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Amtliches
„ Hersfeld, den 30. März 1886.
3tn Anschlüsse an meine Verfügung vom 6. Oclober 1885 Nr. 10534 im Kreisblatt Nr. 120 werden die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises höherer Verfügung zufolge darauf aufmerksam gemacht, daß an Stelle der in dieser Verfügung genannten Beamten nunmehr die im 8. 68 unter Nr. 5 bis 17 der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 30. November 1885, betreffend die Neuredaktion der Bahnpolizei-Reglements für die EiseuMmn DeuMlands, (Ex
geführten Beamtenkategorien als polizeiliche 2Mb flreckungsbeamte im Sinne des §. 34 Nr. 6 des Gerichtsverfassungsgesetzes anzufehen und daher von der Ausnahme in die Schöffenurlisten auszu-
schließen sind.
4008.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n t &
Hersfeld, den 1. April 1886.
Die Nummerliste der verlosten Schuldverschreibungen der 4procentigen Staatsanleihen von 1850, 1852 und 1853 liegt in dem Geschäftslo- cale des hiesigen Landrathsamtes, sowie auch in denjenigen der Königl. Steuerkassen des Kreises
fc ' .....".....
(Nachdruck verboten ) Der Erbe von UoNngsried.
Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.
Von Maximilian Schmidt.
(Fortsetzung.)
Der laue Abend gestattete, denselben im Freien zu verbringen und so war hier alles in fröhlichster Stimmung. Ein improvifirtes Orchester hatte aus dem bedeckten Tanzplatz Posto gefaßt und die junge, wie die alte Welt zum fröhlichen Reigen eingeladen.
Laurenz vernahm diese Klänge schon lange, als er noch pfadlos durch Wald und Feld eilte. Er hörte das Jauchzen fröhlicher Menschen weit hinaushallen in die Nacht, ihm drangen diese Laute jetzt wie Messerstiche in'S Herz, aber dennoch athmete er erleichtert auf, da er endlich sein Ziel vor sich erblickte.
Als er auf dem beleuchteten Platze vor dem Hause ankam, ward ihm die Ursache des Festes sofort klar. Seine Ankunft erregte keine besondere Aufmerksamkeit; man hielt ihn für einen Sommerfrischler, welcher in Eberfing, Seeshaupt oder am Ostersee sein Quartier aufgeschlagen und auf der Rückkehr von einem Ausfluge hier noch leibliche Stärkung suchte. Mit gewohnter Leutseligkeit bot ihm der Wirth, ein gemüthlicher Mann und in seinem Aeußeren ganz einem treuherzigen Förster gleichend, Platz an und fragte, „was gfälli is?"
Laurenz verlangte ein Glas Bier und er wurde sofort bedient.
,Wo aus noch heutfragte der Wirth.
Hierbei mache ich zugleich auf die diese Num- merllste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden, abgedruckt im ^nettsam Amtsblatt ^1886 ^ 13 (Seite 55),
------Der Königliche Landrath
Aus de» Pa«ÜmM«lM
Berlin, 31. März. Der Reichstag setzte die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verlän"' L der Gültigkeitsdauer des Socialistengesetzes “n0 nahm die Anträge des Abg. Windthorst, ,®c" setz in Bezug auf Versammlungen, sn.uEtfc^riften, Reichs- kommiffion, kleinen Belagerungszu.^and einschränken, sämmtlich an, und daraus den ganzen Artikel II, der diese Anträge enthält, mit 164 gegen 142 (Rechte und Nationalliberale) Stimmen an. In die Berathung über die Zeitdauer, für welche das Gesetz zu verlängern ist, griff auch der Reichskanzler Fürst von Bismarck ein, indem er für die Nothwendigkeit des Gesetzes besonders auch auf die gestrige Rede des Abg. Bebel hinwies, der eventuell den Fürsten- und Meuchelmord ausdrücklich in sein Programm ausgenommen habe, und auf den Widerspruch des genannten Rbs<>--vurtk.> crgartete der Herr Reichskanzler seine
stenogr. Berichls. Pg(^^ zu dem der Abg. Frhr. ß die ^egleruugen A^raa gestellt hatte, zunächst i
Behauptung an der Hand des betr. j
Fürst Bismarck erklärte im Uebrigen, daß auch das Minus von 2 Jahren für die Verlängerung im Interesse des Volkswohls nicht ablehnen dürsen. Die.Debatte wurde noch längere Zeit fortgesetzt. Das Resultat
der schließlichen Abstimmung war die Ablehnung der Anträge Windthorst (bafür nur das Centrum), ebenso der Regierungsvorlage (bafür nur die beiden rechten Frationen und einige Nationalliberal-), endlich die Annahme deS Antrages von Hertling — Verlängerung des bestehenden Gesetzes um 2 Jahre — bei Auszählung mit 173 gegen 146 Stimmen. Für den Antrag stimmten die beiden rechten Fraktionen, die Nationalliberalen und ein erheblicher Theil des Centrums, Morgen kleinere Vorlagen und Wahlprüfungen,
Das Herrenhaus erledigte zunächst in einmaliger Schlußberathung die Gesetzentwürfe, betreffend eine Erweiterung des Staatsschuldbuchs und betr. die Landeskre-
„Ich möcht hier bleiben, wenn's angeht," entgeg-
„Hellseiten!" rief der Wirth, „dös wird schwer halten, 's Haus i's gesteckt voll. Von morgn an wird's leerer, weil viele hoamzua roasen. Aber wir wern scho' was finden für d' Nacht, wenn's vorlieb nehma."
Laurenz fragte nun dircct in landesüblicher Sprache:
„Kennst mi nit, Hohenberger? Hab i mi so so stark verändert?"
„I kenn Eahna nit," erwiderte der Wirth kopfschüttelnd.
Laurenz wollte eben seinen Namen nennen, als die Kellnerin den gefüllten Maßkrug vor ihn hin- stellte. Dadurch entstand eine kleine Pause und Laurenz überlegte, ob es nicht besser sei, unerkannt zu bleiben und so das ungeschminkte Schicksal seiner Mutter und seines Erbes zu erfahren.
„Ich bin schon früher einmal dagewesen," sagte er einlenkend, „und bin mit der Gegend vertraut. Am Ostersee war ich oft und in Pollingsried habe ich einmal Kirchweih mitgemacht; wenn ich mich recht erinnere, war's zu Laurenti, morgen ist der Tag. Ich möcht wieder hingehen, der Erinnerung wegen'"
„Nach Pollingsried?" fragte der Wirth. „Dös existirt ja nimmer."
„Nicht? Wie ist das möglich? Sind die Leute gestorben?"
Er zitterte vor der Antwort.
I „Gstorbu und verdorbn!" lautete diese.
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Ä Sitlfö »««'»»"- ««“». fr»»^ordnetenhaus berieth zunächst den An- trag des Abg. Bachem (Centrum) und Genossen auf Aenderung des Gesetzes über die Klassen- und klassifizirte hÄJ Der Antrag, welcher eine Herabsetzung ^^Wahlcensus für die Kommunalwahlen allgemein auf sechs Mark anstrebt, wurde nach längerer Debatte ..... iroetten «Mr ^t e i ch s t a g genehmigte in
Her Berathung den Gesetzentwurf, betr. die Ergänzung des §. 809 der Civilprozeßordnung (veranlaßt durch die Schädigung der Handelsverhältnisse Hamburgs durch das bestehende Gesetz), in der Fassung der Kommission und in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betr. die Verleihung der Korporationsrechte an die Jnnungsverbände. Den Schluß der Sitzung bildeten Wahlprüfungen. Die Wahl des Abg. Dr. Bürklin (nat.-lib.) wurde trotz des Widerspruchs der Deutschfreisinnigen für gültig erklärt; wegen der Wahlen der Abgeordneten Dr. Groß und Hellwig wurden Erhebungen beschlossen und betr. der Wahl be8 Abg. Woermann ein früherer Beschluß für erledigt erklärt. Morgen r 3. Lesung des Socialistengesetzes.
Das Ab g e ord n et e nh a us begann die zweite Be« rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und
" ‘ ~ ' < uon Huene (Centrum) einen
Antrag gestellt hatte, zunächst von der Regierung, bestimmt bezeichnetes, statistisches Material einzufordern und bis zur Vorlegung desselben die Berathung über das Gesetz selbst
auszusetzen. Mit der Berathung dieses Antrages wurde zugleich die über den grundlegenden §. 1 verbunden. In der Diskussion sprachen nach dem Abg. Frhrn. v. Huene, welcher seinen Antrag ausführlich begründete, die Abgg. Dirichlet (deutschfr.) und Kantak (Pole) gegen das Gesetz überhaupt, während die Abgeordneten v. Rauchhaupt (tonf.), Dr. Wehr (freikons.) und Dr. Sattler (nat-lib.) ür dasselbe eintraten. Die Ausführungen der Gegner des Gesetzes gaben dem Herrn Minister für die landwirthschaft- lichen Angelegenheiten Veranlassung, näher auf die Ziele des Gesetzes einzugehen, wobei er besonders betonte, daß
.• Diejenigen, welche die vorgeschlagene Maßregel aus natio, > | nal-politischen und agrar-politischen Rücksichten billigten, > [audj der Regierung un) deren Organen das Vertrauen
„Gstorbn?" rief Laurenz. „Alle — alle?"
„Alle, bis auf die alt' Bäurin, die von der Gmoa' erhalten wird."
Der Fremde athmete hoch auf.
„Wo kann ich's finden?" fragte er hastig den Wirth.
„Wenn's Eahna verinteressirt, so därfens nit weit gehn. I hab ihr in mein Znahäusl an' Unterschlupf gebn und da bringts die meist' Zeit zua. Es geht ihr so weit nix ab, aber es is halt hart für die vormals so angsehne Bäurin, dab's iatz vom Almosen lebn muaß. Wir habn a große Bedauerniß mit ihr und wünscheten halt, daß ihm Hoffnung no’ in Erfüllung ging."
„Welche Hoffnung?" fragte Laurenz mit stockendem Athem.
„Sie bet' Tag und Nacht, daß ihra Suhn von Amerika zuruckkemma möcht. Aber mei, der lebt vielleicht nimmer, denn daß er auf sei' altes Muatterl vergessen hat, 'ßel ts do' nit zum glauben."
„Führt mich zu ihr!" bat Laurenz.
„Dös kann scho' gschehgn," versetzte der Wirth, jetzt mit eigenthümlichen Blicken den Fremden musternd. „Sie wird aber bereits schlafen gangen sei'. I moan, Sie sollten warten, bis morgn, in der Fruah."
„Nein, nein, heut noch, gleich jetzt!" rief der Fremde. Dann fragte er noch, wie es kam, daß auch der Hof verschwunden.
„Ja no' dös is a ganz kurz G'schicht," erzählte der Wirth. „Der Pollingsrieder hat zwoa Söhn ghabt, der jüngere war a unsteter Mensch, zum