Nr. 1
für den
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Kreis Ijersfesö
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Amtliches
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß für die Rettungsanstalt zu Hof Reith bei Schlüchtern im Jahre 1886 wiederum eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den evangelischen Einwohnern im Regierungsbezirk Cassel — mit Ausschluß des Kreises Rinteln — sowie im Stadtkreise Frankfurt a/M. durch polizeilich zu legittmirende Collectanten veranstaltet werden darf. Easfel den 18. December 1885.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Der Herr Minister des Innern hat dem Verein für Hinderniß-Rennen in Berlin unterm 5. d. Mis. die Erlaubniß ertheilt, im Monat April nächsten Jahres eine öffentliche Verloosung von Pferden, Equipagen 2C. zu verunstalten und die betreffenden
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
^Der Herr Minister des Innern hat unterm 3. A Mts. dem Union-Klub in Berlin die Erlaubniß »rtheilt, für die Zwecke desselben im nächsten Jahre feine in drei Serien zerfallende Lotterie, zu welcher
deutsche Volk das BedüMlß^emvfmdet, diesen Tag in festlichen Kundgebungen der Dankbarkeit und Freude zu begehen, so bedarf dies wahrlich keiner Rechtfertigung: denn die fünfundzwanzig Jahre dex Regierung seines Königs und Kaisers 'im Ganzen 300 000" Loose ä 1 Mark ausgegeben sind eine Glanzperiode der preußischen und werden dürfen, nach Maßgabe des vorgelegten Ver- deutschen Geschichte überhaupt, die die Vergangen- loosungs-Planes zu veranstalten und die betreffen- ; heit weit überstrahlt und deren Licht auch noch den Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu die fernste Zukunft erleuchten und erwärmen wird.
vertreiben.
Cassel, den 15. December 1885. Aber für die Gegenwart bedarf es kaum einer
KönWche Regierung, Abtheilung des Innern. ! besonderen Veranlassung zur Erinnerung an die
(Nachdruck verboten.)
Verlassen.
N Novelle von F. S t ö ck e r.
(Fortsetzung.)
Mschast trennte sich jetzt. Waldau wan-
■einer Schwester, Herta und Angiolina IM-Wald zurück nach dem Forsthause.
MW^giebt Lenzestage oft noch im Spätherbst » Lebens!" flüsterte ihm Herta verheißungsvoll Um Abschied zu.
^Es wurde Winter und wieder Sommer, fein Dreiguiß unterbrach den Gleichlauf der Tage, flerta war ein häufiger Gast im Schlosse und auf oem Forsthause, und schließlich war auch wohl Niemand mehr im Zweifel darüber, was für ein Magnet die schöne Frau in dieser Waldeinsamkeit liLsthielt^— Auch dem Oberförster war es klar, daß ei ihm nur ein Wort kostete, und die einst so Heißgeliebte war sein. Und doch zögerte er das Wort auszusprechen. Sein Herz war getheilt, auch Angiolina hatte ein Anrecht darauf. „Habe mich lieb immer und immer," halte sie einst, in Schmerz aufgelöst, am Sarge ihres Vaters zu ihm gesprochen. Sie konnte ihn so traurig fragend anblicken, wenn ^r Mit Herta vertraulich plauderte, daß es wie ein Mahnruf durch seine Seele ging; jetzt nicht, sprich es noch nicht das bindende Wort.
Herta schien endlich der verlorenen Liebesmühe müde zu werden. Sie klagte über Einförmigkeit, über Langeweile, sie wollte reisen.
„Auch Sie müßten hinaus in die Welt, sagte sie eines Tages zu Waldau, „andere größere Lebensanschauungen gewinnen. Das Leben hier ist doch
Hersfeld, den 31. December 1885.
Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises haben mir bis zum 1 5. I a n u a r k. I. über die Erfahrungen hinsichtlich der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen während des Jahres 1885 in tabellarischer Form unter Aufstellung nachstehender Rubriken Bericht zu erstatten:
1)
2)
3)
4)
5)
f 6)
7)
8)
Zahl der durch die amtlichen Beschauer untersuchten Schweine;
Zahl der trichinös befundenen Schweine;
Angabe der Gemeinden 2e„ in denen sich trichinöse Schweine befanden;
Zahl der trichinösen Schweine in den einzelnen Gemeinden;
Zahl der trichinös befundenen amerikanischen Speckseiten und sonstigen Fleischpräparate; Zahl der finnig befundenen Schweine; Zahl der amtlichen Trichinenbeschauer;
. Name und Wohnort derselben.
13655. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
# Zum Regierungsjudiläum des Kaisers.
Fünfundzwanzig Jahre sind seit dem Tage verflossen, an welchem Kaiser Wilhelm nach dem intritLi ' * LrMm .....am Kömgs,
riedrich;
als König übernahm
elm
ßische und
nur aus kleinen Dingen zusammengesetzt."
„Und glauben Sie denn, daß es da draußen in der Welt aus größeren Dingen besteht ?" fragte Waldau. „Es bleiben immer und überall kleine Kreise, in welchen wir uns bewegen. Das Interesse am Kleinen hält eben Welt und Menschen zusammen. Wollten wir stets nur nach den höchsten Dingen streben, wir würden daran zu Grunde gehen, die Welt würde aus den Fugen kommen."
„Es gibt aber doch Menschen, die nur nach dem Höchsten gestrebt und auch Hohes erreicht haben."
„Zu diesen bevorzugten Menschen gehöre ich eben nicht," war Waldau's bescheidene Antwort.
Wenige Tage nach diesem Gespräch war Herta davon gereist nach München, nach den Alpen, nach Italien. „Ich weiß es kaum wohin, die Welt ist weit," hatte sie mit zitternder Stimme beim Abschied gesagt. Auf ihren Wangen hatte es wie Fiebergluth gelegen, in den Augen wie Thränen geschimmert.
„Sie kehren doch zu uns zurück?" hatte Waldau gefragt."
„Ich weiß es nicht, vielleicht!"
„Vorwurfsvoll hatte sie zu ihm aufgeschaut. Warum hast Du nicht versucht mich für immer festzuhalten? schien ihr Blick zu fragen. Um seine Lippen hatte es eigen gezuckt, sollte er es sprechen das entscheidende Wort? Nur ein, „bleibe hier, Herta!" hätte vielleicht genügt.
„Addio, auf Wiedersehen!" rief eine fröhliche Stimme. Es war Angiolina, ihre dunklen Augen strahlten in heller Freude. Die Frau, die sie haßte, sie ging ja nun, nie mehr würde ihr kalter Blick sie streifen.
Waldau sah in das strahlende Antlitz des schönen
geschichtliche Bedeutung dieser denkwürdigen Zeit: denn wir leben in ihr, wir genießen ihre Früchte und überall und zu jeder Zeit, wo wir des Kaisers in Ehrfurcht gedenken, tritt uns die ganze Bedeutung seines geschichtlichen Wirkens vor die Seele und bei jeder Gelegenheit erscheint uns in dem Namen des Kaisers Wilhelm das Bild des großen Herrschers verkörpert, der sein Volk glücklich gemacht, Deutschland geeinigt, das Heer zu den glänzendsten Siegen geführt hat und als sorgsamer Hüter des Friedens in Weisheit die Geschicke des ererbten und neugeschaffenen Staatswesens lenkt. Auch ist, was Kaiser Wilhelm für Preußen und Deutschland gethan, zu tief in den Blättern der Geschichte und in den Herzen seines VolkeI^eingegraben, als daß die gegenwärtige festliche Veranlassung, welche der fünfundzwanzigjährigen ReUerungszeit des Kaisers gilt, eine Herzählung ferner Großthaten erforderlich machte: wie wäre es allÄ. möglich, diese in einem kleinen Bilde zusammenzuWi^ und sie in ihrer ganzen unermeßlichen Bedeutung in kurzen Zügen angemessen zu würdigen?
Nicht um die Erinnerung an Kaiser Wilhelms segensreiches Wirken zu beleben, feiern wir das Regierungsjubiläum: für das preußische und deutsche Volk ist die fünfundzwanzigjährige Wiederkehr des Tages seines Regierungsantritts ein neuer Beweis der reichen Gnade, welche der Allmächtige unserem greisen Herrscher und durch ihn unserem Volke M ,m Peil werden lassen .
seines ^Kaisers entsprechend — diesen TSg vor allem mit einem Dank gegen Gott für den gesegneten Verlauf der bisherigen Regierungszeit Seiner Majestät. Deshalb ertönt auch in dem ganzen Lande das „Lobe den Herrn, der alles so herrlich regieret," der unseren Kaiser so „sichtbar gesegnet" und das deutsche Volk in so viel Noth und Drangsal „freundlich geleitet."
Aber mit diesem Dank gegen Gott verbindet sich an dem heutigen Tage auch die Pflicht besonderer Dankbarkeit für den Herrscher, der in der Erfüllung seines Berufs nicht müde geworden ist, und dessen Hand fünfundzwanzig Jahre^
Kindes und er folgte Herta nicht. Er ließ die Jahre an sich vorübergehen, ohne einen Athemzug zu thun in einer anderen Welt, als in der seines Waldes.
Heller Frühlingssonnenschein lag über Wald und Feld und lockte überall die ersten zarten Knospen und Blüthen hervor. Auch im Park der Wulfen- schen Besitzung drängte sich an Baum und Strauch das erste zarte junge Grün heraus, und der duftende, erquickende Frühlingshauch erfüllte die Luft.
Auf der Terrasse vor dem Schlosse saßen zwei junge Mädchen. Der ganze Frohmuth der Jugend leuchtete in den dunklen Augen der einen der beiden jungen Mädchen, noch hatte ihre Erscheinung das lieblich knospende, unentwickelte, halb kindliche, halb jungfräuliche, aber die-cholden Züge, die zarten Formen, sie lassen viel kommende Schönheit ahnen.
Es ist Angiolina, sie ist jetzt sechszehn Jahre alt und ihre Erziehung so ziemlich vollendet. Wally von Wulfen, die andere junge Dame, ist ein kränklich aussehendes bleichsüchtiges Mädchen, das Angstkind ihrer Eltern. Die Mädchen sind allein, und ihre Unterhaltung dreht sich, trotz ihrer Jugend, schon um Herzensangelegenheiten. Wally hat gestern ihren siebzehnten Geburtstag gefeiert, ihre Eltern haben ihr an diesem wichtigen Tage die Eröffnung gemacht, daß man im Familienrath über ihr Schicksal bestimmt und einen Vetter von ihr zu ihrem künftigen Gatten erwählt, damit die Wulfen'schen Güter nicht in andere fremde Hände kämen. Im Herbst wurde der Bräutigam Heinrich von Wulfen auf dem Schlosse erwartet. Vorher sollten jedoch die beiden jungen Mädchen zur Kräftigung von Wally's Gesundheit, endlich einen län«