Einzelbild herunterladen
 

Nr. 101.

KreisVbtaü

Dienstag den 25. September 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchent- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Psg. pro Quartal.

Jtreis Herssesst

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar« mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho- lung entsprechender Rabatt gewährt.

Abonnements-Einladung.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonne­ment auf das

Kreisökatt für den Kreis Kersfeld.

Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt mit der wöchentlichen BeilageProvinzial- CorreSpondenz" beträgt 1 Mark 40 Pfg.

Inserate haben, da dasKreiSblatt" die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreis­blatt vom Tage der Bestellung an bis 1. Oktober c. gratis und franco zugesandt.

Die Expedition.

Amtliches.

Kreis Hersfeld

Hersfeld, den 20. September 1883.

Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglückes um so größer ist, je mehr

Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich biete-^ In Jahren, wo veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, erwartet die Land

thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglückes eine thunlichst er­reichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens statt- finden möge.

Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Sir. 20) die Abhaltung von tzauskollecten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig, wie bei Hagelschlag, genehmigt werden wird.

11941. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 20. September 1883.

Nach dem Ergebnisse der eingegangenen Stimm­zettel sind zu Mitgliedern des Kretsvorstandes aus den Kassenmitgliedern der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse für die nächste Wahlperiode von 6 Jahren gewählt worden:

Lehrer Strippet zu Kalkobes, Gonnermann zu Oberhaun,

tzeeger zu Hersfeld, was in Gemäsheit der Vorschrift im §. 40 der Statuten hierdurch veröffentlicht wird.

11957. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Broich.

Cassel, den 14. September 1883.

Der flüchtige Postassistent Kutzner aus Ruhbank ist in dem Dorfe Schönburg bei Klösterle, Bezirk Kaasen, todt aufgefunden worden.

Vermuthlich hat sich derselbe durch Arsenik vergiftet.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

In Vertretung: Köhler.

An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 18223.

* *

Hersfeld, den 20. September 1883.

Wird den OrtSpolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Bezug­nahme auf meine Verfügung vom 3. d. M. Nr. 11233 (Kreisblatt Nr. 93) zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

11934.

Der Königliche Landrath _______Freiherr von Broich.

Cassel, den 15. September 1883. Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß es dem flüchtigen Postgehülfe Pfaffe

i aus Altenberg (Sachsen) gelungen ist, nach Eng­land (Liverpool) zu entkommen.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

In Vertretung: Köhler.

An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 18296.

* * *

Hersfeld, den 20. September 1883.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Bezug­nahme auf meine Verfügung vom 10. d. M. ad Nr. 11519 (Kreisblatt Nr. 96) zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

11933. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 20. September 1883.

Der am 27. Februar 1857 zu Unterweisenborn geborene Ackermann George Jäger hat um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

11984. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Die gmerat-VersammtMg öes tMÜmirthschaft- tichen SentraCoerems für den Reg.-Kez. Nässet. Abgehalten zu Birstein am 13. und 14. August 1883.

(Fortsetzung.)

Man ging zur Berathung der Frage der Tagesordnung über: Was hat es Neues in der Landwirthschaft gegeben?

Forstmeister Lehn:

die Ernte an Stroh mangekhaft au»Mt,

Landwirthschaft Hilfe von dem Wald, er soll ihr das Streumaterial liefern, was der Acker nur unge­

nügend gegeben hat. Der Wald kann aber das Deficit nicht decken, wenn er selbst nicht schwer geschädigt werden soll. Auch er kann ohne Dünger nicht gedeihen, so wenig wie die Früchte aus dem Feld, der Unterschied besteht nur darin, daß die Feldfrüchte abgeerntet und auf, den Hof gefahren werden und daß dann der Dünger aus dem Hof wieder auf das Feld hinausgefahren wird. Der Wald wirst jährlich seine Blätter ab und diese verwesen allmäh­lich zu Humus, dessen düngende Substanzen von dem Regen in den Boden gelangen und damit den Wurzeln der Bäume und Sträucher zugeführt werden.

Wird diese aus Laub, Moosen und Gräsern gebildete Decke weggenommen und den Ställen der Stroh bedürftigen Landwirthe zugeführt, so hat es mit dem gedeihlichen Wachsthum des Waldes bald ein Ende, er kann der Land- wirthschaft das nicht abgeben, was er selbst nicht ent­behren kann.

Es giebt aber Manches was er abgeben kann, und Sache der Landwirthschaft ist es, dies sich zu Nutze zu machen, der größte Theil ihres Bedürfnisses an Streu wird sich damit decken lassen, ich meine eine Benutzung der ab­fallenden Reiserund kleinen Aeste, welche ohne andere Kosten als die nicht große Mühe des Sammelns und Abfahrens gewonnen werden können. Neuerdings versteht man es mit einer sehr einfachen Maschine mit geringen Kosten diese Zweige und Aestchen zu zerreißen, in eine Masse, die freilich nicht so fein wie Sägespähne wäre, aber an Fähig­keit den Urin der Thiere, also die Jauche, auszusaugen, das Stroh übertrifft, also dasselbe ersetzen kann. Bei der Verwesung bildet es dann denselben Humus wie das Stroh auch, dessen chemische Bestandtheile ja auch dieselben sind, denn Stroh ist nichts anderes als Holzfaser, er empfehle dringendst, diesen Ersatz für Stroh zu benutzen und fei bereit, die Adresse des Lieferanten der Maschine aus An­fragen mitzutheilen.

Herr Jung:

Er habe mit Dünger, welcher durch Einstreu von Säge- spähnen gewonnen wäre, bei Runkelrüben schlechte Erfahrung gemacht und habe deshalb kein rechtes Vertrauen zur empfohlenen Holzstreu.

Der Vorstand der chemischen Versuchsstation Prof. Dr. Dietrich und der Generalsekretär bezweifelten, daß die Säge­spähne, also die Einstreu von Holzmasse, die schädliche Wirkung herbeigeführt hätten, man nehme ja in der Gärtnerei die Holzerde aus den Ställen und Plätzen, wo das Holz zersägt und klein gemacht werde, sehr gern, die schädlichen Wirkungen aus die Rübenpslanzen dürften wohl anderen Umständen zuzuschreiben sein.

Es wurde zum Schluß noch die Vertheilung von Prämien aus Mitteln, welche der Kreisverein Gelnhausen bewilligt hatte, an Dienstboten vorgenommen, die eine lange Reihe von Jahren bei einer Herrschaft gedient hatte, es war eine stattliche Zahl, die auf diese Art ausgezeichnet wurde, Herr Hofrath Dr. Werthmann, Erzieher des Erbprinzen, hielt eine ergreifende Ansprache an dieselben.

Bei der dann folgenden Festtafel führte Se. Durchl. der Herr Fürst v. Dsenburg-Büdingen und Birstein den Vorsitz» er brächte den Toast auf Se. Majestät unseren Kaiser aus.

Der Herr Regierungspräsident v. Brauchitsch einen Toast auf Se. Durch!. den Herren Fürsten v. Asenburg-Birstein. Herr OldenburgWilhelmshof den Toast aus den Vor­sitzenden des Zentralvereins Herrn Geh. Reg.-Rath Wendel­stadt, der Generalsekretär Oberamtmann Thon einen Toast auf den Herrn Regierungspräsident v. Brauchitsch, Landrath v. BroichHersfeld aus die Landwirthschaft, das landwirth- schaslliche Vereinswesen und Birstein, Landrath v. Schrötter Hanau aus den Herrn Präsidenten der Generalkommission Wilhelmi.

Nach der Tasel fand eine Exkursion auf den Entensang. ein unter eigener Administration stehendes Gut des Herrn Fürsten von fpsenburg-Büdingen und Birstein, statt. Für die Landwirthe von ganz besonderem Interesse war dort der Anbau von Korbweiden und die Anlage von drei großen überbauten Silo's zum Einsäuern von Mais, Grummet, Rübenblättern und anderen Futtermitteln, die sich entweder überhaupt nicht gut trocknen lasten, oder die man ungünstigen Wetters wegen nicht trocken machen kann.

Auf den Fürstlichen Hofgütern Entensang, Bösgesäß und Allenrod sind 7 Silos im vergangenen Jahr ausgeführt, theils mit Backsteinmauerwerk, das im Innern mit Cement- tünche verputzt ist, theils aus Cementbeton. Die Ausführung der letzteren sind von der Firma S. Hammerling, Cement- fabrik in Düsseldorf, ausgeführt, die Errichtung geschah in folgender Weise: In der Baugrube wurde eine Bretter- oerschalung ausgestellt und der Beton wurde dann zwischen die Schalung und dem Erdboden eingestampft. Nach Ent­fernung der Schalung sind Boden und Wände mit Cementmörtek verputzt worden. Ueber der Thür und im Gewölbe befinden sich Oeffnungen der Ventilation wegen.

Die Dimensionen der Silos sind: Länge 12 Meter im Lichten,

Breite 5

HSHe 7,50

Tiefe in der Erde 4,75

r^Mte der Wände 25 Eentimeter.

Das in einem Silo einzumachende Grünfutter, Mais, Klee, Gras, Grummet, Lupinen, Rübenblätter, Schnitzel u. s. w. wird auf einer besonders dazu erbauten, bei Ge­brüder Schulz in Münster in Westfalen zu kaufenden Schneidmaschine mehr oder weniger kurz geschnitten, man hat dabei einen weiten Spielraum, von 23 Mann während des Einmachen» fortwährend festgetreten und, wenn der Silo gefüllt ist, mit einer 0,04 Meter dicken Decke von Strohhäcksel versehen. Bei Klee, Gras, Grummet ist jedoch das Schneiden nicht unbedingt erforderlich, das Einmachen gelingt auch ohne dieses Schneiden. Aus das Strohhäcksel legt man schmale dünne Bretter in der Quere nebeneinander und beschwert dieselben durch Auflegen von Steinen mit einem Gewicht von 500 Kilo auf einen Quadratmeter. Die in der Mäste noch befindliche Luft wird dadurch heraus- gepreßt, und man erhält auf diese Weise ein Futter, welches nach Ablauf von ungefähr 6 Wochen zum Verfüttern reif ist, und von dem Vieh mit großer Gier gefreffen wird. Es ist zweckmäßig, das jedesmal zum Gebrauch bestimmte einge- fäuerte Futter mit Spreu, Häcksel oder kurz geschnittenem Heu zu mengen, und 1012 Stunden im Futterraum ruhig liegen zu lassen, wo es dann in eine leichte Gährung geräth. Das selbstverständlich unter Zugabe des erforderlichen Kraftfutters (Baumwollensamenmehl und Roggenkleie) mit diesem Gemenge im vorigen Jahr auf den genannten fürst­lichen Höfen gefütterte Vieh, soll dem Vernehmen nach wohlgenährt gewesen und reichliche Milch gegeben haben, sogar mehr als in früheren Jahren. Der starke Rindvieh­stand, irren wir nicht ungefähr 70 Stück Großvieh, der noch jetzt mit eingefäuertem Futter auf Entensang gefüttert wurde, war wohl genährt und in sehr gutem Zustande.

Wir sahen eingesäuerten Grünmais und Grummet, der Mais hatte dem Ansehen nach keine Veränderung gelitten, er sah Blätter und Stengel, aus wie frisch und roch wie eingemachte Gurken. Das Grummet hatte auch noch daS Ansehen frischen Grases, doch war es mit schwarzen ange- faulten Halmen durchzogen und roch auch nicht so gut wie der Mais, wurde trotzdem aber gern gefressen von dem Vieh.

Ueber die Räthlichkeit, sich zur Ausbewahrung des FutterS der Silos zu bedienen, werden wir demnächst in diesen Blättern einen ausführlichen Artikel bringen. Die Aufbe­wahrung der Schnitzel und der vielen Rübenblätter, welche der Bau der Zuckerrüben liefert, kann bis jetzt auf andere Art noch nicht bewerkstelligt werden.

Vom Kaisermanöver bei Homburg.

Homburg, 20. September. Se. Majestät der Kaiser traf mit dem Kronprinzen und den könig- lichen-Prinzen heute Abend 6'/, Uhr wohlbehalten in Homburg ein. Zum Empfang Sr. Majestät des Kaisers waren auf dem Bahnhof anwesend: der Prinz von Wales, der Landgraf von Hessen, der Fürst zu Waldeck und andere Fürstlichkeiten, sämmtliche Generale des Armee-Eorpsmildem com- mandirenden General Freiherrn von Schlotheim, welche der Kaiser herzlich begrüßte, der Ober- Präsident der Provinz Hessen-Nassau, Staats-