigen.

Bemerkt wird noch, daß gleichzeitig mit der Staatssteuer pro I. Quartal 1886/87 die von den Gemeindekassen für das Etatsjahr 1886/87 zu zahlenden Wittwenkassenbeiträge erhoben werden.

Der Königliche Rentmeister.

H e ck e r.

Aus dem Landtage.

Berlin, 14, April. Das Herrenh aus erledigte heute zunächst die Sekundärbahnvorlage, die in allen Punkten nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses zur Annahme gelangte und beschäftigte sich sodann mit einigen Rech- nungssachen. Morgen: Ansiedelungsgesetz und Gesetze über das Fortbildungsschulwesen und die Schulversäum- Nisse.

Das Abgeordnetenhaus hielt heute eine nur kurze Sitzung, in welcher der Gesetzentwurf, betreffend einen Präzipualbeitrag von 50 Millionen Mark zu den Kosten der Herstellung des Nordostseekanals von Seiten Preußens, zur Berathung stand. Gegen den Entwurf an sich erklärte sich Niemand, indeß wurde von einigen Rednern die Ge­nehmigung der Vorlage mit der Dortmund-Emser Kanal­vorlage in Verbindung gebracht, welche Beziehung aber weder von der Regierung noch von der Mehrheit der Redner anerkannt werden konnte. Der Gesetzentwurf wurde demnächst einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Im Uebrigen wurden Wahlprüfungen und Petitionen ohne besonderes Interesse erledigt. Morgen: Nachtragsetat.

Nummern, die ma scho' lang im Kopf gesteckt san. Dös Ding is guat. I steh grad am Kostthor Posten, wie d' Ziehung is. I hon an nix denkt, als an den Terno und mei Sali. Da lauft a alts Weiberl mit an' Zettel in der Hand vorbei. San d'Nummern scho'zogn? fragt's. Ja, sagts, Schandnummern sans. I frag's weiter aus, und sie sagt mir in oan Saus grad die drei Nummern her, di i gsetzt hon. I hätt' ja glei an Sprung mach« kinna bis über's Schilderhaus außi; i hon mi vor Freud gar nimmer dakennt. Dreihundert Gulden hon i gwunna 1 Mir hat'S koa Ruh mehr lassen, gwiß hon i 's wissen wolln, ob mei Glück wahr is, Da hon i mei' Karteng'spiel aus der Taschen zogn, hon 'n Eichlober außagsucht und Hon'n aus's Banganett (Bajonett) auffigsteckt. Mei' Musketen hon i drauf ins Schilderhaus ge­stellt, denn es hat abscheuli gstürmt und da hab i denkt, wird neamd nachschaugn. Eichlober, hon i gsagt, steh du für mi Wach, bis i wieder kimm, und furt bin i, zum Rathhaus vüri, wo 's schwarz auf weiß gstanden is, daß i wahrhaftig gwunna hon, daß i reich worn bin. An' Juhschroa hon i tho' und mit ganz brennendem Kops bin i wieder zruck zum Kostthor. Wie i beim tzosbräuhaus bin, kimmt a Patrouiü' daher, die mei' Eichlober nit angruafen hat. Mi sehgn und packen, dös war oans. Als Arrestant hams mi zruckgführt auf d' Wach. Jesses, Jesses, was hont tho'! Processirt bin i worn, zwoa Jahr Festung hon i kriegt, dös gwunna Geldei is z' nach und nach einbrockt worn und wie r i hoamkemma bin, war i an armer

Berlin, 15. April. Das Herrenhaus berieth heute zunächst den Gesetzentwurf, betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen. Der Herr Ministerpräsident Reichskanzler Fürst von Bismarck nahm im Laufe der Diskussion Gelegen­heit, den von polnischer Seite erhobenen Vorwurf zurück, zuweisen, daß die Tendenz dieses Gesetzes aus Ausrottung des Polenthums gerichtet sei. Er charakterisierte das vor­liegende Gesetz vielmehr als ein solches von rein defensiver Natur, das zum Schutze des Deutschthums erlassen werden und dem weiteren Umsichgreifen der Polonistrung einen Damm entgegensetzen solle. Der Gesetzentwurf wurde mit allen Stimmen gegen die der Polen angenommen. Des­gleichen gelangte nach unwesentlicher Debatte der Gesetzent­wurf über die Bestrafung von Schulversäumnissen, sowie der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung und Unk??-. Haltung von Fortbildungsschulen in den Provinzen West­preußen und Posen, in der vom Abgeordnetenhause be­schlossenen Fassung zur Annahme. Nächste Sitzung un­bestimmt.

Das Abgeordnetenhaus berieth in seiner letzten Sitzung vor den Ferien in erster Lesung den Nachtrags­etat (2 774 500 M. einmalige und 903 600 Mark dauernde Ausgaben.) Die geforderten Mittel bezwecken größtentheils die Förderung des deutschen Volksschulwesens in den Pro­vinzen Westpreußen und Posen, sowie im Regierungsbezirk Oppeln. Die polnischen Abgg. v. Wierzbinski und Kantak, sowie der Abg. Windthorst (Centrum) erklärten sich gegen diese Forderungen, während dieselben von den Rednern aller andern Parteien gebilligt wurden. Der Nachtragsetat wurde schließlich der Budgetkommission überwiesen. Nächste Sitzung: Dienstag, 4. Mai (Kirchenpoluische Vorlage.)

Uolitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser empfing am Mittwoch den Fürsten Bismark zu einer längeren Conferenz.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist an den Masern erkrankt.

t Seiner Majestät dem Kaiser und Könige sind in diesem Jahre aus Anlaß des Geburtstages eine Anzahl alter Münzen, vornehm­lich aus dem Geburtsjahre 1797, als Zeichen der Verehrung eingereicht worden. Darunter befinden

Teufel wie zuvor, iatz aa no' veracht' von Leut und von mir selbar. Unser Herrgott hat mi wirkli gstrast."

Und wieder stürzte er ein Glas Wein hinunter.

»Und d' Sali V" fragte Laurenz, von der Erzäh­lung des Burschen ergriffen.

»D' Sali? Mei', die hat nimmer ghofft auf mi. Jhra Muatta is gstorbn, da is's alloa' ge­standen und wie's a Filzler gfreit hat, da Hals gheirath. I hon ihr dernthalbn nit gfluacht. Es hat halt nit anders sei' wolln."

Laurenz dachte an seine. Hanni, die es ebenso gemacht.

»Und wie ging's weiter?" fragte er dann.

»Weiter is's gar nimmer gangen," entgegnete Sepp. »Hon t Arbeit kriegt, hon i g'arbet, bin t aber zum feiern zwunga gwen, so hon i mir denkt, speist unser Herrgott die Vögel aus'n Dach, warum soll i hungern? Aber d' Vögel müassen ihr Futter suachen, und i hon mir's mei' aa gsuacht. I bin halt a Wilderer worn. Aber pumps dil bald hams mi dawischt und weil t mi wiedersetzt hon, bin i ghöri einkastelt worn. Wie i wieder frei worn bin, hon i halt wieder g'arbet und wieder gwildert, und wieder bin t eingsperrt worn und frei lassen, und so treibt i's Halt furt. Nur oa' Mensch, wenn a Vertrauen zu mir hätt' und gebet mir an ständigen Verdeanst, nemand wär ang'führt mit mir, denn iatz is's mei höchster Wunsch, wieder als ehrli z' gelten und ehrli alt z' wern."

»Darauf laßt uns trinken," sprach Laurenz. »Vielleicht kann ich euch Beistand leisten.*