Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

Abonnemertspreis:

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hcrsftlilkl Kreisblutt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageILlustrirtes AnterfiakLungsölatt".

Nr. 44. Dienstag den 13. April 1886.

- - - - - ======

Amtliches.

Reglement über die Anschaffung und Prüfung neuer Feuerspritzen. Nachdem das Reglement über die An­schaffung und Prüfung neuer Feuerspritzen vom 20sten Mai 1879 einer wiederholten Prüfung unterzogen worden ist, haben wir uns veranlaßt gesehen, dasselbe in einzelnen Punkten abzuändern. Wir bestimmen hiernach, was folgt:

§. 1. Die Beschaffung neuer Feuerspritzen Seitens der Landstädte und Landgemeinden hat nur nach Berathung mit dem Oberbrandmeister des Bezirkes mit Zustimmung des Kreislandroths von einem bewährten Spritzensabri- kanten zu erfolgen. Der letztere hat sich in dem Liese- rungsvertrage zu verpflichten, die bestellte und gelieferte Spritze alsbald ohne Entschädigung zurückzunehmen, wenn sie bei der mit ihr vorzunehmenden Prüfung den gestellten Anforderungen nicht entspricht und deshalb zur Abnahme nicht geeignet erscheint.

§, 2. Zur Prüfung neu anzuschaffender Gemeinde- Feuerspritzen ist von dem Kreislandrath, bezw. in dessen Auftrag von dem betr. Ortsvorstand eine Prüfungs-Com- Mission, bestehend aus dem Oberbrandmeister des Bezirkes und zwei bis vier weiteren sachkundigen Feuerwehrmännern oder anderen sachkundigen Personen zu bestellen.

Die gedachte Commission hat nicht nur die Maschine sondern auch das Wagen-Gestell einer genauen Untersuchung zu unterziehen, über dieselbe ein Protokoll aufzunehmen und Bescheinigung über den Aussall der Prüfung bezw. Über die Abnahme der Spritze zu ertheilen. Nur auf Grund dieses Attestes kann die gelieferte Spritze abge. nommen werden.

§, 3. Für die Prüfung sind die nachfolgenden Vor­schriften maßgebend:

1) Die Spritze muß in allen Theilen gut und dauerhaft gebaut sein, durchlausende Vorderräder besitzen und leicht beweglich sein. Abprotzspritzen müssen auf Federn gebaut sein.

2) Die Druckhebel müssen aus Schmiedeeisen gefertigt sein. Ein seitliches Abbiegen derselben muß durch Führun­gen oder geeignete Absteifungen unmöglich gemacht sein. Der Wasserkasten muß aus Metall hergestellt sein.

3) Spritzen von 100115 mm Cylinderweite, oder von 1 2 1 Cylindersüllung müssen an den Ausmündungem des Pumpwerkes für die Druckschläuche und bei der Ver­bindung der letzteren mit dem Metz'schen Normal-Gewinde versehen sein.

4) Spritzen von 115 mm und mehr Cylinderweite,

sNachdruck verboten.)

Der Erbe von AoNngsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

Sie, meine Damen!" sagte Laurenz.Ach ja, ich weiß es wohl, daß ich Sie zum Feste geladen, aber ich wußte ja gestern noch nicht, daß ich keine Heimath mehr habe und keine Mutter. Ich bin recht elend."

Emma hatte erst jetzt die Blässe und den Gram in dem Gesicht des jungen Mannes bemerkt. Auf ihrem Gesicht zeigte sich sofort der Ausdruck tiefsten Mitleids.

Sind Sie unglücklich?" fragte sie.Wie be- daure ich das."

Der Ingenieur reichte ihr für diese herzlich ge« sprochenen Worte die Hand, welche das Mädchen erfaßte. Dabei sah sie ihm treuherzig in die Augen. Auch die Augen der Tante ruhten theilnahmsvoll und zugleich fragend aus ihm.

Mein Vaterhaus existirt nicht mehr, wie Sie sehen," sprach er.Und meine Mutter ist seit gestern verschwunden. Sie hat allem Anscheine nach unten im See ihrem Leben ein Ende gemacht.'

Das verhüte Gott!" rief Emma erschrocken.

Die Professorin aber fragte rasch:

Wie alt ist Ihre Mutter?"

Bald siebzig," antwortete Laurenz.

Unb gestern Nacht, sagten Sie ?"

oder von 2 1 und mehr Cylindersüllung müssen 2 Aus­mündungen mit je einer Abstellvorrichtung haben, die außerhalb des Wafferkastens bewegt werden kann, Die Abstellvorrichtung muß in ihrer Stellung begrenzt sein. Außerdem muß eine Vorrichtung vorhanden sein, durch welche die Druckschläuche einzeln während des PumpenS entleert werden lönnen.

5) Die Kolben müssen von Rothguß Coronet) ohne jede Nachdichtung gefertigt und in die Cylinder sauber einge­schliffen sein. Schmutzmanchetten sind zwar zulässig, doch müssen dieselben so eingerichtet sein, daß sie bei der Prü­fung der Spritze jederzeit entfernt werden können.

6) Spritzen mit Saugvorrichtung müssen mit einem Windkessel für das Druckwerk und einem zweiten für das Saugwerk versehen sein.

7) Die Saugschläuche müssen konischen Verschluß haben, die Seiher abschraubbar und die Löcher derselben gegen einströmenden Schmutz und gegen Verstopfung genügend geschützt sein.

8) Die Ventile müssen aufgeschliffen und so angebracht sein, daß sie ohne Zerlegung der Spritze, insbesondere ohne Entfernung der Kolben leicht zugänglich sind.

9) Außer an den Windkesseln darf am Pumpwerk nichts gelöthet sein.

10J Jede Spritze muß mit der den örtlichen Verhält­nissen entsprechenden Anzahl Druckschläuchen bezw. Saug- schläuchen, den erforderlichen Mundstücken, mit einer La­terne, einer Bremse und dem Requisttenkasten mit dem nöthigen Werkzeug versehen sein.

11) Der höchste Angriffspunkt der Druckstangen darf nicht höher als 1,7 m und nicht tiefer als 0,5 m ju liegen kommen und die Differenz zwischen höchster und niedrigster Stellung darf nicht mehr als 1,1 m betragen.

12) Die Uebersetzung der Druckhebel soll nicht weniger als 1: 4 und nicht mehr als 1:6 betragen und müssen die Druckhebel auf elastische Puffer aufschlagen.

§. 4. Hat die äußere Untersuchung ergeben, daß die Spritze den vorstehend gegebenen Vorschriften entsprechend gebaut und nach Oeffnung sämmtlicher Wasserablaßhähnchen (Schrauben) unter Einwirkung des Druckhebels alles Wasser aus den inneren Theilen der Spritze verschwunden ist, so wird, nachdem die Wasserhähne wieder geschlossen sind, zur eigentlichen Spritzenprobe (Saug-, Lust- und -Wasserprobe) geschritten.

A. Die Saugprob e wird angestellt:

a. mittelst des Vacuummeiers.

Man bringt das Vacuummeter an den Eingang des Saugcanals an und pumpt so lange, bis die Ventile zu

Ich glaube sie selbst noch gesehen zu haben, als ich hierherging, aber ich habe sie nicht erkannt, denn es war bereits dunkel. Sie lenkte ihre Schritte dem See zu."

Die beiden Damen blickten einander an und ihre Augen begegneten sich vielsagend und freudig.

tzerr Ingenieur, Ihre Mutter lebt!" rief jetzt Emma mit vor Freude leuchtenden Augen.

Ist das wahr?" fragte der junge Mann mit vor Aufregung zitternder Stimme. Die tiefe Blässe war einer glühenden Räthe gewichen.Sie wissen von ihr? Wo ist sie? Wo kann ich sie finden?

Bet uns in Seeshaupt," rief Emma.

Es ist kein Zweifel, daß die alte Frau Ihre Mutter ist," bestätigte jetzt auch die Professorin. Wir saßen gestern im Garten und freuten uns der wunderbaren Mondnacht," erzählte sie dann weiter.

Wir sangen"

Das Lied ,vom himmelblauen See," ergänzte Laurenz.

Sie wissen das?" fragte die Dame verwundert.

Ich hörte den Gesang, als ich am Ufer nach meiner Mutter suchte," erklärte er.

Kaum hatten wir geendet, da hörten wir einen ächzenden Aufschrei, einem Hilferufe ähnlich. Wir eilten nach jener Stelle, von welcher der Ruf kam und fanden eine alte Frau ohnmächtig am Ufer liegen. Wir ließen sie in unsere Wohnung tragen, wo sie sich bald wieder erholte. Dort ist sie noch. Aber sie war nicht zum sprechen zu bringen, sie

schlagen aufhören. Der Zeiger des VacuummeterS muß alsdann wenigstens 40 cm zeigen und darf innerhalb 2 Minuten nicht unter 20 cm zurückgehen.

Hierdurch ist die Saugfähigkeit der Spritze bis zu einer Höhe von 5,43 m erwiesen.

b, ohne Vacuummeter.

Diese Probe ist nur bei günstigem Terrain, d. h. nur an solchen Stellen ausführbar, wo das Niveau des Wassers mindestens 5 m unter dem Spritzenstand sich vorfindet. Nachdem sämmtliche Saugschläuche angeschraubt sind, wer­den sie senkrecht in das Wasser herabgelassen und wird durch Pumpen die Saugfähigkeit der Spritze constatirt.

Bei dieser Probe muß die Spritze noch einen gut ge­schlossenen Strahl abgeben. Fehler in den Schläuchen werden sofort erkennbar sein.

B. Die Lustprobe wird ausgeführt:

a. mittelst des Manometers.

Man bringt das Manometer mittelst einer s. g. Ver. koppelungsschraube an dem Ausgang der Spritze an, pumpt darauf bei geöffnetem Saugschläuche so lange, bis sich die Ventile in Folge des inneren Druckes nicht mehr öffnen. Bei diesem Stand muß das Manometer 2 kg pro 1 qcm zeigen und darf innerhalb eines Zeitraums von 2 Minuten höchstens 1 kg zurückgehen.

b. ohne Manometer.

Man schließt den Ausgang der Spritze und pumpt so lange, bis die Ventile nicht mehr schlagen Bleiben die Druckhebel alsdann horizontal stehen und läßt sich keinerlei Zischen im Innern der Spritze vernehmen, so ist die Spritze in allen Theilen dicht. Wird nach zwei Minuten der Ausgang wieder geöffnet, so muß die Lust mit knallen­dem Geräusch entweichen.

0. Die W a s s e r p r o b e wird ausgeführt:

a, mittelst des Manometers.

Man schraubt das Manometer an den Ausgang der Spritze und zieht durch den Saugschlauch so lange Wasser ein, bis das Manometer einen Druck von 10 kg pro 1 qgm zeigt. Innerhalb zwei Minuten darf der Zeiger nicht unter 8 kg zurückgehen.

b. ohne Manometer.

Man schließt die Ausgänge und läßt von dem 4ten Theil der Zahl der von dem Fabrikanten angegebenen Bedienungs-Mannschaft so lange Wasser einpumpen, bis die Spritze feststeht, wobei undichte Stellen durch Vor­dringen von Wasserperlen sofort bemerkbar werden.

§, 5. Die Leistungsfähigkeit der Spritze, insbesondere ob dieselbe in bestimmter Zeit eine genügende Wassermenge fördert, ob der Srrahl ununterbrochen gleichförmig und

weinte nur still und rief seufzend den Namen Lenzt" vor sich hin. Heute, als wir am Morgen das Haus verließen, lag sie im festen Schlafe. Wie wird sich die Aermste freuen, wenn Sie an ihr Bett treten!"

O Dank, tausendmal Dank!" rief Laurenz, der Professorin die Hand küssend.Keinen Augenblick will ich zögern verzeihen Sie mir, wenn ich Sie verlasse, meine Damen. Dort hinab durch den Grund und dann links führt der Weg nach Hohen» berg. Dort hoffe ich Sie Mittags wieder zu treffen, dort bitte ich Sie mit mir dann die Pollingsrteder Kirchweih wirklich zu feiern. Leben Sie wohl! Sie haben mir ein halbes Leben wieder gegeben. Ich werde Sie segnen, so lange ich athme."

Gerührt verabschiedeten sich die Damen von ihm.

Laurenz war noch keine fünfzig Schritte gegangen, als ein fröhlicher Juhschrei aus dem Grunde herauf, schallte. Er kam von Podl, der eine alte Frau am Arme führend, sich, so schnell es anging, dem Kirchlein näherte.

Sofort erkannte Laurenz seine Mutter. Mit einem Freudenschrei eilte er aus sie zu, im nächsten Augenblick lagen sich Mutter und Sohn in den Armen. Laurenz umschlang sie, als fürchtete er, sie möchte ihm wieder entrissen werden, und die Alte fragte unter Thränen immer wieder:

Lenzt, bist es denn wirkli, mei Lenzl?"

Frau von Welling und Emma waren inzwischen gleichfalls herangekommen und sie sahen mit Podl gerührt dieser Scene zu.