Nr. 12.
KreisMlatt
Donnerstag den 28. Januar 1886.
DaS „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt» 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.
Kreis ^ersfesÖ.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Gaffel, den 21. Januar 1886.
Im Interesse einer wirksamen Schulbesuchs- Controle finden wir uns veranlaßt, hiermit an- zuordnen, daß von jetzt ab die Ortsvorstände beim Anzug fremder Familien gehalten sind, den Königlichen Lokalschulinspectoren, bezw. Stadtschulin- spicienten Kenntniß davon zu geben, ob resp, welche schulpflichtigen Kinder von diesen Familien mitgebracht sind. Hiernach wollen Ew. Hochwohlge- boren rc. die Ortsvorstände mit der erforderlichen Weisung versehen.
Königliche Regierung,
Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
I. B. Nr. 583. Schwarz i. V.
An sämmtliche Königliche Landräthe 2c.
* * *
Hersfeld, den 25. Januar 1886.
Wird den Herren Ortsvorständen der Stadt- und Landgemeinden des Kreises zur Nachricht und Beachtung mitgetheilt.
1152. Der Königliche Landrath _______Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 23. Januar 1886.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie des hiesigen Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß die vorläufige Beschlagnahme der die Enthüllungen der Pall-Mall-Gazette betreffenden Brochüren unter dem Titel:
(Nachdruck verboten.) IrauenHerzen.
Novelle von L. E a l m.
(Fortsetzung.)
„3mmer, immer in Leid und Schmerz, auch in Noth und Elend, .wenn es sein muß — bis der Tod uns scheidet!" entgegnete ich feierlich.
„Bis der Tod uns scheidet!" wiederholte er tief bewegt, mich aufs neue an sich ziehend, um einen Kuß auf meine Lippen zu drücken.
Der Schwur war geleistet, und Gott weiß, daß ich ihn ehrlich meinte und mich bemühte, ihn zu halten." — Hier bebte die Stimme der Erzählerin, die bisher so ruhig geklungen, als lese sie aus einem Buche vor, und ihre weißen, zitternden Hände strichen aufgeregt über das volle, ergraute Haar.
„Es folgte jetzt eine stürmische sZeit. Viktor wollte bet dem Vater um meine Hand anhalten; ich hielt ihn mit Mühe davon zurück, um ihn nicht einer Beschimpfung ausgesetzt zu wissen, die, wie ich meinen Vater kannte, unvermeidlich war. Aus demselben Grunde verschwieg ich meinen Entschluß bis sein Regiment die Stadt verlassen. Dann end« lich wagte ich, meinem Vater das Geständniß zu machen. Ich wählte den Augenblick, als er nach dem Mittagessen nach einem Zeitungsblatte griff, weil er dann stets bet guter Laune zu sein pflegte, obgleich ich wußte, daß hier keine Laune Stand halten werde.
Er hörte kaum so lange zu, als ich sprach, und vertiefte sich wieder in seine Zeitung, als wäre nichts gefchehen.
Ich wandle mich an die Mutter. Ich schilderte ihr mit beredten Worten unsere Liebe, unsere ge
leisteten Schwüre, und bat um ihren Segen.
Sie zuckte die Achseln. „Kind, das sind Mädchenträume," sagte sie. „Du selbst wirst einst darüber lächeln. Willst Du einen Osficier heirathen, so hast Du eine reiche Wahl unter den Militärs unserer Bekanntschaft, und es bieten sich Dir ganz Andere als dieser Herr o. C. Was ist er doch? Ah, Lieutenant! Mein Kind, Du beweisest einen rechten Pensionsgeschmack! Warte doch überhaupt noch ein Weilchen, Du bist ja erst achtzehn Jahre, und meine Tochter," fügte sie mit selbstbewußtem Lächeln hinzu, „wird keine alte Jungfer werden."
Es bedurfte einiger Tage, um die Eltern von meinem ernsten Vorsatz zu überzeugen. Erst als sie merkten, daß ich, ohne mich irren zu lassen, Anstalten zur Abreise traf, sahen sie die Sachlage mit anderen Augen an.
Die Mutter machte mir Vorstellungen, endlich gab es sogar Drohungen. Ich blieb unerschütler- lich. Eines Morgens ließ mich der Vater in sein Zimmer rufen.
Er war stets kühl und abgemessen, ich hatte ihn niemals bewegt gesehen; diesmal aber erschien er mir so eiskalt, daß ich bis ins innerste Herz erschauerte. Er stand auf sein Schreibpult gelehnt und blickte mir finster entgegen.
Ich war an der Thür stehen geblieben. Er hieß mich nicht näher treten. Er fragte nur, und seine Stimme klang theilnahmlos, als sage er etwas ganz Gleichgültiges.
„Also es ist Dein Ernst."
„Ja," erwiderte ich fest. „Ich liebe Viktor, ich habe ihm mein Wort gegeben, und keine Macht der Erde kann mich bewegen, es ihm zu brechen."
Der Vater biß die Zähne zusammen und warf
Die Mädchen-Opferung im modernen Babylon, im Verlag von Hermann Biefel in Hagen, und der Jungfrauen Tribut im modernen Babylon, im Verlage von W. Schardius in Hamburg, nunmehr auch durch die^Gerichte des diesseitigen Oberlandesgerichtsbezirks (Wiesbaden und Frankfurt a/M.) aufgehoben worden ist.
1094. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 25. Januar 1886.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach einer Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 17. Dezember 1885 die Marsch- verpflegungs-Vergütung für das Jahr 1886 dieselbe ist, wie solche für die Jahre 1883, 1884 und 1885 bestimmt worden ist.
1153. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Das Sommer-Semester am Königlichen pomo- logischen Institute zu Proskau in Schlesien beginnt Anfang April c. Der Unterricht umfaßt während des zweijährigen Cursus aus dem theoretischen und praktischen Gebiete:
a) Hauptfächer: Bodenkunde, Allgemeiner Pflanzenbau, Obstkullur, insbesondere Obstbaumzucht, Obstkennlniß, (Pomologie), Obstbenutzung, Lehre vom Baumschnul, Weinbau, Gemüsebau, Treiberei, Handelsgewächsbau, Landschaftsgärtnerei, Gehölz- zucyl und Gehölzkunde, Planzeichnen, Zeichnen u. Malen von Früchten und Blumen, Feldmesfen und Nivelliren.
b) Begründende Fächer: Physik, Chemie, Mineralogie, Botanik, Krankheiten der Pflanzen, mikroskopische Uebungen.
c) Nebenfächer: Mathematik und Buchführung, Zoologie.
Anmeldungen zur Aufnahme haben unter Beibringung der Zeugnisse schriftlich oder mündlich bei dem unterzeichneten Director zu erfolgen. Derselbe ist auch bereit, auf portofreie Anfrage weitere Auskunft zu ertheilen.
Proskau, den 12. Januar 1886.
gez.: S to ll.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 25. Januar. Der Reichstag hielt heute keine
Sitzung, es tagte nur das Abgeordnetenhaus. Dasselbe erledigte eine Reihe von kleineren Etats, die an die Bud- getkommission nicht überwiesen sind, ohne irgend erhebliche Debatte. Hervorheben möchten wir indeß, daß auch die Etats des Bureaus des Staatsministeriums und des Deutschen Reichs« und Preußischen Staatsanzeigers ohne jede Diskussion genehmigt wurden. Morgen 11 Uhr wird die Spezialberathung des Etats fortgesetzt werden.
Berlin, 26. Januar. Der Reichstag trat heute in die Berathung des Etats der Marine-Verwaltung ein. Zu einer längeren Berathung führte zunächst die beantragte Vermehrung des Mannschastspersonals, die von der Bud- getkommisfion erheblich verkürzt ist. Das Plenum trat indeß dem Anträge der Kommission bei. Bei dem Capitel Werst- betrieb wies der Chef der Marineverwaltung die Klagen wegen inhumaner Behandlung der Arbeiter als unbegrün- der zurück. Nachdem die fortdauernden Ausgaben überall nach den Anträgen der Budgetkommission bewilligt und auch bei den einmaligen Ausgaben statt zweier Raten ä 600 000 Mk. zum Bau zweier Kreuzer nur 1. Rate für einen Kreuzer bewilligt war, knüpfte sich an die Forderung der 1. Rate von 800 000 Mk. eines Avisos, welche die Kommission gleichfalls abzulehnen beantragt, eine längere Debatte. Bei der Abstimmung ergab sich indeß die Beschlußunsähig- keit des Hauses, indem nur 179 Mitglieder anwesend waren ; die Verhandlungen mußten daher abgebrochen werden. Morgen Fortsetzung der Etatsberathung.
Das Abgeordnetenhaus berieth zunächst den Etat der Domainenverwaltung, wobei die augenblickliche Lage der Landwirthschaft einer eingehenden Erörterung unterzogen wurde. Der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten verwahrte sich hierbei gegen den Vorwurf, daß er seine Schilderungen über die Lage der Landwirth- schast je nach dem wechselnden Zweck, willkürlich färbe. Der Vorwurf, daß die gegenwärtige Zollpolitik an dem Niedergänge der Landwirthschast die Schuld trage, wies er entschieven zurück. Der Etat selbst wurde den Anträgen der Budgetkommission gemäß in allen seinen Theilen unverkürzt bewilligt. Bei dem Etat der Forstverwaltung wurden die in Aussicht genommenen Gehaltsausbesserungen der Forst, beamten allseitig gebilligt, zugleich aber der Wunsch ausgesprochen, daß womöglich schon im nächsten Etat eine noch umfassendere Verbesserung der Lage dieser Beamten inS Auge gefaßt werden möge. Bei dem Etat der landwirth« schastlichen Verwaltung wiederholten sich die Klagen über den Rückgang der Landwirthschast und es wurden wiederum verschiedene Wünsche zur Ausbesserung der Lage derselben laut. Nach Erledigung einiger Kapitel dieses Etats wurde indeß die Berathung abgebrochen und auf dieTagesordnung der Mittwochs-Sitzung der deutschsreisinnige Antrag, betreffend die geheime Stimmabgabe bei den Wahlen gesetzt.
mir einen kurzen, finsteren Blick zu. Er nahm eine Porzellanvase vom Tisch auf, um gleichgültig damit zu spielen.
„Ich hoffe, Deine Mutter hat Dich auf das Thörichte Deines Entschlusses aufmerksam gemacht," fuhr er nachlässig fort, „und Dir zugleich mitgetheilt, daß Du, im Falle Du hartnäckig auf Deinem Vorsatz bestehst, keinen Anspruch auf unser Vermögen hast?"
„Ich weiß," entgegnete ich, „dies letztere ist mir Nebensache, Vater; nur —"
„So?" fiel er mir spöttisch ins Wort. „Und daß Deine Eltern nie und nimmer ihre Einwilligung zu dieser Verbindung geben und eine so Ungehorsame nicht ferner als ihre Tochter betrachten werden, ist Dir wohl noch mehr Nebensache, nicht wahr?"
„Vater," bat ich bewegt, „urtheile nicht so hart. Gott weiß, was es mich kostet, Euch ungehorsam zu sein; aber bin ich Viktor, den ich als meinen Gatten betrachten will, nicht weniger Treue und Ergebenheit schuldig, als den Eltern?"
Die kostbare Vase schmetterte auf den Boden nieder und zersprang in hundert Stücke.
„Tod und Hölle!" rief der Vater zornglühend, „wagt die Dirne mir ins Gesicht zu sagen, daß sie einem liederlichen Buben mehr Gehorsam schulde als ihren rechten Eltern?"
Mir war, als fühle ich all mein Blut zu Eis erstarren. Ich trat todtenbleich zurück und tastete nach der Thürklinke.
„Geh in Dein Elend, Mißrathene!" rief mir mein Vater noch zu. „Und ein Schurke will ich sein, wenn ich jemals einen Finger rühre, Dich von I Deinem selbstgewählten Loose zu befreien."
Im nächsten Augenblick war ich allein im Zim-