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Nr. 123.

Matt

Donnerstag den 15. November 1883.

DaSKreisblatt" erscheint wöchcnt- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

Bekanntmachungen allerArt werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

ibnükljes.

Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe IX zu den Stammactien der Riederschlesisch-Märkischen Eisenbahn.

zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zins­scheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzial- Kassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.

Der Einreichung der Actien bedarf es zur Er­langung der neuen Zinsschein-Reihe nur dann, wenn die Talons abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Actien an die Kontrolle der Staatspapiere, oder an eine der genannten Pro- vinzial-Kassen mittelst besonderer Eingabe einzu­reichen.

Zum Schluß wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß zu den gedachten Actien vom Jahre 1887 ab nicht mehr, wie bisher, nur 8 Stück Zinsscheine für vier Jahre, sondern für einen Zeitraum von zehn Jahren 20 Stück Zinsscheine gleichzeitig werden ausgereicht werden und demge­mäß die den Zinsscheinen Reihe IX jetzt beige­gebenen Anweisungen zur Abhebung der Reihe X eine entsprechende Fassung erhalten haben.

Berlin, den 26. October 1883.

Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. Sydow. gez. Hering, gez. Merleker. 1. 1909. gez. Rüdorsf.

* * *

Cassel, den 5. November 1883.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die zur Empfangnahme der neuen Zinsscheine einzureicheuden Talons bei ' der Regierungs-Hauptkaffe hierselbst und den sämmt­lichen Steuer fassen unseres Bezirks unentgeltlich zu haben sind.

Königliche Regierung. v. Brauchitsch.

C. I. K. 5558.

Kreis Hers seid.

Hersfeld, den 12. November 1883.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hierdurch an die Einreichung der durch meine Verfügungen vom 24. Juli 1882 Nr. 9559 und vom 4. August 1882 Nr. 10257 im Kreisblatt' Nr.62 gesorderteuNachweisungen über die indem Atonal September c. zur Zwangsvollstreckung

Die Zinsscheine Reihe IX Nr. 1 bis 8 zu den Stammactien der Riederschlesisch-Märkischen Eisen­bahn über die Zinsen für die Zeit Dom 1. Januar 1884 bis 31. Dezember 1887 nebst den Anweisun­gen zur Abhebung der Reihe X werden vom 1. Dezember d. I. ab von der Controlle der Staats­papiere hierselbst, Oranienstraße 92 unten rechts, Bormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäfts­lage jeden Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs­Hauptkassen, die Bezirks-Hauptkassen in Hannover, Osnabrück und Lüneburg oder die Kreiskasse in Frankfurt am Alain bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Controlle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauf­tragten die zur Abhebung der neuen Reihe berech­tigenden Talons mit einem Verzeichnisse zu über­geben, zu welchem Formulare ebenda und in Ham­burg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein- reicher der Talons eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis ein­fach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist eS doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. In Schriftwechsel kann die Controlle der Staatspapiere sich mit den In­habern der Talons nicht einlassen.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben ge­nannten Provinzial-Kassen beziehen will, hat der­selben die Talons mit einem doppelten Verzeich­nisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich'

überwiesenen Rückstände an directen Kommunal-, Kreis- und Provinzial - Steuern sowie Schulgeld mit Frist bis zum 17. d. Mts. Nachmit­tags 2 Uhr bei Meidung von Strafe erinnert. 14372. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 14. November 1883.

Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 18. August 1882 Nr. 10739 (Kreisblatt Nr. 66) werden die betreffenden Interessenten hierdurch benachrichtigt, daß gemäß einer erhaltenen Mit­theilung die Darlehnskasse zu Friedewald abermals in der Lage ist, den übrigen Darlehnskassen-Ver- einen hiesigen Kreises unter den bekannten Be­dingungen Geldbeträge zu verleihen.

14319. Der Königliche Landrath

___________________________Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 8. ^toDember 1883.

Die unter dem Rindvieh der Gemeinde Gerterode, Kreis Rotenburg, ausgebrochene Maul- und Klau­enseuche ist erloschen.

14173. Der Königliche Landrath

_________________Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 14. November 1883.

Die am 12. Februar 1862in Wetzlos geborene Eva Catharina Becker zu Stärklos hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht.

14443. Der Königliche Landrath

2. ______________Freiherr von Broich.

Unter der Schaafhcerde des Schäfers Andreas Bähr öahier ist die Räudekrankhert ausgebrochen. Obergeis, den 12. November 1883.

_____ Der Bürgermeister Opfer.

Oeffentliche Aufforderung.

Die Recruten:

1) Paul Adam Mell, geboren am 9. März 1858 zu Seifertshausen, Kreis Rotenburg a/F^ von Profession Taglöhner, zuletzt in Eschwege aufenthaltlich,

2) Caspar Fromm, geboren am 18. Oktober 1861 zu Ronshausen, Kreis Rotenburg a/F^ von Profession Schäfer,

3) Engelbert Krieg, geboren am 1. November 1861

Iie Ianaide.

Von E. von Wildenbruch.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wie um den Sturm zu beschwichtigen, erhob sie die Hand,ich sage nicht, daß ich nicht will," sprach sie,nur das Eine möchtt ich noch einmal fragen: es ist Alles nur zum Schein? und am nächsten Tage wird Alles wieder fein, wie es zu­vor gewesen ist

Das sagten wir Ihnen ja", erwiderte der Forsthüter,am andern Morgen sind Sie wieder frei, falls Rodolphe nicht Macht gewonnen haben sollte über Ihr sprödes Herz." )

Reine Gouyou preßte die blassen Lippen aufein­ander.Es ist gut," sagte sie,es wird also geschehen."

Das ist ein Wort! So ist's recht!" ertönte es von allen Seiten; die Erklärung ihrer Unter» werfung wurde mit Beifall begrüßt, man hatte den Eigensinn der stolzen Wittwe gebrochen, und das Wonnegefühl, mit dem man sich jetzt der unter­brochenen Tanzfreude wieder hingab, wurde durch die Wollust der Grausamkeit zur Raserei gesteigert. Man hatte ein Gefühl, als tanzte man aus den blutigen Leichen der Prussiens und auf dem tn Qualen sich windenden Leibe von Reine Gonyou.

Sobald die wüste Tanz-Orgie begann, war Letztere lautlos aus dem Saale entwichen.

Ein trübes Gespilinst farbloser Wolken bedeckte den grauen Winterhimmel, als Reine Gouhou am Morgen des nächsten Tages nach einer dumpfen,

schlechten Nacht aus Fenster trat und auf die menschenleere Dorfstraße hinausblickte.

Wie öde war der Anblick. Heute zum ersten male empfand sie das, obschon sie das Bild seit Jahren kannte; heute zum ersten male fühlte sie sich einsam, obschon sie Jahrelang einsam gewesen war. Daß sie im Dorfe nicht besonders geliebt wurde, hatte sie sich schweigend wohl gesagt, daß sie aber so gehaßt wurde, das hatte sie erst gestern Abend erfahren.

Sie dachte daran, ihr Besitzthum zu verkaufen und das Dorf zu verlassen, obschon sie nicht wußte, wohin sie sich wenden sollte. Aber jetzt gleich ließ sich das nicht bewerkstelligen, jetzt war zunächst das zu ertragen, was man ihr auferlegt hatte, und bei dem Gedanken an das Bevorstehende war es ihr, als zöge sich ein Strick um ihr Herz und ihre Eingeweide. Sie ging in die Küche, um sich ein Frühstück zu bereiten, aber nachdem sie es gethan, ließ sie es unberührt stehen, sie konnte nichts essen. Am Küchenherde setzte sie sich nieder und starrte vor.sich hin. Ein lastendes Unglücksgefühl, ein Bewußtsein tiefer, trostloser Verlassenheit schwoll in ihr auf, lautlos begann sie zu, weinen. Sie regte kein Glied und hob keine Hand, um_ die tropfenden Thränen zu trocknen, wie ein etein saß sie an die Steine des Herdes gelehnt.

Als es gegen Mittag war, hörte sie von der Straße her Geräusch, Pferdegetrappel und Klap­pern von Hufen. Eiskalt ging es ihr am Rücken hinab die Ulanen 1 Anfänglich wollte sie an ihrem Platze sitzen bleiben, wollte nichts hören und sehen, sondern das Schicksal kommen lassen, wann und wie es kam. Aber die Neugier siegte, uub sie verließ die Küche, um an das Fenster ihre»

ebenerdig nach der Straße gelegenen Zimmers zu treten.

Unmittelbar vor ihrem Hause hatte sich eine Gruppe von Frauen des Dorfes gesammelt, und es war offenbar kein Zufall, daß sie dort standen, denn_im Augenblick, als Reine Gonyou hinter den Scheiben des Fensters erschien, wandten sich die Köpfe aller Frauen zu ihr hin. Mit spöttischen Knixen wurde sie begrüßt. Sie trat in das Zim­mer zurück, aber sobald sie vom Fenster verschwun­den war, klopften Hände an letzterem an. Wohl oder übel mußte sie das Fenster öffnen.

Guten Morgen, Madame la Reine," rief es zu ihr hinein,wir wollten Ihnen nur unsere Aufwartung machen und uns Ihnen vorstellen als Ihre Brautjungfern zu ihrer Verlobung mit Ro­dolphe."

Reine Gouyou hatte wie geistesabwesend auf die Schwätzerinnen herabgeblickt, erst das Gekicher derselben erweckte sie. Hastig warf sie das Fenster zu und verschwand. Mit gerungenen Händen ging sie im Zimmer auf und nieder; sie fühlte daß es kein Entrinnen für sie gab, daß sie auf Schritt und Tritt umgeben war von den unerbitterlichsten Spionen, von erbosten Weibern.Was habe ich ihnen gethan?" sprach sie leise klagend vor sich hin, ^,was habe ich ihnen gethan?" Sie machte ihre Schmerzenserfahrungeu mit dem Neide.

Unterdessen war die Schwadron weiter eingerückt und mitten im Zimmer stehend, sah Reine Gouyou sie vorüber ziehen. Ueber das Fenstergesims hin­weg schaute sie gerade in die Gesichter der Ulanen, Sie sah die wettergebräunten Züge, die stolze sichere Heiterkeit der kühnen Augen die rechts und links an den Häusern emporblickten, und obschon