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Nr. 8.

9 ll* . £1 Dienstag den 19. Januar 1886.

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DasKreisblatt" erscheint wöchent« lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtcm Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Psg. pro Quartal.

Kreis Zersseld.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Sar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 16. Januar 1886.

Trotz meiner Erinnerungs-Versügung vom 10. September v. Js. I. Nr. 9821 im Kreisblatt Nr. 108 sind immerhin noch 43 Rechnungen von Landgemeinden des hiesigen Kreises pro 1884/85 bis jetzt bei mir nicht eingegangen.

Demnach werden die betreffenden Herren Orts- vorstände hierdurch angewiesen, die in Rede stehenden Rechnungen nunmehr bis spätestens zum 10. Februar d. Js. mir einzureichen, oder aber mir berichtlich anzuzeigen, weshalb die Vorlage der Rechnung noch nicht erfolgte, damit ich eventuell gegen die mit Aufstellung der Rech­nung etwa im Rückstände gebliebenen säumigen Gemeinde-Erheber entsprechend vorgehen kann.

836. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 16. Januar 1886.

Der am 17. Februar 1862 dahier geborene stud. theol. Jakob Fischer hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs fer­neren Verbleibens in der Schweiz nachgesucht.

801. Der Königliche Landrath

_____Freiherr von Schleinitz.

Cassel, ben~13. Januar 1886.

Der entflohene Postassistent Hauschild ist am 10, Abends in verhaftet worden.

Derdfferliche Ober-Postdirector. zur Linde.

An das Königl. Landrathsamt in Hersfeld. 977.

* *

Hersfeld, den 16. Januar 1886.

Wird den Ortspolizeibehörden und der König­lichen Gendarmerie des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 11. d. Bits. I. Nr. 529 im Kreisblatt Nr. 6 zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

803. Der Königliche Landrath

________________Freiherr von Schleinitz.__

Hersfeld, den 18. Januar 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen

(Nachdruck verboten.)

Verlassen.

Novelle von F. S t ö ck e r.

(Fortsetzung.)

Fräulein Sommer bitte wollen Sie uns nicht einen Kontretanz spielen?" rief da Herta mit heller Stimme vom Saal herüber.

Düster schaute die Angerufene auf die rosige, duftige Frauengestalt.

Sie ist ja berückend schön, heute, diese Herta v.Stetnbach," sagte sie höhnisch,tröste Dich Kind, Dein Vormund wird Dich schon zieh'n lassen, vielleicht bald, vielleicht wird heute noch das ent­scheidende Wort gesprochen."

Mit diesen Worten verschwand auch sie in den Saal.

Angiolina blieb allein in dem lauschigen Boudoir, ein mattes Dämmerlicht herrschte hier, die Blumen, mit welchen man alle Räume verschwenderisch ge­schmückt, . dufteten schwül, fast bedrückend. Nur verworren klang das Stimmengewirr und die heite­ren Klänge, welche Fräulein Sommer den Tasten entlockte, an das Ohr des jungen Mädchens.

Sie hatte die Augen geschlossen, eine träumerische Ruhe war über sie gekommen, ferne Bilder tauchten auf vor ihren Blicken, die Heimath in Italien, sie sah das von Rosen umsponnene malerisch gelegene Haus ihrer Eltern, in der Weinlaube saßen im Abendsonnenschein ihr Vater und Mutter, selig lächelnd schauten sie auf das dunkeläugige Kind, das zu ihren Füßen spielte.

Ach, welch' hohes, reines Liebesglück hatte dort, in dieser weltfernen Einsamkeit gewohnt.

Was war davon geblieben? Zwei Gräber, das

Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 31. Dezember v. Js. Nr. 13655 im Kreisblatt Nr. 1 pro 1886, die Erfahrungen hinsichtlich der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen während des Jahres 1885 betref­fend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 24. d. Bits. beiMei- dung von 3 Mark Strafe erinnert.

13655/85. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

tzDie Branntweinmonopol-Vorlage.

Dem Bundesrath liegt nunmehr der Entwurf eines Gesetzes betreffend das Branntweinmonopol als Antrag Preußens zur Berathung vor. Der­selbe enthält 88 Paragraphen und zerfällt in fol­gende acht Abschnitte : 1. Allgemeine Grundlagen. 2. Vorschriften, betreffend die Herstellung des rohen Branntweins, 3. Vorschriften betreffend den Be­trieb des Branntweinmonopols, 4. Ausnahmebe­stimmungen, 5. Schutzbestimmungen, 6. Strafbe- stimmungen, 7. Einführungs- und Uebergangsbe- stimmungen und 8. Schlußbestimmungen,

Der Inhalt des Entwurfs ist in Kürze folgender. Die Herstellung rohen Branntweins bleibt wie bisher der privaten Gewerbethätigkeit überlassen, unterliegt aber einer bestimmten Ordnung. Der Kauf, die Reinigung von Branntwein, Herstellung von Trinkbranntwein und der weitere Verkauf von Branntweinen aller Art stehen dagegen ausschließ­lich dem Reiche zu und werden für Rechnung des­selben betrieben. (Branntweinmonopol.)

Was die der privaten Gewerbethätigkeit über­lassene Herstellung von rohem Branntwein betrifft, so sollen dafür folgende Bestimmungen gelten. Diejenigen Brennereien, die am 1. October 1885 vorhanden waren, können in Zukunft jährlich so­viel rohen Branntwein bereiten wie bisher, die am 1. October 1885 in Herstellung begriffen gewesenen Brennereien sollen in Zukunft zu einer Verhältniß- mäßig gleich großen Branntweinproduktion berech­tigt sein. Die Provuction soll in der Weise geregelt werden, daß die zu bereitenden Mengen für die einzelnen Brennereien seitens der Landesregierungen im Einvernehmen mit der Monopolverwaltung, welche von einem dem Reichskanzler unterstellten

eine im sonnigen Süden, das andere im rauhen Norden, und sie ein heimathloses, verlassenes Kind! Denn die Heimath, die sie hier gefunden, war ihr keine Heimath mehr, wenn sie athmete tief auf. Ein Rosenduft erfüllte plötzlich das Gemach; Angio- lina drückte sich tiefer in die dunkele Ecke, wo sie hinter einer Gruppe exotischer Pflanzen, auf einem kleinen Chatselong ruhte.

Herta war soeben mit Heinrich von Wulfen in das Boudoir getreten.

Es ist erdrückend schwül in dem Saal, komm laß uns ein wenig hier plaudern, Wally wird ja nicht gleich eifersüchtig auf mich werden, und ich sehne mich einiges Neue aus der Residenz zu hören," sagte sie zu ihrem Begleiter.

Aber, Tante, warum kommst Du nicht selbst end­lich wieder nach Berlin, das Leben muß doch auf die Länge der Zeit recht eintönig hier werden für Dich," erwiderte Wulfen.

Wenn man älter wird, zieht man ein ruhiges Leben vor, lieber Neffe,"

Du alt! Tante Herta? Nein, an Dein Alter glaube ich noch nicht, viel wahrscheinlicher ist es, daß Herzensangelegenheiten Dich hier fesseln, warum erhörst Du nur Waldau nicht einmal?"

Waldau ist ein Mann von übertriebenem Pflicht­gefühl, er bringt sein Lebensglück zum Opfer, des Mädchens wegen, das man in sein Haus geschleppt. Das Versprechen, was er seinem sterbenden Freund gegeben, für das Kind zu sorgen, steht ihm höher, wie Alles andere, auch als seine Liebe zu mir. Er weiß es, daß ich als seine Gattin das Mädchen nicht um mich dulden könnte, und darum, so leiden­schaftlich er mich auch liebt, spricht er das erlösende Wort nicht; da er sich nie entschließen wird, An­

Monopolamt" geführt wird, und nach Anhörung einer Commission, die aus einem höheren Verwal­tungsbeamten, zwei Oberbeamten der Steuerver­waltung und drei Brennereibesitzern besteht, in billiger Weise festgesetzt werden. Für die spätere Anlegung neuer Brennereien bedarf es besonderer Erlaubniß seitens der Landesregierung im Einver­nehmen mit der Monopolverwaltung unter gleich­zeitiger Festsetzung der zu producirenden Menge. Für den Betrieb werden bestimmte Vorrichtungen und Bedingungen, welche die Controle erleichtern, vorgeschrieben. Der gewonnene Branntwein ist an die Monopol-Verwaltung abzuliefern, kleineren Brennereien kann die Erlaubniß ertheilt werden, unter Erlegung ermäßigter Preise den Branntwein zum eigenen Hausbedarf zu behalten.

Ueber den Betrieb des Branntweinmonopols sollen folgende Vorschriften gelten. An der Spitze steht das schon erwähnteMonopolamt". Dasselbe kauft den inländischen rohen Branntwein zu einem vom Bundesrath festzusetzenden Tarife; für Kar- toffelbranntwetn wird der Hektoliter reinen Alko­hols zunächst auf mindestens 30 und höchstens 40 Mk. festgesetzt, für andere Branntweinarten wird ein diesem Tarifsatz angemessener Preis gezahlt. Kleineren Brennereien kann ein Zuschlag von 2 Mk. gewährt werden. Die Monopolverwaltung stellt aus dem ihr gelieferten rohen Branntwein gereinigten Branntwein, sowie die dem Bedürfniß der inländischen Konsumtion entsprechenden alko­holischen Getränke her und führt ausländische Branntweine, soweit ein Bedürfniß dazu besteht, ein. Für den Detailverkauf wird ein bestimmter Preis von mindestens 2 und höchstens 3 Mark für das Liter reinen Alkohols festgesetzt. Der Verkauf erfolgt ausschließlich durch Branntwein­agenten und Verschleiße in bestimmten Verkaufs­lokalen, unter genauer Jnnehaltung der Vorschriften über die Verkaufspreise und Lieferung der Waare in Originalverpackung. Dagegen kann Gastwirthen, Restaurateuren, Inhabern von Cafes und Kondi­toreien, Vorständen von Kasinos, Ressourcen und dergleichen die Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein ohne Beschränkung aus die von den Verschleißern innezuhaltenden Preise ertheilt wer­den. Für gewerbliche Zwecke, einschließlich der Essigberettung für Heizungs- und Beleuchtungs-

giolina unter Fremde zu schicken, weil das eben sein Ehr- und Pflichtgefühl nicht zuläßt."

Nun, Angiolina ist schön, sie wird Bewerber finden," warf Wulfen ein,und dann kann er es ihr doch nicht wehren sein Haus zu verlassen."

Wer wird sich heutzutage um ein so blutarmes Mädchen bewerben! Wenn sie Ehrgefühl hätte, wäre sie schon längst gegangen, aber Herta lachte höhnisch ich glaube, sie hat selbst nicht übel Lust, Frau Oberförster zu werden, und sie ist so ohne alle Scham, mit solchen Gedanken in seinem Hause zu bleiben. Jedes feinfühlende Mädchen ginge unter allen Umständen."

Ein banger Klagelaut tönte geisterhaft durch das Gemach; Herta verstummte; eine dunkle Gestalt mit todtenbleichem wie im Schmerz erstarrten Ant­litz, huschle an ihr vorüber und verschwand hinter die dunkle Portiäre, die in das zur Garderobe be­nutzte Zimmer führte.

War das nicht Angiolina?" fragte Wulfen betroffen.

Aber Schatz, wo steckt ihr denn?" rief da Wally's fröhliche Stimme,Tante ich werde noch eifersüchtig auf Dich, es ist empörend, Dich hier in diesem lauschigen Boudoir mit meinem Bräutigam zu verkriechen."

Sie trat an Waldau's Arm zu den Beiden heran; dessen Blicke durchflogen suchend das Gemach.

Wo ist Angiolina ? Ich habe schon Emmy ge­fragt, Niemand weiß wo sie steckt," sagte er unruhig.

Mein Gott, sie ist doch kein Kind mehr, daß man fortwährend über sie wachen muß!" rief Herta lachend.

Kommen Sie, Fräulein Sommer spielt einen verlockenden WMr, es ist mein Lieblingstanz,