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meintlichen Thäter hat man jedoch noch nichts er­mitteln können.

Cassel, 25. Jan. Gestern Morgen gegen */4 12 Uhr passirte abermals auf dem hiesigen Rangir- bahnhof ein schrecklicher Unglücksfall. Der Vor- rangirer Dincklage, im Begriff, beim Abstößen der Wagen außerhalb des Geleises zu schreiten, wurde von den Puffern beim Zusammenstößen derartig gedrückt, daß der Tod sofort eintrat. Die Rippen und die Brust waren total zerguetscht. Der Ver­unglückte hinterläßt Frau und 5 Kinder.

Hasselbach, 24. Januar. Vor einigen Tagen haben wir von einem Ueberfall auf eine Wal- burger Schlittenpartie in der Nähe hiesigen Orts berichtet. Gestern Abend sind dieserhalb sechs Personen durch zwei Gendarmen hier verhaftet und zu Paaren geschlossen in das Untersuchungs­gefängniß zu Lichtenau abgeliefert worden.

Hanau, 23. Jan. Der Glücksstern scheint am 1. Januar über Hanau geleuchtet zu haben und zwar, wie man nachträglich fand, ist das Venetianer Fr. 30 Loos Serie 3868 Nr. 19, welches Fr. 50,000 gewann, im Besitze einer hiesigen Wittwe.

Frankfurt a. M., 25. Januar. Nach Mittheilung Berliner Blätter ist das große Loos der 4. Klaffe der preußischen Lotterie in die Kollekte des Obereinnehmers Baer zu Frank­furt a. M. gefallen. Wie man sagt, soll ein Förster in Glienicke mit einem Viertel an dem Loose betheiligt sein. — An gleichem Tag und zu gleicher Stunde verschied am Donnerstag, wie die „Kl. Pr." meldet, im heil. Geisthospital das hochbetagte Ehepaar Koch von Oberrad. Die alten Leute hatten im vorigen Jahr ihre goldene Hochzeit gefeiert.

Vermischtes.

— Darmstadt, 25. Jan. Maler Fach ist heute Morgen 4 Uhr seinen Verletzungen erlegen. Mit dessen Frau steht es ebenfalls bedenklich, da sich überhand nehmende Schwäche bemerkbar macht, welche das Schlimmste befürchten läßt.

— Ein empfindlicher Nothstand wird im Post­bestellungsdienst durch die vielen Briefe mit unvollständiger Adreffe hervorgerufen; die Zahl derselben hat in wahrhaft erschreckender Weise zu­genommen. Beim Stadtpostamt in Berlin allein gehen durchschnittlich täglich achttausend Briefe mit mangelhafter Aufschrift ein. Aehnlich un­günstige Wahrnehmungen sind in anderen größeren Orten des Reichspostgebiets gemacht worden. Es leuchtet ein, welche unsägliche Mühe und Arbeit der Post erwächst, um bei einer solchen Zahl von Briesen die Adresse zn vervollständigen. Und doch ist diese Mühe zum Theil vergeblich; ungeachtet aller Anstrengungen der Postverwaltung bleiben in Berlin täglich etwa 1200 Briefe unbestellbar, welche nach dem Aufgabeort zurückgeschickt werden müssen.

— Geestemünde. Ein gefährliches Gepäck führte am Freitag eine Frau bei sich, welche mit dem Abendzuge von Burg-Lesum nach Osterholz fahren wollte. Es waren nicht weniger als 50 Pfund Schießpulver, die sie von Burg geholt hatte und in dem Zuge mit sich nach Osterholz zu nehmen gedachte. Daß die Bahnbeamlen in Burg-Lesum hiergegen entschieden Front machten und die Frau nöthigten, auf anderem Wege ihr gefährliches Ge­päckstück nach Osterholz zu schaffen, wird man ja begreiflich finden, andererseits aber zeigt dieser Vorfall, mit welch bodenlosem Leichtsinn mitunter Passagiere Leib und Leben ihrer Mitreisenden in Gefahr bringen.

— Fiddichow. Konfirmandinnen, die von andern Orten hierher zum Unterricht kamen, fanden in einem Wäldchen einen Revolver. Während sie sich um den Fund stritten, ging der Revolver los und die Kugel drang einem Mädchen durch die Hand, Die Waffe war noch mit fünf Schüssen geladen.

— Heidelberg. Die zweite badische Kammer hat als Beitrag zur Jubiläumsfeier der hiesigen Universität 9000 Mk. bewilligt.

— Kiel. Zwischen zwei Marineoffizieren fand ein Duell statt, bei welchem der eine Theilnehmer einen Schuß in die Brust erhielt.

— Metz. Der Bürgermeister Naut von Grave« lotte war Mittwoch Abend in der Nähe der Stadt Metz das Opfer eines mörderischen Uebersalls, in­dem drei Revolverschüsse aus ihn abgeseuert wurden, von denen ihm zwei den Hut und Ueber- zieher streiften, während das Geschoß des dritten ihm die linke Kinnlade zerschmetterte. Die Kugel konnte bis jetzt bei der großen Schwäche des Kranken noch nicht aus der Wunde gezogen werden. Nähere Angaben fehlen zur Zeit noch; insbesondere ist noch nicht festgestellt, ob das Attentat einen lolitischen Charakter hat oder ob es ein Akt per- önlicher Rache ist.

—- M-'Gladbach. Endlich ist in dem nahen

Breyell die Gesellschaft, welche seit Wochen in der Rhetnprovinz mit Ausgabe von falschem Gelde gute Geschäfte gemacht hat, entdeckt. Am Donners­tag Nachmittag wurden zwei Falschmünzer in Brüggen bei der Arbeit abgefaßt und durch die Gendarmerie hierher transportirt. Da die Ver­hafteten Geständnisse gemacht haben, steht die Fest­nahme von noch anderen Mitgliedern der Falsch­münzer-Gesellschaft in Aussicht.

— Pest, 25. Januar. Die Direction der Südbahn theilt mit: Gestern Morgen erfolgte vor Groß-Kanicza ein Zusammenstoß dreier Eisen­bahnzüge, indem der Pragerhofer Postzug an einen Güterzug anstieß und der von Fiume kommende Eilzug zwischen beide Hineinfuhr. Eine Frau wurde getödtet, eine Frau und ein Zugrevisor leicht ver­letzt.

— Klausenburg, 26.Jan. JnRadnasind nahezu 90, in Lippa 200 Häuser überschwemmt; mehrere tausend Joch Felder stehen unter Wasser. In Lippa sind ca. 50 Gebäude eingestürzt. Die Eisstauung in den Gassen bedroht die Stadt mit einer weiteren Katastrophe. Die Rettungsarbeiten sind sehr schwierig. Da die Einwohner sich weigern ihre Wohnungen zu verlassen, müssen die Delogir- ungen theilweise durch Gendarmerie erfolgen.

— A v i g n o n. Kürzlich wurden hier die Standesamts-Register von 1885 gestohlen; aus welcher Absicht, ist bis jetzt unaufgeklärt. Gericht­liche Untersuchungen sind eingeleitet. Die vor­handenen Kopien wurden ebenfalls entwendet. Im Falle der Nichtauffindung dieser Akten müssen sie auf Grundlage der Zeugnisse aller bet den Heirathen, Geburten und Sterbefällen während des vorigen Jahres zugegen gewesenen Zeugen, Geistlichen, Civil-Beamten 2C. neuerdings wieder mühsam her­gestellt werden.

— Aus Lüttich wird vom 22, d. geschrieben, daß in den Ardennen und in der ganzen Provinz Lüttich eine solche Masse Schnee gefallen ist, daß viele Dörfer völlig eingeschneit sind, und die Ver­bindung von dem einen zum anderen unmöglich geworden ist.

— London. Der Stallmeister des Herzogs von Cambridge verließ am 5. Januar die Oper in London, als er plötzlich einen gewaltigen Ruck an seiner Uhrkette verspürte und bald darauf einen Mann grimmig fluchend fortrennen sah. Am 20. d. kam der Flüchtling von dazumal und verklagte den Stallmeister auf schwere körperliche Beschädi­gung. Die Uhr, die der Gauner zu stehlen beab­sichtigte, war nämlich mit einem künstlichen Mecha­nismus versehen und als der Dieb sie ergriff, fuhr ihm eine haarscharfe Feder in die Handfläche und versetzte ihm eine Wunde, deren Folge Lähmung der Handmuskeln war. Trotzig rief der Dieb: „Man mag mich strafen, doch ihn gleichfalls." Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt; jeder hat das Recht sein Eigenthum nach Gutdünken zu schützen. Der Gauner hingegen erhielt sechs Monate Zwangs­arbeit.

— Der deutsche , Afrikareisende Büttner war von portugiesischen Blättern todtgesagt worden; es hieß, er sei von Negern ermordet worden. Diese Nachricht bestätigt sich erfreu­licherweise nicht. Es ist dem kühnen Reisenden vielmehr gelungen, den Angriffen der Eingebo­renen auf dem Wege nach Cuango zu entkom­men und sich nach Pool zu retten, wo er sich in der letzten Zeit aufhielt. Gegenwärtig ist Dr. Büttner bereits auf dem Rückwege nach Europa befindlich.

— (Zur Sprachreinigung.) Für das Fremdwort.Sauce" hat mau bisher vergebens einen deutschen Ausdruck gesucht, von welchem man erwarten könnte, daß er sich einbürgern würde. Vielfach findet man auf Speisezetteln in neuerer Zeit für „Sauce" den unschönen Ausdruck „Tunke" eingeführt. In der That findet sich derselbe auch in altdeutschen Büchern, daneben aber auch die Be­zeichnung „Salse", d. i. Salzbrühe, Würzsaft. Dies letztere Wort ist unüblich geworden, findet sich aber noch in der Lutherischen Bibelübersetzung, wo es von dem Osterlamm heißt: „Ihr sollt es mit bitteren Salsen essen", und auch Johann Heinrich Voß gebraucht es: „Braten-, Fisch- und Heringssalsen." Der um die Reinigung der deutschen Sprache so verdiente Staatssecretair des Reichs­postamts von Stephan hat nun kürzlich in einem Schreiben an Daniel Sanders die vortreffliche und einleuchtende Conjectur gemacht, daß das französische „Sauce" erst aus dem altdeutschen „Salse" ent­standen ist, welches er auch in alldeutschen Küchen« ordnungen angetroffen habe. Diese Conjectur ist zweifellos richtig, und daraus folgt, daß die Deutschen sich nur Mühe zu geben brauchen, die Französtrung ihres alten „Salse" wieder rückgängig zu machen. Herr von Stephan will seinerseits für die Wieder« einbürgerung von „Salse" in seinen Kreisen wirken und Daniel Sanders zweifelt nicht, daß das in 1 der Abstammung und nach dem Klang sich so eng

an das zu ersetzende Fremdwort anschließende Salse ebenso schnell allgemein sich wieder bei unS einbürgern werde, wie viele andere wieder zu Ehren gelangte deutsche Ausdrücke, und daß mit der „Sauce" auch der ganz undeutsche Ausdruck „Sau« ciöre" verschwinden und dem „Salsennapf" Platz machen werde. Wir denken, daß jeder Hausvater gern dem Beispiel von Excellenz von Stephan folgen, an seinem Tisch den Ausdruck „Sauce" verbannen und dem altdeutschen „Salse" zu seinem Recht verhelfen wird. In jedem deutschen Haushalt effe man fortan statt „Sauce" nur Salse!

— Ein Fall von wunderbarer Rettung, der sich an den Untergang des bei Terschelling ge« funkenenDampfers„Feronia"knüpft,wird ausHam« bürg berichtet. Als nämlich das Schiffim Sinken begriffen war, rettete sich der erste Offizier mit drei Matrosen den Großtop, und hier gelang es dem Matrosen Matt aus Wismar, sich an den Blitz­ableiter festzubinden. Während seine drei Lei­densgefährten nach und nach durch die Fluthen weggerissen wurden, hielt Klatt von 8 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags aus, schlief aber schließlich vor schrecklicher Ermattung ein. Der Aermste wurde endlich von einem vorüber­fahrenden englischen Fischerkutter bemerkt und erlöst und blieb, bis sich endlich die Gelegenheit zu seiner Weiterbeförderung bot, drei Tage auf diesem kleinen Fahrzeug. Ein englischer Dampfer brächte ihn dann nach London, von wo er von dem deutschen Konsul, der die wunderbare Rettung kaum glauben wollte und den Legitimationslosen für einen Schwindler hielt, mit dem Dampfer „Ophelia" nach Hamburg geschickt wurde und hier am Sonnabend eintraf. Zu bemerken ist noch, daß Klatt bereits viermal, trotz seiner 24 Jahre, Schiffbruch gelitten hat. Er ist jetzt zu­nächst, mit genügenden Geldmitteln ausgestattet, zu feinen Eltern gereist, die von der wunder­baren Rettung ihres Sohnes telegraphisch in Kenntniß gesetzt wurden.

— Die Schweine-Cholera herrscht nach neueren Mittheilungen aus den Vereinigten Staaten noch sehr stark in den Staaten Wis- counsin, Nebraska, Iowa, Ohio, Jndiana, Missouri und Illinois. Im Staate Tennessee haben neue Ausbrüche der Seuche stattgefunden, während die Krankheit in Minnesota etwas ab« nimmt. In Illinois wüthet die Krankheit schlimmer als je, und in verschiedenen Theilen von Nebraska hat sie 40 Procent aller vorhan­den gewesenen Schweine dahingerafft.

— Ein der Wichtigkeit des Amtes entsprechend langer Titel ist in den Münchener Volkszählungs­listen entdeckt worden. Es steht da verzeichnet: N. N., Königlich bayerischer Eisenbahnbausections- Holzlagerwächter.

— „Welche Zähne bekommt man zuletzt?" fragt der Lehrer in der Klasse für Physiologie einen eben in dieselbe versetzten Novizen, um ihm aus den Zahn zu fühlen, wie weit er in diesem Unterrichtsgegenstand eigentlich sei. Da derselbe aber bisher noch gar keine physiologische Unter­weisung genossen, trotzdem aber von Natur zur Genüge Haare auf den Zähnen hat, lautet die nach einigem Besinnen gegebene Antwort: „Die falschen Zähne!"

— Eine humorvolle Berechnung hat Jemand in Großschönau aufgestellt. Einem der ge* achtetsten Mitbürger, Vater S—r, find die Stun­den nachgerechnet, welche er im Gasthofe „Zur Post" am Stammtisch gesessen hat. In den einigen 30 Jahren, die er dort verkehrt, sind ziemlich genau 5 Jahre, schreibe ganze fünf Jahre, herausgekommen, die er an seinem Stammtisch verweilt hat.

— (Gewitterwolken.) Im Hause. Frau: „Wann kommst denn heut z'Haus, Mannerl?" Gatte (erbost): „Wann i mag!" Frau (sanft): „Aber ja nicht später, Mannerl!"

Kaiser Ferdinand Nordbahn 5pCt. Silber - Prioritäten von 18 7 2. Die nächste Ziehung findet Anfang Februar statt. Gegen den Coursverlust von ca. 12 pCt. bet der Auslösung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 40 Pf. pro 100 Fl.

Soeben erschien im Verlage von W. Spemann, Berlin und Stuttgart, die erste Nummer der Wochenschrift« „Das neue Berlin", herausgegeben von Paul -Lin­dau. Diese neue Zeitschrist stellt es sich zur Aufgabe, in Aufsätzen aus der Feder unserer ersten Schriftsteller ein getreues Spiegelbild des Seins und Werdens der deutschen Reichshauptstadt zu geben, und zwar auf allen Gebieten, welche die öffentliche Theilnahme beanspruchen dürfen. „Was ist Berlin" und „Was geschieht in Berlin" das sind die beiden Fragen, welche das „Neue Berlin" beantwortest will."