Namen und Wohnort des Gewerbetreibenden angehender Aushang angebracht werden. Dies gilt insbesondere von den Wanderlagern.
§. 56 d. Ausländern kann der Gewerbebetrieb im Um» herziehen gestaltet werden. Der Bundesrath ist befugt, die deshalb nöthigen Bestimmungen zu treffen.
§. 57. Der Wandergewerbeschein ist zu versagen:
I. wenn der Nachsuchende mit einer abschreckenden oder ansteckenden Krankheit behaftet oder in einer abschreckm- den Weise entstellt ist;
2. wenn er unter Polizeiaufsicht steht;
3. wenn er wegen strafbarer Handlungen aus Gewinnsucht, gegen das Eigenthum, gegen die Sittlichkeit, wegen vorsätzlicher Angriffe auf das Leben und die Gesund- Heit der Menschen, wegen vorsätzlicher Brandstiftung, wegen Zuwiderhandlungen gegen Verbote oder Siche- rungsmaßregeln, betreffend Einsührling oder Verbreitung ansteckender Krankheiten oder Viehseuchen, zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten verurtheilt ist, und seit Verhütung der Strafe drei Jahre noch nicht verflossen sind;
4. wenn er wegen gewohnheitsmäßiger Arbeitsscheu, Bettelei, Landstreicherei, Trunksucht übel berüchtigt ist;
5. in dem Falle des §. 55 Ziffer 4, sobald der den Verhältnissen des Verwaltungsbeziris der zuständigen Verwaltungsbehörde entsprechenden Anzahl von Personen Wandergewerbescheine ertheilt oder ausgedehnt sind (§. 60 Absatz 2). (F. f.)
Der Steckbrief vom 25. September 1883 hinter Taglöhner Christian Willhardt aus Kathus ist erledigt.
Gaffel am 22. October 1883.
Der Erste Staatsanwalt.
Im Auftrage: Chuchul.
Die nationale Bedeutung der Zimderheitflättm an den deutschen Seefuiften.
Von
Geh. Rath Prof. Dr Beneke.
«Fortsetzung.)
Die Frage, ob Soolbad oder Seeluft, ist nicht immer leicht zu entscheiden. Aber wo tiefliegende Schwächezustände zu beseitigen sind, wo Stählung des Organismus gegen die Angriffe des Lebens, wo größere Leistungssähigkeit und Ausrottung schwerer Krankheitsanlagen zu erzielen sind, da dürste der Seeluft und dem Seebade unzweifelhaft der erste Rang gebühren. Die außerordentliche Reinheit der Seeluft, ihre lebhafte Strömung, ihr reicher Ozongehalt, ihre gleichmäßige Temperatur, ihr den Respirationsorganen so wohlthätiger Feuchtigkeitsgehalt, dies alles sind Vorzüge, welche nirgends aus dem Continente zu ersetzen sind. Alle gegen solche Vorzüge etwa erhobenen Bedenken werden niedergeschlagen durch die eine bestimmte Thatsache, daß auf unsern Nordseeinseln scrophulöje Leiden nahezu unbekannt sind und schwindsüchtige Zustände in einer äußerst geringen Anzahl vorkommen. Auf 10000 lebende Einwohner der Städte unseres Continents kommen 35—52 an Lungenschwindsucht sterbende, auf Norderney 8—9!
Unsere zum Theil lieblichen Ostseeküsten sind schon seit längerer Zeit die vielgesuchten Aufenthaltsorte für die Kinder bemittelter Familien in den Sommermonaten geworden. Die kahlen Nordseeinseln dagegen haben wohl manche alte und treue Freunde, aber ihre wenig anziehende landschaftliche Schönheit, ihre schwierige Zugänglichlett, ihre zum Theil noch sehr primitiven Wohnungen u. f. w. haben ihnen eine allgemeine Werthschätzung noch kaum zutheil- werden laffen. Erst in jüngster Zeit verbreitet sich die Anerkennung des Werthes des Kernes in rauher Schale, und wenn im Jahre 1882 die Frequenz aus Norderney auf nahezu 9000 Personen gestiegen ist, so ru das nur ein Zeichen, daß diese Anerkennung immer weitere Kreise ergreift, und daß man bestrebt ist, den Luxus der belgischen und holländischen Seebäder, insonderheit Oslendes und Scheveningens nicht mehr als das bestimmende Motiv zu betrachten, wenn es sich um die Wahl eines heilkräftigen Nordseebades handelt. Für die mittleren und südlichen Theile Deutschlands wird die Entfernung der Nordjeetüge stets ein nicht leicht zu überwindendes Hindernis für den Besuch bilden. Aber Ostende, Scheveningen, Blankenberghe liegen nur um wenige Meilen näher, und in kurzer Zeit schon wird uns die Eisenbahn bis an den nördlichen Punct des westlichen deutschen Continentes, an die Sadt Norden, führen. Die humane und mit größtem Dank anzuerkennende Verfügung des Ministers für öffentliche Arbeiten, Maydach, wonach unbemittelte Kinder gegen Lösung eines MUuär- billets auf den Eisenbahnen in die für sie bestimmten Hospize befördert werden, hat dazu beigetragen, dieses Hindernis als ein minimales erscheinen zu lassen.
Das Wünschenswerthe, ja die Nothwendigkeit des Vorhandenseins von See-Hospizen für die weniger bemittelte leidende junge Generation beginnt heutigen Tages nun auch bereits ebenso anerkannt zu werden wie in Betreff der Soolbad-Hospize. Bei Anlage all dieser Anstalten sind die Gesichtspuncte aber höher zu erheben als es bisher ge- schehen ist. Wir schaffen nicht mehr in localem oder particularem Interesse, sondern in deutsch-nationalem. Mit der Einigung unseres Vaterlandes sind uns größere und neue Ausgaben auch in Betreff unserer dem Allgemeinwohl dienenden Anstalten erstanden. Was wir an den deutschen Seeküsten schaffen, soll nicht' einer einzelnen oder bestimmten Provinzen, es soll dem gesammten Vaterlande dienen, so weit die deutsche Zunge reicht.
Es war eine natürliche Folge unserer früheren Klein- Haterei, daß nur sehr wenige öffentliche Wohlthätigkeits- anstalten, und namentlich Hospize an Badeorten, sich über beschränkte Verhältnisse hinausheben konnten. Sowohl in den baulichen Einrichtungen, als in der Größe der Anstalten, als in der gesammten Verwaltung gab sich die Dürftigkeit der Verhältnisse kund. Als einzelnes Beispiel dajür sei nur angeführt, daß manche dieser Anstalten nicht einmal Jahresberichte veröffentlichten, um die geringen Druckkosten derselben zu sparen. Aber alle diese Anstalten erfüllten erst dann ihre Aufgaben, wenn sie ihre Pfleglinge in luftigen und durchaus gesunden Räumen ausnehmen, wenn sie einer regelmäßigen und sorgfältigen ärztlichen Leitung theilhaftig
sind, und wenn sie eine tadellose innere Verwaltung, ein» schließlich der auf die sittliche Erziehung der Pfleglinge zu richtenden Einwirkung, besitzen. (F. f.)
n Abnahme der deutschen Auswanderung.
Die wanderlustigste aller europäischen Racen ist bekanntlich die germanische. Deutsche und Engländer werden auf der gesammten Erde angetroffen, während Franzosen und Russen mit ihren heimathlichen Verhältnissen nur selten brechen, Spanier, Portugieser und Holländer die großen Zeiten ihrer kolonialen Wanderzüge längst hinter sich haben. Nicht ohne Grund hat behauptet werden können, das lateinische Sprüchwort Ubi bene ibi patria (Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland) schmecke eher nach deutschem als nach römischem Ursprung.
Mit der deutschen Wanderlust hängt es zusammen, daß der Umfang der deutschen Auswanderung von Alters her einen ziemlich sichern Maßstab für den jeweiligen Zustand unseres nationalen Wirthschaftslebens gewährt. Die natürliche Neigung zur Auswanderung wurde durch zuweilen unbedeutende Veranlassungen geschürt. Von den Einwirkungen großer politischer oder kirchlicher Kämpfe abgesehen sind es fast immer wirthschaft- liche Nothstände und Schwierigkeiten gewesen, welche den Strom der deutschen Auswanderung verstärkten, während derselbe unter günstigeren Verhältnissen ziemlich regelmäßig abnahm.
Besonders deutlich hat sich das im Verlauf der letzten Jahrzehnte gezeigt. Unter der Herrschaft des Aufschwungs, der auf den letzten großen Krieg gefolgt war, hatte die von 1868*) bis 1872 durch starke Kriegsbefürchtungen^und damit zusammenhängende wirthschaftliche Schwierigkeiten stark beeinflußte Auswanderungslust von Jahr zu Jahr abgenommen. Als dann der Rückschlag eintrat, nahm die Zahl über den Ocean wandernder Deutschen allmählich, aber sofort wieder zu. Diese Zunahme dauerte bis zum Ende des Jahres 1881, denn die heilsamen Wirkungen der inzwischen eingeschlagenen neuen Wirthschaftspolitik konnten sich nur langsam geltend machen. — Seitdem aber ist eine Wendung eingetreten, die unwidersprechlich beweist, daß die Gelegenheit zur Arbeit und auskömmlichem Verdienst in Deutschland reichlicher geworden ist. Im Jahre 1881 waren 184,369 Deutsche aus deutschen Häfen über den Ocean (zumeist nach Nordamerika) geschafft, — im vorigen Jahre sank diese Zahl auf 168,454 und während des laufenden Jahres hat dieselbe abermals abgenommen. Wir wir neulich zu berichten Gelegenheit hatten, sind vom 1. Januar bis Ende September dieses Jahres 27,012 Deutsche weniger als während desselben vorjährigen Zeitraums (statt 160,966 bloß 133,454) deutsche Reichsangehörige zum Verlassen ihrer Heimath bestimmt worden.
Unter der großen Zahl beredter Zeugnisse für den Wiederaufschwung des deutschen wirthschaft- lichen Lebens werden diese auf die Auswanderung bezüglichen Ziffern eine bemerkenswerthe Stelle beanspruchen dürfen.
*) Der Nationalökonom W. Röscher berechnet die Zahl der von 1815—1870 ausgewanderlen Deutschen auf mehr als 2 Millionen.
Maische Aachtichlm.
Deutschland.
Se. Majestät der Kaiser hat sich am Donnerstag den 25. d. Mts. zur Theilnahme an den Jagden nach Wernigerode begeben. Die Rückkehr ist auf Sonnabend angesetzt.
Ihre Majestät die Kaiserin wird den Kurgebrauch in Baden-Baden noch einige Zeit fortsetzen.
In nächster Zeit werden in verschiedenen Reichs- tagswahlkreisen Nachwahlen stattzufinden haben, in Oppeln am 8. November, in Marburg am 20. November, ferner in Forchheim, Mörs-Rees, Dillingen und Göttingen. Die zu Ende der vorigen Woche bereits stattgehabte Wahl in Greifswald - Grimmen ist mit sehr erheblicher Majorität zu Gunsten der vereinigten Konservativen ausgefallen, denen auch früher der Kreis gehört hatte, bis bei den letzten Wahlen von 1881 und bei der bald darauf erforderlich gewordenen Nachwahl es der Fortschrittspartei gelungen war, den Krets vorübergehend zu besetzen.
Auch für das Abgeordnetenhaus werden in nächster Zeit einige Neuwahlen stattzn- finden haben, u. A. in Crefeld, wo sogar neue Wahlmännerwahlen nothwendig sind, die auf den 7. November angesetzt worden. Bekanntlich wurde die Wahl des liberalen Abgeordneten Seyffardt wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten bei der Bildung der Wahlbezirke für ungiltig erklärt.
Bei der annähernd gleichen Stärke der Ultra- montanen und Liberalen wird es voraussichtlich wieder einen hitzigen Wahlkamps geben.
Aus Schleswig-Holstein schreibt man: Wie groß das Bedürfniß für die Errichtung von Arbeiter - Colonien ist, möge daraus ersichtlich fein, daß in der für die Provinz Schleswig-Holstein am 10. October eröffneten Colonie bereits 88 arbeitslose Männer aller Stände Aufnahme gefunden haben, damit nach 10 Tagen schon die Grenzen ihrer jetzigen Leistungsfähigkeit erreicht sind, inbetn die Einrichtungen von vornherein nur für 90 Aufnahmebedürstige berechnet waren. Das Comits hat daher schleunigst Anstalten getroffen, daß bis zu 150 Mann in der Colonie untergebracht werden können. Da der Winter aber erst seinen , Einzug halten und damit auch die Arbeitslosigkeit zunehmen wird, so dürste die Frage sein, ob nicht noch weit mehr denn 150 Mann in der Colonie Aufnahme begehren werden.
In der am 24. d. Nachmittags stattgefundenen Plenarsitzung wurde vom Bundesrath die Ausdehnung der Zollermäßigungen des Tarifs A. des deutsch-italienischen und des deutsch-spanischen Handelsvertrages auch auf die Türkei und Griechenland beschlossen. Desgleichen wurde die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Berlin, Hamburg-Altona-Harburg und Umgegend auf ein weiteres Jahr, bis zum 30. September 1884, genehmigt.
Dem sächsischen Landtage werden, dem Vernehmen nach, infolge der Steigerung der Staatseinnahmen und des geringeren Erfordernisses für die Verzinsung von Staatsschulden Vorlagen wegen Wegfalls des 20procentigen Zuschlages zur Einkommensteuer, wegen Ermäßigung der Eisenbahn-Gütertarife und Aufhebung des Chausseegeldes zugehen.
Oesterreich-Ungarn.
Die sogenannten Delegationen d. h. die zur Erledigung der gemeinsamen Angelegenheiten Oestreichs und Ungarns erwählten Ausschüsse der Parlamente von Wien und von Pest sind am 23. d. Mts. in der Reichshauptstadt zu ihren Arbeiten zusammengetreten. Die Regierung hat denselben die erfreuliche Mittheilung machen können, daß der ruhige Zustand der occupirten Provinzen Bosnien und Herzegowina eine Verminderung der Zahl der in derselben stationirten Truppen und eine Kostenherabsetzung im Betrage von mehr als anderthalb Millionen Gulden ermögliche; das Budget der erwähnten Länder schließt demgemäß mit einem Ueberschuß von 56,348 Gulden.
Rußland»
Excellenz Katkow spricht sich in seiner Mos- kowszja Wedemosti" abermals über Deutschlands Verdienste um die Erhaltung des Friedens aus. Deutschlands Stellung in Europa sei eine so günstige, daß man annehmen müsse, die Zwecke des deutsch-österreichischen Bündnisses seien friedliche. Rußland strebe nicht minder nach der Erhaltung des Friedens, an ein Bündniß mit Frankreich denke es um so weniger, als Europa durch ein solches in zwei feindliche Lager getheilt würde. Wenn man jetzt in Paris die Nachricht in Umlauf setze, daß Herr v. Giers im Begriffe stehe, nach Paris zu reisen, um mit Jules Ferry zu konferiren, so gebe man damit unzweideutig das Verlangen nach einem Bündniß Mit dem Zarenreiche kund, aber Herr v. Giers werde sich hüten, die französische Hauptstadt zu besuchen, denn es könnte ihn fa möglicherweise ein ähnlicher Empfang erwarten wie den König Alphons.
China.
Wie dem „Standard" aus Hongkong gemeldet wird, bestätigt der aus Jersey gebürtige chinesische General Mesny, welcher von der Grenze Uunuans in Cauton eingetroffen ist, daß die Chinesen umfassende Vorbereitungen für den Krieg in Tonkin treffen. In Canton sind an zehntausend Mann chinesischer Truppen zusammengezogen, angeblich wegen der dort herrschenden Aufregung des Volks gegen die Fremden, in Wirklichkeit aber zur Abwehr eines gefürchteten Angriffs der Franzosen. General Mesny erwähnt eines Gerüchtes, dem zufolge im Innern ein Heer in der Bildung begriffen ist, das zur Vernichtung aller Fremden aufgeboteu werden soll. Der General beschuldigt, wie dem „Newyorkherold" gemeldet wird, die „schwarzen Flaggen" des Kannibalismus; sie verzehrten ihre erschlagenen Feinde in dem Wahne, daß sie dadurch tapferer würden. Dadurch erkläre sich vielleicht, weshalb mau die Leichen Rivisres und seiner Genossen nicht gefunden habe. Die „schwarzen Flaggen" sind nach Mesnys Ansicht die tapfersten Chinesen._____
ÄuS Heffen-Nassau.
* Der Verletzte, bem nach dein Haftpflichtgesetz