zur Rückreise eingeschifft. Die Bevölkerung empfing den Kronprinzen bei seiner Ankunft und der Fahrt durch die Stadt in ehrfurchtsvollster Weise und begleitete denselben brs zum Einschiffungsplatz mit sympathischen Kundgebungen. Die meisten Häuser waren festlich geschmückt. Die auf dem Bahnhöfe versammelten Deutschen brüten dem Kronprinzen bei seiner Ankunft stürmische Hochrufe aus.
Ueber die Festlichkeiten, welche während der^Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in Rom in Aussicht genommen sind, ist bis jetzt folgendes bestimmt: Am Tage nach der Ankunft des Kronprinzen findet großer Empfang bei Hofe statt. Abends Galabanket, zu welchem die Sprtzen der Behörden Einladungen erhalten haben, dann Zapfenstreich unter Fackelbeleuchtung. An: folgenden Tage Morgens ist auf den farnesinischen Wiesengründen Revue über ein Armeekorps; an der Parade werden theilnehmen 32 Bataillone, 12 Batterien Feldartillerie, 12 Eskadrons Kavallerie, ein Detachement der Genietruppen, ein Regiment Alpenjäger, eine Brigade Bergartillerie. Abends ist Galavorstellung im Theater Costanzi; falls der Kronprinz länger als 3 Tage in Rom bleibt, findet vielleicht noch eine Jagd in San Rosfore statt. Auch rst ein großer Empfang im Kapital rn Aussicht genommen. Die Munizipalität wird das Coloffeum, das Forum, die Fontana Trevi, die Piazza del Popolo und den Monte Pincio bengalisch erleuchten lassen. Das zum Empfang und zur Begrüßung des deutschen Kronprinzen nach Genua beorderte italienische Geschwader unter dem Befehle des Geschwaderkommandanten Mantese ist daselbst eingetroffen. Auf Befehl des Königs Werdensich der erste Ceremonienmeister, Graf Gianotti, der Generaladjutant General Carava und der Flügeladjutant Oberst Casati nach Genua begeben, um den deutschen Kronprinzen bei seiner Ankunft zu empfangen und nach Rom zu geleiten.
* Das deutsche Volksthum und seine nationale Zukunst.
Die traurige Thatsache, daß wir heute — zwölf Jahre nach der Gründung des deutschen Reichs — uns wieder in schweren Parteikämpfen befinden, welche für das Fortschretten der inneren policischen Entwicklung ein schweres Hemmniß sind, hat schon manchen Patrioten geschmerzt und in ihm ein Gefühl der Verbitterung und des Pessimismus hervorgerufen. Es ist, als ob die nationale Begeisterung der Kriegsjahre nicht lange vorgehalten hätte und als ob die alte nationale Zwietracht, die so lange der Einheit der Nation hindernd in den Weg trat, wieder bei uns eingekehrr wäre und uns daran hinderte, die uns mit der Begründung des neuen deutschen Staatswesens gewordenen Aufgaben zu lösen. Die Zwietracht besteht aber nicht mehr, wie früher, zwischen den einzelnen Stämmen, sondern zwischen den Parteien, deren Verhalten zu einander und zu der Regierung eine gesunde Weiterentwicklung hemmt. Man braucht nur die Frage
alten, haßerfüllten Frau überhoben zu werden.
„Ich irre wohl nicht, wenn ich vermuthe, daß die Erledigung der betreffenden Angelegenheit in der Residenz stattgefunden hat?" sagte er, während er sich in dem kahlen, dürftig ausgestatteten Raum umblickte.
„Worauf stützen Sie diese Vermuthung?" sagte der Schreiber, sichtbar erstaunt.
„Am Tage nach jenem Abend, an dem Sie mich sprechen wollten, sind Sie zur Residenz abgereist."
„Woher missen Sie das?"
„Aus zuverlässiger Quelle."
„Und was wollen Sie daraus schließen?" erwiderte Lange mit erzwungener Ruhe. „Jene Reise betraf eine persönliche Angelegenheit."
„Und zwar dieselbe, die Ihnen den Wunsch einer Unterredung mit mir nahe legte."
„Vielleicht," fuhr der Schreiber fort, indem er langsam sein spitzes Kinn rieb. „Hätten Sie mir damals die Unterredung bewilligt, so würden Sie jetzt nicht nur auf Vermuthungen angewiesen sein.
„Es wird wohl auch heute noch nicht zu spät fein, mir über jene Angelegenheit Mittheilung zu machen," sagte Faber, der seiner Ungeduld nur mühsam gebieten konnte. „Diese Mittheilungen betreffen jene Katastrophe, die mich zwang, meine Heimath zu verlassen —"
„Ueber jene Katastrophe weiß ich Ihnen nichts zu sagen, was Ihnen nicht bekannt wäre," unterbrach Lauge ihn.
„Sie können mir über das Schicksal meiner Frau Enthüllung machen - "
„Haben Sie nicht damqls Ihre Frau erschossen?"
„So glaubte ich, aber es war ein Irrthum, sie kam mit dem Leben davon."
der Steuerreform ins Auge zu fassen, um sich darüber klar zu werden, wie wenig erfreulich unsere innere politische Lage ist. Auf fast allen Gebieten herrscht seit geraumer Zeit ein Stillstand, weil die Kräfte sich gegenseitig lähmen und nichts Positives zu schaffen vermögen.
Dieses unerquickliche Bild der inneren Lage wird dadurch erhöht, daß wir auf der einen Seite den Staatsmann sehen, der in voller Kenntniß der Bedürfnisse des von ihm begründeten Staatswesens, getragen von dem Vertrauen und der dankbaren Verehrung des ganzen Volkes sich ab» müht, seine dem Wohle des Landes gewidmeten praktischen Ideen zu verwirklichen, daß aber auf der anderen Seite der Radicalismus sich immer breiter macht, mit Erfolg nach der Volksgunst hascht und dadurch an Ansehen gewinnt, daß die anderen Parteien sich zersplittern und eine jede sich goldene Brücken baut, die es ihr gestatten, sich zu nichts zu verpflichten und gegenüber den brennenden Fragen der Gegenwart reservirt zu halten. Die Phrase ist wieder mächtig geworden, Thaten sind nicht mehr zu entdecken, die Fraktionspolitik florirt; an Energie fehlt es der Mehrzahl der Parteien, und die dazu bereit und fähig sind, sind zu schwach dazu, weil sie nicht den nöthigen Rückhalt im Volke haben.
Diese Zustände sind im höchsten Grade bedauerlich und rufen in immer weiteren Kreisen eine ge- wissö Gleichgültigkeit gegen die Politik und gegen das Parlament hervor. Aber sie bewirken auch, daß aus dem Volke — nicht aus dem Parlament — Stimuten- laut werden, welche zu nachdrücklicher Ein- und Umkehr auffordern und nach Mitteln der Besserung suchen.
Eine solche Stimme ist ein soeben erschienenes, ziemlich umfangreiches Buch: „das Volksthum und seine nationale Zukunft",*) worin „ein Laie Betrachtungen über eine nationale und praktische Politik der Gegenwart anstellt." Der Verfasser, Amtsrichter Reinhold in Barmen, ist jüngst bereits in einer Zeitung mit einem Programm für die Reorganisation der nationalliberalen Partei an die Oeffentlichkeit getreten. Gegenwärtig hat er feine Ideen in systematischer Weise entwickelt. Er wendet sich hiermit nicht blos an die nationalliberale Partei, sondern an alle Parteien, an die ganze Nation, indem er ihr einen Spiegel vorhält und die in dem politischen Leben zu Tage getretenen Uebelstände des Näheren in ihren Ursachen unter- sucht. Es ist keine Parteischrift in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern ein Appell an das ganze Volk. Er geht darin mit allen Parteien ziemlich scharf ins Gericht, hauptsächlich aber mit dem Liberalismus, dem er vornehmlich die Schuld an der gegenwärtigen Lage der Dinge bei- mißt. (Schl. f.)
*) Minden i. W. I. C. C. Brun's Verlag. 1884.
politische Aachrichlen.
Am 14. Dezember hielt das Herrenhaus eine Sitzung ab und erledigte verschiedene kleinere
„Wer sagte Ihnen das?"
„Entdeckungen, die ich zufällig machte, lassen es mich vermuthen."
„Welchen Werth haben solche Vermuthungen?" sagte der Schreiber achselzuckend.
„Wollen Sie mir Gewißheit geben?"
„Nein."
„Ich würde Ihnen eine ansehnliche Summe zahlen."
Ein verächtlicher Zug glitt über das Gesicht des Schreibers.
„Abgesehen von allen andern Gründen, die mir nicht gestatten, Ihren Wunsch zu erfüllen, wäre dies Anerbieten auch zu wenig verlockend für mich," sagte er. „Es ist möglich, daß ich später mich noch einmal veranlaßt sähe, Sie um eine Unterredung zu bitten, heute aber habe ich Ihnen keine Mittheilungen zu machen."
„Ihre Weigerung dient nur dazu, die Nichtigkeit meiner Vermuthungen zu bestätigen," erwiderte Faber und sein Blick ruhte durchdringend auf ihm. „Sie waren in Der Residenz bei der Commerzien- räthin Seemann, um ihr zu berichten, daß ich zurückgekehrt sei. Leugnen Sie es nicht —"
„Ich leugne nichts und ich gebe auch nichts zu," fiel Lange ihm abermals in's Wort. „Ihre Vermuthungen können mir ja sehr gleichgiltig sein. Wie gesagt, hätten Sie an jenem Abend mich empfangen, so würde ich Ihnen Anerbietungen gemacht haben, auf die Sie jedenfalls eingegangen wären. Sie haben dies damals versäumt, und heute ist es zu spät. Gedulden Sie sich, vielleicht komme ich schon bald zu Ihnen, Sie werden mich dann wohl nie mehr zurückweisen."
„Dann dürfte es für Sie zu spät sein," sagte
Angelegenheiten, u. A. den Gesetzentwurf, betreffend den Austausch einiger Gebretstheile mit Württemberg, welcher ohne Debatte genehmigt wurde. Bezüglich der dem Hause zugegangenen Uebersicht der Verwaltung der fiskalischen Berg- und Hüttenwerke, Salinen 2c. für 1882/83 bittet Herr Stumm den Minister der öffentlichen Arbeiten mit Bezug auf dessen Verfügung in Betreff der Reorganisation der Knappschaftskassen, in die Autonomie der Knappschaftsvereine nicht weiter einzugreifen, als es das Reichs-Kranken- versicherungsgesetz unbedingt nothwendig mache.
Wie alljährlich, so entspann sich auch diesmal bei der am 14. d. Mts. stattgefundenen (16.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses begonnenen zweiten Besprechung des Etats des Ministeriums des Innern bei den „Ausgaben" eine lebhafte Debatte prinzipieller Natur. Dem sezessio- nistischen Wortführer Abgeordneter Rickert, welcher — wie später auch der Abgeordnete Richter — die zum Ueberdruß wiederholten Phrasen von „Partei- Regierung", „Beamten-Beeinflussung" und dergl. vorbrachte, ließ der Minister v. Puttkamer eine gründliche Abfertigung zu theil werden, indem er eine „Partei Regierung" in dem von Königen regierten Preußen als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichnete und das unentwegte Verharren der Staatsregierung auf dem für recht erkannten Wege hervorhob. Dem von fortschrittlicher Seite beanspruchten Patriotismus gegenüber erklärte der Abg. Frhr. v. Minnigerode, daß die Dynastie den Konservativen Sache des Herzens und nicht des Geldsackes sei, während der Abg. Graf Limburg- Stirum den preußischen Beamtenstand gegen die Angriffe des Abg. Richter energisch in Schutz nahm. In weit vorgerückter Stunde endete die Debatte, nach einer Reihe vielfach stark zugespitzter persönlicher Bemerkungen, mit Annahme des Titel 1 der „Ausgaben", worauf das Haus die Fortsetzung dieser Berathung auf den 17. d. 11 Uhr vertagte.
Die 5. Kommission für das Gemeindewesen, ist behufs Borberatyung des Antrages der Abgeordneten Dr. Straßmann und Zelle auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der Städte-Ordnung für die sechs östlichen Provinzen der Preußischen Monarchie vom 30. Mai 1853, durch folgende 7 Abgeordneten verstärkt worden: Kochhann, Hoffsümmer, Sommer, Hobrecht, Vygen, Wessel und Dr. Bierling.
Der erste Bericht der Kommission für Agrar- Verhältnisse über Petitionen ist im Druck erschienen.
Seitens des Finanzministers ist dem Abgeordnetenhause der Entwurf eines Gesetzes zugegan- gen, betreffend die Bestimmung des Zmsfußes für die nach einzelnen Gesetzen auszugebenden Staatsschuldverschreibungen.
Dem Abgeordnetenhause ist seitens des Finanzministers die allgemeine Rechnung über den Staatshaushalt des Jahres vom 1. April 1880/81, nebst den dazu gehörigen Anlagen, einem Vorberichte, den Bemerkungen der Oberrechnungs- kammer und der Rechnung über die Fonds des
Faber, der jetzt die Käuflichkeit dieses Menschen erkannt hatte und nicht gesonnen war, die voraussichtlich nutzlosen Handlungen fortzusetzen, „ich werde nicht mehr lange hier bleiben, und die Gewißheit, die ich zu erhalten wünsche, kann ich in der Residenz mir ohne weitere Mühe und ohne Kosten verschaffen. Sie mögen glauben, hier eine Goldgrube entdeckt zu haben, aber ich fürchte, daß Sie in dieser Erwartung sich getäuscht sehen werden."
„Ich glaube das allerdings," erwiderte der Schreiber sarkastisch, „Jeder verkauft seine Waare, so gut er kann, und Verschwiegenheit ist unter gewissen Umständen auch eine Waare, für die man einen hohen Preis fordern darf."
„Von Ihrem Standpunkte aus mögen Sie Recht haben, aber die Waare, die Sie vorhin erwähnten führt leicht zu Erpressungsversuchen."
„Lassen Sie das meine Sache sein, Sie können mir nicht vorwerfen, daß ich diesen Versuch schon bei Ihnen gemacht habe."
„Vielleicht wäre es geschehen, wenn Sie sich nicht auf anderem Wege die Mittel zur Reise in die Residenz verschafft hätten."
„Was wollen Sie damit sagen?" fragte der Schreiber, in dessen Mienen sich Bestürzung spiegelte.
„Dies ist auch eine Vermuthung, die sich auf einen Vorfall im „Englischen Hof" bezieht."
„Auf welchem Wege sollte ich mir die Mittel verschafft haben, ich muß Sie ersuchen, sich darüber deutlicher auszusprechen."
(Fortsetzung folgt.)