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Nr. 141

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Sonnabend den 29. Dezember k

DasKreisblatt" erscheint wöchent» jtcb dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Psg. pro Quartal.

für den

Kreis ^erssefö.

Bekanntmachung»»: aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar» mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.

Abonnements-Einladung.

Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende

Kreisblatt für den Kreis Kersfeld.

Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Qnartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der vierteljährliche Abonnementspreis für dasKrers- blatf' mit der wöchentlichen Beilage^ry: vinzial - Corrcspondenz" beträgt 1 Mark 40 Pfa.

Inserate haben, da dasKreisblatt" die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile ' oder deren Raum 10 Psg.

Ren hinzutretenden Abonnenten wird das Kreis­blatt vom Tage der Bestellung an bis 1. Januar gratis und tranca zugesandt.

Die Expedition.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 27. Dezember 1883.

Nachdem Seitens- eines großen Theiles .ber Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises die Ausfüllung der Formulare (A.) über die Er­mittelung der landwirthschaftlichenBodenbenutzung im Jahre 1883 so mangelhaft bewirkt worden ist, daß sich das Königliche statistische Büreau zu Berlin veranlaßt gesehen hat, mir das gesummte diesbezügliche Material zur nochmaligen eingehen­den Prüfung zurückzufchicken, so werde ich die betreffenden Formulare den Herren Ortsvorstän­den zur vollständigen Ausfüllung in aller Kürze übersenden, und haben dieselben solche nach Erledigung der diesen Formularen beiliegenden Bleistift-Bemerkungen nur u n f e h l b a r b i s z u m 8. Januar 1884 Nachmittags 2 Uhr bei

Meidnng der Zusendung eines Strafboten wieder einzusenden.

16167. Der Königliche Landrath Freiherr von B r o i ch.

# Das deutsche Hotk8thum und feine nationafe Zukunft.

II.

Die vier deutschen Cardinal-Untugenden un­praktischer Idealismus, Pedanterie, übertriebener Formalismus und große Formlosigkeit sind es, welche die Parteien, vornehmlich den Liberalismus, auf falsche Bahnen und, letzteren in eine für den nationalen Staat gefährliche Gegnerschaft gegen die bestehende Staatsgewalt bringen. Der unprak­tische Idealismus führt den radicalen Liberalismus zu einem übertriebenen Cultus der Freiheit, über welchen er die realen Bedürfnisse der nationalen Einheit vergißt.Durch den gehässigen Kampf um ein geringes Mehr oder Minder an politischen Rechten, oft nur um den Schein von Freiheit, untergraben die Radicalen die für die nothwendige Staatseinheit unerläßliche Kraft und Autorität der Staatsgewalt." Dabei ist, wie der liberale Verfasser gewiß mit Recht sagt,die ganze Fabel von der Reaction, soweit sie nicht mit bewußter Böswilligkeit als Waffe dient, nichts als kindische Vorstellung des deutschen Philisterthums." Eine unbefangene Prüfung der von jener Seite aus­gehenden Beschwerde zeigt, daß wir hier fast überall wie deutsche Pedanterie und den Formalismus des Urtheils vor uns haben, der sich an die herkömm­liche Schablone klammert und seine Philisteran­schauung für das Maß der Dinge hält. Der heutige Liberalismus ersetzt die objective, wahrhaft politische Untersuchung der ihm vorgelegten, auf dem Gebiete praktischer Politik sich bewegenden Probleme meist durch ein schnell verurtheilendes Schlagwort, die Opposition gegen die Regierung gilt ihm als etwas verdienstvolles; er triumphirt, wenn dieRegierung" ein Fiasco macht, und Nie­mand denkt daran, daß die Regierung doch nur die Sache der Nation führt.In den Parla­menten herrscht das Geschwätz, in der Nation die Nörgelei" unbekümmert um die Gefahren, welche

dem Vaterlande in Zukunft drohen können, über die man sich mit Sorglosigkeit und Optimismus hinwegsetzt.

So steht das deutsche Volk dem Staatsmanne gegenüber, dessen Geist und Charakter nichts von den verderblichen Schwächen der Nation, nichts von dem unpraktischen, schwärmerischen Idealismus, von dem starren Formalismus und von der pe­dantischen Kurzsichtigkeit in sich trägt, sondern der das Werk der deutschen Einigung vermöge seines Verständnisses für concrete reale Dinge, seiner practischen Vorurtheilslosigkeit und echten Freiheit des Gedankens vollzogen hat. Aus denselben Eigen­schaften heraus ist seine innere Politik, die nach dem Zeugniß des liberalen Verfassers auch von seinen bisherigen Gegnern (außerhalb des Parlaments) immer mehr für richtig und nothwendig gehalten wird, erwachsen, abersein durchdringender und rascher Geist sieht sich mit jedem großen Gedanken dem deutschen Formalismus, dem unleidlichen Philistersinne und der Pedanterie gegenüber."

Diese Lage der Dinge kann den Patrioten eut- muthigen.Allein es bleibt doch noch eine muthige Schaar, die den Kampf für und gegen die Nation, gegen den Dämon im eigenen Innern immer von Neuem beginnt, so oft auch die Hoffnungslosigkeit die einsamen Kämpfer anwandelt. An ihrer Spitze steht wiederum der Mann, welcher den meisten Grund hätte den Muth zu verlieren, weil Niemand1 so sehr wie er es erfahren hat, aus welch'dürftigem \ Stoff seine Nation gemacht ist. Aber Fürst Bis- \ mura" bleibt, seinem Wahrspruch getreu, am Platz r und verliert nicht den Glauben an das Volk, ob- ' wohl schwerlich irgend Jemand klarer über die 4 Fehler desselben ist wie er." Wie er trotz hundert­facher Enttäuschung nicht verzagt, sondern weiter hofft und in der Arbeit um die Nation sich ver­zehrt, auch wenn es eine Sisyphusarbeit ist, so dürfen auch Andere nicht verzagen, daß eine Heilung der Gebrechen möglich sei.

Der Weg ist schwierig, wenn er sich auch aus den Fehlern klar ergibt: durch Erziehung ist am zukämpfen gegen die leidige Angewohnheit des Raisonuirens über die Welt und allerlei Ideale, die fortwährend auf der Bierbank, wie selbst and)' beim Branntweinglase erörtert werden, und der

Zerfährt!

Von E »o a l v A u g u it König.

(Fortsetzung.)

Wollen Sie nicht so freundlich sein, in Gegen­wart dieses Herrn sich etwas deutlicher zu er­klärend" fuhr der Schreiber zornig auf.Sie sprachen von einem Vorfall imEnglischen Hof", ich verstehe diese Andeutung nicht"

Sie verstehen Sie nach meiner Ueberzeugung sehr wohl", fiel Romberg ihm in's Wort,könnte ich nur einen einzigen Beweis finden, dann ließe ich Sie ohne Erbarmen noch in dieser Stunde verhaften

Und diese Sache werden wir zur Sprache bringen, wenn Ihr weiteres Verhalten uns nöthigt, Sie dem Staatsanwalt anzuzeigen", fügte Faber in drohendem Tone hinzu.Wir werden dann erfahren, woher Sie das Geld zur Reise nach der Residenz genommen haben."

Das kann ich Ihnen jetzt schon sagen", erwi­derte der Schreiber,meine Mutter streckte es mir vor. Sie haben keine Ahnung von dem strengen Rechtsgefühl dieser Frau, bisher hielt ich sie da­von ab, der Behörde Anzeige von Ihrer Rückkehr zu machen und Ihnen Unannehmlichkeiten zu be­reiten, nun aber werde ich es nicht mehr thun."

Faber war dicht vor ihm stehen geblieben, sein zornglühender Blick haftete durchdringend auf dem eckigen Antlitz.

Ich hätte voraussehen können, daß Sie auch mir gegenüber zu Drohungen greifen würden", sagte er,glauben Sie aber nicht, daß ich mich dadurch einfchüchtern lassen werde. Sobald einer von JtzAN. Sie oder Ihre liniier, irgend etwas

gegen mich oder die Commerzienräthin unternimmt, was geeignet ist, uns Unannehmlichkeiten zu be­reiten, werde ich den Staatsanwalt auf Sie auf­merksam machen und nicht ruhen, bis Sie hinter Schloß und Riegel sitzen. So, nun wissen Sie, auf welchem Fuße wir beide mit einander stehen, entfernen Sie sich und hüten Sie sich, meine -schwelle noch einmal zu überschreiten."

Ich bin überzeugt, daß Sie später noch einmal meinen Besuch wünschen und dann Ihre Worte bereuen werden", erwiderte Lange mit höhnischem Lächeln,das wichtigste Geheimniß nehme ich mit mir, Sie würden viel darum geben, wenn Sie es erfahren könnten."

Nicht einen Heller!" rief Faber, auf die Thüre deutend.

Sie werden später anders darüber denken!"

Hinaus l Vergessen Sie meine Warnung nicht, Sie gehören zu den ehrlosen Menschen, mit denen man kurzen Prozeß machen muß.

Der Schreiber nahm achselzuckend seinen Hut und verließ das Zimmer, die Beiden vernahmen deutlich das heißere, höhnische Lachen, mit dem er sich entfernte.

Sie haben seinen Haß herausgefordert", sagte Romderg,ich fürchte, daß er nun feine Droh­ungen aus führen wird."

Gerade das bezweifle ich", erwiderte Faber, der feine Ruhe rasch wiedergefunden hatte,dieser Mensch ist ein Feigling."

:Und gerade der feige Gegner ist der gefähr­lichste, denn er greift hinterrücks an, und alle Mittel sind ihm recht."

Bah, die Feigen haben nur den Muth, zu bel­len, aber sie beißen nicht. Uebrigens kann mir

auch Niemand etwas anhaben, seit jenem Vorfall sind vier und zwanzig Jahre verflossen, die Schuld ist verjährt."

Glauben Sie, daß er wirklich noch ein Geheim­niß besitzt, dessen Enthüllung Ihnen wünschens- werth fein könnte?"

Nein, worauf sollte es sich beziehen ?"

Auf den Vorfall, den Sie vorhin erwähnten. Es wäre ja möglich, daß Sie damals zu rasch und deshalb ungerecht gerichtet hätten."

Ich bin zu sehr vom Gegentheil überzeugt, als daß ich diese Möglichkeit gelten lassen könnte.

Und was gedenken Sie nun zu thun?"

Ich werde heute noch abreisen."

Zur Residenz?" fragte Nomberg in besorgtem Tone.

Jawohl. Ich kann dem Stürmen und Drängen in mir nicht länger gebieten, ich muß die Frau noch einmal Wiedersehen."

Sie beschwören Gefahren heraus"

Nicht doch, ich werde bei dieser Begegnung kalt und ruhig bleiben, ich bin sogar fest entschlossen, die Frau, die mein Glück vernichtet und mein Leben vergiftet hat, vor weiteren Verfolgungen zu schützen. Vielleicht findet sich eine Gelegenheit, mit dem Commerzienrath offen darüber zu reden, ich weiß das jetzt noch nicht, aber seien Sie versichert, daß ich nicht daran denke, eine unedle Rache zu üben."

Und was darf ich meinem Bruder schreiben?" fragte Romberg.

Meinetwegen schreiben Sie ihm Alles, was ich in dieser Stunde Ihnen gesägt habe, ich darf ! wohl erwarten, daß er seiner Braut gegenüber Verschwiegenheit beobachten wird. Und wenn Sie