Morgenstunde habe er dieselben Männer noch einmal in der Metzgerstraße gesehen und eine zufällig in der Nähe befindliche Schutzmannspatrouille auf sie aufmerksam gemacht; bei der herrschenden Dunkelheit sei aber eine Verfolgung erfolglos geblieben. Wahrscheinlich sind dies die Urheber beider Mordthaten. Von dem Schauplatze der ersten, sicher von langer Hand her vorbereiteten haben sie sich vor das Thor hinausbegeben, um dort in aller Ruhe ihren Raub zu theilen. Dort sind sie vom Posten überrascht worden, ein Kampf ist entstanden, und der Soldat ward ihr zweites Opfer. Der Letztere gehörte dem Regiment No. 25 an und wurde erst nach längerem Suchen der Ablösungsmannschaften eine Strecke von der vorgeschriebenen Stelle, auf welcher der Posten an der neuen Uni- Versitäts-Klinik zwischen dem Spital- und Metzger- Thor in der Spital-Wallstraße zu stehen hat, noch lebend gefunden. Bewußtlos ins Lazareth gebracht, ist er am heutigen L,age gestorben.
— Jena, 20. October. Die heutige Aufführung des Luther-Festspiels von Devrient erzielte einen bedeutenden Erfolg; das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die erbgroßherzoglichen Herrschaften wohnten der Vorstellung bei Unter den Zuschauern befand sich auch Liszt.
— Ueber das Erdbeben in Anatolien wird aus Konstantinopel vom 18. d. Abends berichtet: Eine Depesche aus Techesmeh meldet, daß bis Mittwoch 120 Leichen aus den Trümmern von acht kleinen Dörfern in ider unmittelbaren Umgebung dieser Stadt ausgegraben wurden und stündlich weitere Opfer ans Tageslicht gebracht werden. In demselben Bezirk sind über 350 verstümmelte und verletzte Personen geborgen worden und dieselben werden jetzt ärztlich behandelt, soweit die zu Gebote stehenden Mittel dies gestatten. In den Dörfern im Innern geht die Leicheuausgrabung viel langsamer von statteu. Die oberflächliche Prüfung hat bereits die Bergung von 35 Leichen zur Folge gehabt, aber man glaubt, daß eine viel größere Anzahl sich unter dem Schütte befinde-
Einige Wochen müssen verstreichen, ehe die Todten- liste vervollständigt werden kann, und ist es sehr fraglich, ob die Zahl der Umgekommenen jemals genau ermittelt werden wird. Unweit Alatza scheint sich der Erdboden geöffnet und wieder geschlossen zu haben, nachdem er mehrere kleine Häuser spurlos verschlungen. In demselben Bezirk hat ein Erdrutsch stattgefunden, durch welchen viele Häuser verschüttet worden sind. In diesen beiden Bezirken wird der Menschenverlust niemals genau ermittelt werden können.
— Eine Z i g e u n e r s chfl a ch t. Dem „Naplo" wird aus Varpalato vom 16. d. M. geschrieben: Das im Weißenburger Komitate zwischen Jnota und Ladany gelegene Sarrete war heute der Schauplatz eines blutigen Kampfes. Seit einiger Zeit hatten nämlich hier zwei miteinander auf freundschaftlichem Fuße stehende Zigeunerbanden ihr Lager aufgeschlagen, als plötzlich heute infolge eines Gezänkes ein förmlicher Krieg zwischen ihnen ausbrach. Die Männer der beiden feindlichen Lager stürmten, auf den Pferden sitzend, gegen einander los. Sie waren mit Gewehren, Hacken und Beilen bewaffnet und wurden während des mörderischen Gemetzels von den Weibern und Zigeunerkindern durch stürmische Zurufe zum Kampfe ermuntert. Es war das auch eine förmliche Schlacht mit Todten und Verwundeten, die da geliefert wurde. Endlich war der wilde Kampf selbst den Zigeunern schon zu stark, denn einer von ihnen eilte zu Roß nach Jnota um Hülfe. Als der Notar dieses Ortes mit etwa 25 Dorfbewohnern, die mit Heugabeln bewaffnet waren, auf der Wahlstatt erschienen, hatte der Kampf bereits ein Ende genommen. Auf dem Schlachtfelde lagen die Leichen von vier Männern und zwei Schwerverwundete; außerdem hatten noch viele Zigeuner leichtere Verletzungen davongetragen. Die Untersuchung wurde sofort eingeleitet.
— A g ra m, 25. Oetober. In der vergangenen Nacht fand hier eine 3 bis 5 Sekunden dauernde, mit unterirdischem Rollen und einem orkanähnlichen
Luftsausen verbundene Erderschütterung statt, die mit einem heftigen Stoße endigte. Heute früh folgte ein neuer, aber leichter Stoß. Schaden ist nicht verursacht.
— Reichthum der englischen Aristokratie. Nach dem „Economiste Franeais" besitzt der Herzog von Norfolk in England 225, der Marquis Bute 193, der Herzog von Buccleugh 192, der Herzog von Northumberland 147, Sir Ramsden 146, der Herzog von Devonshire 143, der Graf Derby 142, der Herzog von Bedford 116, der Herzog von Hamilton 117, der Herzog von Portland 116, der Graf von Fitz-William 113, der Herzog von Sutherland 108 Millionen Franken.
— Jnfection von tzundswuth. Man glaubte bisher, daß die furchtbare Hundswuth lediglich durch den Speichel des leidenden Thieres übertragen würde. Nach Versuchen, welche der bekannte Physiologe Paul Bert angestellt hat, ist dem jedoch keineswegs so. Niemals erzeugt danach der Speichel des erkrankten Hundes die Wuthkrankheit, sondern es ist dazu nur der Schleim im Stande, welcher aus den Verzweigungen der Luftröhre stammt und der allerdings zumeist im Schaum des tollen Thieres enthalten ist. Daraus erklärt sich, warum nicht jeder Biß eines an Tollwuth leidenden Hundes die Krankheit überträgt. Es ist eben möglich, daß nur Speichel und kein Schleim in die Wunde gelangt. Mau kann durch Filtriren des Schaumes Schleim und Speichel trennen. Der erstere bleibt auf dem Filter zurück und ruft, einem Thiere eingeimpft, mit Sicherheit die Wuthkrank- Heit hervor. Der letztere, welcher das Filter pas- firt, ist indeß auch sehr schädlich, wenn er auch nicht wuthkrank macht. Er bewirkt jedoch schwere unterhäutige Eiterungen, an denen die instcirten Thiere meist zu Grunde gehen. Uebrigens hat Pasteur in jenem Speichel einen Mikroorganismus (ein: „microbe“, wie es in Frankreich heißt) aufgefunden, welcher dessen schädliche, entzündungser- regende Eigenschaft erklärlich erscheinen läßt.
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