ihm wieder aufgerichteten Reiches zu sorgen, so offenbart sich darin eine Fülle der Gnade Gottes, welche nicht nur der erhabenen Person des greisen Monarchen, sondern auch dem preußischen und deutschen Volke widerfährt.
Am 22. März sei daher aller Preußen und Deutschen Erstgefühl Preis und Dank für die göttliche Gnade, die Kaiser Wilhelm bis hierher geleitet und welche auch in dem verflossenen Lebensjahre über ihn gewaltet, — aber auch Preis und Dank, daß das preußische und deutsche Volk des Segens seines milden und gerechten Regiments theilhaftig ist und in Glück und Frieden an den Aufgaben mitwirken kann, die ihm von der Vorsehung gestellt sind. Auch in dem verflossenen Lebensjahre hat es nicht an Ereignissen gefehlt, deren Verlauf von Neuem das Volk und alle Welt überzeugt hat, wie Kaiser
Wilhelm Dank seines hohen Ansehens in Europa die Aufgabe zu lösen Dermal seinen Nachfolgern in r-f*r
Mehrer des deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern
vermag, die er sich und Versailles gestellt, „allezeit
und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." Die Wolken, die im fernen Osten und in Südwesten den Horizont verdüsterten, haben sich zerstreut, in der inneren Politik ist es dem Kaiser vergönnt gewesen, ein Hauptwerk der Socialre- form in Kraft treten zu sehen, welches den arbeitenden Klassen größere Sicherheit ihrer Existenz bringen soll, und soeben bricht die Sonne des kirchlichen Friedens durch, welchen Kaiser Wilhelm für seine Lande erstrebt.
Mit dem Dank für die göttliche Gnade, welcher aus aller Deutschen Herz und Mund quillt, vereinigt sich der Wunsch und das Gebet, daß Kaiser Wilhelm seinem Volke noch lange erhalten bleibe und auch noch die Früchte der Arbeit genieße, die er noch jetzt in Angriff genommen. Dazu gehört vor Allem aber, daß sich das deutsche Volk in allen seinen Theilen, Schichten und Parteien auch würdig der Gnade erzeige, die ihm von der Vorsehung in einem Maße zu Theil geworden ist, welches in der Geschichte kaum seines Gleichen findet. Fast scheint es so, als ob das deutsche Volk schon zu sehr verwöhnt sei: Hader, Zank und Streit erfüllt das öffentliche Leben und die Größe und das Glück der Nation ist nicht mehr die ausschließliche Triebfeder in dem politischen Denken und Trachten; Mißmuth und Egoismus lassen nicht überall die rechte Freude an dem Besitz und der Größe des geeinigten Vaterlandes aufkommen. Ein Blick auf unseren erhabenen Heldenkaiser, auf sein unermüdliches Wirken und Schaffen bis zum heutigen Tage, aus seine unablässige Fürsorge für die Wohlfahrt und Größe der Nation ist geeignet, den mancherlei Verirrungen den rechten Weg zu zeigen: er heißt die Einigkeit zwischen König und Volk, die Liebe zum Kaiser. Am heutigen Tage — das dürfen wir mit Genugthuung sagen — besteht diese Einigkeit, offenbart sich diese Liebe allenthalben. Möge dieselbe aber auch aus der Feier des 90. Geburtstages unseres Kaisers
nen Geist zu sehen, als ich plötzlich hier erschien. Die Leute weichen scheu vor mir zurück, bis sie sich überzeugen, daß ich noch zu den Lebenden gehöre. Auch Sie erbleichten, Fräulein von Schönau, als ich in wohlmeinender Absicht Ihnen nahte, und beeilten sich, den lästigen Begleiter zu entfernen."
Marka fühlte, daß sie nicht immer in ihrem Schweigen beharren durste, sie sprach:
„Mein Herr Graf, da gehen Sie zu weit, nur Ihr so unvermuthetes Erscheinen erschütterte mich. Werden Sie längere Zeit hier bleiben ?"
„Nein, so schnell als möglich gedenke ich der Heimath den Rücken auf immer zu kehren. Ich beabsichtige mein Gut zu verkaufen, nur die Umständlichkeit meines Sachwalters nöthigte mich auf kurze Zeit hierher zurückzukehren, ich will das Geschäft schnell beendigen, dann wandre ich hinaus auf Nimmerwiederkehr."
„Wählten Sie schon einen neuen Wohnort?"
„Nein, wozu auch ein Heim, wenn keine Hand sich zu herzlichem Willkommen des müden Wanderers ausstreckt, wenn keine Thräne des Abschieds dem Scheidenden fließt. Ich werde mir erst dann eine bleibende Stätte gründen, wenn die Last des Alters die freie Bewegung hemmt."
Sie standen am Gitter des Parkes, Kronau öffnete Marka die Thür, und sie sagte zu ihrem Begleiter, ihren Arm aus dem Seinen nehmend:
„Ich danke, nun bin ich beinah am Ziele."
Der Graf wendete sich mit einer stummen Verbeugung zum Gehen. Schon schloß sich das hohe Gitter zwischen Beiden, als Marka noch einmal zögernd stehen blieb und mit vor Erregung bebender Stimme sprach:
„Graf Kronau, ehe unsre Wege sich auf immer
Kraft, Stärke und Dauer schöpfen, daß sie alle Schichten des Volkes auch in dem alltäglichen Leben des praktisch-politischen Berufs mehr und mehr durchdringe: das erst würde ein Zeichen dafür fein, daß das deutsche Volk auch würdig der Gnade ist, welche aus dem freudigen Ereig- niß der Feier des 90. Geburtstags Kaiser Wilhelms so deutlich hervorleuchtet.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 19. März. Der Reichstag genehmigte nach längerer Debatte den Gesetzentwurs, betreffend die Erhebung einer Schifffahrtsabgabe aus der Unterweser, in dritter Lesung und setzte dann die zweite Berathung deS Gesetzentwurss, betr. die Besteuerung des Zuckers, fort. Abg. Gehlert (Reichspartei) erklärte sich sehr entschieden gegen das System der Materialienbesteuerung. Abg. Gras v. Hacke (fraktionslos) trat für die Melassebesteuerung ein, sofern man keinen anderen Ausgleich finden sollte. Abg. Dr. Mllller-Sangerhausen (nat.-lib.) hielt gleichfalls die Besteuerung der Melasse in der von der Kommission vorgeschlagenen Höhe für das geeignetste Auslunstsmittel. Reg.-Kom., Geh. Ober-Reg -Rath Boccius legte dagegen die Schwierigkeiten der Melassebesteuerung nach allen Seiten dar. Abg. Psafferott (Centrum) befürwortete einen Antrag, der unter erheblicher Ermäßigung der Rübensteuer die Einführung der Consumsteuer bezweckt, um dadurch den Uebergang zur Fabrikatsteuer anzubahnen. Abg. Trimborn (Centrum) steht aus dem Standpunkt der Regierungsvorlage, empfiehlt im Nebligen einen Spezialan- trag zu §. 2 (Exportbonifikation), der namentlich im Interesse der kleinen Raffinerien gestellt sei. Der Regierungsvertreter, Geh. Finanzrath Fritsch erklärte sich gegen diesen Antrag. — Das Resultat der Abstimmung war ein lediglich negatives; die §§. 1 und 2 wurden sowohl nach der Fassung der Kommission, wie nach der Regierungsvorlage abgelehnt. — Morgen: Fortsetzung der Berathung, zuvor aber zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Heranziehung der Militairpersonen zur Kommunalbesteue. rung.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich mit Petitionen, von denen eine solche von verschiedenen Gemeinden um Aufhebung der Wegebauordnung für das Herzogthum Magdeburg und das Fürstenthum Halberstadt der Staatsregierung als Material zum Erlaß einer Pro- vinzialwegebauordnung für die Provinz Sachsen überwiesen wurde. Bon den übrigen war bemerkenswerth eine Petition betr. die Heranziehung des Eisenbahnfiskus zu den Gemeindeabgaben die nach längerer Debatte an die Gemeindekommission zur nochmaligen Prüfung zurückverwiesen wurde, sowie die Petition eines Familienvaters polnischer Rationalität in Posen wegen Zulassung seiner beiden in Leipzig geborenen Kinder zum polnischen Schulunterricht in der Volksschule, welche Petition, entgegen dem Anträge der Kommission, sie der Regierung zur nochmaligen Erwägung zu überweisen, durch Uebergang zur Tagesordnung ihre Erledigung sand. Morgen dritte Lesung des Etats.
Berlin, 20. März. Der Reichstag hielt heute nur eine kurze Sitzung. Nachdem der Gesetzentwurf, betreffend die Heranziehung der Militärpersonen zu den Kommunal- abgaben, debattelos die zweite Lesung passirt hatte, wurde der noch ausstehende Rest der Zuckersteuervorlage, welcher wesentlich steuertechnische und Steuerkreditsragen und Steuervergütung betrifft, ohne erhebliche Abweichung von den Kommissionsanträgen in zweiter Berathung genehmigt und außerdem noch ein Zusatzartikel auf Antrag aus dem Hause angenommen, wodurch der Bundesrath ermächtigt wird, die aus dem Betriebsjahre 1885/86 fälligen Rüben- steuerkredite um 3 Monate zu verlängern. Nächste Sitzung Dienstag 23. März, 1 Uhr.
Das Herrenhaus ertheilte zunächst dem Präsidium die Ermächtigung, Sr. Majestät dem Kaiser und König die Glückwünsche des Hauses zu Allerhöchstdessen Geburtstage darzubringen, erledigte sodann den Rechenschaftsbericht über die Verwendung der flüssig gemachten Bestände aus
scheiden, noch ein Wort:
„Als Sie vor zwei Jahren von uns gingen, schleuderten Sie mir Beleidigungen in's Gesicht, welche ich hinnehmen mußte, weil ich mir nicht verhehlen konnte, daß ihre Anklagen nicht alle, aber doch zum Theil verdiente waren. Ich gestehe, daß mein Handeln sinnlos war, ich stand unter dem Einfluß einer, mich vollständig beherrschenden Erregung. Zwei Jahre lang habe ich das beschämende Gefühl mit mir herumgetragen, daß ich ein frevelhaftes Spiel trieb mit Ihrer Ehre, Ihrem Leben, daß mein kindischer Wunsch Sie Hinaustrieb in Sturm und Ungewitter. Können Sie mir verzeihen und mein Gewissen beruhigen?"
Sie erhob ihr Haupt, ein leises Erröthen flog über ihr Gesicht und ihre Augen blickten beinah demüthig zu ihm auf, senkten sich aber schnell wieder vor seinen glänzenden Blicken.
„Deshalb zürnte ich Ihnen nicht, ich war daran gewöhnt, mir oft den Weg zu suchen durch Nacht und Grauen. Mein treues Roß mußte ich bald zurückführen, es hätte mich weit mehr in Gefahr gebracht, ein Wanderstab war mein einziger Begleiter. Einmal nur glitt ich aus, unter mir brauste der zum Strom angeschwollene Bach, eine Tanne hielt meinen Sturz auf, ich umklammerte sie mit meinen Armen und wir standen eine geraume Zeit wie zwei gute Kameraden fest beisammen. Der Sturm vermochte wohl uns zu beugen, aber nicht zu stürzen. Mitten im Kampfe der Elemente träumte ich einen süßen Traum, welch' Glück es sein müßte, nicht einsam durchs Leben zu wandern, sondern innig verbunden mit einer gleichgestimmten Seele, festen Muthes den Stürmen Trotz zu bieten, Eins als Stütze des Anderen. Eine Ruhepause in der
dem Hinterlegungsfonds, sowie den Gesetzentwurf betreffend die anderweite Feststellung des Geschäftsbereiches mehrerer kommunalständischer Anstalten in der Provinz Heffen-Naffau und beschäftigte sich schließlich mit Petitionen. Nächste Sitzung Dienstag: Beschlußfassung über die geschäftliche Behandlung der sogenannten Polenvorlagen und Petitionen.
Das Abgeordnetenhaus begann heute die dritte Berathung des Etats, in deren Verlaus zunächst ein Antrag des Abg. v. Below-Saleske zur Annahme gelangte, an die Staatsregierung das Ersuchen zu richten, in eine erneute Prüfung darüber einzutreten, in welcher Weise im Wege der Gesetzgebung eine wesentliche Ermäßigung der Stempelabgaben beim Umsatz von Immobilien, wie bei Pacht- und Miethsoerträgen und deren Cession herbeizu. führen ist. Im Uebrigen gestaltete sich die Diskussion zum Theil recht lebhaft; aus derselben ist insbesondere hervorzuheben, daß der Herr Vicepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern von Puttkamer, mit großer Entschiedenheit die Einrichtung, wonach die höheren Stellen in den Strasanstalten hauptsächlich mit älteren Offizieren besetzt werden, gegen die von freisinniger Seite erhobenen Angriffe rechtfertigte. Desgleichen bezeichnete der Herr Minister die Zeitungsgerüchte, daß durch kaiserlichen Ukas die Deutschen auS dem ehemaligen Königreiche Polen sämmtlich ausgewiesen seien, als aus der Luft gegriffen ; bei den freundschaftlichen Verhandlungen, welche über die Ausweisungsfrage mit der russischen Regierung gepflogen worden, sei auch nicht die leiseste Andeutung einer solchen Absicht zu Tage getreten. Bei dem Etat der landwirthschastlichen Verwaltung nahm der Herr Minister für die landwirthschastlichen Angelegenheiten Dr. Lucius Veranlassung, sich über die Schwierigkeiten zu äußern, welche dem Projekt der Weichsel-Nogat-Regulirung sich fortdauernd entgegenstellten, daran die weitere Bemerkung knüpfend, daß auch die Regierung die Besorgniß vor etwaigen Ueberschwemmungen in diesem Jahre theile, daß aber Anordnung getroffen sei, um allen Eventualitäten zu begegnen. Dienstag: Fortsetzung der dritten Berathung des Etats.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Sonnabend Vormittag arbeitete Se. Majestät der Kaiser mit den Chefs des Civil- und des Militärkabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski und General- Lieutenant von Albedyll, und nahm den Vortrag des Ober-Hof- und Hausmarschalls Grasen Per- poncher entgegen. Um 1 Uhr Nachmittags erschienen der Großherzog, die Prinzessin Irene und der Erbgroßherzog von Hessen im Königlichen Palais, um den Kaiserlichen Majestäten einen Besuch abzustatten.
Im Befinden des erkrankten Erbgroßherzogs von Baden ist eine Wendung zum Bessern eingetreten.
Für Einführung des Wollzolls lagen dem Reichstage 257 Petittonen mit 90,919 Unterschriften, dagegen 129 mit 1639 Unterschriften vor. Die Petitionskommission hat darüber einen schriftlichen Bericht erstattet und dem Reichstage Uebergang zur Tagesordnung empfohlen.
Die Arbeiterschutzkommission hat einen Antrag des Abg. Halben angenommen, wonach Arbeiterinnen, deren Kinder das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zur Arbeit in Fabriken nur zuzulassen sind, wenn sie der Ortsbehörde den Nachweis liefern, daß diese Kinder während der Arbeitszeit der Mutter unter der Aufsicht erwachsener Personen stehen.
Den „Mecklenburgischen Landesnachrichten" zu-
Natur weckte mich aus meinem Brüten, ich fühlte jetzt an meinen Händen, daß die scharfen Nadeln der Tanne zu verletzen vermochten. Ich suchte meinen Weg und fand ihn. Später meinte ich freilich, ich schulde der Tanne keinen Dank, daß sie mir zur Retterin geworden, es müsse sich friedlich ruhen da unten in der kühlen Fluth, befreit von allen Täuschungen des Erdenlebens."
„Lag Ihnen denn soviel daran, mich zur Mörderin zu stempeln? Alle die anklagenden Blicke unserer Gäste verurtheilten mich, als ob ich nicht schon schwer genug unter meinen eignen Vorwürfen litte."
„Hatten Sie an diesem Abend wirklich noch Zeit zu Selbstvorwürfen, zu Sorgen um Andere? Rahm das eigne Glück nicht all Ihr Denken und Fühlen in Anspruch?"
„Das eigne Glück? Wagen Sie nicht noch einmal diese Beschuldigung, bringen Sie mich nie wieder in Verbindung mit dem leichtfertigen Prinzen."
„Welcher, nach seiner eigenen Versicherung, es vermochte, Sie trotz des Unwetters in den Wald zu locken."
„Wenn er Ihnen das sagte, hat er gelogen. Wie tief mußten Sie mich verachten, um seinen Worten Glauben zu schenken."
„Sie gingen nicht in den Wald?"
„Aber nicht um des Prinzen Willen."
„Was sonst konnte Sie dahin führen?"
„Ich ging dahin, weil,---doch warum davon reden, weshalb ich Wind und Wetter trotzte, das ist mein Geheimniß. Leben Sie wohl, Graf Kronau, meine Wunde brennt, ich will sie kühlen."
(Schluß folgt.)