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Donnerstag den 20. Dezember 1883.

Nr. 138. *

- Aras

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Psg. pro Quartal.

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Die Expedition.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 11. Dezember 1883.

.Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden zufolge gegebener Veranlassung unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 10. Februar 1882 Nr. 807 (Kreisblatt Nr. 12) beauftragt, darüber zu wachen, daß bei Beschlußfassungen der Gemeinde­behörden (Gemeinde-Rath und Ausschuß) in allen Fallen die betreffenden Beschlüsse alsbald in die beiderseitig zu führenden Protokollbücher ein­getragen und somit Unzuträglichkeiten vermieden werden.

15285. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Nach Aussage des Kreisthierarztes Herrn Schmitt ist. die sog. Räudekrankheit unter den

Aerjährt!

Von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

werde nichts behaupten, was ich nicht be­weisen kann," sagte Faber, indem er sich zur Thüre wandle,im klebrigen kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß die Vermuthung, die ich soeben aussprach, auch Don anderen Personen ge­theilt wird. Ich warne Sie noch einmal vor der vermeintlichen Goldgrube, sie wird sich nicht so ergiebig zeigen, wie Sie glauben."

Der Schreiber nahm die Kerze und begleitete ihn bis zur Hausthür, dann kehrte er in die Wohnstube zurück, in der seine Mutter noch immer mit den Aepfeln beschäftigt war.

Du hast ihm wirklich nichts gesagt ?" fragte er.

Mas sollte ich ihm sagen?" erwiderte sie mür­risch.Die Wahrheit gewiß nicht."

Hast Du ihm auch keine Andeutungen gemacht, die"

Nichts, nichts, er wollte mich ausforschen, aber keine Silbe habe ich ihm verrathen. Er bot mir Geld"

Wieviel?"

Danach habe ich nicht einmal gefragt, ich hasse ihn zu sehr, als daß ich ihm ein freundliches Wort gönnen könnte."

Bah, weshalb ihn hassen? Uns hat er nichts Böfes gethan" . ,

Aber das vergossene Blut schreit gen Himmel und jedes Verbrechen muß gesühnt werden," sagte die alte Frau, das graue Haupt erhebend und ihren Sohn anblickend.Sag' nicht, das Ver­brechen sei verjährt, kann das Gesetz auch den

hiesigen Schaafen als erloschen nicht zu betrachten.

Engelbach, den 16. Dezember 1883. #

_______Der Ortsverwalter Schesse r.

Unter den Schaafen hiesiger Gemeinde ist die Räudekrankheit ausgebrochen.

Lengers, den 17. Dezember 1883.

__Der Bürgermeister Deisenroth.

Unter der Schaafheerde des Schäfers Joh. Eich- ler dahrer ist die Räudekrankheit ausgebrochen. Mengshausen, den 19. Dezember 1883.

Der Vicebürgermeister König.

Unter den Schaafheerden hiesiger Gemeinde ist die Räudekrankheit ausgebrochen.

Harnrode, den 18. Dezember 1883.

___ Der Bürgermeister Wiegand.

Unter den Schaafen hiesiger Gemeinde ist die Räudekrankheit ausgebrochen.

Goßmannsrode, den 19. Dezember 1883.

_________ Der Bürgermeister Möhl.

Unter der Schaafheerde des Schäfers Johannes Wehnes dahier ist die Räudekrankheit ausgebrochen.

Asbach, den 19. Dezember 1883.

1 Der Bürgermeister Nuhn.

Die Reise des Kronprinzen.

Genua, 16. Dez. Nach allgemeiner Ansicht war der Empfang des Kronprinzen in Barcelona von allen ähnlichen in ganz Spanien der herzlichste und deren würdiger Abschluß. Wiederum fiel die große Zuvorkommenheit gegenüber der Geist­lichkeit auf. Begeisterte Volkshaufen umdrängten den vom Stadthause nach der Kathedrale zu Fuß gehenden Kronprinzen und trennten ihn von seinem ganzen Gefolge. Samstag 5 Uhr Nachmittags war die Einschiffung unter Salutschießen, um 6 Uhr die Abfahrt. General Los ist auf demAdal- bert" zum Gefolge hinzugekommen, die übrigen Personalien sind unverändert. Das kronprinzliche Geschwader verlassend, schwenkte dieLoreley" alsbald nach Malta ab. Es herrschte Mond- schein, Windstille und warmes Wetter. Durch­schnittlich liefen wir 14 Seemeilen die Stunde. Um Mitternacht erreichten wir den Löwengolf

Verbrecher nicht mehr bestrafen, so muß das Volk es thun."

Jacob Lange stand, die Arme auf der Brust gekreuzt, am Ofen und schaute seiner Mutter zu, ein spöttisches Lächeln umzuckte seine Lippen.

"Das Volk?" wiederholte er.Es wird sich wenig um die Geschichte kümmern, und uns Beide geht sie auch weiter nichts an. Ziehen wir unsern Vortheil daraus, das ist das Klügste, was wir thun können. Hängen wir die Geschichte an die große Glocke, so wird er ja Alles erfahren, was er zu wissen wünscht, und das Geheimniß verliert dann seinen Werth für uns."

Das Geheimniß wird Dir nicht viel einbringen." Tausend Thaler hat Madame schon gezahlt." Es ist L-ündengeld."

Weshalb?"

Die arme Frau konnte nicht anders handeln und in meinen Augen hat sie kein Verbrechen begangen. Ist es nicht unrecht, sie nun mit Droh­ungen zu verfolgen ?"

Darüber denke ich anders, Mutter; ich habe sie gewarnt und ihr meinen Rath und Beistand angeboten."

Und Du wirst ihr Beides geben?"

Wenn sie die Dumme zahlt, die ich gefordert habe."

Hast Du noch nicht genug?" fuhr sie zornig auf.

Ich mach's, wie Du, ich nehme, was ich be­kommen kann. Und auf die Dauer kann ich Ma- dame doch nicht schützen, Faber will selbst in die Residenz, er ist mit dem Eommerzienrath befreun­det, er wird ihn besuchen, und was das Schlimmste ist, er ahnt die Wahrheit bereits. Irgend Jemand

und das Schiff machte bei einfallender Nordbrise starke seitliche Schwankungen. Wir hatten Wind­stärke und bei dem starken Schlingern viele See­kranke. Der Kronprinz war nicht seekrank, blieb aber bis mittags zu Bett, und auf eine nachhaltige Ruhe hatte er allerdings nach den Strapazen der spanischen Reise allen Anspruch. Das schlechte Wetter dauerte bis Samstag 4 Uhr nachmittags, als zuerst die Alpen in Sicht traten. Nunmehr war die Fahrt längs der Riviera ruhig. Der Kronprinz speiste, ergangener Einladung folgend, in der Officiersmesse und toastete auf das Offi- cierscorps. Heute Sonntag 10 Uhr morgens liefen wir in den Hafen von Genua ein. Das italienische Panzerschiff Roma war uns zwölf Seemeilen heraus entgegengekommen und hatte Salut befeuert, Duilio und Margherita feuerten Salut im Hafen. Die Matrosen riefen dreimal Hurrah. Alle Kauffahrer trugen Flaggenaala; am Ufer waren Truppen in Parade aufgestellt. Der Kronprinz, in Dragoner-Uniform, empfing die Behörden an Bord. Die Ausschiffung erfolgte 11 Uhr 25 Min. Der Kronprinz hat Wohnung im königlichen Schloß bezogen. Die Begeisterung der Bevölkerung ist geradezu ungeheuer. Um 11 Uhr nachts erfolgt die Weiterfahrt mit einem Sonderzug, den der italienische Staat stellt. Die Abreise von Rom erfolgt spätestens am 21., die Ankunft in Berlin spätestens am 23. Dezember. Die Reise des Kronprinzen nach Rom gilt offiM dem Könige, als ein Ausdruck des Dankes für die gastfreundliche Aufnahme, welche der Kronprinz in Genua gefunden hat, und nicht dem Papste. Daß der Kronprinz auch dem Papste einen Besuch machen wird, steht allerdings fest, wenn auch der Tag noch nicht bestimmt ist. Der Kronprinz wird dem Papste bei der Begrüßung sagen, er könne den Wohnsitz zweier Souveräne, die zu Deutschland in freundschaftlichen Beziehun­gen stehen, nicht berühren, ohne beide zu besuchen. Dem Besuche beim Papst wird ein Besuch beim Staatssecretär Jacobini folgen, und der lchtere wird einen Gegenbesuch machen. Daß der Papst selbst einen Gegenbesuch mache, ist angeblich nie vorgekommen. Die bisherigen Verhandlungen

muß ihm Mittheilungen gemacht haben, aus seinen Aeußerungen ging dies hervor, in der Residenz wird er Alles erfahren und dann ist die Frau verloren."

Er kann ihr nichts anhaben."

Wenn der Staatsanwalt die Geschichte erfährt, kommt die Frau in's Zuchthaus."

Das wäre wirklich heiter," sagte sie mit schnei­dendem Hohn.Der Mörder geht frei aus und eine schuldlose Frau soll für die Sünden eines Andern im Zuchthaus büßen. Du wirft sie vor diesem Schicksal bewahren, ich verlange es! Du weißt, daß die Frau damals schuldlos war, und daß die Verhältnisse sie zu der zweiten Ehe zwangen, hat sie dabei sich gegen das Gesetz ver­gangen, so kann sie d'rum doch nicht bestraft werden."

Jedes Verbrechen gegen das Gesetz ist straf­fällig," erwiderte der Schreiber, der in Nachdenken versunken war,und kommt die Wahrheit an den Tag. dann kann ich Madame nicht mehr schützen."

Dann wirst Du selbst in der Patsche sitzen. Du hast die Frau durch Drohungen gezwungen, Dir bedeutende Summen zu zahlen."

Mach' mir den Kopf nicht noch wärmer, als er schon ist! Ich denke eben darüber nach, was ich thun soll, um noch größeren Nutzen aus der Geschichte zu ziehen. In der Residenz wird Faber Alles erfahren, ich könnte es ihm vor seiner Ab­reise berichten und eine namhafte Summe dafür fordern."

Wenn Du das thätest, wären wir Beiden für immer mit einander fertig!" fuhr die alte Frau auf.

(Fortsetzung folgt.)