Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Pfg. pro Quartal exel. Postausschlag.
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Kreis Hersfeld.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld den 17. März 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 24. Februar er. Nr. 2562 (im Kreisblatt Nr. 25), die Bekanntmachung des diesjährigen Ersatz-Gefchättes betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 21. -. Mts. bei Meldung von 5 Ri l. Strafe erinnert.
2562. Der Königliche Landrath
__Freiherr v_on Schleintß._
Hersfeld den 16. März 1886,
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Benachrichtigungen über die Veranlagung der Gewerbesteuer pro 1886/87 alsbald den betreffenden Gewerbetreibenden auszuhändigen und den Tag der Behändigung bis zum 25. d. MlS. mir einzuberichten.
3120. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schletnih. _
Cassel, den 11. Riärz 1886.
Der Postgehülfe Georg Carl Theobald N e u - marin, welcher vom 16. November v. I. bis 17. Januar d. I bei dem Kaiserlichen Postamte in Zinten und dann bei dem Kaiserlichen Postamte in Bischofsburg beschäftigt gewesen ist, hat sich am 3. d. Mts. von Bischofsburg entfernt und ist bisher nicht wieder aufzustnden gewesen.
Neumann, dessen Signalement unten folgt, hat am 3. d. Mts. in Rothfließ zum Zuge 6 Uhr 50 Minuten ein Billet vierter Klasse nach Wöterkeim verlangt, aber nur ein solches bis Kölschen erhalten können. In Korschen, wo der Zug sich verspätet hatte, ist ein Billet nach Wölerskeim kurz vor dem Weitergange des Zuges gelöst worden. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß Neumann sich zu seinen in Schippenbeil lebenden Eltern begeben und dort verborgen hält.
Neumann ist dringend verdächtig, während seiner Beschäftigung in Zinten im Dezember v. I. drei
(Nachdruck verboten.)
Am einen Mosenstrauß.
Novelle von Th. tz e m p e I.
(Fortsetzung.)
Bange Sorge lagerte auf allen Gesichtern, mehrere Herren hatten es unternommen, .nach ihm zu suchen, auch sie waren noch nicht zurückgekehrt. Markas Eintritt ging unbemerkt vorüber. Niemand war in der Stimmung sie zu beachten. Die Mitternachtsstunde war nahe, da endlich öffnete sich die Thür und von lautem Jubelrus begrüßt, trat der Ersehnte ein.
Das Haar vom Sturm durchwühlt, das Gesicht geröthet von der Anstrengung, in der Hand einen Strauß der köstlichsten Theerosen, stand er vor Marka und mit einer Verbeugung übergab er ihr seine duftende Gabe.
Marka drückte die Hand aus's Herz, sie wollte ihm danken, aber freudige Aufregung über seine Rückkehr, ein Gefühl des Triumphs, daß er, der ernste, zurückhaltende Mann, ihr solch ein Opfer gebracht, ließ sie nicht sogleich das rechte Wort finden, und ehe sie es gesprochen, wendete er sich den Anderen zu.
„Willkommen, tausendmal willkommen!" tönte es von allen Lippen, die Sorge, welche man um den Grafen getragen, machte ihn nun zum Mittelpunkte der Unterhaltung. Baron Schönau bot ihm beide Hände und fand nicht Worte genug, ihm zu versichern, wie peinlich ihm das Benehmen seiner Tochter gewesen sei. Er bat den Grasen nun vor allen Dingen für seine Erholung und Erquickung zu sorgen. Dieser wies jedoch dankend alles zurück, indem er bemerkte:
Postanweisungen über zusammen M. 67,17 nicht in das Annahmebuch eingetragen und die Beträge unterschlagen zu haben. Ob Neumann noch weitere Unterschlagungen und Buchfälschungen begangen hat, ist bisher nicht festzustellen gewesen.
Signalement des Postgehülfen Neumann: Name: Georg Karl Theobald Neumann. Geburtsort: AryS, Kreis Johannisburg. Alter: geboren den 13. November 1868. Religion: evangelisch. Größe: 1,78 m. Gestalt: schlank. Kinn: spitz. Gesichtsbildung: länglich. Gesichtsfarbe: frisch. Mund: gewöhnlich. Zähne: gesund. Augen: hellblau. Augenbraunen: stark und dunkelblond. Haare: stark aufrechtstehend, dunkelblond. Bart: fehlt. Stirn: hoch. Besondere Kennzeichen: nach vorn gebeugte Haltung. Kleidung: dunkler Anzug nebst dunkelblauem Winterüberzieher, runder schwarzer Hut, Schaftstiefeln.
Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich hiervon mit dem ergebensten Ersuchen, auf Neu- mann fahnden und ihn im Betretungsfalle verhaften zu lassen, auch von seiner Festnahme die Kaiserliche Ober - Postdirection in Königsberg (Preußen) und mich benachrichtigen zu wollen. Der Kaiserliche Ober-Postdireclor. zur Linde. An das Kgl. Laudrathsamt in Hersfeld. 4866.
* H *
Hersfeld, den 13. März 1886.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Fahndung nach dem 2c. Neumann mitgetheilt.
3222. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 13. März 1886.
Indem ich nachstehend die Bedingungen über die Aufnahme von Fohlen auf der Biebersteiner Fohlenweide (Kreis Fulda) zur öffentlichen Kenntniß bringe, nehme ich hierbei Veranlassung, den Herren Landwirthendes Kreises die Beschickung der qu. Fohlenweide, deren Vorzüge für eine gedeihliche Entwickelung der Fohlen bekannt sind, zu empfehlen.
3224. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
„Meine Kleidung ist so wenig salonfähig, daß ich es für das Beste halte, sofort heimzukehren. Ich erlaubte mir einen Ihrer Diener nach meinem Pferde zu schicken. Der Weg nach dem berühmten Gärtner ließ sich nur zu Fuß zurücklegen. Darf ich Jhnerz zugleich mit meinem besten Dank für Ihre Gastfreundschaft Lebewohl sagen für lange, ich gedenke eine größere Reise anzutreten und dürste wohl keine Zeit finden, noch einmal hierher zu kommen."
„Wie? Sie wollen der tzeimath so plötzlich wieder den Rücken kehren, lieber Gras?" entgegnete Baron Schönau betroffen.
„Unvorhergesehene Ereignisse bestimmen mich dazu."
„Und welches ist Ihr Ziel?"
„Darüber traf ich noch keine Bestimmung. Fremde Welttheile lockten mich schon einmal in die Ferne, so auch jetzt, vielleicht gehe ich nach Australien, vielleicht nach Afrika."
Der Diener meldete, daß des Grafen Reitpferd seiner warte, und verabschiedete sich von dem Baron und dessen Gemahlin mit bewegter Stimme. Marka war verschwunden. Als er rasch durch das Vorzimmer schritt, hörte er leise seinen Namen nennen. Vor ihm stand Marka, die Augen zu Boden gesenkt, begann sie mit bebender Stimme:
„Ehe Sie fortgehen, Herr Graf, möchte ich Ihnen noch danken für die Erfüllung meines Wunsches."
„Thun Sie das nicht, gnädiges Fräulein, ich wollte einzig den Beweis liefern, daß die Ritterlichkeit auch unter uns wohnt."
„Ich bedauere Sie in Sturm und Wetter hinausgejagt zu haben, ich ängstigte mich unendlich."
„Zu viel Ehre! Eine Regenschauer auf den
Bedingungen
für die Aufnahme von Fohlen auf der Biebersteiner Fohlenweide im Kreise Fulda.
1) Die Zahl der aufzunehmenden Fohlen soll 55 betragen, keinensalls 60 übersteigert.
2) Ausgenommen werden 1, 2 und 3jährige Stuten- und Wallachfohlen, sowie
3) nicht caftrirbare einjährige Hengstfohlen.
Ausgeschlossen von der Aufnahme werden solche Fohlen, welche an Mängeln oder Krankheiten lei» den, die eine fortwährende ärztliche Behandlung und Aufsicht erforderlich machen oder durch ihren Aufenthalt auf der Weide das Leben oder die Gesundheit der anderen Fohlen in Gefahr bringen.
Zu entrichten ist für jedes Fohlen 15 Mark Weidegeld und 200 Pfund = 100 Kilo gesunder, guter Hafer, für welchen indeß auch der Anschaffungspreis erlegt werden kann.
Der Weidegang beginnt in der Regel in der 2. Hälfte des Monats Mai und endet in der 2. Hälfte des Monats September.
Die erforderlich werdende thierärztliche Hilfeleistung wird durch den Kreisthierarzt kostenlos während der Weidezeit besorgt, ebenso werden die Medicamente aus der Fohlenweide-Casse beschafft.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 15. März. Der Reichstag genehmigte definitiv in dritter Berathung zunächst ohne Debatte den Nachtragsetat, ebenso ohne erhebliche Diskussion den Antrag Reichensperger (Einführung der Berufung), sowie die Gesetzentwürfe, betr. die Entschädigung für unschuldig erlittene Strafen und betreffend die Aenderung der Bestimmungen über das Wiederaufnahmeverfahren. Endlich wurde in die Berathung der von socialdemokratischer Seite eingebrachten Anträge, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, speziell der auf die Organisation der Arbeiterschutzgesetz» gebung, eingetreten. Die Kommission beantragt, sämmtliche bez. Vorschläge abzulehnen, beantragt aber eine Resolution, die Vermehrung der Fabrikinspectoren betreffend. Die Debatte wurde nicht zu Ende geführt und wird Mittwoch 1 Uhr fortgesetzt werden.
Das Abgeordnetenhaus gelangte auch heute mit der Berathung des Etats des Kultusministeriums noch nicht zum Abschluß, die Diskussion wurde vor Eintritt in das Kapitel „Medicinalwesen" abgebrochen und aus morgen vertagt. Nach Erledigung einiger auf die Berliner wissenschaftlichen Institute bezüglichen Fragen gelangten mehrere zu dem Kapitel „Kultus und Unterricht gemein-
Leid, ein wenig vom Sturm gepeitscht, das darf einen geübten Reisenden, welcher im fernen Land oft vergebens ein Obdach zum Schutz gegen die Wuth der Elemente suchte, nicht stören. Hätte ich heute nichts weiter zu beklagen, wahrlich ich könnte mir Glück wünschen. Ich ziehe einem Schiffbrüchigen gleich, verarmt, des heiligsten Gutes beraubt, hin in die weite Ferne. Ich verlor den Glauben an edle Frauenwürde, ich verlor mit ihm den eignen Frieden. Ja, Fräulein von Schönau, tragen Sie das Haupt hoch, fügen Sie mit stolzem Lächeln einen neuen Triumph zu dem alten, ich habe Sie geliebt seit dem ersten Tage unserer Bekanntschaft, ich träumte süß von edler Weiblichkeit, welche leicht sich erheben werde über die Launen des verwöhnten Kindes. Ich kämpfte gegen mein Herz, doch vergebens, es verlangte sein Recht. Ein Thor, wer sich Träumen hingiebt, ich bin erwacht!"
Er sprach mit steigender Erregung, während Marka ihm stumm, tief erbleicht gegenüber stand.
„Nur noch ein kurzes Wort, —" fuhr er fort, — „meine Rückkehr verspätete sich, ich fand einen Waldwärter bemüht, den Prinzen Adolph nach seiner Wohnung zu bringen. Jetzt, da ich für immer von hier scheide, unterliegt es wohl keiner falschen Deutung, wenn ich Sie bitte, keine Zusammenkünfte mehr mit dem Prinzen im Walde zu suchen, er verdient so viel Vertrauen von einer Dame nicht."
Wie von einer Natter gestochen, fuhr Marka empor.
„Graf Kronau, ich beschwöre Sie, dies nicht zu glauben, Sie irren, wenn Sie annehmen — —"
„Der Prinz selbst theilte mir sein süßes Geheimniß mit, —" unterbrach sich der Graf, und mit kurzem, kalten Gruß war er verschwunden.
Marka blickte ihm nach, noch als längst die Thür