Nr. 13.
Sonnabend den 30. Januar 1886;
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Kreis Zersseld.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Steuer- kasse-Bezirks werden ersucht, in den respektiven Gemeinden bekannt machen zu lassen, daß die Brandsteuer pro 1886, welche laut Mittheilung des Herrn Landes-Directors vom 8. d. Mts. 1 Mark 40 Pf. pro 1000 Mk. Umlagecapital beträgt, in den Erhebungs-Terminen der bi« retten Steuern pro IV. Quartal 1885/86 miterhoben werden und daß die Lrandsteuerpflichtigen die Bettel über die directen Steuern in diesen Terminen vorzulegen haben.
Die geschehene Bekanntmachung dieses Erlasses wollen die Herren Ortsvorstände in den Terminen der Steuerkasse mittelst einer unterm Gemeinde- siegel ausgestellten Bescheinigung anzeigen.
Friedewald, den 27. Januar 1886.
Königliche Steuerkasse: Schenk.
Aus den Parlamenten.
B e r l i n , 27. Januar, Der Reichstag genehmigte zunächst debatielos die einmaligen Ausgaben im Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei in Höhe von 11,003 M., die zur Erhöhung der Feuersicherheit im Dienstgebäude Wilhelmstraße 77 gefordert werden. Ein Antrag, im Etat des Reichsamts des Innern den Fonds zur Unterstützung der künstlichen Fischzucht von 20,000 M. aus 30,000 M. zu erhöhen, wurde für jetzt abgelehnt. Im Etat der Marineverwaltung wurde die zum Bau eines Avisos ge-
(Nachdruck verboten.) Irauenherzen.
Novelle von L. Cal m.
(Fortsetzung.)
In dieser Zeit erhielt ich einen Brief von Mama. Sie schrieb, daß ich nun jedenfalls das Thörichte meiner Handlungsweise eingesehen habe werde, da sie längst erfahren, daß mein Gatte ein ausschweifendes Leben führe und Weib und Kind vernachlässige, daß sie in Anbetracht meiner Jugend vergessen wolle, was zwischen uns vorgefallen, und daß sie für mich und meinen Sohn in ihrem Hause eine Zufluchtsstätte bewahren werde, natürlich wenn ich mich jetzt von meinem liederlichen Gatten lossage.
So gut dieser Vorschlag auch gemeint sein mochte, Du wirst begreifen, daß er mich nur im höchsten Grade peinlich berühren und die letzte Bemerkung mich auss Tiefste empören mußte. Ich antwortete daraus, daß ich für ihre Güte danke, daß ich aber den gethanen Schritt noch nie bereut habe und eher an meines Gatten Seite Noth und Elend, ja Schmach und Schande erdulden, als ihn verlassen wollte.
Das zerriß das letzte Band zwischen den Eltern und mir.
Viktor ahnte nichts davon. Ich wollte ihm natürlich die Kränkung ersparen. Ich habe oft sagen gehört, daß manche Frauen ihre Männer um so mehr lieben, je schlechter sie von ihnen behandelt werden. Ich könnte nicht behaupten, daß dies bei mir der Fall gewesen, ja ich glaube, daß es überhaupt nicht möglich gewesen sei, ihn noch mehr zu lieben, als ich dies von Anbeginn gethan hatte; aber obgleich mich jedes unfreundliche Wort von
forderte erste Rate von 800,000 Mk. mit 105 gegen 100 Stimmen abgelehnt. Der Etat des Allgemeinen Pensions- sonbs wurde debattelos erledigt; auch der Etat des Jnva- libensonds veranlaßte an sich keine Diskussion. Dagegen führten Petitionen verschiedener Kommunen um Herabsetzung des Zinsfußes für die von ihnen aus dem Jnva- lidensonds gemachten Darlehne zu einiger Debatte, Die Abstimmung über diese Petitionen wird erst in dritter Lesung ersolgen. — Morgen Initiativanträge.
Das Abgeordnetenhaus berieth heute den freisinnigen Antrag, betreffend die Einführung der geheimen Abstimmung bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause und zu den Kommunalvertretungen. Nachdem der Abg. Uhlen- dorff ldeuischsreis.) den Antrag begründet, erklärten sich die Abgg. v. Eynern (nat.-lib.) und Frhr. v. Zedlitz-Neukirch (freitonf.) mit Rücksicht darauf gegen denselben, daß der Antrag lediglich einen agitatorischen Charakter habe. Für denselben traten dagegen dit Abgg. Fuchs und Dr. Windt- Horst (Centrum) ein, von denen Letzterer seine Ausführungen weit über den vorliegenden Antrag ausdehnte und das geheime allgemeine direkte Wahlrecht überhaupt zum Gegenstände einer eingehenden Erörterung machte. Der Vicepräfident des Staatsministeriums, Minister des Innern von Puttkamer, nahm Veranlassung, ausdrücklich zu erklären, daß die Regierung betreffs des vorliegenden Antrages ihren früheren Standpunkt nicht verändert habe und daß auch das Verhalten der preußischen Regierung in den letzten zwei Jahren auf diesem Gebiete Jedermann überzeugt haben werde, daß dieselbe zu einem Entschlüsse, welcher die Abschaffung des geheimen Wahlrechts im Reiche bezwecke, nicht gelangt sei. Abg. Frhr. von Hammerstein (kons.) verwahrte seine Partei dagegen, daß sie eine Agitation gegen das bestehende allgemeine, geheime Wahlrecht im Reiche unterhalte; in Abrede stellte er dagegen nicht, daß sie dieses Wahlrecht für ein mangelhaftes Halte und für die Zukunft ein Wahlsystem anstrebe, das sich aus korporative Verbände stütze. Nach einem längeren Schlußwort des Mit-Antragstellers Abg. Dr. Hänel (deutschfr.) wurde der Antrag in namenli'cher Abstimmung mit 241 gegen >48 Stimmen abgelehnt (dagegen stimmten die Nationalliberalen und die beiden konservativen Fraktionen; dafür die Deutschfreisinnigen, die Polen und das Centrum). Morgen: Antrag Achenbach, die Ausweisungsfrage betreffend.
B e r l i n , 28. Januar. Der Reichstag berieth den Antrag des Abg. Junggreen, betreffend die Gleichberechtigung der dänischen und der deutschen Sprache als Gerichtssprache in Distrikten des Herzogthums Schleswig. Abg. Harimann (deutsch!.) erblickte in diesem Anträge einen Angriff au das Gerichtsverfaffungsgesetz. Abg. Guerber (Elsaffcr) erklärte sich für denselben, während Abg. Francke (nationall ib.) denselben sowohl aus nationalen, wie aus praktischen Gesichtspunkten bekämpste. Nachdem noch Abg. v. Graeve (Pole) den Antrag mit der Gerechtigkeit, die man jedem
ihm doppelt schmerzte, so konnte ich doch nie deswegen auf ihn grollen oder ihn in meinem innersten Gedanken lieblos nennen, und ich glaube, daß es kaum eine Untugend, ja, ein Laster gäbe, das mir nicht in milderem Lichte erschienen wäre, wenn er es besessen hätte.
„O Tante!" sagte die junge Frau beschämt, ihr erröthendes Gesichlchen an die Schulter der Erzählerin lehnend.
Die Tante lächelte.
„Ich habe bis jetzt unterlassen," begann sie wieder, „einer Familie zu erwähnen, die auf unser Geschick einen bedeutenden (sinftuß hatte. Der Banquier von Heindorf gehörte zu den reichsten Männern der Stadt, erfreute sich aber keines besonderen Rufes. Er näherte sich mir gleich Anfangs in einer Weise, die mich ihn aufs Tiefste verabscheuen ließ, und auch jetzt noch konnte ich ihn nur durch die schroffste Zurückweisung von mir fern halten. Ich mochte natürlich Viktor nichts davon sagen, der keine Ahnung von Heindorfs niederträchtiger Gesinnung zu haben schien, vielmehr mit ihm in einem intimen Verkehr lebte. — Heindorfs Gemahlin war eine Dame von vielem Geist und großer Schönheit, galt jedoch für eine Kokette, die gerne die ganze Herrenwelt zu ihren Füßen sah. — Ich hatte keinen Grund, mich über sie zu beklagen, vielmehr kam sie mir von Anbeginn mit der größten Freundlichkeit entgegen, besuchte mich oft und holte mich auch häufiger, als mir lieb war, zu fremden Gesellschaften ab, und doch fühlte ich ihr gegenüber einen unsiegbaren Widerwillen und eine peinliche Beklommenheit, die ich trotz Vittors Zureden nie los werden konnte. Mein Gatte fand sichtbares Wohlgefallen an der geistsprühenden Unterhaltung
unterdrückten Volksstamm schuldig sei, zur Annahme empfohlen, wurde aus Antrag des Abg. Richter, welcher die Beschlußfähigkeit des Hauses angezweifelt, der Namensaufruf vollzogen, welcher die Anwesenheit von nur 179 Mitgliedern ergab. Das Haus war demnach nicht beschlußfähig und mußte die Berathung abbrechen. Morgen Fortsetzung der Berathung des Junggreen'schen Antrages und Etat.
Im Abgeordnetenhause gelangte der die Ausweisung in den östlichen Provinzen betreffende Antrag zur Berathung. Der Antrag der Majorität wurde vom Abg. v. Rauchhaupt (kons.) mit großer Beredsamkeit und unter nachhaltigem Eindruck vertreten. Unmittelbar nach ihm nahm der Reichskanzler Fürst v. Bismarck das Wort, um aus die ganze historische Entwickelung der polnischen Verhältnisse unter Zugrundelegung von Aktenstücken ein,»gehen und dabei namentlich zu betonen, daß die bei der Besitzergreifung gemachten Zusagen des Königs durch das spätere revolutionäre Verhalten der Polen vollständig hinfällig geworden seien. Besonders urgirte er dabei die im Reichstage vom Abg. Windthorst neulich erhobene Verwahrung gegen den angeblich deutsch-nationalen Exceß, welcher sich den berechtigten nationalen Bestrebungen der Polen widersetze. Die Staatsregierung sei inzwischen zu der Ueberzeugung gekommen, daß es an der Zeit sei, das richtige Ver- häUniß zwischen den Deutschen und Polen wieder herzustellen, und aus diesem Grunde seien auch die Ausweisungen der Fremden erfolgt. Ueber diese Ausweisungsmaßregeln sei die Regierung übrigens mit den Nachbarstaaten vollständig einig. Der Reichskanzler kennzeichnete dann die Grund- züge der dem Landtage zu machenden Vorlage in Beziehung auf den Ankauf einzelner Grundstücke, in Bezug auf die nöthigen Maßregeln aus dem Gebiete der Schule, und bezüglich der zukünftigen Verwendung der Polen im Militär- wie im preußischen Civildienste. Er warf schließlich einen vorschauenden Blick auf unsere zukünftige Politik nach außen und innen und schloß seine zweistündige Rede unter dem lebhaftesten Beifalle der Majorität, nachdem er am Ende ders.lben seinen Dank für das Entgegenkommen ausgesprochen, welches der Majoritätsantrag der Regierung gegenüber enthalte. Abg. Dr. Windthorst (Centrum) trat darauf den Ausführungen des Herrn Reichskanzlers, wie zu erwarten war, ziemlich nach allen Richtungen hin entgegen. Nach dem Abg. Dr. Windthorst nahm zunächst der Kultusminister Dr. v. Goßler Veranlassung, die vollständig irrigen Angaben des Vorredners über die Stellung der ehemaligen katholischen Abtheilung des Kultusministeriums richtig zu stellen. Abg. Dr. Wehr (sreikons.) trat sür den Majoritätsantrag nach jeder Richtung ein. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wurde um 4 Uhr die weitere Berathung auf morgen 11 Uhr vertagt.
Politische Nachrichten.
(D eu t sch la n d.) Se. Majestät der Kaiser
der schönen Frau und fehlte nie in ihren kleinen Soireen, zu denen sie nur ganz intime Freunde zu laden pflegte. Ich bat ihn oft mit Thränen, zu- rückzubleiben. Nicht, daß ich den Einfluß ihrer Schönheit auf Viktor gefürchtet hätte: ich wußte, daß Frau v. Heindorf ihm in dieser Hinsicht gleichgültig war, und daß er mir treu geblieben ist bis zum letzten Athemzuge. Aber ich ahnte, daß diese Gesellschaften keine auserlesene seien und schrieb ihnen wohl nicht mit Unrecht die Hauptursache der Wandlung zu, die in Viktors Charakter vorgegangen. Ich verbrachte oft trübe, trübe Stunden, wenn ich so unsern Ruin vor Augen sah, ohne ihn abhalten zu können, namentlich die langen einsamen Nächte verstrichen mir qualvoll, wenn Viktor abwesend war, und ich um ihn zu erwarten, in Pein- ließet Spannung an der Wiege unseres Kindes saß. Wie sehnte ich mich danach, seinen bekannten Schritt auf der Treppe zu hören, ihn eintreten zu sehen mit einem freundlichen Gruß, einer Entschuldigung auf den Lippen--Stunde auf Stunde, bis der Morgen anbrach und er kam, ach, so ganz anders, als ich es ersehnte. Aber es gab auch Stunden, wo mein Gatte wieder ganz Liebe und Zärtlichkeit war, wo er sich einen Unwürdigen nannte und mich bat, mich ein für alle Mal nicht an seine Thorheiten zu kehren.
Eines Abends saß ich an dem Bettchen meines Knaben, besorgt die bleiche Gesichtsfarbe betrachtend, die mich ein Unwohlsein ahnen ließ. Er war bald zwei Jahre alt, plauderte schon recht hübsch und machte mir durch seine Liebkosungen und seine drolligen Einfälle tausend Freuden. Daß alle sagten, er gliche seinem Vater aufs Haar, war mein größter Stolz. Konnte ich nun doch in die brau-