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Hersftldcr Krelsbliitt.
Mit wöchentlicher Kratis-ZLeilage „Illustrirtes Interhaltungsölatt".
Nr. 39. Donnerstag den 1. April 1886.
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Amtliches.
Wehlheiden, den 28. März 1886.
Im Verlauf der letzten Jahre haben wir mehrfach Gesuche um Aufnahme von Kindern in die Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen zu Treysa abschläglich beantworten müssen. Die erste Einwirkung des Gesetzes über die Zwangserziehung verwahrloster Kinder war die Ursache, daß die Stellen in unserer auf die Pflege von 130 Mädchen eingerichtetes- Erziehungsanstalt völlig besetzt und weitere Aufnahmen deshalb unmöglich wurden.
Nachdem der erste Ansturm der Zwangszöglinge vorüber ist, auch das genannte Gesetz zur Zeit in viel beschränkterem Maßstabe als früher angewandt wird, sind wir wieder in der Lage, einer Anzahl Mädchen gegen die üblichen Bedingungen in der Erziehungsanstalt zu Treysa Pflege und Erziehung gewähren zu können. Wir erlauben uns, Ew. Hochwohlgeboren diese Nachricht zur gefälligen Kenntnisnahme mitzutheilen, und ersuchen Sie ergebenst, sich gegebenen Falls der-
(Nachdruck verboten.)
Der ßröe von Uollingsried.
Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.
Von Maximilian Schmidt.
(Fortsetzung.)
„Ja, dös thuest,* versetzte Mich!; „das wird's best' sei', du gehst selm ummi aus'n Schwarzbauernhof z' nächst Bernried, nacha kannst es glei von her Sannt selber hörn, od's is, daß sie gstorbn is oder grad ihra Mo' — die sagt dir's fd)o’.*
Lenz hätte über die Naivetät des Alten lachen können, wenn ihm diese Nachricht nicht so tief ins Herz gegriffen hätte. Es war zwar verwegen, auf die unentwegte Treue eines Mädchens zu bauen, das ja nicht einmal mehr wußte, ob er sich noch unter den Lebenden befinde, aber der junge Mann nahm den Maßstab nach seinem eigenen Herzen.
Für Hanni hatte er gearbeitet in rastloser Thätigkeit, für sie hatte er gespart, mir ihr eine glückliche Zukunft zu gründen, war sein Streben. Jetzt, da der Anfang gemacht werden konnte, war sie ver- heirathet, war sie vielleicht gar schon todt.
Lenz hatte schon die Frage nach seiner Mutter im Munde. Aber nein, aus dem Munde dieses täppischen Menschen wollte er nicht die erste Kunde über das Liebste, was er noch auf der Welt besaß, erhalten. Deshalb sagte er dem Alten „bhütGotl" und wanderte in der Richtung gegen Pollingsried weiter.
Bald führte ihn der Weg an der Stelle vorüber, wo nach landesüblicher Sitte das Todtenbrett seines verstorbenen Bruders ausgestellt war und Laurenz entblößte sein Haupt, um für dessen arme Seele zu beten.
Da gewahrte er am Betschemel vor dem Kreuze
selben erinnern, auch die Ew. Hochwohlgeboren unterstellten Organe gütigst darauf aufmerksam machen zu wollen.
Der Vorstand des Diakonissenhauses.
I. A.: Der Schriftführer.
Lict. theol. Sardemann.
* *
Hersfeld, am 29. März 1886.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnähme mitgetheilt.
3986. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
# Fürst Bismarck's Rede in der Monopolfrage.
Fürst Bismarck hat es sich nicht nehmen lassen, in der Angelegenheit des Branntweinmonopols bei der zweiten Berathung im Reichstage das Wort zu ergreifen. Wie er selbst sagte, glaubte er damit nicht irgend einen wesentlichen Einfluß auf das Schicksal der Vorlage ausüben zu können. Aber er hielt es sür seine Pflicht, die Gründe dirrzulegen, welche ihn bestimmt haben, den Antrag auf Einführung des Monopols zu stellen. Zunächst aber beschwerte er sich mit Recht über die Art und Weise, wie das Monopol im Reichstage und seiner Commission behandelt worden ist. Eine Vorlage, welche von den verbündeten Regierungen mit großer Sorgfalt in 6 Monaten ausgearbeitet und von ihren Sachverständigen geprüft worden ist, wird in wenigen Tagen vom Reichstag als vollständig unbrauchbar verworfen und dabei jedes Eingehen auf sachliche Prüfung, jede Andeutung darüber, wie sonst dem Bedürfniß, dem die Vorlage dienen sollte, abzuhelfen
eine Gestalt, die sich bei seiner Annäherung sofort erhob. Es war ein altes Weib, das um Kopf und Oberleib ein Tuch geschlungen hatte.
Fast erschrak er über diese Erscheinung.
„Gelobt sei Jesus Christus!" sagte die Alte und schritt gebückt an ihm vorüber, den Weg nach Seeshaupt einschlagend.
„In Ewigkeit, Amen", entgegnete der junge Mann. „Kommts von Pollingsried?" fragte er dann.
„Ja", erwiderte das Weiblein.
„Und wo aus noch heut?"
„In See — ausrasten", lautete die Antwort der sich Entfernenden.
„Warum bleibt ihr nicht in Pollingsried? „Ist doch morgen dort Kirchweih."
„Bei die Geier und Fuchs?" erwiderte die Alte. „Dort giebt's koa' Kirchweih mehr. Ich bin müad. In See — ausrasten. O mei liaba Laurenzt l"
Die Alte war hinter einer Biegung des Weges den Blicken des Mannes entschwunden. Dieser starrte ihr lange nach. Er konnte sich die Worte derselben nicht enträthseln. Er sagte sich schließlich, es müßte eine Verrückte gewesen sein. Diese Begegnung zur Nachtzeit hier im Walde war ihm unheimlich und ohne sich länger zu verhalten, verfolgte er beschleunigten Schrittes den Weg zu seinem nunmehr schon ganz nahen Heimathshause.
Bald sah er auch den Thurm des kleinen Kirch- leins, das unmittelbar neben seinem Hofe stand, vom Mondenlichte erhellt; in wenigen Minuten mußte er auch dieGebäulichkeiten von Pollingsried erblicken. Doch war es keine freudige Regung, die jetzt in seinem Herzen Platz griff. Die wenigen Worte der alten Frau hatten wie mit Centnerlast
sei, ängstlich vermieden; dieses Verfahren des Reichstags bezeichnete der Kanzler mit dem treffenden Wort: Blindekuhspiel. Fürst Bismarck beleuchtete dann weiter die Art und Weise, wie das Monopol von dem Führer der Freisinnigen, Eugen Richter, bekämpft worden ist, der selbst nicht davor zurückschreckte, den ersten Beamten des Reichs damit zu verdächtigen, daß er mit dem Monopol persönliche Interessen verfolge: der Kanzler erklärte es für unter seiner Würde, diesem Herrn diesen Vorwurf zurückzugeben und gab unter lebhaftem Beifall der Rechten seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß das Gewicht des Herrn Richter zu leicht sei, um ihn aus der Stellung herunterzuzerren, die er sich im öffentlichen Leben seit dreißig Jahren erworben.
Die weiteren Darlegungen des Kanzlers waren den Gründen gewidmet, welche ihn zu dem Monopolentwurf geführt haben. Der Druck der directen Steuern, insbesondere der Communal- lasten, die Noth der Gemeinden und der Landwirthe wurde in kurzen Zügen vorgeführt und dann die Steuerfähigkeit des Branntweins erläutert. Er legte die Unmöglichkeit der Erhöhung der Maischraumsteuer dar, weil sie den schon in sehr schwieriger Lage befindlichen Producenten zu sehr belasten und eine große Zahl von Brennern ruiniren würde, und stellte dem gegenüber die glückliche Lage der Schankwirthe, welche 1000 bis 3000 Procent an dem Schnaps verdienen, und nur deshalb nicht gerade reich werden, weil der Andrang zu diesem bequemen und einträglichen Gewerbe zu groß ist. Hier muß, um der Noth der Gemeinden und der Steuerzahler ein Ende zu machen, Halt gemacht werden, um so mehr, als der Trunk die Lüderlichkeit fördert
sein Herz beschwert, selbst die Freude, seine Mutter wieder zu sehen, schien unter der Wucht dieser Last zu ersterben. Noch klangen ihm die seltsamen Worte in den Ohren:
„Bei die Geier und Füchs, dort giebt's koa Kirchweih mehr!"
Jetzt schritt er die kleine Anhöhe hinauf. Der Mond trat hinter einer dichten Wolkenbank hervor und beleuchtete mit seinem milden Licht die ganze Waldgegend, aus deren Mittesich dieweißen Wände des Kirchleins hervorhoben. Doch vom Hofe leuchtete dem Ankömmling kein Licht entgegen, unheimliche Stille herrschte ringsumher. Und jetzt hemmte der Mann plötzlich seinen Schritt. So viel er seine Augen auch anstrengte, er vermochte außer dem Kirchlein kein weiteres Gebäude zu sehen. Verhüllte ihm ein höhnischer Kobold die Aussicht auf sein Besitzthum? Wachte oder träumte er? Oder hatte er sich verfehlt? Aber nein, das Kirchlein mit dem ihm wohlbekannten Kuppelthürmchen war doch seine Kirche? Zur Linken erhob sich der Röhrmoosbuhl mit der Riesenbuche, die deutlich sichtbar, nur sein Haus — sein Heimathshaus war nicht zu sehen.
Nur zögernd ging er vorwärts und jetzt — stieß er einen Schreckensschret aus. Sein väterliches Erbe war in der That von der Oberfläche der Erde verschwunden — das Kirchlein stand allein noch an seinem Platze. Von seinem Hofe war nichts mehr zu sehen, nicht einmal Schutt und Ruinen. Auf dem Platze, wo das Anwesen einst gestanden, befand sich eine junge Fichtenpflanzung und auf seinen Schrei hin flüchteten ein paar Füchse über die einsame Stätte.
„Mutterl! Mutter!! Wo bist? Was ist da