minister Graf zu Eulenburg, u. A. Das 80. Infanterie-Ren. stellte in einer Compagnie mit Fahne und Musik die Ehrenwache. Mit dem Kaiser war auch der König von Sachsen gekommen und 10 Minuten nach Ankunft des Kaisers kam von Frankfurt her der Extrazug, der den König von Spanien brächte, 5 Minuten später ein zweiter, mit'dem der König von Serbien ankam. Nachdem die vier Souveräne im Salon des Bahnhofes vereinigt waren, geschah von da ab der Einzug in die Stadt durch die glänzend erleuchteten Straßen nach dem Schlosse. Der Kaiser kam im offenen vierspännigen Halbwagen mit dem dienstthuenden Flügel-Adzutanten an der Seite, jubelnd von allen Seilen begrüßt. Im zweiten Wagen folgten der Kronprinz mit dem Könige von Spanien und dem Großherzog von Hessen, dann der König von Sachsen mit dem Prinzen Wilhelm, der König von Serbien und die übrigen Fürstlichkeiten mit ihren Adjutanten. Seitens der Bevölkerung wurden die Herrschaften mit enthusiastischen Kundgebungen empfangen. Auf dem Schloßhofe war für jeden der dort wohnenden Souveräne eine Ehren-Compagnie aufgestellt, aus den Regimentern 83 und 87, eine solche aus dem Regimente 97 vor der Wohnung des Königs von Serbien. Am Eingänge in die oberen Räume des Schlosses, umgeben von ihrem ganzen Hofe, empfing die Kaiserin im Sessel sitzend bie Königlichen Gäste. Bald nach der Ankunft war Diner im Kreise der Fürstlichkeiten, gegen den Schluß der Tafel ließen sich von der Stadt her rauschende Marschklänge vernehmen. Fackelschein erhellte den Hof und so zogen die vereinigten Musikcorps des XL Armeecorps auf den oberen Schloßhof, um unter Leitung des Musikdirectors Adam den großen Zapfenstreich auszuführen, welchem Se. Majestät mit den fürstlichen Gästen und den königl. Prinzen und Prinzessinnen vom Balcon aus beiwohnte.
Homburg, 21. September. Se. Majestät der Kaiser hat heute Vormittag, umgeben von der Kaiserin und einer glänzenden Zahl fürstlicher Gäste die Truppenschau über das XL Corps abgehalten und dabei wieder Beweise einer vollen, gesunden und körperlichen Rüstigkeit gegeben; davon haben sich heute außer seinen Soldaten, die ihm dabei ins Auge sahen, die Augen von vielen Tausenden seiner getreuen Hessen .überzeugen können. Das weite, fast ebene Feld, welches zum Schauplatz der Pgrahe- gewählt worden war, war leicht und' in Mzer Zeit von Homburg zu erreichen. Man 'wurde sich dessen bewußt bei dem Anblick der enormen Menge von Wagen und der ungemein zahlreichen Fußgänger, welche von Homburg schon ber Tagesarauen sich auf der Chaussee nach Frankfurt hin bewegten. Ein grau verhangener Himmel, der über Nacht eine starke Regenfluth herabgesandt hatte, wölbte sich über der regenfeuchten Landschaft und tiefhängende Wolken zogen inundurch- sichtbaren Massen über die Gegend hin. Vor Gonzenheim, das man in einer kleinen halben Stunde erreicht, hatten die Einwohner eine große Ehrenpforte errichtet; am Ende dieses Dorfes überschreitet man die preußische und großherzoglich hessische Grenze, die durch schwarz-weiße und rothweiße Pfähle markirt ist. Unmittelbar dahinter liegt die Ortschaft Ober-Eschbach, von dessen südöstlichem Ausgange ein besonderer Weg nach dem Paradefelde hinauf für die Majestäten und Fürstlichkeiten geschaffen war. Daß man immer bergauf steigt, wird man erst gewahr, wenn man bei einer kleinen Haltestelle sich umwendet und über die zurückgelegte Strecke nach rückwärts schaut. Welch entzückendes Landschaftsbild liegt da zu unsern Füßen ausgebreitet! Ueber die beiden passirten Dörfer und zwischen ihren Kirchthürmen hindurch liegt die langgestreckte Helle Häusermasse von Homburg, aus deren Mitte sich das Königliche Schloß mit seinem hohen Thurm stolz erhebt. Aus einigen blauen Stellen des Himmels, denen die Wolkenmassen allmälig zu weichen begannen, stahl sich hier und dort ein netter Sonnenstrahl hervor, der langsam über die Stadt hinziehend sich alsdann in den dichten Waldungen des Taunusgebirges verlor. Wie später erzählt wurde, war dies um dieselbe Zeit, wo der Kaiser im Schloßhofe seine Equipage bestieg; gewiß ein gutes Zeichen für den Verlauf des Vormittags. Wenn die Sonne Pater auch nicht mehr ganz zum Vorschein kam, o war die Luft doch frei von Nässe und warm, der Boden vollständig staubfrei, überhaupt ein Wetter, wie ausgesucht zu einer Parade. Von allen Seiten kamen die Fußtruppen herangezogen, rollten die Batterien heran, bewegten sich ' die langen Kavalkaden der Cavallerie-Regimenter. Aus den Dörfern, die mit ihren sauberen Bauernhäuschen traulich aus Gärten und Hecken, aus Pappeln- und Weidengruppen hervorschauten, pilgerte Alt und Jung auf dem sich durch die
grünen Wiesen hinziehenden Fußwege dem Paradeterrain zu. Nordwestlich von Nieder-Eschbach bildet das Terrain am Wege nach Nieder-Erlen- bach einen langgezogenen Einschnitt, der mit einem Drahtzaun umschlossen nur einen schmalen Eingang hatte. Hier hielten die königlichen Reitknechte mit den edlen Pferden, welche die hohen Herrschaften mit ihrem Gefolge hier zu besteigen beabsichtigten. Vice-Oberstallmeister v. Rauch mit zwei Stallmeistern erwartete deren Ankunft. Bis dahin war noch eine gute halbe Stunde Zeit und diese war nicht besser zu benutzen, als sich einen Ueberblick über die inzwischen in ihre Alignements gerückten Truppen zu verschaffen, der in Wirklichkeit ein imposanter und überraschender war. Dort stand in allernächster Nähe der rechte Flügel des Corps, das in zwei Treffen aufgestellt war; im ersten die Infanterie in weißen Hosen, im zweiten die Cavallerie, Artillerie und Train. Das erste vom Generallieutenant v. Röhn befehligte Treffen umfaßte die 41. und 42. Brigade mit dem 1. und 2. Nassauischen Jnf.-Regt. 87 und 88, dem Hess. Füs.-Regt. 80, dem 1. Hess. Jnf.- Regt. 81 und dem Jnf.-Regt. 97, diese zur 21. Division gehörend, die 22. Division mit der 43. und 44. Jnf.-Brigade, bestehend aus dem 3. Hess, und 6. Thür. Jnf.-Regt. 83 und 95 und dem 2. und 5. Thüring. Jnf.-Regt. 32 und 94 (Großherzog von Sachsen) unter Generallieutenant von Unger, den linken Flügel des 1. Treffens bildete die Großh. Hessische (25.) Division unter Befehl des Generallieutenants Prinzen Heinrich von Hessen. Hierzu gehören die 49. und 50. Jnf.- Brigade mit dem 1. Großh. Hess. (Leibgarde-) Regt. 115, dem 2. Großh. Hess. Regt. (Großherzog) 116, dem 3. Großh. Hess. (Leib-) Regt. 117 und dem 4. Großh. Hess. Regt. (Prinz Karl) 118. Hieran schloffen sich die Unteroffizierschule zu Biebrich, d as Fuß-Artillerie-Regt. Nr. 3, das Pionier-Bat. Nr. 11, so daß das 1. Treffen im Ganzen 43 Bataillone umfaßte. Das 2. Treffen.bestand aus dem Rhein. Drag.-Reg. Nr. 5, dem 1. Hess. Hus.-Reg. Nr. 13, dem 2. Hess. Hus.-Reg. Nr. 14, dem Thür. Ulanen-Reg. Nr. 6, dem 1. und 2. Großh. Hess. (Garde-Dra- goner- und Leib-Dragoner-Regiment Nr. 23 und 24, den Feld-Artillerie-Regimentern 11 und 25, dem Feld-Artillerie-Regiment 27 und dem Trainbataillon Nr. 11. Plötzlich sah man es wie einen elektrischen Funken durch die blitzenden Reihen zucken. Alles stand unbewegt wie eine Mauer. Der Kronprinz, welcher der erste auf dem Platze erschien, kam herangesprengt mit dem Stäbe der 4. Armee-Jnspection und seinen Adjutanten. Nun wurde es aber auch drüben in der Thalsenkung lebendig. In zwei- und vierspännigen Equipagen langten die Prinzen und Fürsten an, denen bald darauf Se. Majestät der Kaiser folgte. Nur ein Moment und der oberste Kriegsherr, in der großen Generalsuniform mit dem blauen Bande
des Goldenen Vließes, saß im Sattel feines Fuchshengstes „Alexander". Um seine Königlichen Gäste zu begrüßen, war er bereits etwas früher gekommen und ritt, von der spalierbildenden Menge mit jubelnden Hochrufen begrüßt, unter den Bäumen des Weges von Nieder-Eschbach nach Nieder -Erlenbach Halt machend, wo ihn der Kronprinz, der Prinz von Wales, dieser im rothen Attila der Blücher-Husaren, die Herzöge von Edinburg, Connaught und Cambridge, der Großherzog und Erbgroßherzog von Hessen, der Erbgroßherzog von Baden, die Prinzen Wilhelm, Friedrich Karl, Friedrich Leopold, Albrecht u. s. w. erwarteten. Neue anhaltende Hochrufe galten J. Maj. der Kaiserin, welche in offener sechsspänniger Equipage und Vorreiter dem Platze, wo der Kaiser hielt, nahte. Die erlauchte
Majestät der Kaiser begab sich während desselben auf die Anhöhe östlich, von Gonzenheim, während ^m^r wv vn ««Hu unu, nuyii. ^ic tn-uuujic! bie Könige von Spanien, Serösen und Sachsen Frau, welche einen weißen Umhang, einen weißen sowie die übrigen Fürstlichkeiten zu den Truppen ^ ^^c^—a^. ^-~ —------ritten, um die einzelnen Bewegungen genau zu
beobachten. Ihre Majestät die Kaiserin, welche ich Vormittags 10‘/.2 Uhr im offenen sechs- pännigen Wagen nach dem Manöverterrain be- geben hatte, hielt in der Nähe des Kaisers. Um 12 Uhr trat starker Regen ein. Der Kaiser und die Kaiserin kehrten kurz vor 2 Uhr hierher zurück.
Hut mit gleichfarbiger Feder trug, sah ungemein wohl aus, woraus man schließen kann, wie einflußreich die hiesige Luft aus die Gesundheit derselben eingewirkt hat. Mit freundlichen Grüßen dankte die hohe Frau nach allen Seiten für den ihr von der Menge bereiteten Empfang. Kaum ist die Kaiserin vorüber, da sprengt in kühnen Galoppsätzen eine muthige Reiterin heran. Die schwarze, weißgestickte Husarenschabracke und das mit Kronen dicht besetzte Geschirr lassen in derselben die Frau Kronprinzessin erkennen, welche die Tracht ihres Regiments, der Leibhusaren Nr. 2, angelegt hat, geschmückt mit dem Sido- nienorden. Am Wagen der Kaiserin angelangt, setzte sich die Herzogin von Connaught, ebenfalls zu Pferde, an ihre Seite. Die Prinzessin Victoria und die Prinzessinnen von Hessen waren ebenfalls schon zugegen. Der erste der regierenden königlichen Fürsten, welcher demnächst eintraf, war der König von Serbien. Langsam ritt er in der großen ziegelrothen serbischen Generalsuniform, über bie sich das
Oraugeband des Schwarzen Adler-Ordens zog, das Haupt mit einer helmartigen Kopfbedeckung und Federbusch bedeckt, ihm zur Seite der zum Ehrendienst commandirte General v. Woyna, an die Majestäten heran, sich mit diesen begrüßend. Ihm folgte König Alsons in schwarzem betreßten Rock, weißledernen Hosen und hohen Reiterstieseln, ein ovales schwarzes Käppi auf dem Kopfe und ebenfalls geschmückt mit dem Bande des höchsten preußischen Ordens, ihm zur Seite der General der Cavallerie Gras v. d. Goltz. Diesem Fürsten galt nächst dem Kaiserpaare die größte Aufmerksamkeit. Die um die Majestäten den Kreis schließenden Adjutanten und Offiziere der Suite bildeten eine Gasse, durch die der spanische König zunächst an den Wagen der Kaiserin ritt, dieser durch Handanlegen an die Kopfbedeckung seinen Gruß zollte und sich dann dem Kaiser zuwandte, der ihm schon die Hand entgegenstreckte. Noch fehlte der König von Sachsen; doch nach einigen Minuten war auch er zur Stelle, bestieg in der blauen Uniform seiner 10. preußischen Dragoner schnell sein Pferd und bald sah man ihn an der Seite des Kaisers. Sich noch einmal gegen die Kaiserin verneigend, fetzte der hohe Herr nunmehr sein Pferd in Galopp und sprengte bei der Suite und den fremdländischen Offizieren vorbei dem rechten Flügel der Paradeaufstellung zu, dort vom commandirenden General Freiherr v. Schlotheim den Frontrapport entgegennehmend. In die Musikfanfaren brausten die Jubelrufe der Zuschauer hinein, unter dem der Abritt der einzelnen Treffen erfolgte, wobei die Kaiserin und die Kronprinzessin in der Zahl der fürstlichen Gäste und Prinzen folgten. Dem Abreiten der Fronten folgte der Parademarsch, bei dem die fürstlichen Chefs ihre Regimenter dem Kaiser vorführten, als Erster der Großherzog von Hessen an der Spitze des 1. Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 81. Zu Compagniecolonnen formirt, kamen sie herangezogen, diese stattlichen Infanterie-Regimenter mit dem elektrisirenden Spiel ihrer Kapellen, dann die Cavallerie in Escadronfront unter Trompetengeschmetter. Noch einmal wiederholte sich der Vorbeimarsch in der imposan- testen Form, die Infanterie in Regiments-Co- lonnen, die Cavallerie und Artillerie im Trabe. Die Parade war vorüber, die müden Truppen zogen ab. Der Kaiser aber wandte sich vor seiner Rückfahrt noch an die Generalität, um dieser und durch diese den Mannschaften und Offizieren seine voflste Zufriedenheit auszusprechen.
Homburg, 22. September. Se. Majestät der Kaiser stieg heute bei Bommersheim zu Pferde und erwartete hier Ihre Majestät die Kaiserin, die Könige von Spamen, Sachsen und Serbien sowie die übrigen Fürstlichkeiten. Allerhöchstder- selbe ritt sodann die einzelnen Fronten der in Rendez-vous-Stellung stehenden Colonnen des 11. Armeecorps ab. Dieselben hatten auf dem Abschnitt Bommersheim-Kahlbach-Bonames zunächst gegen den markirten Feind in der Richtung über Nieder-Eschbach-Gonzenheim vorzugehen. Die Bewegung begann mit einem Herausziehen der combinirten Cavallerie-Division hinter einer Hügelkette gedeckt auf den linken Flügel und einem Vorgehen der Cavallerie gegen Ober-Eschbach. Darauf folgte ein Infanterie-Angriff, unterstützt von großen Artillericmaffen, gegen Ober- Eschbach. Der markirte Feind, in supponirter Stärke eines Armeecorps, war gezwungen, auf Ober-Erlenbach auszuweichen und dort eine neue Vertheidigungsstellung zu nehmen. Mit der Einnahme der letzteren endete das Gefecht. Se.
Aus H-ff-n-Nqffau.
* Aus der im „Oeffentlichen Anzeiger" Kgl. Regierung veröffentlichten Uebersicht über den Geschäftsgang der Sparkassen im Reg.-Bez. Cassel ersehen wir, daß diese Kassen insgesammt im 3"^ 1ZA emm Zuwachs der Einlagen um 2 943164,6 9 Mk. hatten. Die Gesammtsumme der Eiistagen betrug am Schlüsse des Jahres 1882 44 674 897,58 Mk.; die Sparkassen hatten zusammen Reservefonds von 2672154,16 Mk. Aus diesen Fonds sind seit dem Bestehen der Kassen 1010397,12 Mk. für öffentliche Zwecke verwandt, davon 108 377,05 Mk. im Jahre 1882. Der Br-