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Nr. 11.

KreisMblali

Dienstag den 26. Januar 1886.

DasKreisblatt" erscheint wöchent- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis deflelben mit Jllustrirtcm Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.

Zireis ^ersfesö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltig» Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

AöonnemenLs-Eintadung.

Bestellungen auf das

Keersblatt für teil Kreis Hersfeld mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Jttustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 16. Januar 1886.

Zwecks der in der zweiten Hälfte des Monats Februar er. vorzunehmenden Ermittelung des Erndteertrag es der wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtarten im Jahre 1885, werden den Herren Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen je 2 Exemplare des zur Erhe­bung dienenden Formulars B., sowie ein in der Repositur aufzubewahrendes Notizblatt für et­waigen im laufenden Jahre vorkommenden Hagel­schlag, zugehen.

Das ersterwähnte Formular B. ist in der oben angegebenen Zeit unter genauer Beachtung der demselben aufgedruckten Anleitung auszufüllen, wobei selbstredend auch die auf den Notizblättern für das Jahr 1885 enthaltenen Angaben über den im abgelaufenen Jahre vorgekommenen Ha­gelschlag zu übertragen sind.

B i s s p ä t e st e n s z u m 1. M ä r z d. I. ist mir sodann ein Exemplar des richtig und deutlich auszufüllenden Formulars, mit Unterschrift ver­sehen, einzureichen, während das andere Exem­plar in der Repositur auszubewahren ist.

Das Königliche statistische Büreau hat bei Uebersendung der Formulare noch bemerkt, daß sowohl die unter Nr. 4 und 6 der Anleitung zur Ausfüllung des Erhebungsformulars B. auf Seite 1 getroffenen Bestimmungen, als auch die seither in den Formularen handschriftlich gemach­

(Nachdruck verboten.) Irauenherzen.

Novelle von L. Calm.

(Fortsetzung.)

Ich sehnte mich nach Jemand, der in diesem geräuschvollen, oberflächlichen Treiben keine Befrie­digung finde, oder der sich wenigstens einen festen innern Halt, wahres Gefühl und Sinn für's Schöne bewahrt habe," fuhr die Tante in ihrer Erzählung fort.

Und ich fand einen solchen. Es war ein junger Officier, Viktor v. C.,der in unsere Garnison ver­setzt worden und durch einen Kameraden in unser Haus eingesührt wurde. Er war nicht schöner als die Männer, die ich bisher gekannt, ja es mochte noch schönere unter ihnen geben, er besaß auch nicht die Gabe, durch Uebermuth und tolle Einsälle sich hervorzuthun, was die Anderen als ihre Glanzaufgabe betrachteten. Nichts desto weniger war er schön. Er besaß ein jugendsrisches einneh­mendes Gesicht, braune, ausdrucksvolle Augen, die seltsam durchdringend waren, wenn er lebhaft sprach, und zu anderen Zeiten wie von trüber Melancho­lie verschleiert, und eine überaus sympathische Stimme. Im ersten Augenblick, wo ihr Klang an mein Ohr schlug, als er mir noch fremd gegenüber- stand, fühlte ich, daß er nicht sei wie die Andern, und ein mir selber unerklärliches Bangen ergriff mich, als werde ich ihm gegenüber nicht jene kalte abweisende Haltung bewahren können, die ich gegen die Anderen nach und nach angenommen. Ehe ein Monat vorüber war, fühlte ich, daß ich ihn so glühend, leidenschaftlich und hingebend liebte, daß ich auf ein einziges Wort von ihm Alles hinge­

ten Notizen und Anfragen seitens der Ortsbe- hörden nur in seltenen Fällen beachtet worden sind. Ich mache deshalb noch besonders darauf aufmerksam, daß auch diesmal durch Notizen in umfangreichem Maaße auf zweifelhafte Punkte hingewiesen worden ist und muß ich unbedingt erwarten, daß die Angaben sorgfältigst und mit der nöthigen Aufmerksamkeit eingetragen werden. 747. Der Königliche Landrath Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Am 24. März d.J. tritt hierorts unter Vorsitz des Unterzeichneten die Kommission zur Abhaltung der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 ange­ordneten Prüfung über die Befähigung zum Ge­triebe des Hufbeschlaggewerbes zusammen,

Diejenigen, welche sich dieser Prüfung unter­ziehen wollen, haben ihre Meldungen spätestens bis zum 24sten Februar d. I. unter Beifügung des Geburtsscheines und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der 10 Mark betragenden Prüfungs­gebühren an den Unterzeichneten zu richten, worauf denselben das Nähere von hier aus zugehen wird.

Zur Vorbereitung wird den Prüflingen das BuchAnleitung zum Bestehen der Hufschmiede­prüfung" von Professor Dr. Möller Berlin bei Paul Parey, Preis 1 Mark empfohlen. Cassel den 17. Januar 1886.

Der Königliche Departementsthierarzt. H o l z e n d o r f f.

Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Schneider Heinrich Richardt, geboren zu Breitenbach, Kreis Ziegenhain, am 6. Dezember 1861, welcher flüchtig ist, ist die Un» tersuchungshaft wegen in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1885 bei Niederaula begangener Sach­beschädigung an 20 jungen Obstbäumen verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und an das nächste Amtsgericht abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Akten J. II. 1973/85.

Cassel, den 20. Januar 1886.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

I. A.: Chuchul.

Beschreibung: Alter: 24 Jahre. Statur: schlank.

Größe: mittelgroß. Haare: blond. Stirn: niedrig.

worfen hätte, um mit ihm durch die Welt zu pilgern.

Ich glaube nicht, daß mein äußeres Betragen dies merken ließ; wenigstens hörte ich keinerlei Bemerkungen darüber, während man sonst meine kleinsten Handlungen einer eifersüchtigen Kritik un­terwarf. Viktor selbst sprach nie ein Wort von Liebe zu mir, und doch fühlte ich, daß ich ihm theuer war, fühlte es an dem Ton seiner Stimme, wenn er die gleichgiltigsten Dinge zu mir sprach, fühlte es an seinem Spiel, wenn er mich zum Ge­sänge begleitete, kurz an den tausend Kleinigkeiten, die ein Weib nie sich darüber täuschen lassen, ob es geliebt werde oder nicht. Daß er trotzdem niemals sich zu den Schmeicheleien erniedrigte, die seinen Kameraden so leicht über die Lippen flossen, stellte ihn um so höher in meinen Augen.

Viktor war nicht reich, er hatte außer seiner Offictersgage ein geringes Vermögen; meine Eltern ließen es sich daher nicht einmal im Traume ein­fallen, daß er oder ich an die Möglichkeit einer näheren Verbindung denken könnten. Um so unge­störter durften wir mit einander verkehren. In Gesellschaft freilich begegnete er mir kühler und förmlicher als all die Anderen, desto herzlicher, tiefer und ernster waren aber unsere Unterhaltungen, wenn wir allein waren. Obgleich wir uns nie auf ein verfängliches Gebiet verirrten, sondern die Musik oder die schönen Wissenschaften fast immer unser Gesprächsthema bildeten, so entwickelte er hier­bei doch so viel Geist, so tief durchdachte ernste Kenntniß und jenen Schönheitssinn, der nicht aus dem Verstände, sondern aus dem Herzen entspringt, daß ich jedesmal, wenn er von mir ging, mir aufs Neue bestätigte: Ich habe gefunden, was ich so lange gesucht einen echten Mann, ein treues Herz

Augenbrauen: blond. Nase: stumpf und breit. Zähne: gut. Gesicht: schmal. Bart: ohne. Augen: grau. Mund: gewöhnlich. Kinn: spitz. Gesichtsfarbe: blaß. Kleidung: blauer Kittel, Militairhose, zerrissene Stiefeln, schwarze Tuchmütze.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 22. Januur. Der Reichstag setzte die Be­rathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern fort. Abg. Bock (Soz.-Dcm.) führte aus, daß nur eine grund­legende soziale Reform den stetigen wirthschaftlichen Krisen vorbeugen könne. Abg. Gerlich fdeutschkons.l trat für die bestehende Wirthschaftspolitik ein, deren Heilsamkeit zweifellos sei. Abg. Meyer-Halle (deutschsreis.) führte aus, daß nur die volle Freiheit des Verkehrs Konsumtion und Produk­tion in ein richtiges Verhältniß bringen könne. Abg. o. Kardorff (Reichspartei) hielt seine gestrigen Ausführungen über die Währungsfrage aufrecht. Abg. Dr. Bamberger (deutschsreif.) glaubt zwar nicht an eine Verringerung der Konsumtion, indeß hätte sich die Produktion so sehr ver« mehrt, daß ihr die Konsumtion nicht folgen könne. Die Debatte dehnte sich noch sehr weit aus, ohne daß neue Gesichtspunkte zum Vortrag kamen. Nachdem der die Zölle betreffende Titel bewilligt war, passirte die Tabak-, Rüben­zucker- und Salzsteuer ohne jede Diskussion. Bei der Branntweinsteuer wurde die Monopolfrage durch den Abg. Richter (deutschfr.) zur Sprache gebracht, welcher den be» kannten deutschfreisinnigen Antrag zurückzog, aber die erklärte Absicht hatte, eine bestimmte Aeußerung der ver­schiedenen Parteien des Hauses über deren Stellung zur Branntweinmonopol-Vorlage herbeizuführen, doch mißlang dieser Versuch im Wesentlichen. Bei der Berathung der Brausteuer wurde die Diskussion abgebrochen und auf morgen vertagt.

Das Abgeordnetenhaus beendigte die erste Be­rathung des Etats. Den Standpunkt der deutschsreisinnigen Partei legte eingehend der Abg. Frhr. von Zedlitz-Neukirch dar, indem er daraus hinwies, daß man nur durch eine Vermehrung der Einnahmen im Reiche dir finanzielle Lage des Staates verbessern könne. Abg. Dr. Windthorst iCentrum) empfahl größere Sparsamkeit in den Ausgaben und hielt i.ach Lage der Sache den bestehenden mäßigen Schutzzoll für gerechtfertigt. Abg. Hobrecht (nat.-lib.) hob die mißliche Lage der Kommunen hervor, welche Abhilfe bedürfe. Finanzminister von Scholz nahm Veranlassung, eingehend die Gründe für Ausrechthaltung der Goldwährung darzulegen; im Uebrigcn trat er den verschiedenen Aus­führungen der Vorredner auS dem Hause entgegen. Abg. Büchtemann (deutschfr.) brächte das Verhältniß der Post- zur Eisenbahnverwaltung zur Sprache und verbreitete sich über die wirthschaftliche Lage im Allgemeinen, die er als im Rückgänge befindlich bezeichnete. Der Herr Minister für öffentliche Arbeiten Maybach konstatirte bei dieser Ge«

und einen starken Arm. Er wird mir ein fester Halt sein in dem ruhelosen Gewühl des Lebens. Ich sprach zu Niemandem von meiner Neigung. Einsam und verschlossen war ich von jeher gewesen, und da ich fern von den Eltern unter Fremden erzogen worden, hatte ich am Mutlerherzen nicht die Stätte des Vertrauens, die sonst dort wohl der Tochter offen steht, gefunden.

Einst an einem schönen Sommertage hatten wir mit unseren Bekannten einen Ausflug in den nahen Wald gemacht. Nach mehreren ausgelassenen Spielen zerstreuten wir uns plaudernd unter den schattigen Baumgruppen. Viktor hatte meinen Arm genommen und wir hatten uns bald weit genug von den Gesährten entfernt, um von ihnen weder gesehen, noch gehört zu werden. Ein kleiner, von Erlengesträuch und Hängebirken eingefaßter, von Seerosen üppig überwucherter See hemmte unsere Schritte. Wir hatten hier oft mit unseren Bekann­ten lustige Wasserfahrten gemacht und Viktor bat mich daher, den leicht schaukelnden Kahn vom User losmachend, mich ein Stückchen aus's Wasser fahren zu dürfen. Ich willigte lachend ein und wir fuhren unter munterem Geplauder über die durchsichtig klare Fluth, aber je mehr wir uns der Mitte des See's näherten, desto schweigsamer wurden wir, und als Viktor endlich die Ruder einzog und das Boot müßig auf dem Wasser schaukeln ließ, fanden keine Worte mehr den Weg über unsere Lippen. Viktor hatte die Arme verschränkt und seine dunklen Augen ruhten mit dem Ausdruck brennender Erregtheit auf mir; ich hatte mich weit über den Rand des Bootes herausgebeugt, um mir die Blumen und die breiten Blätter aus dem Wasser zu ziehen. Mein Herz pochte zum Zerspringen, und ich wünschte sehnlichst,