stärkeren Schneefall die Wegekörper resp. Fahrstrecken stets sofort frei gelegt werden, ebenso haben die an die Landstraßen angrenzenden Gemeinden, der Bestimmung im §. 1 des Gesetzes über die allgemeinen Landfolgedienste vom 31. October 1833 gemäß, einer etwaigen Aufforderung seitens des Aufsichtspersonals zur Dienstleistung unweigerlich Folge zu leisten.
2836. Der Königliche Landrath _____Freiherr von S chleinitz.
Hersfeld, den 2. März 1886.
Es ist wiederholt vorgekommen und zu meiner Kenntniß gelangt, daß meine Verfügung vom 17. December 1884 Nr. 16093 im Kreisblatt Nr. 151, die mir von einem jeden Unglücksfalle respective Selbstmorde zu erstattende Anzeige betreffend, Seitens mehrerer Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises nicht beachtet worden ist.
Demzufolge weise ich hierdurch auf die Wichtigkeit der fraglichen, von dem Herrn Minister des Innern angeordneten, Erhebung über die vor- kommenden'Unfälle hin und mache es einem jeden der Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises nochmals zur Pflicht, über einen jeden Unglücksfall mir ungesäumt entsprechenden Bericht zu erstatten und die daraufhin denselben von mir zugehenden Zählkarten v o l l st ä n d i g und richtig auszufüllen.
Besonders nachlässige Ortsvorstände werde ich eventuell durch angemessene Ordnungsstrafen zur Erfüllung ihrer Pflicht anhalten.
2703. Der Königliche Landrath -_____Freiherr von Schleinitz.___
Hersfeld, den 3. März 1886.
Für den am 21. April 1867 zu Untergeis geborenen Conditorgehülfen Heinrich Möhl von hier ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
2837. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Der entflohene Posthültsbote Lück aus Linz (Rhein) hat sich bei dem Untersuchungsrichter des Königlichen Landgerichts in Neuwied sreiwillig gestellt.
Cassel den 2. März 1886.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde. An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld.
* *
tzersfeld den 4. März 1886.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 1. Februar d. J. Nr. 1393 im Kreisblatt Nr. 15 zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
2891. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 3. März. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung eine Reihe kleinerer Vorlagen; ein Nachtrag zum Reichshaushaltsetat wurde an die Kommission verwiesen und die Vorlage betreffend die Ausprägung einer Nickelmünze zu zwanzig Pjennig in erster und zweiter Lesung genehmigt. Nachdem darauf noch einige Wahlprüfungen
erschreckte, und auf der vor kurzem noch so menschenleeren Straße sich eine recht aufregende Scene abspielte.
Im schnellen Galopp jagte eine Reiterin daher. Das Reitkleid von schwarzem Sammet, das reich mit wehenden Federn geschmückte Hütchen, leicht auf die goldblonden Locken gedrückt, gaben der Erscheinung etwas ungemein Vornehmes. Ihre Augen blitzten, ihre Wangen waren lebhaft geröthet, erst in unmittelbarer Nähe der Kinder mäßigte sie den Schritt ihres Pferdes und rief ihnen zu, sie möchten ihr den Weg frei geben.
Die drei ältesten Kinder gehorchten, vergaßen aber in der Eile ihren jüngsten Gefährten, einen kleinen, schwerfälligen Knaben von kaum zwei Jahren, welcher quer über den Weg lag, mitzuneh- men. Dieser hatte dem Vorgang keine Beachtung geschenkt und rührte sich nicht von der Stelle.
Ein Zornesblitz fuhr über das Gesicht der stolzen Retterin, sie war eben im Begriff, über das Kind hinwegzusetzen, als zu gleicher Zeit mit den laut kreischenden Frauen ein Herr rasch aus dem Gebüsch, an der anderen Seite des Weges, trat und mit ,festem Griff, dem Rappen in die Zügel fiel und so die Reiterin zwang, von ihrem Vorhaben abzustehen. Indessen vermochte er nicht mehr zu verhindern, daß das Pferd, er- schreckt von seiner plötzlichen Erscheinung, sich hoch aufbäumte und mit seinem Hufe den Kopf der alten Frau traf, während die jüngere schnell das Kind an sich riß.
Vergebens versuchte das unruhige Thier sich der Hand seines Bändigers zu entwinden, während die kühne Retterin, ohne das geringste Zeichen von Furcht fest im Sattel saß. Nur der Zorn ließ ihre
größtentheilS nach den Beschlüssen der Kommission erledigt worden, wurde die nächste Sitzung zur Berathung der Branntweinmonopolvorlage auf morgen (Donnerstag) 1 Uhr anberaumt.
Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner heutigen Sitzung die Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken und betreffend die Kirchenversaffung der evangelischen Kirche im Bezirke des Consistoriums zu Cassel, sowie den Entwurf einer Landgüterordnung für Schleswig-Holstein in dritter Berathung ohne wesentliche Debatte an und erledigte sodann den Etat des Ministen, ums für Handel und Gewerbe, ohne daß es auch hier zu einer Debatte größeren Stiles gekommen wäre. Die nächste Sitzung zur Berathung der Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen findet morgen (Sienftag) 11 Uhr statt.
Berlin, 4. März. Der Reichstag trat in die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend das Branntweinmonopol, ein. Finanzminister v. Schoiz eröffnete die Debatte mit einem Vortrage, worin er die Vorlage nach politischen, wirthschastlichen und finanziellen Beziehungen rechtfertigt. Abg. Frhr. v. Huene erklärte Namens des Centrums, daß dasselbe, wie überhaupt gegen jedes Staatsmonopol, so auch gegen diese Vorlage Stellung nehme. Die Frage habe indeß eine solche Tragweite, und das Material, das die Regierung vorgelegt, sei so beachtenswerth, daß seine Partei nicht gewillt, die Vorlage a limine abzuweisen, sondern bereit sei, in eine eingehende Berathung derselben einzutreten. Abg. Richter (deutschfrcis.) sprach mit großer Entschiedenheit gegen die Monopolvorlage, während Abg. v. Wedell-Malchow (deutschkons.) für die Vorlage das Wort nahm, dabei aber der einzusetzenden Kommission verschiedene Gesichtspunkte bezeichnete, deren Berücksichtigung erforderlich erscheine, um aus den Verhandlungen des Hauses ein den finanziellen und wirthschastlichen Bedürs, nissen des Reiches entsprechendes Gesetz zu Stande zu bringen. Morgen wird die Berathung fortgesetzt werden.
Das Abgeordnetenhaus erledigte die vom Herrenhause herübergekommene Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen in erster Lesung. Es wurden verschiedene Gesichtspunkte gegen die Vorlage geltend gemacht, einen unbedingt prinzipiell ablehnenden Standpunkt nahm indeß auch dieser Vorlage gegenüber nur der Redner der veutschfreisinnigen Partei ein. Der Herr Minister des Innern sprach die Hoffnung aus, daß trotz der mancherlei entgegenstehenden Ansichten sich eine Verständigung über die Vorlage wohl werde erzielen lassen. Den ausgeworse- nen Bedenken gegen einzelne Bestimmungen derselben begegnete er aber mit dem Hinweis darauf, daß sich die Vorlage im Großen und Ganzen der bestehenden Organisation anschließe, woraus ihr doch kein Lorwurf gemacht werden könne. Der Gesetzentwurf wurde schließlich einer besonde. ren Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Etat des Kultusministeriums.)
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser ließ am Donnerstag Vormittag vom Ober-Hof- und Hausmarschall Perponcher sich Vortrag halten und arbeitete mit dem Kriegsminister und dem Chef des Militär - Kabinets von Albedyll. Im Laufe des Nachmittags erledigte Se. Majestät Regierungsangelegenheiten und hatte um 4 Uhr eine Conferenz mit dem Unterstaatssecretär Herbert Bismarck.
Es verlautet, Baron de Courcel, seit 4 Jahren Vertreter Frankreichs am Berliner Hofe, beabsichtige seine Stellung aufzugeben.
Die K a n a l v o r l a g e ist nunmehr fertig gestellt und wird in einigen Tagen dem Abgeordnetenhause zugehen.
Die „Kreuzztg." schreibt: Wenn auch die Absicht besteht, den Staats rath zur Ausführung
Stimme erbeben und ihr Gesicht sich mit dunkler Nöthe bedecken, als sie ausrief:
„Werden Sie endlich mein Pferd frei geben?"
„Nicht eher, als bis es vollständig ruhig ist, —" war die in festem Tone, mit wohlthuender Stimme gegebene Antwort.
„Was berechtigt Sie zu diesem Eingriff in meine persönliche Freiheit, mein Herr?" frug die Dame mit Entrüstung.
„Die Verpflichtung, welche Jedermann obliegt, wenn es sich darum handelt, ein frevelhaftes Spiel mit Menschenleben zu verhindern."
„Welche Uebertreibung!" —
„So glaubten Sie wirklich, es in der Hand zu haben, daß Sie, ohne das Kind zu verletzen, über dasselbe hinwegsetzen konnten? Auch ich glaube an den Schutzengel, welcher diesen Kleinen schirmend zur Seite steht, dennoch halte ich es für heilige Pflicht eines Jeden, sie zu behüten, wo ihnen Gefahr droht. Nur ein herzloser Egoist wird ein Kind in Gefahr bringen!" —
„Ich sehe hier keine Gefahr, ich kenne mein Pferd zu gut. Fühlen Sie sich zum Beschützer der unartigen Kinder berufen, nun gut, so warten Sie ihres Amtes, ich theile Ihre Neigung nicht. Jetzt lassen Sie den Zügel los und geben Sie mir den Weg frei, wenn ich Sie nicht wie einen Wegelagerer behandeln soll."
„Wodurch würden Sie mich vertreiben?"
Die Dame erhob schnell die Reitgerte, aber es mochte eine eigenthümliche Gewalt in seinen Blicken liegen, die er fest auf sie richtete. Sie heftete ihre Augen beschämt zu Boden und die Peitsche senkte sich.
Nun erst ließ er den Zügel los und wendete seine Aufmerksamkeit den Frauen zu.
Während des von den Beiden in ziemlicher Erregung, von Seiten der Dame sogar in höchstem Unwillen geführten Gesprächs, hatten sie dieselben gänzlich außer Acht gelassen und gewahrten erst jetzt, daß die alte Frau, den Kopf an den Rand des Weges gelehnt, blutend am Boden saß.
Schnell trat der Herr zu ihr, untersuchte die Stirnwunde, drückte sein Taschentuch fest auf die verletzte Stelle, nahm den Hut vom Kopfe und beorderte die junge Frau, darin Wasser aus einer nahen Quelle zu holen, um die Wunde zu kühlen und das Blut zu stillen.
Die Dame, bereits im Begriff davonzureilen, vermochte nicht der Versuchung zu wiederstehen, dem Herrn noch einmal zu sagen, daß seine Einmischung allein den Unglücksfall herbeigeführt habe. Leichtfüßig sprang sie vom Pferde und trat näher, aber ihre Worte fanden keine Beachtung. Der Fremde war allzueifrig mit dem Verband beschäftigt. Sie fühlte sich überflüssig, nahm einige Goldstücke aus der Börse und reichte sie der Beschädigten mit der Bemerkung hin:
„Hier nehmen Sie ein Schmerzensgeld, obgleich ich mir keine Schuld an dem Unfall beimeffe. Ich werde Ihnen den Arzt schicken, —" fügte sie, sich entfernend, noch hinzu.
„Das ist, vor der Hand, unnöthig, —" entgeg- nete der Herr, „ich denke für diesen Fall werden meine Kenntnisse ausreichen."
„Ah, Sie sind selbst Arzt! Das vereinfacht die Sache, wollen Sie ihre Honorarforderung nach beendeter Cur an den Baron Schönau aus Schönau eingeben, ich werde für prompte Zahlung sorgen."
(Fortsetzung folgt.)
der Polenvorlage einzuberufen, so dürfte doch noch einige Zeit vergehen, bis dieselbe erfolgt, jedenfalls mcht vor Monat April. Erklärlicherweise wird man erst die Beschlüsse beider Häuser des Landtages über die Polenfragen abwarten, ehe man zu weiteren Entschlüssen schreitet.
Sicherem Vernehmen nach wird das Gesetz betreffend die Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, in der von der Kommission des Reichstages beschlossenen Form die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden.
In der Prohl'schen Landesverrathssache wird gemeldet, es handle sich in der Hauptsache um den Verrath von Flaggensignalen der Kaiserlichen Marine, von Minenlegungen des Kieler Kriegs- Hafens und des Landbefestigungsplanes von Kiel.
(O e st c r r e i ch.) Der österreichische Kriegsminister wird an die Delegationen mit einer Kreditforderung für die Neuanschaffung von Repe- tirgewehren herantreten. Das alte Gewehrmaterial würde für den Landsturm verwendet werden.
(F r a n k r e i ch.) Als Beispiel für das sittliche Niveau, auf dem die öffentliche Meinung unter der Herrschaft der Republik in Frankreich seit geraumer Zeit angelangt ist, verdient erwähnt zu werden, daß eine gewisse Juliette Vignaud, die nach mehrwöchentlicher Uebung im Scheibenschießen ihren zwanzigjährigen Liebhaber, weil derselbe ihren Befehl nicht sofort erfüllen und sie heirathen wollte, mit zwei Revolverschüssen verwundet hatte, dieser Tage von den Geschwo- renen zu Vienne unter begeistertem Händeklatschen freigesprochen worden ist.
(England.) Aus London wird mitgetheilt, daß der Mansion House- Fonds zur Linderung der Nothlage unter den beschäftigungslosen Arbeitern bereits 65 000 Pfd. Sterl. beträgt, wovon nahezu 40000 Pfd. Sterl. den verschiedenen Lokal-Ausschüssen zur Vertheilung überwiesen worden finN— -
(O rien t.) Ein Belgräder TTeiegramiN PM 3. März Mittags theilt endlich mit: Einer von Mijatovich hier eingetroffenen Depesche zufolge ist der Friedensvertrag unterzeichnet worden.
(Italien.) Zwischen der italienischen Besatzung am Rothen Meere und den Truppen des Königs von Abessynien ist es zur offenen Fehde gekommen. Ein Krieg scheint unvermeidlich. In Rom herrscht deshalb gewaltige Aufregung. — Der am Dienstag verstorbene Kardinal Angelo Jacobini ist nicht der päpstliche Kardinalstaatssecre- tär, der indessen ebenfalls schwer krank darnieder- liegt.
(Afrika.) Die Nachrichten aus Aegypten befestigen die Ueberzeugung, daß die Lage im Sudan so lange, als die englischen Truppen das Land besetzt halten, eine bedrohliche bleiben wird. Man spricht von der Wiedereinnahme Dongolas, dies könnte jedoch nicht mit englischen Truppen geschehen. Alan macht sich auf Kämpfe in diesem Sommer gefaßt. Wenn die Kämpfe nur zwischen Musel- mannen stattzufinden hätten, wäre der Friede bald gemacht. Die Nothwendigkeit, die Türken vorgehen zu lassen, tritt immer klarer zu Tage.