Nr. 27.
Donnerstag den 4. März 1886:
DaS „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40$fg. pro Quartal excl. Postausschlag.
für den
Kreis ßersfesö.
Bekanntmachungen alle» Art werden ausgenommen und die einspaltige Sar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 1. März 1886.
Die Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich in Gemäßheit einer Verfügung der Königlichen Regierung ergebenst, über den Stand der ländlichen Fortbildungsschulen Ihrer Bezirke während des Schuljahres bezw. Winters 1885/86 eine tabellarische Uebersicht nach Maßgabe des unten abgedruckten Schema's, eventuell eine Negativ-Anzeige bis späte stens zum 15. d. M t s. gefälligst an mich gelangen zu lassen
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Sonstige
Aus den Parlamenten.
Berlin, 1, März. Im Abgeordnetenhause wurde eine Reihe kleinerer Vorlagen ohne wesentliche Debatte definitiv erledigt; der Gesetzentwurf über die Errichlung letztwilliger Verfügungen im Oberlandesgcrichlsbeziike Frankfurt a. M. wurde der Justizkommission zur Vorbe- rathung überwiesen. Zu einer kurzen Debatte führte schließlich die vom Herrenhaus« erledigte Landgüterordnung für Schleswig-Holstein, doch gaben, mit Ausnahme deS Abg. Dr. Selig sdeutschsk.), welcher die Vorlage prinzipiell bekämpfte, mehrere Redner ihre Erklärung dahin ab, daß, nachdem ihre früheren Bedenken durch die Form, in welcher der Gesetzentwurf im Herrenhause seine Erledigung gesunden, beseitigt wären, sie nunmehr für denselben stimmen würden. Dementsprechend wurde die Vorlage in der Spezialberathung unverändert genehmigt. Morgen; Petitionen und Wahlprüfungen.
Berlin, 2. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte zunächst Petitionen von keinem allgemeineren Jnte- refie, zumeist durch Uebergang zur Tagesordnung. Dann wurden die Wahlen der Abgg. Stephanus (Linden), Jacobs (Bentheim), Pflueg und Seysarth (Rotenburg) für gültig erklärt, während die Kommission betreffs der Wahl des
(Nachdruck verboten.)
Eine Haue Schleife.
Historische Novelle von Emma H anden. (Fortsetzung.)
Da drängte sie sich doch, wie schutzsuchend an Suffolk und flüsterte kaum hörbar:
„Ich, Majestät."
„Sie, warum erschrecken Sie dann so? Weil Sie lügen. Haben Sie etwa jenen Brief geschrieben?*
Sie beachtete denselben kaum und hauchte nur ein schüchternes „nein", denn sie wußte, daß sie gestern keinen Brief geschrieben.
„Trugen Sie etwa gestern Abend blaue Schleifen?" „Nein."
Ein Schauder lief durch die Versammlung, mit dem Geständniß schien Katharinens Schicksal besiegelt; hatte Anna Dorset für ihre Königliche Freundin eintreten wollen mit ihrer ersten Antwort, so annullirte sie dieselbe durch ihre zweite. Fragend, was die unverstandene Scene bedeute, sah sie Henry an, der, die stumme Frage verstehend, leise antwortete:
„Majestät glaubt die Verschleierte, die gestern mit mir im Korridor des Schlosses stand, seiMy- lady gewesen, Majestät fand jene Schleife an der Stelle, wo wir standen."
Da kam mit einemmale ein ungewohnter Muth über das schüchterne Kind, also nicht sie war die Schuldige, über die Gericht gehalten werden sollte, man hatte eine Andere im Verdacht, deren Vergehen, hätte sie an ihrer Stelle gestanden, noch viel größer gewesen wäre.
„Und jene Schleife," sprach sie zuversichtlich, „soll der Beweis sein, daß Mylady an meiner Stelle staub?*
und dabei zugleich behufs etwaiger Bewilligung von Staatsbeihülfen für diejenigen Lehrer, welche aus Mitteln des Kreises oder Seitens der nachweislich unvermögenden Gemeinden im Verhältnisse zu ihren Leistungen nicht genügend remunerirt werden, die nöthigen Anträge einzubringen, bezw. diese Anträge in der Rubrik „Sonstige Bemerkungen" unter Angabe der von den betreffenden Gemeinden gegenwärtig zu zahlenden Staats- und Communalsteuern, sowie der sonstigen, das Er- forderniß eines staatlichen Zuschusses erheischenden Verhältnisse näher zu begründen.
2698. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Abg. Jacobs die Beanstandung beantragt hatte. Verschie. dene Petitionen, welche der Agrarkommission vorgelegen hatten, wurden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Petitionen seminaristisch gebildeter Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten um Ausbesserung der Besoldung und Regelung der Ascensionsverhältnisse wurden der Regierung als Material für die gesetzlich« Regelung der Verhältnisse der Lehrer an den höheren Lehranstalten überwiesen. Morgens Dritte Lesungen kleinerer Vorlagen und Spezial» berathuna des Etats des Ministeriums für Handel und GewerbL
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ist, wie amtlich mitgetheilt wird, durch die Kontusion, die derselbe neulich auf einem Hoffest infolge Ausgleitens erlitten hat und die übrigens in günstiger Weise verläuft, noch zu fernerem ruhigen Verhalten genöthigt. Die Geschäfte und Vorträge bei Sr. Majestät nehmen ihren ungestörten Fortgang.
„Trug etwa gestern Abend eine andere Dame als Mylady blaue Schleifen?* herrschte der König sie an. Sie ließ sich indeß nicht irre machen.
„Nein, Majestät, aber jene Schleife gehört 'Mylady nicht. Ob an ihrem Kleide eine solche fehlt, weiß ich nicht, dann ist es aber jene nicht, die gehört nicht dazu."
„So, können Sie das beweisen?"
„Gewiß, wenn Majestät mir gestatten, Mylady's Kleid zu holen, das sie gestern getragen."
„So holen Sie es," sprach der König freundlich, dem die Hoffnung aufdämmerte, die geliebte Gattin könne schuldlos sein, und Diejenige, die diese Unschuld an den Tag brächte, sollte sich stets seiner Huld und Gnade freuen.
Eilig entfernte sich Anna und kam bald wieder mit dem Kleide, das Katharina am Abend vorher beim Hoffest getragen. Es war wie sie gesagt, keine Schleife fehlte, und als die angeblich im Korridor gefundene, neben die andern gehalten wurde, mußten auch Männeraugen sehen, was das Auge des jungen Mädchens, dem Putz und Tand noch eine Welt war, sofort erkannt hatte. Das war eine andere Schleife, und kein Schuldbeweis gegen eine, bis dahin makellos und treu erfundene Frau. Keiner konnte sich dies Wunder erklären, nur Wriothesley wußte den Zusammenhang: Anna hatte schon am Morgen ihrer werthen Freundin, Lady Wriothesley. das Toilettengeheimniß Mylady's verrathen, das sie eben so interessirte wie ihreeigene Toilette, so sollte denn Mylady durch eine blaue Schleife fallen. Sich eine echte durch Anna verschaffen, däuchtedem Ehepaar zu gefährlich, so hatte denn Lady Wriothesley eine blaue Schleife ange- fertigt, die in Form und Farbe nicht mit Katha
Der Erbgroß Herzog von Baden ist schwer am Gelenkrheumatismus erkrankt.
In dem dem Reichstage zugegangenen Gesetzentwurf, betreffend die Ausprägung von Zwanzig- Pfennigstücken in Nickel, wird hervorgehoben, daß auch die silberne Zwanzigpfennigmünze bis auf weiteres im Verkehr zu belassen ist, um nicht den Mangel an solchem Kleingeld zu erhöhen.
Eine Kanalvorlage betreffend das erweiterte Projekt eines Kanals von Dortmund nach den Ems- Häfen und das neue Projekt, Verbindung der oberen Spree mit der Oder, soll nach den neuesten offiziösen Mittheilungen dem preußischen Landtage noch in dieser Session vorgelegt werden.
Nach übereinstimmenden Meldungen ist der Hofsekretär des Königs von Bayern nach München zurückgekehrt, ohne mit seinen Bemühungen um ein Arrangement betreffs der Königlichen Civilliste in Berlin, Hamburg und Frankfurt ein Resultat erzielt zu haben. Doch soll er noch nicht alle Hoffnung aufgegeben haben, da in München von neuem
Der „Univers" will wissen, „„p a ...... -^ Papst und dem Fürsten Bismarck in jüngster Zeit wieder ein schriftlicher Gedanken-Austausch statt- gesunden hat. Auch heißt es, daß Bischof Dr. Kopp sich demnächst nach Rom begeben wird, um mit dem Papste über die kirchenpolitische Frage in Preußen zu konferiren.
Aus Gotha wird der „Post" mitgetheilt, daß der Consistorialrath Kretzschmar in Königsberg i./Pr. als Generalsuperintendent nach dem Her- zogthum berufen wäre.
(Frankreich.) In der Madagaskar-Ange- legenhett hat das Ministerium Freycinet einen großen Erfolg gehabt, indem die Deputtrtenkammer den Madagaskar-Vertrag mit 459 gegen 29 Stimmen annahm. Freycinet hatte erklärt, daß der vorliegende Vertrag der unter den obwaltenden Verhältnissen denkbar günstigste sei, dieErzwingung eines für Frankreich vortheilhasteren Vertrages würde die Entsendung von 25,000 Mann nach Madagaskar nöthig machen. — In Südfrankreich löst ein Streik den andern ab. Kaum ist in De- cazeville, das vor kurzem erst der Schauplatz empörender Scenen gewesen ist, in dem Kampf
rinens Schleifen harmonirte, die aber nicht allein im mitternächtigen Halbdunkel, sondern auch bei Tageslicht, vor den durch Eifersucht verblendeten Augen des Königs ihre Schuldigkeit gethan hätte, wenn eben nicht, was Wriothesley am meisten gefürchtet, Katharina sich den Zutritt zum König erzwäng, ehe er sie sicher im Tower hatte.
„Ja, ja, in Totlettenangelegenheiten sind die Frauen doch schlauer, als selbst Wir gesalbten Könige," sagte Heinrich VIII, bei Betrachtung der Schleifen. „Was sagen Sie nun, Herr Kanzler."
„Daß wir zur Hälfte hinter ein Hofgeheimniß gekommen sind, Majestät," erwiderte der Kanzler, „dessen eine Hälfte der schönsten, edelsten Frau durch einen Irrthum verhängnißvoll wurde, dessen andere Hälfte wir aber schwerlich ergründen werden, und daswir vielleicht auch besser unter dem Schleier desGe- heimnisses bewahrt lassen." Er sah sein Spiel verloren und gab es auf, er nahm daher seine alte Rolle als Vertheidiger Katharinens wieder auf, um die eigene Schuld zu decken, da er als genauer Kenner der Hosluft sofort die veränderte Windrichtung spürte. „Vergebung, Mylady, wenn auch ich durch eine unselige Verkettung von Umständen minutenlang die Sonne von Englands Hof verhüllt sah," damit stürzte er vor ihr auf die Kniee.
Ein inneres Gefühl ließ Katharina vor ihn zu« rückbeben, und in ihm doch den Schuldigen ahnen, daher konnte sie sich nicht entschließen, ihm die Hand zur Versöhnung zu reichen. Sie trat einen Schritt zurück und ein hülfeflehender Blick traf den König, aber nur einer, denn im selben Moment besann sie sich, daß augenblicklich ein Etwas trennend zwischen ihr und Englands König stand, und senkte die Lider, während ein Ausdruck von