Nr. 14.
KreicMblatt
Dienstag den 2. Februar 1886.
DaS „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Wk. 10 Pfg, pro Quartal.
Kreis ßersfeth.
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Kreisdlatt
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 29. Januar 1886.
Die Königlichen Localschulinspectoren des Kreises ersuche ich, unter Bezugnahme aus die von meinem Herrn Amtsvorgänger unter'm 29. Oktober 1883 Nr. 13621, im Kreisblatt Nr. 117, veröffentlichte Verfügung Königlicher Regierung vom 25. ejusd. B. 12227, ergebend mir hiernach Don jeder vor- kommenden Berheirathung der Ihnen unterstellten Lehrer gefälligst alsbald Millheilung zu machen. 1328. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
o«. ^v-r^covrenen Heinrich W l l l h a r d aus Mengshausen ist um Entlassung aus dem diesseitigen SlaatSverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
1333. Der Königliche Landrath ____________________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 29. Januar 1886.
Unter Hinweis auf das Gesetz vom 28. Mai 1885 (Gesetz-Sammlung Seite 175 ff.) betreffend die Ergänzung des Gesetzes über das Grundbuchwesen vom 29. Mai 1873 werden die Herren Bürgermeister des Kreises aufgefordert, sofern es noch nicht geschehen sein sollte, bei dem zuständigen Königlichen Amtsgerichte durch den Gemeinderaty den Antrag zu stellen, daß sämmtliche in der Gemarkung der Gemeinde belegene
(Nachdruck verboten.)
Irauenherzen.
Novelle von L. Ca l m.
. (Fortsetzung.)
Es schlug zwei Uyr. Meine Sinne verwirrten sich, ich gab verkehrte, zerstreute Antworten, ich hielt mich kaum noch aufrecht. Herr v. Heindorf faßte meine eiskalte Hand und sagte:
„Sind Sie unwohl, gnädige Frau? Ich ängstige mich um Sie."
Ich riß mich los und trat auf Viktor zu. Ich wollte das Aeußerste wagen.
„Viktor, laß uns heim fahren, ich bin krank." Meine Stimme bebte. Ich fühlte die Blicke der koketten Frau — sie war meine Todseindin, ich empfand es deutlich in diesem Moment — mit einem lauernden Ausdruck auf uns ruhen. Wenn Viktor mich jetzt abwies, was bei seiner Reizbarkeit so leicht möglich gewesen, so war ich verloren. Ich stützte mich zitternd auf seine Schulter.
„Um Gottes willen Adele!" rief er, tief erschrocken aufspringend und schloß mich in seine Arme. Frau v. Heindorf drüben lachte schrill auf. Viktor befahl den Wagen, und wir verabschiedeten uns.
„Ist es möglich, meine Liebe? Ach wie unendlich thut es mir leid!" rief unsere Wirthin mit dem Schein tiessten Bedauerns. Ich hatte mich so darauf gefreut, Sie einmal recht lange bei mir zu haben, und sandte deshalb die Botin zurück, die vor einigen Stunden nach Ihnen kam. Ich hoffe, es wird nichts von Bedeutung vorgefallen sein."
Ich wankte. Der Saal, die Kerzen, die lächelnden Gesichter, Alles schien sich im Kreise um mich zu drehen. In diesem Augenblick reichte mir Vik
Gemeindegrundstücke in das von Amtswegen betriebene Verfahren Zum Zwecke der Anlegung der Grundbuchblätter, der Zurückführung des Grundbuchs auf das Steuerbuch und der Beseitigung nicht mehr bestehender Hypotheken mit ausgenommen werden.
Bis zum 25. Februar er. ist mir berichtlich an- zuzeigen, daß besagter Antrag gestellt worden ist.
1330, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.__ —Gefunden: eine Peitsche und ein Damenhut. Meldungen der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Heimboldshausen.
Gesunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.
Bekanntmachung.
Die Herrn Bürgermeister und Ortsverwalter des hiesigen Kassenbezirks werden ersucht, in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen, Daß die Brandsteuer für das Jahr 1886 gleichzeitig mit der Staatssteuer pro IV. Quartal 1885/86 in den Localerhebelerminen miterhoben wird.
Hersfeld, den 30. Januar 1886.
Königliche Steuerkasse : H e ck e r.
Durch rechtskrästigesUheil' des Königlichen Landgerichts Cassel vom 16. Dezember lM f'“‘
1) der Leinweber
tiennflen..*^ unb älM Margaretha Watt,
2) Friedrich Wilhelm Otto von Hersfeld, geboren am 13. März 1864 daselbst, Sohn von Fabrikarbeiter Philipp Otto und Anna Margretha Ritz,
3) Burghard Wilhelm Louis Reinhard Rembe von Niederaula, geboren am 21. Januar 1864 daselbst, Sohn vom Förster Christian Rembe und Elisabeth Plitl,
4) Johannes Ludwig Heußner von Schenklengs- felv, geboren am 29. Juli 1864 daselbst, Sohn von Bauer Johannes Heußner und Anna Martha Klotzbach,
wegen Wehrpflichtsverletzung je zu 151 Mk. Geldstrafe ev. 1 Monat Gefängniß verurthellt. Da ihr Aufenthalt unbekannt ist, wird öffentlich um
tor den Arm, um mich hinaus zu führen. Wenige Minuten später, und wir waren daheim.
Ich hatte mich gesammelt um wenigstens möglichst gefaßt zu erscheinen. Ich eilte so schnell die Treppe zu unserm Zimmer hinauf, daß Viktor mir kaum folgen konnte.
„Kannst Du mir verzeihen, meine liebe arme Adele?" fragte er, mich in meinem Zimmer von Hut und Mantel befreiend. „Hätte, ich das gewußt, ich hätte Dich, auf mein Wort nicht bemüht. Fühlst Du Dich ernstlich krank?"
„Bergiev mir Viktor l" entgegnete ich. „Ich bin nicht krank. Die Sorge um Albert ließ mir keine Ruhe--"
»Du bist ein Kind!" versetzte Viktor zornig, ließ mich augenblicklich los und ging aus dem Zimmer.
Durch die entgegengesetzte Thür trat die Wärterin ein.
„Sind Sie da, gnädige grau?" .fragte sie, und ich hörte die Thränen in ihrer Stimme. „Warum sind Sie nicht gekommen als ich nach Ihnen schickte? Nun ist es zu spät."
„Ich weiß, ich weiß", murmelte ich tonlos. Der Frau erstarb der Vorwurs aus den Lippen, als sie mich anblickte. „Wo ist erd" fragte ich.
Ich folgte ihr in meines Albert Zimmer und brach an seinem Beltchen zusammen. Die Händchen waren krampshast geballt, die halb geöffneten Augen starrten mich gebrochen fan. — Ich hörte die Wärterin wie im Traum, sie sagte:
„Er wurde gleich krank, als Sie fort waren, Sie wissen, er war schon den Tag über unwohl. Nach ein paar Stunden begann er zu fiebern, wir sandten nach dem Arzt und nach Ihnen. Ehe der erstere kam, lag Albert in Strümpfen. Der Arzt
Strafvollstreckung im Betretungsfall und Nachricht hierher zu den Akten M. 137/85 ersucht.
Cassel, den 26. Januar 1886.
Der Königliche Erste Staatsanwalt.
I. A.: Chuchul.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 29. Januar. Der Reichstag beendete heute zunächst die erste Berathung des Sprachenantrages des Abg. Junggreen (Däne), und erledigte sodann den Rest des Etats überall nach den Beschlüssen der Kommission.
— Morgen: Antrag Ackermann zur Gewerbeordnung.
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Debatte über die Auöweisungsangelegenheit fort, ohne sie schon zu beendigen. Nachdem der erste Redner, Abg. Dr. v. Stablewski (Pole), eingehend die polnischen Beschwerden in bekannter Weise darzulegen gesucht hatte, führte der Viceprä. sident des Staatsministeriums, Minister des Innern von Puttkamer aus, daß die getrossenen Maßregeln sich als eine nationale Nothwendigkeit erwiesen hätten, daß dieselben jedes konfessionellen Charakters entbehrten und dieselben tm klebrigen mit der möglichsten Schonung, wie dies von der Centralstelle angeordnet sei, ausgejührt würden. Allerdings sei bieJBfuimuia-4iü«a«M«*r--4>^^ nothwendigen polizeilichen Maßnahmen organische Einrichtungen hergehen möchten, wie sie in^-r Thronrede bereits angekündigt seien, und fei es -rt-culich, daß d,e Regierung dabei aus die 3ufi‘—-*“« ^S Hauses rechnen könne.
" ---"""'stier Bronsart von Schellendorss rechtfertigte kurz, warum der Prozentsatz der polnischen Militärpstich. tigen in den einzelnen Regimentern nur ein geringer sein dürfe. Der Ministerpräsident, Reichskanzler Fürst v. Bis. marck nahm Veranlassung, auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Windthorst widerlegend ausführlich einzugehen und zu gleicher Zeit zu betonen, daß ihm der Gedanke eines Staatsstreichs, wie ihn gestern der Abg. Richter im Reichstag proklamirt, vollständig fern liege, nicht einmal an eine Auflösung denke er, falls das Monopol abgelehnt werden sollte. Abg. Dr. Enneccerus (nat.-lib.) charakteri« sirte den nationalliberal-konservativen Antrag als ein volles Vertrauensvotum für den Reichskanzler in der polnischen sirage. Abg. Dr. Windthorst (Centrum) suchte die AuS. sührungen des Reichskanzlers zu widerlegen. Daraus wurde um 4 Uhr ein Vertagungsantrag angenommen. In einer persönlichen Bemerkung erklärte Abg. Richter (deutschfr.) daß er den Zweck seiner gestrigen Provokation im Reichstage durch die heutige Erklärung des Reichskanzlers vollständig erfüllt sehe.
Berlin, 30. Januar. Der Reichstag berieth heute den von den Abgg. Ackermann und Genossen eingebrachten Gesetzentwurf auf Abänderung der Gewerbeordnung (Einführung des Befähigungsnachweises) in Verbindung
konnte nicht mehr helfen.--"
Ihre Stimme erstickte in Schluchzen. Ich rührte mich nicht.
„Es war so schwer, ihn sterben zu sehen," hob sie wieder an. „Er hatte nur wenig freie Augenblicke, und dann verlangte er nach Ihnen und rief „Mama", „Mama". Immer, wenn Jemand sich Der Wiege näherte, wandle er das Köpschen zur Seite und lächelte und breitete die Aermchen aus, denn er meinte Sie wären es —
Ich stöhnte aus. Die Frau war rücksichtsvoll genug, jetzt schweigend das Zimmer zu verlassen.
Wie lange ich dort gelegen, weiß ich nicht. Von Zeit zu Zeit versuchte ich, Athem in die halb geöffneten Lippen zu hauchen, oder die erstarrten Händchen warm zu reiben. Aber eine höhnische, mitleidlose Stimme rief unaufhörlich in meinem Innern: „Zu spät! Zu spät!"
Endlich hörte ich Viktors Schritt im Nebenzimmer. Ich erhob mich müde, aber ich vermochte nicht mit einem Wort ihm das Geschehene mttzu- theilen. Ohne aus mich einen Blick zu werfen, trat er an das Beltchen. Er stieß einen markerschütternden Schrei aus und stand wie erstarrt.
„Ist dies Wahrheit, Adele, oder Täuschung der Hölle?" fragte er nach einer Pause.
Ich wandle mich stumm ab. Er riß plötzlich die kleine Leiche empor, drückte sie an seine Brust, suchte sie zu beleben, legte sie endlich stumm und gebrochen wieder in die Kissen zurück und warf sich darüber hin.
Ich weiß nicht wie ich diesen Augenblick überlebt habe. Ich glaubte jeden Augenblick, das Herz müßte mir brechen. Und doch schien es mir, als habe Niemand hier ein Recht zu klagen, als ich allein, bürdete ich mir doch allein die Schuld aus,