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DaSKreiSblatt" erscheint wöchent« lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Psg, pro Quartal.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Sar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Jtreis Hersseld.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Kassel, den 31. December 1885.

Unter Bezugnahme auf unseren Circularerlaß Dom 19. Juui 1878 B. 6088, betreffend den Schul- wechsel von Kindern, finden wir uns veranlaßt, zur VsMnsachuug des Geschäftsganges und im Interesse der Schulbesuchscontrole hiermit anzu- ordnen, daß die nach Maßgabe der angezogenen Verfügung auszustellenden Entlassungszeugnisse fortan direkt dem Schulvorstande des neuen Schulortes (gleichzeitig mit der Anzeige von dem betreffenden Schulwechsel) zu übersenden sind, (cfr. Verfügung Dom 22. Juli 1875. B. 6560.)

Königliche Regierung,

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. J. B. 14654. Mittler.

^ ^ $

Hersfeld, den 12. Januar 1886.

Wird den Herren Localschulinspectoren des Kreises zur gefälligen Kenntntßnahme ergebenst mitgetheilt.

181. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

i, Hersfeld, den 8. Januar 1886.

Die Herren Minister des Innern und der geist­lichen rc. Angelegenheiten haben neuerdings bestimmt, daß die Uebersichten der zur Zwangsvollstreckung überwicsenen Rückstände an direkten Kommunal-, Kreis- und Provinzial-Steuern sowie Schulabgaben einschneßlich des Schulgeldes für die Folge nicht mehr monatlich, sondern vierteljährlich aufzustellen und einzureichen sind.

Für die Einreichung dieser von mir auf Grund der von den Herren Ortsvorständen mir einzusen- denden desbezüglichen Rachweisungen aufzustellen- den und der Königlichen Regierung zu Kassel ein- zureichenden Kreisnachweisungen hat die Letztere mir folgende Termine bestimmt:

1) pro I. Quartal (Monate Januar, Fe­bruar und März) den 20. Mai.

2) pro II. Quartal (Monate April, Mai und Juni) den 20. August.

Cassel, den 9. Januar 1886.

Postassistent Hauschild von Königsee hat wahr­scheinlich Unterschlagungen ausgeführt und ist fluchtverdächlig. Das Königliche Landrathsamt ersuche ich ergebenst, auf Hauschild fahnden und ihn im Betretungsfalle verhaften zu lassen, sowie von seiner Ergreifung die Polizeibehörde in Königsee benachrichtigen zu wollen.

Signalement des Hauschild. Größe: etwa 1,80 m, schlank, Haar und Augen: dunkel, Anflug von Schnurrbart, Kleidung: dunkler An­zug und kleiner schwarzer Hut, trägt Klemmer. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. zur Linde. An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 741.

* *

Hersfeld,*den 11. Januar 1886.

Wird den Ortspolizeibehörden und der König­

3) pro III. Quartal (Monate Juli, Au­gust und September) den 20. November.

4) pro IV. Quartal (Monate Oktober, November und Dezember) den 20. Februar.

Damit ich diese Termine genau einhalten kann, so weise ich die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises hierdurch an, die hier in Rede stehenden Uebersichten unter genauer Beachtung der durch die diesseitigen Verfügungen vom 24. Juli 1882 Nr. 9559 und vom 4. August 1882 Nr. 10257 im Kreisblatt Nr. 62 gegebenen Vorschriften für die Folge nur vierteljährlich auszustellen und mir einzureichen. Diese Einreichung hat pro I. Quartal bis zum 2 5. April, pro II. Quartal bis zum 2 5. Juli, pro III. Quartal bis zum 2 5. October und pro IV. Quartal bis zum 25, Januar zu erfolgen.

Hierbei muß ich sodann noch die bestimmte Er­wartung aussprechen, daß diese Termiye pünktlichst eingehalten und die qu. Rachweisungen auch sorg­fältig und vollständig ausgefüllt werden. Eine jede zu meiner Kenntniß gelangende unrichtige Aufstellung rc. derselben wsrde ich, mit angemessenen Strafen ahnden. DerTerminkalen o-e^.i st hiernach zu berichtigen.

60. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

lichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Fahndung nach dem rc. Hauschild mitgetheilt.

529. Der Königliche Landrath

____________ Freiherr von Schleinttz.

Zugelaufen: ein mittelgroßer, dem An­sehen nach noch junger, schwarzer Hund, welcher zwischen den beiden Vorderbeinen mit einem weißen Abzeichen versehen ist. Derselbe kann gegen Erstattung der Fütterungskosten von dem Eigenthümer desselben bei dem Ortsvorstand zu R o t e n s e e in Empfang genommen werden.

Zugelaufen: ein schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heimboldshause n.

Zur Vornahme der Frühjahrs-Prüfung der As­piranten für den einjährig-freiwilligen Militairdienst des Jahres 1886 ist als Anfangstermin der 1. März 1886 festgesetzt worden.

Diejenigen jungen Leute, welche an dieser Prü­fung Theil nehmen wollen, haben ihr bezügliches Gesuch spätestens bis zum 1. Februar 1886 bei der unterzeichneten Commission einzureichen und in demselben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft zu sein wünschen.

Dem Gesuche sind beizufügen:

1) ein Geburtszeugniß;

2) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vor-- mundes mit der Erklärung über die Bereit­willigkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

3) ein Unbescholtenheits - Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Progymnasien, Realschulen und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit des Wohnortes, oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist, und

4) ein von dem Aspiranten selbst geschriebener Lebenslauf.

Die unter 1 bis 3 genannten Atteste müssen im Original eingereicht werden.

Cassel, den 29. December 1885.

Königliche Prüfungs-Commisston für Einjährig-Freiwillige.

(Nachdruck verboten.)

Verlassen.

Novelle von F. Stück er.

(Fortsetzung.)

Es zuckte dabei fast verächtlich um die schmalen Lippen der Gouvernante; in den Jahren, in welchen Waldau sich befindet, sind die Blamier zu bequem, um nach einem wahrhaft edlen, treuen Frauenher- zen zu suchen, sonst"

Hätte Angiolina mehr Menschenkenntniß gehabt, so hätte ihr der Blick, mit welchem die Gouvernante die Augen jetzt gen Himmel richtete, viel verrathen müssen. Es stand darin zu lesen: Daß besagter Herr durchaus nicht weit hätte zu suchen brauchen, nach dem wahrhaft edlen Frauenherzen. Angiolina war jedoch zu harmlos, um solche Beobachtungen zu machen.

»Glücklich wird er nicht, darauf können Sie sich verlassen, solche Frauen machen die Männer nie­mals glücklich!" erklärte die aufgeregte Dame jetzt mit einer Bestimmtheit, als hätte lie allein die Schicksale der Menschen zu bestimmen.Und nun genug davon! Von meiner Freundin in Berlin habe ich Antwort auf meine Anfrage bekommen. Du kannst zu jeder Zeit dort eintreffen, je eher, je besser ist es natürlich. Zum ersten Oktober beginnt ein neuer Cursus, und müßtest Du da aus alle Fälle dort sein."

Ich werde morgen mit meinem Vormund sprechen," erwiderte Angiolina mit einem schweren Seufzer.

Die übrige Gesellschaft hatte sich jetzt auf der Terrasse zufammengesunden.

»Ein höchst langweiliges Spiel l" erklärte soebei

Wally verächtlich, und warf die zierlichen Reifen in eine Ecke.

Sonst habt ihr Euch doch manchmal sehr schön amüsirt," sagte Frau von Wulfen vorwurfsvoll.

Ja sonst, die Zeiten sind vorüber, Mama, wir sind feine Kinder mehr, wir haben die Wett gesehen l"

Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel, sagt Gölhe," mischte sich Herta in die Unterhaltung.

Göthe geht mich gar nichts an, und wenn er das wirklich gesagt hat, so ist es Unsinn, hoher Sinn liegt nie in solchen Spielen."

Mein Gott, nun hadert das Mädchen auch noch mit Göthe," ruft Herr von Wulfen belustigt.

Welch' ein Geist des Widerspruchs ist nur in Dich gefahren, Kind?"

Nun, ich werde doch wohl meine Meinung sagen dürfen, auch über Göthe, so gut wie andere Leute!"

Gewiß, mein Kind, sprich Dich ruhig aus über Göthe," sagte Herr von Wulfen lachend.

Wally wurde dunkelroth.

Stets wird man noch wie ein dummes Kind behandelt!" rief sie gereizt;und dabei soll ich mich verloben, ich thue es aber nicht, ganz gewiß nicht!" mit diesen Worten schritt sie stolzerhobenen Haup­tes einer Heldin gleich in den Saal.

Natylos blickt Herr von Wulfen von einem zum anderen; ich glaube das Mädchen ist verliebt! Was habt Ihr eigentlich für Bekanntschaft in S. gemacht, Herta?"

O, nicht gerade allzu interessante, ein junger Bildhauer war da, der scheint den Mädchen ein wenig die Köpfe verdreht zu haben."

Verändert scheint Ihr mtrAlle etwas, auch Sie Herr Oberförster, sind nicht mehr der Alte," wen­det sich Herr von Wulfen an Waldau.Die Reise

hat Sie fabelhaft verjüngt, es leuchtet oft so jugendfroh in Ihren Augen, als wollten neue Len­zestage für Sie anbrechen. War vielleicht auch eine junge, verführerische Bildhauerin da?"

Waldau wurde dunkelroth, als hätte man ihn auf einem Unrecht ertappt. Er bemerkte nicht den leuchtenden verständnißvollen Blick Herta's, der ihm allein galt; seine Augen hasteten wie gebannt auf dem dunkeln Laubengang, aus welchem soeben Angiolina mit der Gouvernante Fräulein Sommer heraustrat. Ahnte er, daß die Beiden von ihm gesprochen, und Fräulein Sommer ihm keine glück­liche Zukunft prophezeit hatte an der Seite der Jugendgeliebten?

Herta war jetzt dicht zu ihm herangetreten.

Sagte ich es Ihnen nicht schon einmal, daß es Lenzestage giebt, oft noch im Spätherbst des Lebens," flüsterte sie mit leichter, süßer Stimme.

Zerstreut blickte Waldau zu ihr nieder; eine Rose wiegte sich leicht in dem blonden duftigen Haar Herta's und ihre blauen Augensterne, die einst vor Jahren so viel Leid über sein junges Herz ge­bracht, schauten glückverheißend zu ihm auf. Warum nur erfaßte er nicht das Glück, das in so holder Frauengestalt sich ihm zu eigen geben wollte? Warum irrt sein Blick über ihr schönes strahlendes Antlitz hinweg und haftet heiß an Angiolina, die ihm den Rücken zugewendet regungslos an dem Treppenpfeiler lehnte und träumerisch in die Abend- landschaft hinausstarrte.Wer noch einmal jung wäre," seufzte er leise."

Herta blickte ihn verwundert an. Sollte er sich für zu alt halten, um sie zu werben, die sie doch nur wenige Jahre jünger ist als er?