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Rreis gcrsfesö.

Amtliches.

Kreis HersfeLd.

Hersfeld, den 5. März 1886.

Der zum Kreistags - Abgeordneten für die Stadt Hersfeld gewählte Gerbereibesitzer Herr Rehn hat sein Mandat auf Grund des §. 8 ad 2 der Kreisordnung niedergelegt und ist an seiner Stelle Herr Bürgermeister Braun ge­wählt worden.

2964. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

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Aus dem Reichstage.

Berlin, 5. März. Der Reichstag setzte die erste Bera­thung des Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung des Branntweinmonopols, fort. Namens der Nationalliberalen erklärte Abg. Dr. Buhl, daß dieselben das Monopol ab, lehnen müßten, aber bereit seien, um den Bedürfnissen des Reiches und der Einzelstaaten nach vermehrten Einnahmen Rechnung zu tragen, den Modus einer höheren Besteuerung des Branntweins aus anderem Wege zu finden. Der F>- nanzminister Dr. v. Scholz nahm diese Erllärung mit Befriedigung entgegen, wies aber dann »ach, daß seitens der verschiedenen Redner des Hauses die Vorlage in ihrer Bedeutung nicht richtig gewürdigt worden sei, und er schloß seine Ausführungen mit der Hoffnung, daß das Gesetz, wenn auch nicht jetzt, so doch in nicht zu ferner Zeit zu Stande kommen werde. Abg. Kröber (Vollspartei) er- klärte sich ganz bestimmt gegen die Vorlage. Seine Be­merkungen gaben dann dem bayerischen Bundesbevoll. mächtiglen Grasen von Lerchenfeld Veranlassung zu lon- statiren, daß die bayerische Regierung ein Reservatrecht bisher nicht ausgegeben habe. Gleichzeitig bezeichnete er aber die materiellen Gründe, aus welchen sich dieselbe dem Monopol gegenüber nicht ablehnend verhalten habe. Abg. von Kardorff konstatirte, daß die Reichspartei an sich im Prinzip nicht gegen das Monopol sei, daß aber nach Lage der Sache dieselbe bereit wäre, in eine Prüfung der von der Majorität in AuSsicht gestellten Vorschläge wegen einer anderweiten Erhöhung der Branntweinsteuer einzutreten. Für die Socialdemokratie motivirte Abg. Schumacher die ablehnende Haltung. Der Abg. v. Sczaniecki (Pole) be­hielt im Wesentlichen die Stellungnahme seiner Partei der Kommissionsberathung vor. Abg. Dr. Simonis (Elsasser) erklärte sich in eingehender Weise gegen das Monopol, zumal dasselbe nicht zu einer Einschränkung des Alkoholis­mus fügten dürfte. Sodann nahm noch das Wort Abg. Rickert (deutschsreis.), um weniger gegen das Monopol, als

vielmehr gegen die ganze Steuer- und Wirthschaftspolitik überhaupt zu sprechen. Dann wurde die Berathung abge­brochen und auf morgen 1 Uhr vertagt.

Berlin, 6, März. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte Abg. von Schalfcha (Centrum) die Mittheilung, daß er vor G.richt geladen, um über den Ursprung einer Mittheilung Auskunft zu geben, welche er im Reichstag bei Berathung der Währungsfrage gemacht, er habe aber in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter die Aus­sage vorläufig verweigern zu sollen geglaubt. Es wurde alsdann ein Antrag eingebracht, worin die Unzulässigkeit des Zeugnißzwangsversahrens gegen ein Reichstagsmitglied wegen Aeußerungen über Thatsachen, die es in dieser Eigen­schaft zur Kenntniß des Hauses gebracht, ausgesprochen wird. In der Fortsetzung der ersten Berathung der Branntweinmonopol-Vorlage erklärte zunächst Staatssekre. tair des Innern v. Boetticher im Austrage des Reichs­kanzlers, daß dieser aus Gesundheitsrücksichten zu seinem Bedauern behindert fei, an der ersten Berathung der Vor­lage theilzunehmen, daß er aber hoffe, an der Kommissions­berathung sich betheiligen zu können. Außerdem war der Staatssekretair beauftragt, dem Gerüchte entgegen zu treten, als hätte der Herr Reichskanzler neuerdings seine Stellung in Bezug aus die Nothwendigkeit des Monopols geändert. Abg. Graf von Bismarck Schönhausen ^Reichspartei) konstatirte den Ausführungen der Abg. Richter und Rickert gegenüber, daß er, als er im April vor feinen Wählern in Lauenburg gesprochen habe, von der Absicht der Re­gierung, die Monopolvorlage einzubringen, nichts gewußt habe. Zur Vorlage selbst sprachen sodann außer dem Herrn Finanzminister noch die Abgg. Fürst Hatzseld (Reichspartei), Oechelhäuser (nat-Ub.), v. Helldorff (deutschkons.) Dr. Bamberger (deutschfr.) und Dr. Windt- horst (Centrum), welch Letzterer bemerkte, daß eine kommis­sarische Berathung schon mit Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Theilnahme des Reichskanzlers an derselben noth­wendig sei. Die Vorlage wurde daraus einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. (Montag: Antrag Reichensperger auf Einführung der Berusung.)

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist durchaus zufriedenstellend und die dieser Tage eingetretene Heiserkeit bereits in der Abnahme. Auch das Hüstleiden fährt fort sich zu bessern.

Ueber das Befinden des Erbgroßherzogs von Baden wird aus Karlsruhe unterm 6. d. mitge­theilt : Der Erbgroßherzog hat heute Nacht aus­giebigen Schlaf ohne Athembeschwerden; Fieber ist jedoch noch vorhanden, die Schwankungen sind dem Charakter der Krankheit entsprechend.

Der Reichskanzler leidet seit einigen Tagen an einem schmerzhaften Muskelrheumatismus in Brust und Schultern, weshalb er stch auch nicht an den Monopoldebatten im Reichstage betheiligen konnte.

Der B u n d e s r a t h hat am Donnerstag dem Ausschußbericht über den Gesetzentwurf betreffs Abänderung der Gewerbeordnung seine Zustim­mung ertheilt. Der Antrag Preußens, betreffend den Gesetzentwurf über die Heranziehung von Mi­litärpersonen zu Gemeindeabgaben soll in einer der nächsten Sitzungen zur Berathung gelangen.

Die Frage der Mischehen soll verschiedenen Blättern zufolge bei Gelegenheit der Bearbeitung der Ergebnisse der letzten Volkszählung im Königl. statistischen Bureau einem sorgfältigen Studium unterzogen werden. Zu diesem Behufe ist eine besondere Beamtenabtheilung abgezweigt, welche nach den Angaben der Zählkarten sowohl die Zahl der im Deutschen Reich bestehenden Mischehen, wie namentlich das bei den Kindern, die aus solchen Ehen hervorgegangen sind, obwaltende Kon- fessionsverhältniß feststrllen soll.

Der deutschkonservative Abg. Uhden hat nun­mehr, unterstützt von Mitgliedern verschiedener Fraktionen, zu dem Gesetzentwurf, betreffs Aus­prägung einer Nickelmünze zu zwanzig Pfennig folgenden Antrag Angebracht:Den Bundesrath zu ersuchen, dem Reichstage in der nächsten Session einen Gesetzentwurf behufs Ausprägung von Zweiundeinhalb-Pfennigstücken vorzulegen. Ueber die Resolution wird bet der dritten Lesung der Vorlage abgesttmmt.

Die Kommission, welche zur Prüfung des Ma­terials über die Handhabung der Sonntagsruhe in den verschiedenen Staaten des Reiches niederge­setzt ist, wird mindestens noch zwei Monate zu thun haben. Aus Bayern ist noch gar kein Ma­terial eingegangen.

(Oesterreich-Ungarn.) Das österreichische Abgeordnetenhaus verwies in erster Lesung den Antrag Türk auf Einführung einer Börsensteuer an einen besonderen Ausschuß und den Antrag Jaworski auf Einführung von Eingangszöllen auf Getreide in gleicher Höhe wie in Deutschland einem zu wählenden Zollausschusse. Der Abg. Türk

(Nachdruck verboten.)

Am einen Aosenkrauß.

Novelle von Th. H e m p e I.

(Fortsetzung.)

Mit leichter Anmuth schwang sich die Dame dann wieder auf ihr Roß und fort flog sie, ohne eine Antwort abzuwarten, den Weg entlang. Einmal nur hielt sie an, blickte sich um und vermochte die Augen nicht sogleich abzulenken von dem Bilde, welches ihr sich bot. Sorgsam umfaßt von dem Arme des hochgewachsenen Mannes, ihr verbunde­nes Haupt an seine Schulter gelehnt, schritt die alte Frau einem einsam am Walde gelegenen Häuschen, ihrer bescheidenen Wohnung zu.

Wie geduldig er seine Schritte mäßigte, wie freundlich er den Kopf, dessen Bedeckung er sich um ihretwillen beraubt hatte, zu der alten Frau nieder­beugte, um ihre Worte zu verstehen! Wahrhaftig wie ein Kammerherr, dem die Ehre zu Theil wird, seiner Fürstin den Arm zu reichen. Und für sie, welcher alle Herren huldigend zu Füßen lagen, hatte er keinen bewundernden Blick, nur vorwurfs­volle, anklagende Worte.

.Was kümmert mich dieser Doktor, dem es an Verständniß fehlt mit einer Dame zu verkehren, mag er in seiner Sphäre bleiben," sprach die Reiterin dann zu sich selbst und trieb ihr Thier zu schnellerer Gangart an. Es flog dahin mit seiner schönen Bürde durch Feld und Wald, Berg auf, Berg ab, ohne daß der Reiz der Umgebung ihr auch nur einen bewundernden Blick entlockte. Un­barmherzig zerschlug sie die grünen Zweige an ihrem Wege, als gälte es, einen unsichtbaren Feind zu bekämpfen. Ihre Augen funkelten zornig, freund­

lich konnten die Gedanken nicht sein, die hinter dieser weißen Stirn auf und nieder wogten.

2.

Baron von Schönau und seine Gattin liebten die Geselligkeit. In ihrem gastfreien Hause fand man fast stets die zahlreichen Fremdenzimmer von Gästen bewohnt, vom Frühjahr an, wenn die freiherrliche Familie die Residenz mit dem prächtigen Landsitz vertauschte, bis zum Spätherbst, wenn nach der letzten Jagd, die Freuden der Großstadt lockten. Zu den Verwandten und Freunden gesellten sich oft noch Bekannte aus der Umgegend, Grundbesitzer mit ihren Familien, auch die Oificiere der nahm Garnison verkehrten viel in Schönau.

So fand sich auch an jenem Augustnachmittag eine zahlreiche Gesellschaft auf Schloß Schönau zu­sammen. Verschiedene Gruppen bildeten sich in dem, mit eben so viel Reichthum als Geschmack ausgestatteten Gartensalon, dessen hohe, weitgeöff­nete Glasthüren den Ausblick nach dem in voller Blumenpracht stehenden Garten gestattete, und die herrliche Lust einströmen ließen.

Man hatte den Kaffee eingenommen, die gut ge­schulten Diener entfernten geräuschlos das seine französische Porzellan, während Fräulein von Rein­hard, die langjährige Gesellschafterin der Baronin, sich von ihrem Platze hinter der Kaffeemaschine erhob, ihr stereotypes graues Seidenkleid glättete und mit verbindlichem Lächeln die ihr zur Gewohn­heit gewordenen Lobsprüche über ihre ganz beson­ders gelungene Zubereitung des Mokka entgegen- nahm.

Der Baron vertheilte seine Aufmerksamkeit gleich­mäßig an alle seine Gäste, während die Baronin

ihren Platz in einem Kreise von älteren Herrn und Damen einnahm. Heute aber vermochte sie, bei aller Selbstbeherrschung nicht, eine gewisse Unruhe zu verbergen, ihre Augen flogen bald nach der Thür, bald richteten sie sich fragend auf ihre Gesellschaf­terin, welche nur durch ein leises Schütteln deS Kopfes antwortete.

.Sagen Sie mir doch," mit diesen Worten wandte sich einer der älteren Herrn an einen Osst- cter, - .wie erklärt man sich, daß Prinz Adolph urplötzlich hierher, nach einer kleineren Garnison versetzt ist. Es sieht das in der That einer Ver­bannung ähnlich."

.Ich bedaure, Ihnen keine Auskunft geben zu können, vielleicht, daß die Versetzung eines höheren Officiers die Veranlassung gab," war die in zurückhaltendem Tone gemachte Entgegnung. .Uebrigens fügt sich der Prinz mit Leichtigkeit in sein Geschick und verwaltet den für seine Jugend immerhin verantwortlichen Posten mit allem Eifer." In diesem Augenblick öffnete ein Diener die Portieren und meldete:

Seine Durchlaucht, Prinz Adolph."

Die Gesellschaft erhob sich den Ankommenden ehrerbietig begrüßend.

.Herr Baron, wollen Sie mir auch hier Ihr gastfreies Haus öffnen. Mit Vergnügen denke ich noch der angenehmen Stunden, welche ich in der Residenz in Ihrem Hause verleben durfte."

Mit diesen Worten begrüßte der Prinz den Baron, welcher ihm mit tiefer Verneigung entgegen trat und dann entgegnete:

Durchlaucht, welche freudige Ueberraschung, welche Ehre für uns, wenn Sie sich in unserm bescheidenen Heim wohlfühlen."