ehemaligen Staatsschatzes für 1. April 1880/81 Zur Beschlußfassung zugegangen.
Zu dem Etat des Hauses der Abgeordneten ist folgender, vom Gesammtvorstande des Hauses unterzeichneter Antrag eingegangen: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Unter- Wiederholung der Resolution vom 2. März 1882 ad„l/5 und im Verfolg des Antrages vom 3. März 1883 die Königliche Staatsregierung auf- zufordern, die Vorbereitung zum Bau eines neuen Geschäftsgebäudes des Hauses der Abgeordneten nunmehr endlich dergestalt zu fördern, daß jedenfalls noch im Laufe der gegenwärtigen Session dicBauausführung, insbesondere durch Bestimmung des Bauplatzes, sicher gestellt wird.
, Wie die „Berl. Pol. Nachr." vernehmen, würde die Z u ck e r st e u c r - E n q u e t e - K o m m i s s i o n erst gegen Mitte Januar zusammentreten köHen, da trotz aller Mühen der Referenten es nicht möglich gewesen ist, bei dem überreichen Material, das zu bearbeiten war, die Referate so rechtzeitig fertig zu stellen, daß sie den Mitgliedern zu dem von Anfang an in Aussicht genommenen Termin hätten zugehen können.
AuS Hessen-Naffau.
HerSfeld, 17. Dez. Dem Steuerempfänger Hecker dahier ist vom 1. October d. I. ab die Verwaltung der Forstkassengeschäfte der Obersörstereien Hersfeld, Neuenstein, Niederaula, Hersfeld-Süd und Hersfeld-Ost widerruflich übertragen worden.—Dem Steuerempfänger K o h l h a u s zu Frankenberg ist vom 1. Oktober d. I. ab die Verwaltung der Forstkassengeschäfte der Oberförstereien Frankenberg, Wolkersdorf und Rosenthal widerruflich übertragen worden.
* Daß das Rauchen in den Eisenbahn-Coupes, welche durch die Bezeichnung „für Nichtraucher" kenntlich gemacht sind, strafbar ist, zeigt die kürzlich erfolgte Verurtheilung eines Reisenden durch das Schöffengericht zu Solingen, bestätigt durch Urtheil der Strafkammer zu Elberseld; das Urtheil lautete auf eine Geldstrafe von 15 Mr., im Nichtzahlungsfalle auf Haftstrafe von zwei Tagen, weil der Angeklagte trotz des Widerspruchs von Mitreisenden in einem durch eine Tafel als für Nichtraucher bestimmten Coups geraucht habe. — Auch das Singen unanständiger Lieder in einem Coupe hat, dem „Actionär" zufolge, Veranlassung gegeben, daß zwei Reisende vom Schöffengericht zu Hagen zu je vier Tagen Gefängniß verurtheilt wurden.
* Der Procurist einer Handelsfirma ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Civilsenats, vom 6. November 1883 befugt, namens seines Principals dessen Mithaftung für seine (des Pro- curisten) eigene Schulden zu übernehmen, vorausgesetzt, daß nicht eine, die Schädigung des Principals bezweckende Collusion zwischen dem Procuristen und dem Gläubiger in Frage steht. Eine derartige Schuldübernahme muß aber von dem Procuristen in klarer Form für den Principal ausgesprochen werden, und es genügt nicht zur Begründung der Schuldübernahme die Thatsache, daß die Einträge in den Handelsbüchern des Principals die gedachte Schuldübernahme voraussetzen.
* Die Beamten der Marktpolizei, das heißt diejenigen Beamten, welche die Aufsicht über den Marktverkauf führen, sind nach einem Urtheil des Reichsgerichts II. Strafsenats vom 23. October 1883 im Geltungsbereiche des Preußischen Allgemeinen Landrechts zur Beschlagnahme gesundheitsschädlicher Marktartikel befugt, auch wenn strafbare Handlungen mit den betreffenden Artikeln nicht Hgangen worden sind. Zur Beschlagnahme genüg? die mündliche Erklärung des Beamten:
„Ich belege den Gegenstand mit Beschlag", ohne den Gegenstand an sich zu nehmen. Die Beiseiteschaffung eines derartig beschlagnahmten Gegenstandes ist als Entziehung aus der Verstrickung aus § 137 Strafgesetzbuchs zu bestrafen.
Caßel, 12. December. Im Kohlenbergwerk „Habichtswald" wurde vergangenen Montag der Bergmann Martin Neuß aus Hof durch Herabstürzen eines Kohlenstückes nicht unbedeutend beschädigt. Außer mehreren Quetschungen hat der Bedauernswerthe auch Contusionen im Rücken er= litten, so daß er nur unter Anwendung großer Vorsicht in seine Wohnung überführt werden konnte.
Caffel, 13. Decbr. Am 11. d. Mts. wurde auf der Strecke Gießen-Langgöns ein ca. vierzig Jahre alter, den besseren Ständen angehörender Mann von einem Schnellzuge der Main-Weser-Bahn Überfuhren. Man vermuthet in dem Unglücklichen einen Einwohner aus dem benachbarten Ochshausen.
Cass-l, 15. December. Bad Wilhelmshöhe kann auch in den Wintermonaten als Curaufent- Halt benutzt werden. Die Cur- und Wasserheilanstalt nebst Pension ist speciell auch für Wintercuren eingerichtet und bei den genügend bekannten Vorzügen der Anstalt ist dieselbe geeignet, allen Ansprüchen nach jeder Richtung zu genügen.
Cassel, 15. December. Heute Mittag gegen ‘/212 Uhr wollte Jemand bemerkt haben, daß eine am Friedrichsplatze vorüberziehende Zigeu- 'erbande daselbst ein fremdes Kind aufgegriffen, in den Wagen gesteckt habe und damit fortgefahren sei. In Folge auf der Polizei gemachter Anzeige setzten alsbald einige Schutzmänner der Zigeunerbande nach, holten sie in der unteren Königsstraße ein und nahmen eine genaue Revision der Wagen vor, das angeblich geraubte Kind wurde indeß nicht vorgefunden.
Hauan, 14. Dezember. In Wächtersbach sollen zwei Zigeuner, ein Mann und eine Frau, aufgegriffen und in Nummer Sicher gebracht worden sein, weil sie ein Kind mit sich führten, über welches sie sich nicht ausweisen konnten. Es soll dies das in Bamberg seit zwei Monaten fehlende 4jährige Büblein sein, auf dessen Wieder- bringung 1000 Mark Belohnung gesetzt wurden. Der kleine Junge soll, wie die „Hanauer Ztg." berichtet, sehr reducirt aussehen, sich auch nicht viel erinnern können, aus der Zeit von seinem Zigeunerleben, u. A. jedoch bemerkt haben, daß er noch einen andern Papa habe. Die beiden Zigeuner haben sonst keine Kinder bei sich, was vielleicht die Veranlassung zu dem Verbrechen gab.
Obernkirchen, 11. Decker. Wie gewöhnlich an Markttagen findet Abends in verschiedenen Wirthslocalen Tanzmusik statt, so auch gestern auf dem Rathskeller. Leider holte sich dort ein Bürger hiesiger Stadt, der Schneidermeister Krückeberg, den Tod. Von der Musiktribüne führt eine kleine Treppe auf einen kleinen Gang. Dieser Gang ist durch ein Geländer gegen eine tieferliegende Treppe geschützt. Wie nun K. die Treppe von der Musik- tribüne herabsteigt, tritt er auf den letzten Stufen fehl, fällt nach dem Geländer zu, über dieses hinweg auf die tieferliegende Treppe und zwar so unglücklich mit dem Kopf auf eine Kante einer steinernen Stufe, daß die Stirn eine klaffende Wunde zeigt. Nach zwei Stunden trat der Tod ein. Er hinterläßt eine Wittwe mit mehreren unmündigen Kindern.
Wabern, 13. Dezember. An dem Bau der Secundärbahn zwischen hier und Wildungen wird rüstig gearbeitet. Eine Maschine schafft auf mehreren Wagen das erforderliche Material vom hiesigen Bahnhöfe aus in der Richtung nach Fritzlar. Man hofft, daß bis zum 1. April nächsten Jahres der
Bau der Bahn vollendet sein wird. — Die vorzügliche Qualität der diesjährigen Zuckerrübenernte stellte den Actionären sehr hohe Procente in Aus- licht. Der Zuckerstoff ist ein so eminent reichhaltiger, daß 14 Tage lang alle übrige Arbeit sistirt werden muß, um den in Ueberfluß vorhandenen Saft kochen zu können. Die Campagne wird sich deshalb bis Ende März kommenden Jahres ausdehnen.
Erbenhauf-n (Kreis Marburg), 13. Dezbr. Landwirth Heinrich Bingel dahier hatte das Glück, an der Zwester Ohm eine Doublette in Fisch- Ottern zu schießen, eine dritte noch.anwesende Otter verschwand schleunigst. Der Marburger Fischereiclub lohnte den glücklichen Schützen mit 6 Mark Schießprämie für die beiden Fischräuber.
— Frankfurt, 11. December. Ein hiesiger Tanzlehrer beschloß im Einverständniß mit seinen Schülern und Schülerinnen, den Eltern einen vergnügten Nicolaus-Abend zu bereiten. Um den Nicolaus recht natürlich aufzuführen, wurde auch ein Esel aus Seckbach herbeigeholt. Alles ging gut. Mit außerordentlicher Mühe wurde der Langohr die Stiege empor zum Saale bezw. in ein Nebenzimmer gebracht und für die Vorstellung dressirt. Das Thier ließ sich Alles gefallen. Endlich kam der Moment, wo der Nicolaus in den Saal zieht. Der Seckbacher Esel ging anfänglich ganz fügsam. Plötzlich spreizt er die Beine, fing an zu schreien und geberdete sich wie rasend. Die Damen flüchteten sich auf Tisch und Stühle, die umfielen, wobei zwei Spiegel klein gingen. Toller und immer toller wurde das Thier, bis es endlich gelang, es aus dem Saale zu schleifen. Mancherlei Schaden war angerichtet worden; kurz, der Esel hatte den ganzen Nicolaus-Abend verdorben. Der Schaden, den er angerichtet, betrug über 300 Mark
— Die taube Braut. Folgende hübsche Episode bei einer Trauung wird aus einem Dorfe in der Nähe von Hoya berichtet: Ein 50jähriger Tagelöhner und eine 55jährige ehrsame Jungfrau waren zu dem wohlüberlegten Entschluß gekommen, ihre „Plünnen to hope to smiten", das heißt sich zu heirathen. Auf Schönheit konnten alle beide keinen Anspruch machen, und die glückliche Braut war zum Ueberfluß noch stocktaub. Die Trauung sollte vor sich gehen. Der würdige Prediger ermähnte das Paar, treu zusammenzustehen in Leid und Frepd und that dann die üblichen Fragen: „Johann Christian Diedrich W....., willst Du u. s. w. ..." Ein vernehmliches „Ja" hallte durch die Kirche. Darauf wandte sich der Geistliche zu der Braut, auf seine Frage aber wurde ihm keine Antwort. Er fragte nochmals — abermals schweigen. — Betroffen schaute der Prediger den Bräutigam an. „Je, Herr Pastor, se hört en beten swor", sagte dieser, und indem er seiner lieblichen Braut einen freundschaftlichen Rippenstoß gab, schrie er ihr ins Ohr: „Lischen, der Herr Pastor will weten, ob Du mi hebben wult!" — Da schlug sie die fromm zur Erde geschlagenen Augen zu ihm auf und rief ganz glückselig aus: „Ach, Keerl, wo geern!"
— Halberstadt, 15. Dezember. Heute Vormittag 11 Uhr brach in der hiesigen Gasanstalt Feuer aus; eine Retorte explodirte. Der Director Grischow und mehrere Arbeiter wurden verschüttet, man befürchtet, daß dieselben ums Leben gekommen sind.
— H a l b e r st a d t, 15. Dezember. Von den b:i der heute Nachmittag erfolgten Explosion eines Gasometers Verschütteten sind der Gasinspector und zwei Arbeiter todt, drei Arbeiter schwer verwundet. Die ganze Stadt ist noch von einer dunklen Rauchwolke eingehüllt.
Zagd-Werpachtung.
Die der hiesigen Gemeinde zu- stehende Iagdgerechtsame soll anderweit verpachtet werden und ist Termin hierzu auf
Sonnabend den 22. Dezember c.
Morgens 10 Uhr
in die Wohnung des Unterzeichneten anberaumt, wozu Pachtliebhaber mit dem Bemerken eingeladen sind, daß die Bedingungen im Termin bekannt gemacht werden.
Beiershausen, am 17. Dezember 1883.
Der Bürgermeister
Gömpcl.
Jagd-WerpaHtung.
Die der hiesigen Gemeinde zu- stehende Jagdgerechtsame soll i
A JW 5S U anderweit verpachtet werden und ist Termin hierzu auf
Mittwoch den 2. Januar 1884
Mittags 1 Uhr in die Wohnung des Unterzeichneten anberaumt, wozu Pachtliebhaber mit i dem Bemerken eingeladen sind, daß | die Bedingungen im Termin bekannt i gemacht werden.
Reckerode, den 11. December 1883.
Der Bürgermeister Weiershausen.
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