Nr. 24.
Donnerstag den 25. Februar 1886.
DaS „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Pfg. pro Quartal excl. Postausschlag.
Kreis flersfesö.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Aöonnements-KLntadung.
Bestellungen auf das
Kreisvlatt für den Kreis HersfeLd mit der wöchentlichen Gratis - Beilage „Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 27ften v. Mts. dem Comit6 für den Zuchtmarkt für edlere Pferde zu Neu- brandenburgffMecklenburg-Strelitz) die Erlaubniß zu ertheilen geruht, Loose zu der mit Genehmigung der Großherzoglichen Landesregierung bei Gelegenheit des diesjährigen Zuchtmarktes zu veranstaltenden Ausspielung von Pferden, Equipagen, Reit-, Fahr- und Stall-Utensilien auch im diesseitigen Staatsgebiete zu vertreiben.
Indem wir die Verwaltungs- und Polizeibehörden unseres Bezirks hiervon in Kenntniß setzen, veranlassen wir dieselben zugleich, dafür zu sorgen, daß der Vertrieb der betreffenden Loose innerhalb ihres Verwaltungsbezirks nicht beanstandet wird.
Cassel, den 13. Februar 1886.
Königliche Regierun g, Abtheilung des Innern.
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß zu der von dem Herrn Ober - Präsidenten der Rheinprovinz gestatteten Ausspielung von Gold- und Silbersachen, Schmuckgegenständen 2c. für den Fonds zum Umbau des Chors der St. Pe- terskirche zu Cöln Loose im Preise von 1 Mark pro Stück auch im Bereiche der Provinz.Hessen- Nassau vertrieben werden dürfen.
Die Verwaltungs- und Polizeibehörden unseres Bezirks werden hiervon mit der Veranlassung in Kenntniß gesetzt, Anordnung dahin zu treffen,
(Nachdruck verboten.)
Eine Matte Schleife.
Historische Novelle von Emma Handen.
(Fortsetzung.)
Willenlos folgte ihr Suffolk, der heut Heinrich VIII. mehr denn je fürchtete und ihm nicht mitten in der Nacht hier begegnen mochte. Wie kam der König um diese Zeit in den Korridor, der zu den Frauengemächern führte?
Als er.nach dem Hoffest seine Zimmer wieder betreten, hatte sich noch der Kanzler bei ihm melden lassen. Es mußte jedenfalls etwas Außerordentliches sein, was denselben veranlaßte, die Nachtruhe des Königs zu stören, der sofort an den Beseht dachte, den er ihm neulich gegeben. Er befahl ihn vorzulassen und schickte seine Umgebung fort.
„Herr Kanzler, Sie bringen Uns Beweise von der Untreue Unserer Gemahlin," herrschte er den Eintretenden an.
„Ich sürchte es, Majestät, und eingedenk Ihres neulichen Befehls wagte ich, so schwer es mir auch wird zu sprechen, doch nicht zu schweigen, lesen Sie", fügte er fast tonlos hinzu, dem Könige einen halbverkohlten Brief hinreichend.
Der König nahm denselben in höchster Erregung und beachtete daher nicht, daß das zierliche Billet nur am Rand verkohlt, die Schrift aber noch immer durchweg leserlich war und daß dasselbe daher weniger den Eindruck machte als ob es den Flammen entrissen, als wie wenn es absichtlich in diesen Zustand versetzt wäre. Der König las:
„Geliebter, schon lange trage ich die Liebe zu Dir im Herzen, ich kann es nicht länger. Komm heute Abend gegen Mitternacht in den Korridor,
daß dem Vertrieb der qu. Loose ein Hinderniß nicht entgegengesetzt wird.
Cassel, den 12. Februar 1886.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 23. Februar 1886.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises fordere ich hierdurch auf, den durch meine Verfügung vom 20. März 1885 Nr. 3164 im Kreisblatt Nr. 35 für das Jahr 1885 geforderten Bericht in Betreff des Concurrirens mehrerer Söhne einer Familie bei dem Musterungsgeschäfte, mir auch für das Jahr 1886 bis zum 5. März c. in analoger Weise zu erstatten.
2496. Der Königliche Lanbrath
Freiherr von Schletnttz.
Hersfeld, den 22. Februar 1886.
Die Schulstelle zu Biedebach wird mit dem 1. März d. J. vacant.
Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Be- sähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspector, Herrn Pfarrer Gamb zu Obergeis, oder dem Unterzeichneten einreichen.
2435. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 22. Februar 1886.
Für die am 24. September 1869 geborene Maria Anna Amalte SLImter von hier ist um Ertheilung eines Reisepasses zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
2472. Der Königliche. Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 22. Februar 1886.
Für den am 12. März 1870 geborenen Peter Stern von hier ist um Entlassung aus dem diesseitigen Slaalsoerbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
! 2411. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleiniß._
Hersfeld den 23. Februar 1886.
In den Gemeinden Rotensee und Tann
der zu meinen Zimmern führt, ich muß Dich ohne Zeugen sehen und sprechen. Eine blaue Schleife."
„Wie kommen Sie zu dem Blatt, Herr Kanzler?" fragte der König aufs Höchste erregt.
„Aus seltsame Weise, Majestät. Es überkam mich heute im Laufe des Abends ein plötzliches Unwohlsein, das ich zu bekämpfen gedachte, wenn ich mir am Büffet ein Glas starken Weines geben ließ. Derselbe hatte aber vollständig die Wirkung eines Schlaftrunkes, wie Blei fühlte ich es plötzlich in allen Adern, fühlte, daß ich nicht mehr zu Hause kam und rettete mich in ein leeres Seitenzimmer. wo in einer Fensternische ein Sessel stand; ich fiel fast tu denselben, nachdem ich noch soviel Kraft und Besinnung gehabt, die Vorhänge vor meinen Sitz zu schließen. Wie lange ich geschlafen, ich weiß es nicht. Plötzlich glaubte ich Schritte zu vernehmen, ob das Traum oder Wirklichkeit vermochte ich nicht zu unterscheiden. Da hörte ich eine Stimme, die die Worte sprach: Sei vernichtet Schuldbeweis, der mir die Pforten irdischer Seligkeit öffnet. Ich schlug die Augen auf, ohne mich voll aus die Gegenwart besinnen zu können, und sah etwas Weißes in den Kamin fliegen, während die Schritte des sich entfernenden Mannes mich vollends aus meiner Lethargie weckten; ich sprang auf, schritt zum Kamin, um mich zu überzeugen ob ich geträumt oder Wirklichkeit geschaut, ich entriß das halb Der» kohlte Blatt den Flammen, und erschrack ob des Inhalts, denn nur eine Dame trug heut blaue Schleifen."
„Und wer war es der das Blatt ins Feuer warf?-
„Ich sah ihn nur von hinten, aber ich glaubte die glänzende Uniform des Oberstallmeisters zu erkennen,"
herrscht die Schafräude, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
2448 und 2452. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 22. Februar. Auf der Tagesordnung stehen die Vorlagen, betreffend die Sicherung der deutschen Na- tionalität in den Ostprovinzen. Die Tribünen sind dicht besetzt. Zur Verhandlung kommt zunächst allein der Ge, setzentwurf, betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, wozu 100 Millionen Mark gefordert werden. Nachdem der Abg. v. Wierzbinski diese Vorlage vom nationalen Standpunkte bekämpst hatte, betonte der landwirthschastliche Minister Dr. Lucius, daß die Regierung mit ihrer Vorlage sich nicht in der Offensive, sondern in der Defensive befinde. Im Uebrigen begründete er eingehend die Vor- läge vom agrarischen und socialpolitischen Standpunkte. Abg. ü. Benda (nationallib.) erklärte Namens seiner Freunde seine Sympathie für die Vorlage, die indeß nach Zweckmäßigkeit und Verfassungsmäßigkeit in der Kommission sorgfältig zu prüfen sei. Abg. Frhr. v. Huene (Centrum) betonte, daß seine Freunde die Vorlage im Gegensatze zum ersten Redner nicht vom nationalen Standpunkte, sondern von dem der Gerechtigkeit beurtheilen Im Uebrigen suchte er die Unzweckmäßigkeit und Unreife der Vorlage nach allen Richtungen darzulegen. Abg. v. Holtz (kons.) war im Prinzip mit der Vorlage durchaus einverstanden, wünscht aber, daß die Domainen ganz aus dem Gesetze ausgeschlossen werden, und hatte ferner Bedenken gegen § 3 (Gründung eines eisernen Fonds). Er beantragte im Uebrigen die Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern. Abg. Ostrowicz (Pole) suchte darzulegen, daß man den Polen ihre idealen Güter nimmer entreißen werde. Mit dieser Vorlage wolle „.^.an sie aber, nachdem man ihnen das Vaterland genommen, auch noch zu PariaS machen. Abg. v. TreSkow (Ions.) ging auf die Entwickelungsgeschichte der polnisch-deutschen Verhältnisse in der Provinz Posen auS eigener Kenntniß derselben aussührlich ein, um aus denselben die Nothwendigkeit der Vorlage darzuthun. Abg. Frhr. v. Schorlemer Alst (Centrum) betonte, daß auch er wie der Abg. v. Huene die Vorlage nur vom Standpunkte des verletzten Rechts beurtheile; suchte dann die Argumente zu wider- legen, die der Herr Ministerpräsident am 28, Januar hier im Hause für das Vorgehen gegen die Polen geltend gemacht hatte. Die jetzt gemachten Vorlagen seien die Krone aller Ausnahmegesetze. Das speciell zur Debatte stehende Gesetz sei zugleich eine Bankerotterklärung der deutschen Kultur. Nachdem darauf der landwirthschastliche Minister Dr. Lucius den Ausführungen der Abg. v. Huene und von Schorlemer-Alst in verschiedenen Punkten ent«
„Er soll sofort in den Tower."
„Ohne daß ihm etwas bewiesen werden kann? Was Majestät jetzt in Händen halten, ist doch ein zu schwacher Schuldbeweis. Wohl steht hier: „sei gegen Mitternacht" — und jetzt ist es lange nach Mitternacht, aber Verliebte gehen so schnell nicht auseinander, vielleicht finden Majestät die Schuldigen noch beisammen."
„Ja, Sie haben Recht, Kanzler, kommen Sie mit."
Wriothesley konnte getrost den König nach der bezeichneten Stelle führen, obgleich die in dem Billet festgesetzte Zeit längst vorüber war, er wußte genau, daß er das Pärchen dort noch finden werde und er fand es.
Der König war erkannt von Anna und Suffolk, letzterer machte die Uniform kenntlich, nur Anna war. Dank Lady Wriothesley's Fürsorge im Schleier und langen grauen Mantel unkenntlich, auch erkannte sie der König an der Stimme nicht, dazu hatte sie trotz der herrschenden Stille zu leise gesprochen.
Wie ein Tiger auf seine Beute, stürzte der König auf die Stelle zu, wo das Paar gestanden. Aber die Jugend war schneller als das Alter, Beide waren längst in Anna's Zimmer verschwunden, als Heinrich VIII. erst den Platz erreichte, worden ein bräutliches Gelübde ausgetauscht worden, hier war aber auch Wriothesley an seiner Seite, legte die Hand auf des Königs Arm und sprach:
„Nicht weiter, Majestät."
„Sollen Wir die Ungetreue nicht auf der Stelle nieverschmettern," rief der König fast zu laut für die Stille der Nacht, „lassen Sie Uns."
Aber Wriothesley ließ ihn nicht, jetzt eine Begegnung
des Königspaares und Alles war für thu^-rloren.