in höchst gefährlicher Weise von ihren Aexten Gebrauch machten und sich beiderseitig recht schwere Verletzungen beibrachten. So wurde u. a. einem der Holzhauer durch einen Axtwurf, welchen er mit der Hand abzuwehren versuchte, dieselbe förmlich gespalten.
Hersfeld, 29. Jan. Ist neben einer der Fragen im Versicherungsanträge, deren wissentlich falsche Beantwortung die Verwirkung des Versicherungsanspruches nach sich zieht, vom Antragsteller anstatt der ausdrücklichen Beantwortung ein Strich gezogen, so ist dieser Strich, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Civilsenats, vom 23. Octbr. v. I., nicht ohne Weiteres im Sinne der Verneinung zu verstehen; vielmehr ist die Bedeutung des Strichs aus den sonstigen thatsächlichen Umständen vom Richter festzustellen, und falls die Auslegung desselben ein unzweiselhafts Resultat nicht ergiebt, zu Ungunsten der Versicherungsgesellschaft zu entscheiden.
Hanait, 25. Januar. Seit einigen Tagen ist ein hier in Garnison stehender Unteroffizier verschwunden. Ueber die Motive der muthmaßlichen Desertion fehlt jeder Anhaltspunkt.
Blickershausen (bei Witzenhausen.) Herr Oeconom Heinrich Steffen hierselbst schlachtete in diesen Tagen einige Schweine, von denen eine 2^/,jährige Sau 622 Pfund wog, ein Gewicht, das gewiß selten erreicht wird.
Volkmarsen, 25. Januar. Die Folgen eines jugendlichen Uebermuthes hat gestern der 18jährige einzige Sohn eines Landwirthes zu Ehringen schwer büßen müssen. Derselbe war, einem daherrennen- den Schlitten muthwillig und tollkühn entgegen- springend, den Pferden in die Zügel gefallen, um sie aufzuhalten, bei welcher Gelegenheit ihm die Deichsel tief in den Leib gedrungen war. Gesundheit und Frohsinn sind geopfert, wenn er, was jedoch sehr bezweifelt wird, auch wieder aufkommen sollte.
Vermischtes.
— Bieder ich. Am Montag Morgen fand man den Rentner Schneider ermordet in seinem Bette. Der oder die Mörder hatten ihn durch einen Schlag aus die rechte Schläfe, wo^ sich eine tiefe Wunde befand, getödtet. Die Schubladen der Kommoden waren erbrochen und der Inhalt war zum größten Theile entwendet. Die Thäter müssen gestört worden sein, da man noch einiges Geld offen liegend vorfand. Der Ermordete, ein Witwer, wohnte ganz allein in dem Hause. Die Thäter sind spurlos verschwunden.
— Darmstadt, 26. Januar. Es ist nunmehr auch der Name des zweiten (noch gesuchten) Attentäters im Fach'schen Raubmord bekannt. Er heißt Ollendorf und ist aus Wersau.
— Darmstadt, 27. Januar. Auf telegraphische Requisition hierher sind zwei Strolche verhaftet worden, von denen mindestens einer bestimmt zu den Raubmördern gehört, die in Biebrich den Oekonom Schneider ermordeten.
— Erlangen. Am Sonntag Abend wurde ein Unteroffizier des hiesigen Bataillons in der Wohnung seiner Braut erstochen aufgefunden. Nach der Angabe des Mädchens soll er sich den tödtlichen Stich beim Bleistiftspitzen beigebracht haben, allein die Unwahrscheinlichkeit dieser Behauptung wird noch durch den Umstand verschärft, daß neben der Leiche ein langes, scharfes Messer lag.
— Köln. Dieser Tage wurde aus dem Zuchthause ein Mann entlassen, welcher 1883 wegen Straßenraubes zu 6 Jahren verurtheilt war. Eine Frau, die damalige tzanptbetastungszeugin, hatte auf dem Sterbebette bekannt, daß sie bei der Verhandlung gegen den armen Mann ein falsches Zeugniß abgelegt habe.
- Krefeld. Die Raubansälle in hiesiger Gegend mehren sich! Am 26. d. abends wurde auf der Straße von Duisburg nach Ruhrort ein Mann angefallen und durch Messerstiche schwer verwundet. — Ein anderer Raubanfall ereignete sich auf der Straße von Krefeld nach Strackendorf. Dort wurde eine Frau von einem Wegelagerer rücklings Überfällen und mit dem Messer unterhalb der linken Brust verwundet. Innerhalb 8 Tagen sind bei Krefeld drei derartige Verbrechen begangen worden.
— Aus Bayern. Eine als Hochzeitsgast in Albaching anwesende Wirthin aus einem Nachbarorte wollte sich im Laufe des Nachmittags die schöne Pfarrkirche ansehen; nach Betreten der Kirche schlug sie die Thüre hinter sich zu, wodurch der Riegel vorfiel. Die Gefangene lief eine volle Stunde in der Kirche herum, laut um Hilfe schreiend und vergebens einen Ausweg suchend. Sie flüchtete endlich aus den Chor, von da in den Thurm und in ihrer Angst griff sie nach dem nächst besten Glockenseile und zum Schrecken aller Ortsbewohner ertönte nun die große Glocke. Alles glaubte nun,
es brenne im Dor^e, man lief und fragte — bis endlich das Märlein bekannt wurde von der gefangenen Wirthin in der Kirche.
— Straßburg. Unlängst starb hier einvom Hausknecht zum halben Millionär emporgekommener Privatier. Sein Geiz ging, obwohl er kinderlos war, so weit, daß er beim Herannahen seines Todes sich beeilte, seine Wohnung zu kündigen, um die Miethe seinen Erben zu ersparen. Weiter kann man die Methode in der Uebung der Sparsamkeit wohl nicht treiben.
— Gewunden. Die Wittwe des verstorbenen Königs Georgs von Hannover ist an Rippenfellentzündung und Bronchitis nicht unbedenklich erkrankt.
— (Aus verdächtiger Fährte.) Ein kleines, im vorigen Januar in Thüringen vorgekommenes Geschichtchen, — so schreibt man der „T. R.", — ist vielleicht erzählenswerth. Bei L. wurde im Gehölz eines Tages die Leiche eines erschossenen Waldwärters entdeckt. Die Untersuchung wurde eingeleitet, und es begab sich die Staatsanwaltschaft an den Thatort. Nach genauer Untersuchung fand sich ein Blatt aus einem Schreibheft, in welches augenscheinlich ein Frühstück eingewickelt gewesen. Allen Lehrern der Umgegend wurde dies corpus delicti zur Rekognoscirung vorgelegt, bis endlich ein Lehrer in Gotha die Schrift als die einer seiner Schülerinnen erkannte. Dieselbe wird vorgeführt zur Vernehmung. „Hast Du das geschrieben?" — „Ja!" — „Wem hast Du das Papier gegeben?" — „Meiner Schwester!" Diese wird vorgeladen, da die Indizien sich mehren, weil man in derZwischenzeit in Erfahrung bringt, daß in dem Hauseein bestrafter Wilddieb wohnt. Gefragt, ob sie das Papier kenne, bejaht sie dieses. Ob sie wisse, was mit dem Papier geschehen sei, erklärt dieselbe, daß sie ihrem Vater das Frühstück hineingewickelt habe. Dieser wird vorgeiührt. „Kennen sie dies Papier?" fragt der Staatsanwalt. — „Da habe ich mein Frühstück drin eingewickelt gehabt!" — „Wo waren Sie an diesem Tage?" — „Am B.-berg" (dem Thatorte). — „Wie kommen Sie in diese abgelegne Gegend?" — Alles schaut gespannt auf den vermeintlichen Uebelthäter. „Ich habe an dem Tage den Herrn Staatsanwalt hingefahren!"
— Der in dem Magen eines Kalbes in Berlin gefundene Trauring ist glücklich wieder in die Hand seines Eigenthümers zurückgelangt. Derselbe, ein Viehhändler Franz Jordan in Labes in Hinter- pommern, theilt über die Geschichte dieses Verlustes in der „Allg. Fleischer-Z." folgendes mit: „Am 2. Januar cr. habe er einige Kälber auf dem Bahnhöfe zu Labes nach Berlin verladen. Seiner Gewohnheit treu, pflegte er das Vieh erst zu tränken; eines der Kälber wollte aber nicht saufen, und er wandte deshalb ein altes Mittel an, er steckte nämlich dem Thiere die Finger ins Maul. Das Kalb sog nun vortrefflich und hat ihm dabei den Trauring vom Finger abgesogen. Erst einige Tage später vermißte er den Ring und hatte keine Ahnung, wie ihm derselbe abhanden gekommen. Um so freudiger war seine Ueberraschung, als er aus den Zeitungen von der Auffindung des Ringes erfuhr, den er seit 33 Jahren an seinem Finger getragen hatte.
— Wien. Das an der Stelle des^niedergebrannten Ringtheaters erbaute KaiserlicheVtiftungs- Haus ist am Dienstag durch den Kaiser eingeweiht worden. Der feierlichen Eröffnung des Hauses ging die kirchliche Weihe der Kapelle voran, die als Sühnkapelle zur Erinnerung an das Unglück, das am 8. December 1881 an dieser Stelle sich ereignet hat, errichtet worden ist.
— Parts , 22. Januar. Für die Kinderschau, welche demnächst im Jndustriepalast veranstaltet werden soll, sind bereits viele, den Preis der Schönheit, Stärke oder „Gescheidtheil" beanspruchende B^bss eingeschrieben worden. Unter Andern wird ein dreijähriger Knabe zu sehen sein, welcher nicht weniger als 118 Zentimeter mißt und 86 Pfund wiegt. Die Mutter dieses kleinen Monstrums erklärte, derselbe denke an nichts als an Essen und Trinken. Der Vater ist ein Hufschmied. Das Kind hat sich den schwersten Hammer der Schmiede zum Spielzeug ausgesucht.
— (Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen.) In Paris wurde am 19. d. ein Lumpenball nach Wiener Muster veranstaltet, der sich reger Betheiligung erfreute. Drei Kaufleute, die das Fest als Originallumpen besuchen wollten und verabsäumt hatten, früher einen Wagen zu bestellen, konnten kein Gefährt finden, da jeder Kutscher sich weigerte, an das Lumpenkostüm zu glauben, und die darin Steckenden für echte Lumpen hielt. So machten sie sich denn zu Fuß auf den Weg, allein schon bei der nächsten Straßenecke nahm ein Kon- stabler die Drei fest und.sührte sie auf's Kommissariat. Jede angebotene Legitimation ward mit den Worten zurückgewiesen: „Wir werden euretwegen nicht in der
Kälte herumlaufen, um uns zu erkundigen.* Und als die armen Ballgäste gar mit Geld imponiren wollten, ward dieses, als sicher von einem Einbrüche herrührend, konfisztrt. Am nächsten Morgen agnoszirte« drei Hausmeister ihre Miether.
— Rodez (Deport. Aveyron) 27. Januar. Die Grubenarbeiter von Decazeville haben die Arbeit eingestellt, die Zahl der Strikenden wird auf 2000 angegeben. Der Director Watrain wurde von der erregten Menge aus dem Fenster herausgeworfen und durch Fußtritte getödtet. Zur Herstellung der Ruhe und Ordnung sind 700 Mann Militär nach Decazeville abgegangen.
— Rom. In Catania, Cagliari und Palermo wurden über dreißig Mitglieder einer Falschmünzerbande verhaftet. In Catania wurden Druck- Pressen sowie für zehn Millionen falsche Noten aufgehoben.
— Monaco. Die Spielhölle von Monte Carlo hat am Mittwoch ein neues Opfer gefordert. Der Kassirer eines großen Nizzaer Geschäfts verspielte erst mehrere Tausend feinem Hause gehörige Goldstücke und hängte sich dann dicht vor dem Portale an einem Lorbeerbaum auf.
— Aus Pegtt bei Genua, 23. Jan. Schon zum dritten Male hat dieser Winter unsere gesegnete Küste mit Schnee .bedeckt. Sestrt, Sampier- darena und über Genua hinaus Nervt und Spezia liegen unter weißer Decke, ebenso die westliche Riviera, dicht neben Pelt mit Pra beginnend, selbst Van Remo und der Blumenflor Nizzas sind verhüllt. Immer aber erscheint Peglt als immergrüne, waldige Oase in dieser schimmernden Fläche. Die Lastwagen von Pra und Boltri fahren heran mit handhohem Schnee bedeckt; Eisenbahnwagen verkehren von beiden Seiten mit ihren Dächern voll Schnee, der Tramway von Genua schiebt sich mit schneeverhülltem Dache wie eine Coulisse, die einen Eisberg vorstellt, in unsere immergrünen Gärten ein.
— In Chanterbury starb dieser Tage ei« Geizhals und hinterließ 100,000 Pfund Sterling baar und kostbare Bilder berühmter Meister. Er hatte alle Fenster und Thüren seines Hauses bis auf zwei vermauern lassen und sich in dreißig Jahren nicht satt gegessen.
— Aus Philadelphia wird der „Times* gemeldet, daß bei dem Brande des Armenhauses in Jackson (Michigan) 40 Insassen verbrannt sind; dieselben wurden buchstäblich zu Tode geröstet. Andere stürzten halb nackt in den Schnee und eS werden wahrscheinlich noch viele in Folge von Erkältung sterben.
— Der Kaiser von Korea hat für neu zu prägende Münzen Stempel in Deutschland anfer- tigen lassen, die jetzt wohl schon an ihrem Bestimmungsorte angelangt sind. Bis zum Jahre 1884 besaß Korea nur gegossene, den chinesischen ähnliche Bronzemünzen. Die neuen Münzen zeigen 2 Drachen, sowie Umschriften in chinesisch-koreanischen Zügen.
— Das erste deutsche Bundesschießen in Südamerika soll zu Ostern in Porto Allegro (Brasilien) stattfinden.
— (Standesgemäße Todesarten). Der Färber erblaßt, und der Maler wird zum Schatten. Dem Schneider reißt der Lebensfaden und der Botaniker beißt ins Gras. Der Briefträger hat seine Laufbahn vollendet, und die Schildwache hat es überstanden. Der Buchhalter schließt sein Leben ab, und des Uhrmachers Uhr ist abgelaufen. Dem Kerzenzieher wird das Lebenslicht ausgeblasen, und dem Thürmer schlägt seine letzte Stunde. Der Bergmann fährt in die Grube, und der Chemiker sieht seiner Auflösung entgegen. Der Soldat wird zur großen Armee versammelt, und der Bankier wechselt das Zeitliche mit dem Ewigen. Der Büchsenmacher hat seinen Lauf vollendet, und die Waschfrau hat ausgerungen. Der Töpfer verläßt das Irdische, und der Kondukteur liegt in den letzten Zügen. Der Schnapsbrenner giebt seinen Geist auf, und der Musikant pfeift auf dem letzten Loche.
— Ein Hofnarr am Hofe Franz des Ersten, Königs von Frankreich, beklagte sich einst bei dem Monarchen, daß ein Kavalier ihm gedroht habe, er wolle ihn ermorden. „Wenn er das thut,* sagte der König, „so lasse ich ihn fünf Minuten darauf hängen." — „Angenehmer wäre es mir," meinte der Narr, „wenn mein gnädiger Fürst ihn fünf Minuten zuvor hängen ließe."________________
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sonntag den 31. Januar. Vormittags: Herr Pfarrer Hosbach. Nachmittags: Herr Pfarrer S ch a u b.
Frachtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 15 M. - Pf. bis 15 M. 50 Pf. Gerste - Mk. — Pf. bis — Mk. — Pf. Roggen 100 Kilogr. 13 M. 54 Pf. bis 14 M. 20 Pf. Hafer 100 Kilogr. 12 M. 50 Pf. bis 13 M. - Pf«