Nr. 10.
AreisMlatt
Somiabettb den 23, Januar 1888^
DaS „KreiSblatt" erscheint wSchent« lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit «Illustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.
Kreis gersfefö.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 22. Januar 1886.
Die Schulstelle zu Kruspis ist durch den am 10. d. Mts. erfolgten Tod ihres seitherigen Inhabers vakant geworden.
Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Besähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspector, Herrn Pfarrer Heidelbach zu Kruspis, oder dem Unterzeichneten einreichen.
1033. Der.MsisliM Landrath
Hersfeld, den 20. Januar 1886. st Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 10. Dezember 1884 Nr. 15831 im Kreisblatt Nr. 148, die Einreichung des Materials zur Armenstatistik betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
15831. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
# Die Botschaft des Präsidenten Grevy.
Der Präsident der französischen Republik, Grevy, hat an die Kammern eine Botschaft ge
(Nachdruck verboten.) Verlassen.
Novelle von F. S t ö ck e r.
(Schluß.)
Eine süße Stimme schallte zu Waldau vom Thurmgemach herunter:
„0, Flenko, gutes, treues Thier, bringst Du mir einen letzten Gruß von Deinem Herrn? Weißt Du denn auch, daß ich ihn so unsäglich liebe? Daß ich darum sortgegangen bin, denn wenn ich geblieben und eine andere an seiner Seite hätte sehen müssen, wäre mein Herz gebrochen."
Auf dem Antlitz des Lauschers auf den Treppenstufen sah man eine Nöthe und Blässe, er athmete tief auf. Die Thür des Gemaches, welche ihn von Angiolina trennte, war nur angelehnt, leise behutsam stieg er höher und öffnete sie. Angiolina hatte beide Arme um den Hund geschlungen, das schöne blasse, thränenfeuchte Antlitz tief herabgebeugt, die dunklen Flechten hingen halb aufgelöst im Nacken. Goldig zitterten die Sonnenstrahlen über sie hin.
Waldau stand stumm und regungslos, es war ihm, als müsse er das liebliche Bild tief im Innern einprägen für alle Zeiten.
Flenko riß sich jetzt gewaltsam los aus den ihn umschlingenden Armen, mit lautem freudigem Bellen sprang er an seinem Herr« empor.
Erröthend, verlegen blickte Angiolina auf, sie strich sich die wirren Haare von der Stirn, langsam erhob sie sich. Als sie in das bleiche durchwachte Antlitz Waldau's schaute, war es ihr, als hätte sie ein bitteres Unrecht begangen; schuldbe- wußt senkte sie den Kops. , „ „ ni.
„Angiolina", sagte er leise und heißes Lieben
richtet, worin er zunächst für seine Wiederwahl dankt und darin einen Beweis für den Wunsch nach Stabilität der republikanischen Regierungsform erblickt. Weiter führt er aus, daß die Republik heute mehr als jemals die für Frankreich nothwendige Regierungsform sei, die einzige, welche fähig sei, dem Lande Ruhe und Gedeihen, Kraft und Größe zu sichern, die einzige, welche fortdauern könne, weil sie allein dem demokratischen Zustande des Landes angepaßt, allein mit der nationalen Souveränetät verträglich sei. Zum Beweise dessen erwähnt er, daß in diesem Jahrhundert zweimal die Monarchie und zweimal das Königthum in Frankreich zu Grunde gegangen sei. Diese Stelle soll, wie telegraphisch berichtet wird, bei den monarchistischen Elementen auf lebhaften Widerspruch gestoßen sein; in der That würden diese sich darauf berufen können, daß in diesem Jahrhundert auch zweimal (1804 und 1851) die Republik zu Grunde gegangen ist. Immerhin hat der Präsident Recht, wenn er meint, daß ein Sturz der Republik nur wieder zu einer der ephemeren Regierungen führen würde, welche das Land bereits gehabt und gestürzt hat. sÄÄ
^ eine solche so nothwendig ist für eine gute Führung der Geschäfte der Republik, für die Würde der republikanischen Regierung, für Frankreichs Credit und für seine Achtung vor der Welt, und diese so wünschenswerthe Stetigkeit hänge ab von der Bildung einer gouvernementalen Majorität, der gebieterischen Nothwendigkeit des gegenwärtigen Augenblicks." Das Bedürfniß nach ministerieller Stetigkeit ist selbst in Frankreich schon oft empfunden, und diesem entsprach es, daß das Cabinet Ferry — ein weißer Rabe unter den Ministerien der letzten fünfzehn Jahre — sich zwei Jahre am Ruder hielt. Ende März 1885 trat das Ministerium Brisson, vor wenigen Tagen das neue Cabinet Freycinet ein. Ob dasselbe von Dauer sein wird, scheint fraglich, da die Vorbedingung dazu — die Bildung einer gouvernementalen Majorität, welche die republikanischen Parteien in sich vereinigt — sich aller Wahrscheinlichkeit nach schwerlich erfüllen wird.
zitterte durch den Klang seiner Stimme, „Du konntest wirklich von mir geh'n? Ahntest Du denn nicht, welch' bitteres Herzeleid Du mir damit angethan?"
Angiolina hob flehend die Hände empor: „Verzeihung", stammelte sie, „aber Frau v. Stetnbach sagte, — Sie — Du — ich wäre — ich hätte—", in lödtlicher Verlegenheit sah sie zu ihm auf.
„Ich weiß Alles, Kind, aber trotz alledem lasse ich Dich nicht zieh'n. Jetzt wiederhole ich Dir das Wort, um welches ich Dich neulich vergebens bat: „Habe mich lieb!" Er breitete die Arme aus: „Angiolina! werde die Meine, mein Weib!"
„O Hubert," — die bebende Mädchengestalt lag in seinen Armen. Und was der Kindermund am Sarge des Vaters halb unbewußt gesprochen, jetzt tönte es voll Liebe und Leidenschaft von den rosigen Mädchenlippen: „Habe mich lieb, nun und immer."
(Nachdruck verboten.)
IrauenHerzen.
Novelle von L. Calm.
„Gott, mein Gott, wie soll ich es ertragen! Tante Adele, denke Dir, welch ein Unglück. Ich überlebe es nicht!"
Mit diesem Ausruf stürzte eine hübsche, kleine junge Frau, die helle Verzweiflung auf dem von Thränen überströmten Gesichtchen, über die Schwelle eines comjortabeln Wohnzimmers.
Die Angeredete erhob sich langsam von ihrem Nähtisch. Eine hohe schlanke Frauengestalt, der das silbergraue Haar seltsam zu dem kaum vierzigjährigen Gesicht stand, das in seiner klassischen Reinheit unverändert geblieben schien, während seine
Die sich hieran knüpfende Mahnung des Präsidenten Grevy zur Einigkeit und praktischer Real- Politik, welche ein genügendes Feld der politischen Thätigkeit biete, ist auch für unsere Parteien von Interesse. Dieselben ersehen hieraus, wohin die parlamentarische Regierungsform führt, undidaß man dort, wo sie eingebürgert ist, kein größeres Interesse hat, als den Consequenzen derselben zu begegnen und dem herkömmlichen politischen Dogma von dem großen Segen fortwährenden, nach den jeweiligen Parlamentslaunen sich richtenden Regierungswechsels entgegenzutreten. Ob es in Frankreich gelingen wrrd, den fortwährenden Parteikämpfen ein Ende zu machen und eine praktische, den Wünschen und Bedürfnissen des Landes befriedigende Realpolitik zu treiben, lassen wir dahingestellt. Dagegen sollten sich gewisse Parteien in Deutschland diesen Mahnruf zu Herzen nehmen und, um nicht auf eine schiefe Ebene zu gelangen, der Jagd nach den paxln- mentarrschen System entsagen und^a^." -- der praktischen Arbeit no"^--
^äs^oen Parlamenten.
Berlin, 20. Januar. Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst mit dem Gesetzentwurf, betreffend die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten. Nachdem der Staatssekretair des Reichs-Justizamtes Dr. von Schelling die Vorlage begründet hatte, suchte Abg. Rintelen (Centrum) darzulegen, daß nicht der Weg der Verordnung zulässig, sondern die Regelung auf gesetzlichem Wege geboten sei. Regierungs-Kommissar, Geh. LegationSrath Dr.Krauel setzte dagegen auseinander, wie bei den Zwecken, welch« die Reichsregierung in der Kolonialpolitik verfolge, sich allein der vorgeschlagene Weg empfehle, der die Rechte deS Reichstags übrigens in keiner Weise beeinträchtige. Abg, v. Reinbaben (Reichspartei) wieS daraus hin, daß eS sich hier um Ausübung von Souveränetätsrechten handle, die doch nicht dem Reichstage, sondern den verbündeten Regierungen zustehen. Abg. Bamberger (deutschfr.) verlangt» für den Reichstag das Recht der nachträglichen Genehmigung der kaiserlichen Verordnungen und Gleichstellung bei Reichstags mit dem Bundesrath. — Abg. Dr, Meyer (Jena, nat.'lib.) erklärte sich prinzipiell nicht gegen die Vorlage, empfahl aber die genaue Prüfung derselben in einer besonderen Kommission. Abg. von Helldorf (deutsch, kons.) sprach für die Vorlage, während Abg. Windthorst seinem Fraktionsgenossen beitrat. Nach weiteren Diskussionen über die Stellung des Parlaments den Regierungen gegenüber, wurde die Vorlage einer besonderen
Trägerin gealtert hatte. Nur der müde wehmüthige Zug um den stets sanft lächelnden Mund zeigte von bitteren Erfahrurgen.
„Wie aufgeregt Du bist, Fanny," sagte sie, ihren Arm begütigend um die Taille der jungen Frau legend, „ich habe Dich nie so gesehen. Was ist denn vorgesallen?"
„O Tante, Tante!" entgegnete diese, ihr Haupt unter erneuten Thränenausbrüchen an der Brust ihrer älteren Freundin bergend. „Soll ich gefaßt sein, wenn ich mich verrathen sehe, betrogen und schmählig hintergangen von dem, den ich über Alles geliebt, dem ich in blindem Vertrauen Alles hingegeben, den ich für den besten aller Sterblichen gehalten--"
Sie riß sich von der älteren Dame los, warf sich auf den Teppich nieder, und barg ihr Antlitz laut schluchzend in die Sophakissen.
„Dein leidenschaftliches Temperament bringt Dich außer Dir," ermähnte die Tante, sie sanft aufhebend und zu sich auf das Sopha niederziehend. „Bedenke, es ist Dein Gatte, von dem Du sprichst."
„Ein Elender ist er!" kam es hastig von den Lippen der jungen Frau.
„Kind, Kind, Du weißt nicht, was Du redest! Sollte er das sein, was ich lange vermuthete? Bist Du dahinter gekommen, daß Gustav eine zu starke Neigung für Spielen und Umherschwärmen hat?"
„Mehr!" schluchzte die junge Frau, „unendlich mehr. Er hat gespielt, er hat sich in Schulden gestürzt--dieses Papier hat mir Alles verrathen."
Sie nahm einen zerknittterten Brief aus dem Busen und entfaltete ihn mit bebender Hand.
„Hier steht es schwarz aus weiß: Ein Gläubiger