Nr. 7.
Sonnabend den 16. Januar 1886.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Pfg. pro Quartal.
Kreis ßersfesh.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und dir einspaltige Garmondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß auf Grund des §. 2 des Gesetzes Dom 26. Februar 1870, betreffend die Schonzeiten des Wildes, der Schluß der Jagd auf Hasen auf den 25. Januar d. J. Abends festgesetzt worden ist. Cafsel, den 9. Januar 1886.
Königliche Regierung, Abheilung des Innern.
Mit Bezugnahme auf die Ämtsblattsbekannt- machung vom 30. Dezember v. Js. (Nr. 1 Seite 1 des Amtsblatts pro 1886) bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß dem Aichungsamte zu Geln- hausen die Befugniß zum Aichen von Waagen mit einer Tragfähigkeit von nicht mehr als 10 000 kg beigelegt worden ist.
Cassel, den 12. Januar 1886.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Die Interessenten der Hessischen Brandver- sicherungs-Anstalt setze ich andurch in Kenntniß, daß die Brandsteuer pro 1886 durch Beschluß des Communal-Landtags vom 10. December 1885 auf 1 Mark 40 Pfennige pro 1000 Mark des Umlagekapitals festgesetzt worden ist.
Cassel, am 7. Januar 1866.
Der Landes-Director: v. Hundelshausen.
Kreis Hersfeld.
Caffel, den 31. Dezember 1885.
Im Anschluß an unseren Erlaß vom 20. August d. J. Nr. 11252 A 11 setzen wir Euer Hochwohl- geboren davon in Kenntniß, daß nach Berfügung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 18. d. M. Circ. Nr. 82 de 1885 nichts dagegen zu erinnern ist, wenn die von den Ortspolrzeibehörden in Gemäsheit des 8» 15 des Gesetzes vom 12. März 1881 für Viehabschätzungen ernannten Schiedsmänner in den Fällen, wo sie nach Ablauf des Jahres, für das sie zunächst in Thätigkeit getreten sind, für ein ferneres Jahr in Thätigkeit treten, nicht aufs Neue eidlich verpflichtet, sondern lediglich auf die durch den geleisteten Eid übernommenen Verpflichtungen verwiesen werden.
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(Nachdruck verboten.)
Verlassen.
Novelle von F. Dtöcker, (Fortsetzung.)
„Ich suche Dich schon überall, Du sollst mir helfen den Wein abschnewen, Hubert!" rief Emmy ihrem Bruder zu.
Wie erleichtert athmete Augiolina auf, es ist als ob ein erquickender Luftzug ihre Wangen streifte, als sie in das harmlose, offene Gesicht Emmy'S schaute.
„Vielleicht hast Du ein andermal die Gnade, mir meine Frage zu beantworten, von den Zukunsts- Plänen bitte ich vorläufig zu schweigen," sagte Wal- dau mit leiser gepreßter Stimme. Dann wendete er sich und folgte seiner Schwester.
„Die Bitte wiederholenflüsterte Angiolina, in der sich der jungfräuliche stolz regte, „nein, niemals! Ich sollte um seine Liebe flehen? O tausendmal lieber in die weite Welt gehen und mir meinen Lebensunterhalt verdienen. So schwer das Scheiden mir auch werden wird."
Träumerisch ruhte ihr Blick auf der Herbstlandschaft, auf dem Walde dort drüben in seiner bunten, leuchtenden Pracht. Alles, Alles sollte sie verlassen, was ihr theuer und lieb, einsam hinaus, ziehen in die ferne fremde Welt. Ein Gefühl unsagbaren Weh's erfaßte sie, Thränen drängten sich in ihre Augen; sie stützte den Kopf in beide Hände und weinte bitterlich.
In dem Schlosse des Herrn v. Wulfen herrschte heute reges Leben. Wally's Verlobung sollte am Abend gefeiert werden und waren dazu verschiedene
Die Ortspolizeibehörden sind hiernach in geeigneter Weise mit der nöthigen Anweisung zu versehen.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Kühne.
An den Königlichen Polizei-Director hier und an sämmtliche Königl. Landräthe des RegierungsBezirks. A II 17857.
* * *
Hersfeld, den 14. Januar 1886.
Wird mit Bezugnahme auf meine Verfügung vom 28. August 1885 Nr. 9407 im Kreisblatt Nr. 103 den Herren Ortspolizeibeamten »des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
275. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 13. Januar 1886.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten hierdurch die Weisung, bis spätestens zum 30. Januar d. J. diejenigen Kinder, welche in der betreffenden Gemeinde resp. Gutsbezirk nicht geboren, aber in dieselbe mit den Eltern oder sonst wie ungeimpst überzogen sind, in Gemäßheit der Bestimmung im §. 8 des Reglements vom 4. März 1875 (Nr. 15 des Amtsblattes de 1875) mittelst besonderer Verzeichnisse nach den durch Beschluß des Bundesraths vom 5. September 1878 vorgeschriebenen, im Amtsblatt pro 1878 S. 315 und 316 abgedruckten Formularen V und event. VI zu meiner Kenntniß zu bringen.
Gleichzeitig veranlasse ich die Herren Bürgermeister, in deren Polizeiverwaltungsbezirken sich Standesämter befinden, denselben mitzutheilen, daß ich das Formularpapier zu den nach dem Reichsgesetze vom 8. April 1874 über die Ausführung der öffentlichen Schutzpockenimpfung vorgeschriebenen Jmpflisten zur Eintragung der im Jahre 188 5 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder demnächst ihnen zusenden werde und dann die Rücksendung innerhalb 14 Tagen erwarte.
Den Herren Localschulinspectoren wird ebenfalls das nöthige Formularpapier zu den für I m p s u n g und Revaccinatton getrennt zu haltenden Listen
1) über diejenigen Zöglinge der ihnen untergebe-
Einladungen an benachbarte Gutsbesitzer ergangen, Waldau und tzerta wurden natürlich auch erwartet.
Alle Besuchszimmer waren geöffnet, die Verhüllungen von den Möbeln genommen. Der Park war fast seines ganzen Blumenschmucks beraubt, um die festlichen Räume damit zu schmücken.
Jetzt rollte eine Equipage über den Schloßhof, sie fuhr nach der Bahnstation der benachbarten Stadt, Herrn v. Wulfen, den Bräutigam Wally's, dort abzuholen.
Die eigensinnige kleine Braut hatte sich energisch gesträubt mitzusahren. In dem langen, schleppenden Seidenkleide durchstreift sie ruhelos die einsamen Wege des Parkes. Ihr Geschick dünkt ihr so tragisch wie nur je ein Menschenloos. Seit einiger Zeit beschäftigte sie sich nur noch mit der Lectüre griechischer Tragödien, die Schicksale einer Phädra, einer Antigone sind ihr gleichbedeutend mit dem ihren.
Mit der Miene und den Geberden einer Tragö- din hat sie endlich nach langem Sträuben einge- willigt die Braut ihres Vetters zu werden, nachdem ihre Liebe zu dem jungen Bildhauer von allen Seiten als eine Lächerlichkeit ausgesaßt wurde und von diesem nie das geringste Lebenszeichen wieder zu ihr gedrungen war.
Die wiederholte sich jetzt noch einmal die Worte, mit welchen sie ihrem Vetter gegenübertreten wollte: „Lieben kann ich Dicht, niemals! Ich habe nur einmal geliebt, das Schicksal hat es nicht gewollt, daß ich glücklich wurde. Ich füge mich dem Willen meiner Eltern, und verspreche Dir hiermit feierlich, Dein pflichtgetreues Weib zu werden."
Sie sagte das Alles mit.großem Pathos zu einem alten Kastanienbaum, der bedächtig seine Aeste schüttelte, so daß die letzten welken Blätter herab-
nen Lehranstalten oder Privatschulen, welche im laufenden Jahre das zwölfte Lebensjahr zurücklegen werden und
2) über die Schüler, für welche der Nachweis der Impfung nicht erbracht ist, mitgetheilt werden und muß ich deren Rücksendung bis spätestens zum 6. Februar er. erwarten.
661. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 13. Januar. Der Reichstag beendigte die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Besteuerung des Zuckers. Der Abg. Härle bemängelt den Entwurf in seinen Einzelbestimmungen und hält überhaupt den Uebergang zur Fabrikatsteuer sür unabweisbar. Abg. Gras v. Hacke ist dagegen mit Beibehaltung der Materialbesteuerung durchaus einverstanden, da dieselbe die nothwendige Freiheit der Industrie nicht durch störende Kon- trole beeinträchtige; aber er glaubt nicht, daß die vorgeschlagenen Sätze des §. 2 den erwarteten finanziellen Effekt haben würden. Besonderen Werth legt er auf die Errichtung steuerfreier Läger, und ganz besonders darauf, daß ein Modus der Melaffebesteuerung gesunden werde; auch müßten die Erhebungskosten herabgesetzt werden. Abg. Heine vermißte in der bisherigen Debatte die Wahrnehmung der Interessen der Konsumenten, d. h. der Steuerzahler; bisher wären lediglich die Interessen der Produzenten in Betracht gezogen. Die Erhöhung der Steuer müsse nothwendig den Zucker vertheuern, der doch zweifellos zu den Nahrungsmitteln zu rechnen sei. Am einsamsten wäre es, die Zuckersteuer ganz auszuheben und die 60 Millionen, die sie ergeben soll, durch progressive Einkommensteuer zu ersetzen. (Gelächter.) Abg. Rohland (beutimfr.) hält gegenwärtig den Uebergang zur Fabrikatsteuer auch nicht für thunlich, aber die Herabsetzung der Zuckersteuer undder Exportbonifikation geboten. Staatssekretär des Reichsschatzamts o. Burcharv bestritt, wie gestern, die Behauptung, daß der Lundesrath die Zuckersteuerreform verschleppt habe und widerlegte einzelne Ausführungen der Borredner. Daraus wurde die Vorlage einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Schließlich wurde die Wahl des Abg. Bormann für gültig erklärt. Längere Debatte knüpfte sich an die Wahl des Abg. Gottburgsen und deren Ungültigkeit wegen Verbots einer sozialdemokratischen Versammlung, dem Kommissionsbeschluß entgegen, beschlossen. — Morgen: Anträge wegen Besteuerung der Petroleumsässer, Zulassung des Rechtswegs in Zollstreit- sachen und betr. die Gleichberechtigung der deutschen Sprache als Gerichtssprache.
Berlin, 14. Januar. Der Reichstag beschäftigte
fallen. Träumerisch ruhen ihre Blicke auf dem welken Laub zu ihren Füßen.
„Mein Bild," flüsterte sie traurig, „auch ich hatte nur einen Frühling, wie diese Blätter, er war so kurz, nun ist er dahin auf ewig."
„Das Rollen eines Wagens, der jetzt über den Schlotzhos fuhr, jagte ihr das heiße Roth in die Wangen; verzweiflungsvoll lehnt sie sich an den alten Kastanienbaum, als wäre dieser ihr einziger Freund und Stütze auf der ganzen wetten Welt.
„Wally, kleine Braut! Wo steckst Du denn?" tönte da plötzlich eine ach so bekannte, geliebte Stimme an ihr Ohr.
„Heinz!" ruftstie bebend, „Heinz! rufst Du mich? \ ach vielleicht aus weiter, weiter Ferne, Deine Seele ist bei mir, sie ahnt es, daß jetzt die Stunde naht, die uns aus ewig trennt."
Ein elastischer Schritt nähert sich; Wally wendet zitternd das Köpfchen. Heinz Bertram, der vermeintliche Bildhauer, steht vor ihr; überrascht, sprachlos.
Wally in dem lichtbauen Seidenkleide, mit der leuchtenden Nöthe auf den Wangen, den strahlenden Augen, der tragischen, hoheitsvollen Haltung, ist ja tausendmal hübscher, wie er sie damals in B. gefunden, und wie sie ihm seitdem in seinen Träumen erschienen.
„Was führt Sie hierher? jetzt zu dieser Stunde ?" fragt sie und streckte ihm wie abwehrend die Hände entgegen. Heute wo ich mich mit meinem Letter verloben soll, den ich nicht kenne, niemals lieben kann! Ein Anderer Ungeliebter wird mich in seine Arme schließen, ich bin ein Opfer!"
Ueber Heinrich von Wulfens Antlitz zuckte es wie verhaltenes Lachen.