Nr. 5.
Dienstag den 12. Januar 1886.
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für den
Zireis ßersfesö.
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Amtliches.
Bekanntmachung wegen Ausreichung der.Zinsscheme Reihe VII. zu den Prioritäts-Obligationen der Münster-Hammer Eisenbahn.
Die Zinsscheine Reihe VII. Nr. 1 bis 8 zu den Prioriläts - Obligationen der Münster - Hammer Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1886 bis 31. December 1889 nebst den Anweisungen zur Abhebung der Reihe VIII. werden vom 4. Januar k. J. ab von der Kontrolle der Staalspapiere hierselbst, Oranienstraße 92 unten rechts, Bormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jedes Monats ausgereicht werden. Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empiang genommen, oder durch die Regterungs- /^Hauptkassen, sowie durch die Kreiskasse in Frank- ^ sM a/M. bezogen werden.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Post- amte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher der Zinsscheinanweisungen eine numerirte Marke als Empsangsdescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzu- legen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheini
(Nachdruck verboten.)
Urelassen.
Novelle von F. S t ö ck e r.
(Fortsetzung.)
Stände nur nicht das blonde Weib neben Wal- dau und hätte er nur einmal wieder ein einzig freundlich Wort für sie. Als ahne er die Gedanken Angiolina's wandte Waldau jetzt das Haupt nach ihr. Eine Blutwelle stieg aus in seinem Antlitz, als er ihrem bangen, fragenden Blick begegnete. — Aber schon wendete er sich wieder seiner schönen Begleiterin, tzerta v. Steinbach, zu. Man ging heimwärts, die Abendnebel hüllten die Gegend in ihre feuchten wallenden Schleier; nirgends mehr leuchtete ein Sonnenstrahl.
„Darf ich Ihnen den Regenmantel umthun, Fräulein Angiolina, es wird kühl,* ertönt jetzt plötzlich eine Stimme neben dem jungen Mädchen, das in tiesem Sinnen verloren mechanisch den Andern solgte. Sie schaut in Heinrich v. Wulsens helle Augen. „Morgen heißt es scheiden, ich habe Briefe von meinen Eltern bekommen, die mich schleunig nach Hause berufen," sagte er, indem er sie sorglich in den grauen Mantel hüllt. „Wenn wir
-— uns Wiedersehen, dann ist's vorbei mit allem Träumen und Schwärmen, dann bin ich ein Bräutigam!* „Und gewiß ein recht glücklicher!* erwiderte das junge Mädchen lächelnd.
„Ich würde es sein, wenn ich Sie nicht gesehen hätte!"
„Herr von Wulfen!*
„Wenn ich jenen Morgen nicht einsam dort mit Ihnen gestanden," fuhr er leidenschaftlicher fort, „dort, wo die einsame Tanne sich so dunkel abhebt
gung versehen sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzial-Kassen beziehen will, hat derselben die Zinsscheinanweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Ver- zeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben, und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der PrioritätS- Obligationen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsschein- Reihe nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind, in diesem Falle sind die Prioriläts- Obligationen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittelst besonderer Eingabe einzureichen.
Schließlich machen wir darauf aufmerksam, daß in Zukunft 20 Stück Zinsscheine für einen Zeitraum von zehn Jahren und nicht mehr 8 Stück Zinsscheine für 4 Jahre werden ausgereicht werden und daß die den Zinsscheinen Reihe VII. jetzt beigegebene Anweisung zur Abhebung der Zinsscheine Reihe VIII. eine dementsprechende Fassung erhalten hat.
Berlin, den 18, December 1885».
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 2906. gez.: Sydow.
* . *
Cassel, den 30. December 1885.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die zur Empfang- nahme der neuen Zinsscheine nebst Zinsschein-An- Weisungen einzureichenden Anweisungen in unserem Bezirke bet der hiesigen Regierungs-Hauptkasse sowohl, als bei den sämmtlichen Steuerkassen unentgeltlich zu haben sind.
Königliche Regierung. Magdeburg.
C. I. K, 5978.
von dem grauen Abendhimmel; wie oft bin ich seitdem allein da hinausgewandert und habe geschwärmt, an Sie gedacht, ja sogar Verse habe ich gemacht, darf ich Sie Ihnen geben, Fräulein Angiolina?*
„Nein,* erwiderte diese kurz, „ich gäbe Jahre meines Lebens darum, könnte ich den Morgen ungeschehen machen."
„Eine so herbe Erinnerung ist er Ihnen?* fragt Wulfen fast traurig.
„Nicht Ihretwegen, nein, ganz gewiß nicht, aber mein Vormund, er —*
„Angiolina, willst Du nicht etwas schneller gehen!" tönt da plötzlich Waldau's Stimme scharf zu ihnen herüber.
Das junge Mädchen wird dunkelroth, sie hat es nicht bemerkt, daß sie eine ganze Strecke hinter der übrigen Gesellschaft zurückgeblieben. Waldau erwartete sie an einer Kreuzung des Weges.
„Du scheinst müde, ich werde Dich führen,* sagt er kurz, indem er Angiolina's zitternde Hand auf seinen Arm legt. Ein finsterer fast verächtlicher Blick streitt dabei den jungen Mann. Dieser beeilte sich in die Nähe seiner Cousine zu kommen, damit er nicht deren Zorn auch noch auf sich lade.
Wie oft war Angiolina am Arme ihres Vormundes durch den heimathlichen Wald gegangen, warum ist es ihr nun heute, als wäre es ein wildfremder Mann, der sie da durch die feuchten Abend- nebel führt?
„Ich störte wohl eine ungemein interessante Unterhaltung?* fragte er jetzt spöttisch.
„Durchaus nicht,* erwiderte das junge Mädchen gereizt, „sie war schwerlich so interessant wie —* sie stockt plötzlich.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß zufolge Erlasses des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 9ten d. M. in dem Regierungsbezirke Cassel in Zukunft nur die Aichungsämter in Cassel und in Fulda zur Aichung von Waagen jeder Größe befugt sind. Dagegen ist die Befugniß der Aichungsämter zu Eschwege, Hanau, Marburg und Witzenhausen auf die Aichung von Waagen mit einer Tragfähigkeit bis zu 10000 kg und die Befugniß aller übrigen zur Aichung von. Waagen berechtigten Aichungsämter auf die Aichung von Waagen mit einer Tragfähigkeit bis zu 2000 kg beschränkt worden.
Cassel, den 30. December 1885.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1886 eine Ermittelung des Erndte- ertrags für 1885 statt, welche den Zweck verfolgt, durch direkte Umfrage möglichst zuverlässige Angaben über die 1885 wirklich geerndtete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Aufnahmen in den jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirth- schaftlichen Vereine sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden und berechtigt uns zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Erndte-Ergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als sonstige sachkundige und erfahrene Männer wie Landwrrthe und ansässige Ortseinwohner ihre thatkräftige Mitwirkung in den bezüglichen Schätzungs-Kom- Missionen nicht versagen werden.
Cassel, den 23. December 1885.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Berlin, den 5. Januar 1886.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 4. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 14. d. Mts.
„Nun wie?*
„Wie Deine mit Frau v. Steinbach," kam es trotzig von ihren Lippen.
Waldau biß die Zähne aufeinander. Solche Sprache hatte sich sein Mündel noch nie gegen ihn erlaubt. Er erwiderte kein Wort, nur einmal ehe sie das nahe Ziel ihrer Wanderung erreicht, beugte er sich herab zu ihr und schaute forschend in das schöne, erregte Antlitz mit der Zornesröthe aus den Wangen.
Am anderen Tage hatte sich der größte Theil der Sommergäste am User des Sees zusammengefunden, das Dampfschiff abfahren zu sehen, welches mehrere Reisende entführte.
Auch Heinrich von Wulfen zählte zu den Abreisenden. Er stand neben Wally, welche trübselig in die Wellen schaute. JhrLetter hatte konsequent sein Geheimniß bewahrt und das junge Mädchen nahm an, daß es ein Abschied für's Leben war, als sie jetzt Heinz Bertram die zitternde Hand zum letzten Lebewohl reichte, sie hauchte zwar „Aus Wiedersehen*, aber sie glaubte nicht daran, Thränen schimmerten in ihren blauen Augen. Jetzt wendete sich der Reisende zu Angiolina; die sentimentale Stimmung des gestrigen Abends schien er glücklich überwunden zu haben. „Mir blühet diese Rose nicht!" Mit diesen Worten hatte er sich in den Schlaf gesungen, um dann von — Wally zu träumen.
„Aus baldiges Wiedersehen, Fräulein Angiolina," sagt er jetzt bedeutungsvoll lächelnd.
„Auf Wiedersehen!* erwidert sie fröhlich, „ge- witz sehen wir uns wieder!"
Die alte kindliche Schalkhaftigkeit, die ihr in den letzten Wochen fast abhanden gekommen, leuchtete