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Strsftlhn Kreislillitt.

Mit Wöchentlicher Kratis-AeikageIssustrirtes Anterhallungsßkatt".

Nr. 42.

Donnerstag den 8. April

1886.

WE" Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gratis-BeilageJllu- strirtes Unterhaltungsblatt" werden noch fortwährend von allen Kaifer- lichen Postanstalten, Landbriefträ­gern und von der Expedition an­genommen.

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 22. October v. I. bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der Herr Minister des Innern durch Erlaß vom 18. d. Mts. dem Vor­stände des Wiesbadener Vereins vom rothen Kreuz die Gestattung ertheilt hat, Loose zu der nach der erwähnten Bekanntmachung zum Besten des Ver­eins zu veranstaltenden Ausspielung von Silber­sachen außer in den dort bezeichneten Provinzen auch in den sämmtlichen übrigen Landesthetlen des Preußischen Staatsgebietes zu vertreiben.

Cassel, den 24. März 1886.

Der Ober-Präsident. Graf zu Eulenburg.

tzersfeld, den 5. April 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 17. März 1885 Nr. 3077 (Kreisblatt Nr. 34), die Revision der Gemeindekasse betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

4219. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

(Nachdruck verboten.)

Der Gröe von UoMngsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

n letzten Vaterunser bet' i no," sagte die Alte zu sich selbst.I schick'n zum heilin Laurenzi auffi. Grad oa'Zoacha wennst mir gebast, liaba Heiliger," sprach sie, zum Himmel ausblickend weiter,daß's no besser weret für mi, daß mi der Himmi nit ganz verlassen hat"

Andächtig, glaubensvoll sah sie nach den Sternen.

Da bemerkte sie die zahllosen Sternschnuppen, die den Weltenraum durchflogen die Thränen des heiligen Laurentius. Feurige Thränen das war's, was ihrer wartete. Seit Jahren waren sie nicht mehr in solcher Fülle und Pracht sichtbar gewesen.

Im gleichen Momente blickte auch das Auge ihres todtgeglaubten Sohnes vertrauensvoll zu ihnen auf. Nur der Garten der Villa trennte Beide. Auch sie vernahm den Gesang. Wohl verstand sie die Worte:

Aus ist das Herzeleid, aus ist das Weh."

Undaus ist das Weh!" wiederholte auch sie sich. Sie stand nahe dem Ufer, nochmals blickte sie zum Himmel auf, dann wankte sie, ein Schrei löste sich aus ihrer Brust sie war sich ihrer nicht mehr bewußt.

4.

Vom Thurme des einsamen Waldkirchleins Pollingsried flatterte die rothweiße Fahne. Der

Aus den Parlamenten.

Berlin, 5. April. Der Reichstag genehmigte #«^ nächst definitiv den Gesetzentwurf, betr. die Ergänzung des § 809 der Civilproceßordnung, in der Fassung der Beschlüsse zweiter Lesung und erledigte in erster und zweiter Berathung nach unerheblicher Debatte den Han­delsvertrag mit dem Sultan von Sansibar. Nachdem dann die Rechnung der Kasse der Oberrechnungskammer der Rech- nungskommiffion überwiesen war, wurde der von polnischer Seite eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des §, 187 des Gerichtsverfassungsgesetzes (Sprachen««» trag), mit einem Abänderungsantrage des Äbg. Klemm (deutschkons.) nach den Beschlüssen der Kommission ange­nommen. Schließlich gelangte noch die allgemeine Rech- nung über den Reichshaushalt für das Etatsjahr 1881/82 in zweiter Lesung zur Erledigung. Dabei wurde indeß trotz des Widerspruchs der Regierung die Decharge nur mit dem Vorbehalt ertheilt, daß der Herr Reichskanzler bezüglich gewisser, aus Grund Allerhöchster, vom Königl. preußischen Kriegsminister gegengezeichneter Ordres, ge­machten Ausgaben die Verantwortlichkeit für die ergange» nen Allerhöchsten Ordres durch deren Gegenzeichnung nachträglich übernimmt. Morgen: Zweite Lesung des Ge­setzentwurfs betreffend die Unfallversicherung der in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Personen.

Berlin, 6. April. Der Reichstag trat in die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Unfall- und Kranken­versicherung der in land-und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, ein und erledigte von dem ersten Theile, enthaltend die allgemeinen Bestimmungen über die Unfallversicherung, die Abschnitte: Umfang der Versicherung, Gegenstand der Versicherung und Umfang der Entschädigung, sowie betreffend das Verhältniß zu den Kranlenkassen und Armenverbänden im Wesentlichen überall nach den Beschlüssen der Kommission. Morgen wird die Berathung fortgesetzt. Außerdem stehen noch aus der Tagesordnung die dritte Lesung des Handelsvertrags mit Sansibar und der pol­nische Gerichtssprachenantrag.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute zunächst die Berathung des Gesetzentwurfs über die Bestrafung der Schulversäum- nisse in zweiter Lesung fort; nach längerer Debatte gelangte derselbe unverändert zur Annahme, Desgleichen wurde die Sekundärbahnvorlage, nachdem noch auf Anregung aus dem Hause der Herr Minister für die öffentlichen Arbeiten die Schwierigkeiten hervorgehoben, welche der weiteren Ausbil­dung des sogenannten Schmalspur-Eisenbahnsystems ent< gegenständen, definitiv angenommen. Die dritte Berathung

Podl von Ellmann, der die Schlüssel zum Kirchlein in Verwahrung hatte, versah am heutigen Tage auch die Stelle des Sakristans. Schon mit Tagesgrauen hatte er sich hierher begeben und setzte das Glöck- lein am Thurme zum Morgen-Ave Maria in Be­wegung. Es tönte hell durch die Stille des Waldes, die hierum zahlreich vorhandenen Rehe verhofften über den ungewohnten Morgengruß und die Häher auf den Buchenzweigen flatterten erschreckt von bannen. Ueber das ganze Firmament hatte sich ein rosig duftiger Schein gebreitet, auf den Blättern der Bäume und den Gräsern des Waldes lag ein leichter Reif, und ein frischer Nordost strich durch den Wald. Das Hochgebirge zeigte sich, hinter den Buchenbeständen aufsteigend, in wunder­barer Reinheit und war es vor allem die herrliche Zugspitze, welche kühn und scheinbar ganz nahe in den duftigen Aether aufsteigend das Auge anzog.

Der Platz um das Kirchlein war mit Tannen und Fichtenfetzlingen angeforstet, nur an der vor­maligen Grenze des kleinen Bauerngärtchens standen noch einige Berberitzenstauden, deren rothe Trauben malerisch abstachen von dem verschiedenen Grün der Umgebung. Und noch ein Rest aus früheren Tagen war übrig geblieben, ein hoher Rosenstock. Er stand zunächst der Kapelle und eine einzige Rose blühte daran. Ihre Einsamkeit theilten einige riesige Königskerzen, deren mit gelben Blüthen überfäte Stengel fast bis zum Dache des Kirchleins emporragten.

Der Podl hatte die Paramente in der kleinen Sakristei zurecht gelegt und ordnete soeben einiges

über das Ansiedekungsgesetz wurde heute noch nicht zu Ende geführt, vielmehr, nachdem in der Generaldebatte ein Red- nergegen und ein Redner für die Vorlage gesprochen, die Berathung abgebrochen und auf morgen vertagt.

# Das Ansehen des Reichstages steht leider lange nicht mehr auf der früheren Höhe. Werden schon im Volke die unnatürlichen Parteibündnisse im Reichstage, welche einer jede gesunde Entwickelung hindernden Hemmschuhpolitik dienen, als ein großer Uebelstand empfunden und hat insbesondere das Verhalten der Mehrheit von Freisinn, Centrum, Socialdemocraten, Polen und Welsen wiederholt das nationale Empfinden schwer verletzt, so kommt neuerdings eine immer größere Vernachlässigung des guten Tons und des parla­mentarischen Anstandes hinzu, welche das Ansehen des Reichstags tief herabdrückt. Selbst gut li­berale Blätter erheben jetzt laute Klagerufe über die Verwilderung der parlamentarischen Sitten. So gab jüngst die Magdeburger Ztg., ein früher secessionistisches Blatt, folgende Schilderung des Benehmens der Freisinnigen und der Socialdemo­craten :

Dieses wüste Geschrei, dieses frivole Hinein­rufen in die Debatte, diese frechen, jeder Grenze der Schicklichkeit spottenden Zurufe an die Vertreter der verbündeten Regierungen, dieses jungenmäßige Gelächter und laute Zwiegespräch, hineingetragen in die ernste Debatte all dieses erregt in steigendem Maße den Ekel aller anständigen Mitglieder des Reichstags. Wir sind überzeugt, ja man kann es aus ihren Mienen lesen, daß viele ruhige anständige Mitglieder der deutschfreisinnigen Partei dieses wüste, unanständige Treiben ihrer Genossen mißbilligen, allein, da Führer der Partei diesen Ton anschlagen, so findet er täglich mehr Nachfolger. . . . Dabei verwischen sich täglich mehr die äußerlich erkennbaren Grenzen gegen die Socialdemocraten. Eingeschoben in die leeren

am Altare, auf welchem das Hochamt gehalten werden .sollte, als ein städtisch gekleideter Herr ein- trat, sich einen Augenblick in dem kleinen Raum umschaute und dann den Sakristan mit der Frage ansprach:

Hast d' Pollingsriederin nit gsehn?"

Der Podl verneinte.

I hons' no' nit gsehn," sagte er,aber kemma thuats gwiß. Um neun is's Amt, da bletbt's nit aus."

Er hatte inzwischen seine Beschäftigung beendet und sich dem Fremden genähert, den er neugierig betrachtete.

Je mehrEnk anschaug, desto bekannter kommt's mir vür", sagte er dann zögernd.Sollt's mögli sei', meiner Seel! bist du nit der Lenzt?"

Dieser bejahte und drückte dem Schulkameraden herzlich die Hand.

Da is halt viel anders worn seit der Zeit, daß d' furt bist aaf Amerika, gel?" sagte der Podl.

Leider Gottes!" seufzte Lenzt.Aber alles wollt ich gern verschmerzen, wenn ich nur meiner MutterGrüß Gott" sagen könnt'".

Dera is nix passirt", tröstete Podl.I woab 's wohl, daßn Hohenberger seine Knecht gestern Nacht no' nach ihr gsuacht habn. Aber verlaß di drauf, si kimmt scho' wieder zum Vorschein."

Möcht'st wahr reden!" verletzte Laurenz.Aber wir haben alles abgesucht, alle Häuser abgefragt, nirgends ist sie, niemand weiß von ihr. Meine letzte Hoffnung ist, daß sie hierher kommt, wenn sie"