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Nr. 98.

Kreisvblatt

Dienst ag den 18. September 1883.

DasKreisblatt- erscheint wöchent- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

lireis Herold.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.

Limiliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 15. September 1883.

In Verfolg meiner Verfügung vom 13. d. Mts. Nr. 11565 Kreisblatt Nr. 96 bringe ich nach­stehend den Jahresbericht eines Unterstützungs­Vereins zu Bonn pro 1882/83 unter Leifügung eines Abdruckes der damit verbundenen Melde- und Zulaßkarten zur allgemeinen Kenntniß, da die hierbei getroffenen Einrichtungen und gemachten Erfahrungen auch für den hiesigen Kreis in der betreffenden Hinsicht von besonderem Jmereffe sein dürften und bemerke ich gleichzeitig noch, daß in Hannover sich die Einrichtung bewährt hat, daß das Holz, welches die um Almosen Vorsprechenden zu zerkleinern haben, von dem dortigen Verein gegen tzausbettelei vorher in genügendem Maaße angekauft und sodann in 'gespaltenem Zustande preiswerth wieder abgegeben wird, wobei die Arbeit des Holzzerkleinerns in Form von Marken, mit der bezüglichen Zahlungsanweisung darauf, ver­gütet wird.

11675. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Der UnterstützungS-Verein

hat im abgelausenen Rechnungsjahre 1882/83 seine Thätig­keit in der bisherigen Weise sorigcsetzt und indem das Homite .den Mitgliedern des Vereins den Jahresbericht, erstattet, giebt es sich der Hoffnung hin, daß die Wirksam­keit des Vereins als eine in jeder Beziehung nützliche und heilsame mehr und mehr Anerkennung finden und ihm neue Freunde verschaffen wird.

Es sind im verflossenen Jahre vom Vereine 2569 Personen unterstützt worden. Die Unterstützung wird, so weit es sich nicht um Arbeitsunfähige handelt, nur Demjenigen gewährt, welcher sich den Anspruch darauf mittelst einer durchschnitt­lich dreistündigen Arbeit erwirbt. Von den Unterstützten haben 2519 gearbeitet, so daß nur 50 ohne Arbeitsleistung unterstützt wurden. Sie waren zum bei Weitem größten Theile reisende Handwerksgesellen, aber auch einer kleinen Zahl armer Reisender anderen Standes, auch Frauen mit Kindern wurde Hülfe gewährt. Nur in sehr wenig Aus- nahmesällen bestand die Unterstützung in baarem Gelde, in den meisten Fällen in Gewährung von Beköstigung und Nachtquartier. Dem häufigen Bedürfnisse nach Kleidungs­stücken konnte zum Theil durch die dem Comits von Wohl­thätern zur Verfügung gestellten genügt werden, zum Theil wurden sie, namentlich Hemden, Schuhe und Stiesel, anze- kaust. Endlich erhielt eine Anzahl von Reisenden Eisen- bahn-Billetts zu ihrer Weiterreise.

Für Unterstützungen wurden ausgegeben 1740 W. 40 Pf. und zwar für Kost und Logis 1326 M. 70 Pf., für Suppenmarken des städtischen Frauenvereins 165 M., für Kleidungsstücke 187 M., für Eisenbahn-Billets und andere kleine Unterstützungen 48 Mark 70 Pf., für Unterstützungen in Geld 13 M. Hierzu kommen die nicht unbeträchtlichen Verwaltungskosten, namentlich an Miethe für den Arbeits­platz und das Bureau, an Besoldung des Arbeitsaussehers und des Bureauvorstehers, bei dem die Unterstützungsbe- dürftigen sich zu legitimiren haben und welcher nach näherer Untersuchung des Bedürfnisses über die zu gewährende Unterstützung entscheidet, endlich für Handwerkszeug und die Einziehung der Beiträge Die gesammte Ausgabe be­trägt 2507 M. 28. Pf. Da dem Vereine seitens der städtischen Behörde in höchst dankenswerther Weise im Esels, graben ein Platz zu unentgeltlicher Benutzung auf Widerruf zur Verfügung gestellt worden ist, au! welchem ein Arbeits­schuppen nebst Bureau hergestellt werden wird, so werden voraussichtlich fernerhin durch Wegfall deS Miethzinses etwa 300 M. an den Verwallungskosten gespart werden. Die Jahreseinnahmen betrugen 3577 M. 21 Pf. und das Comits wird in der Lage sein, mit Aufwendung deS sich ergebenden Kassenbestandes und eines kleinen Bestandes aus vorigem Jahre die Kosten für den Bau des Arbeits­schuppens zu bestreiten, gibt sich aber der Hoffnung hin, daß die Mitglieder des Vereins durch ihre Beiträge es auch fernerhin möglich machen werden, die Bedürftigen in der bisherigen Weise zu unterstützen.

Wenn die gewährten Unterstützungen auf den Kopf circa 67 Ps. betragen, so reicht freilich der Verdienst einer in Sägen und Hacken von Holz bestehenden dreistündigen Arbeit bei Weitem nicht hin, diese Ausgabe zu decken, und eS konnte auch unmöglich der Zweck des Vereins sein, den Betrag der Unterstützungen durch Arbeitsverdienst auszu- bringen. Daß aber die Unterstützung nur unter der Vor­aussetzung einer Arbeitsleistung gewährt wird, hat für die Unterstützten den großen Werth, daß ihnen die Demüthi­gung, betteln zu müssen, erspart wird, und daß sie, so weit

wir dazu mitwirken können, des Fechtens und Bettelns sich entwöhnen. Die weitere Folge ist, daß sich von selbst eine Scheidung der Hülssbedürftigen, Arbeit suchenden Reisenden und der arbeitsscheuen, zwecklos Vogabondirenden ergibt. Die Letzteren haben es, in Folge der Wirksamkeit des Ver­eins. bereits erfahren, daß in Bonn das Betteln nicht mehr in solcher Weise einträglich ist, wie srüherhin, und meiden, wie dies auch von Seiten der Behörden bezeugt wird, unsere Stadt mehr und mehr. Wir können nur wünschen und hoffen, daß durch überall, besonders in den Städten, sich bildende derartige Vereine den Vagabonden ihr einträg­liches Gewerbe verdorben, den arbeitswilligen Nothleiden­den aber eine ausreichende und zweckmäßigere Unterstützung als die durch erbettelte Pfennige gewährt werde

Bonn, 8. Mai 1883.

H. Schmrihals, Stintzing, Haelschner,

F. C- Hoffmann, F. Corbach, Sprengel, Rollss.

Meldekarte. Unterstützungs- Verein. Bureau Eselsgraben 20. Sprechstunden 810 Uhr Vormittags.

Nr. Zulaßkarte

zum Arbeitsplatz, Maargaffe 20.

Für...............................................................................................

Nach einer Arbeit von............Stunden kann Inhaber Abendbrod, Bett und Frühstück auf Rechnung des Unterstützungs-Vereins in der Herberge zur Hei- math, Sürst Nr. 11, erhalten.__________________

Hersseld, den 17. September 1883.

Für die am 4. August 1865 dahier geborene Wilhelmine Catharina Wille ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

11784. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Broich. _

Oberhaun, den 15. September 1883.

Unter meinem Rindvieh ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, was hiermit zur öffent­lichen Kenntniß gebracht wird.

Der Bürgermeister Wenzel.

Steckbrief.

Gegen den Fabrikarbeiter Burghard Land­stein bisher in Hersfeld, geboren am 1. Juni 1866 zu Campe in Holland welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Urkundenfälschung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Landgerichts-Gefängniß zuCassel abzuliefern, mit Nachricht hierher zu den Akten I. II. 1355/83.

Cassel, den 12 September 1883.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

Im Auftrage: C h uch ul.

Die generat-Versammlung des tandmirthschasl- tichen Sentrafoereins für den Reg.-Bez. Rassel. Abgehalten zu Birstein am 13. und 14. August 1883.

(Fortsetzung.)

Generalsekretär Oberamtmann Thon: Die erste Frage des Herrn Otto kann trotz der mit vollem Recht von Herrn v. Bruchhausen betonten Schwie­rigkeit doch innerhalb gewisser Grenzen beant­wortet werden. Wir haben in Norddeutschland zahlreiche Molkereien und diese veröffentlichen von Zeit 511 Zeit die Resultate ihres Betriebes; nach Abzug aller Kosten verwerthen sie 1 Liter Milch frei in die Molkerei geliefert zu 1011 Pf., wenn das nicht erreicht wird, oder 12 Pf. und mehr herauskommen, so sind das Ausnahme­fälle.

Die Sorge, der Preis für feine Butter werde sinken, wenn durch die Anlage von Sammelmol- kereien die Erzeugung von feiner Butter sehr ver­mehrt werde, ist ohne Grund. In Hamburg wird feine Butter in Zentnern, also vom Groß­handel, das ganze Jahr hindurch mit geringen Schwankungen zu 1,40 M. gekauft in jeder an- gebotenen Quantität.

England allein führt jährlich für ungefähr 500 Will. M. Butter ein, Deutschland liefert bis jetzt so gut wie nichts zu dieser ungeheueren Ein­

fuhr. Deutschland verbraucht seine Butter selbst. Für feine Waare ist Absatz zu gutem Preis sicher (in New-Iork kostet 1 Pfd. feine Butter 2 M. und mehr noch). Dänemark liefert dafür ein schlagendes Beispiel, seit Mitte der 60er Jahre hat man sich dort eifrigst mit der Bereitung feinster und haltbarer Butter beschäftigt, wie sie nur mit Hilfe des Kaltwasserverfahrens oder der Zentrifuge gewonnen werden kann, undim Sturm" möchte ich sagen, hat sich Dänemark die erste Stelle der Welt mit seiner Butter erobert, selbst unsere Kriegsschiffe verproviantiren sich mit Dänischer Butter, die leicht gesalzen sich 2 Jahre lang gut halten soll und auch wirklich hält. Auf die Vorstellung der deutschen Landwrrthe, daß unsere gut geleiteten Molkereien Butter von gleich guter Qualität liefern können, werden jetzt Versuche auf den Kriegsschiffen, die nach Austra­lien, China und anderen auf der anderen Seite des Aeouators gelegenen Stationen ihren Aufent­halt nehmen müssen, Versuche mit deutscher Butter gemacht, die sicher gut ausfallen werden.

Die Dänen haben, trotzdem daß sie auf dem Londoner Markt mit ihrer Butter den ersten Rang einneljmett, doch den Versuch gemacht, ob ihre Butter auch die Hitze unter dem Aequator aushalten könne und ob dann nicht die Chinesen und die Japanesen an das Buttereffen gewöhnt werden könnten; sie haben Tonnen Butter nach China geschickt und wieder mitzurückbringen lassen. Dieselbe hat also zweimal die heiße Zone paffirt und ist gut geblieben.

Für den Absatz feinster Butter zu guten Preisen steht die ganze Welt offen, es ist keine Gefahr für ein Herabgehen des Preises derselben vor­handen.

Landrath von Schrötter. Das Molkereiwesen liege hier noch sehr im Argen, man bediene sich allgemein noch der hohen irdenen Töpfe, in diesen könne die Milch erfahrungsgemäß nicht vollstän­dig ausrahmen, er habe früher selbst ein Gut in Brandenburg besessen und könne aus Erfahrung sprechen; in flachen Aufrahmgefäßen erhalte man weit mehr Sahne von derselben Quantität Milch, er empfehle diese flachen Satten eindringlichst.

Oberamtmann Soldan: Die Sammelmolkereien sind für die größeren Landwirthe nicht so noth­wendig als für die kleineren, die ersteren sind ohne förmliche Molkereianlagen so schon im Stande, feine Butter zu liefern, sie bringen , die Milch in besondere Räumlichkeiten mit reiner Luft, wo sie davor geschützt ist, daß die Butter durch Aufnahme übler Gerüche einen schlechten Geschmack erhält, sie buttern auch mehreremal in der Woche, wodurch sie den Rahm vor der An­nahme des bekannten bitteren Beigeschmacks schützen, und dann haben sie auch Gelegenheit, ihre gute Tafelbutter zu einem guten Preis, meistens 1,20 M., in die Städte abzusetzen, aber die kleineren Landwirthe sind meistens nicht . im Stande, sich vor diesen Nachtheilen zu schützen, sie lösen für ihre Butter erheblich niedrigere Preise, dennoch sind es im Fürstenthum Waldeck doch gerade die größeren Landwirthe gewesen, welche Sammelmolkereien angelegt haben. Die in Höringhausen läßt jeden Monat in der chemischen Agrikulturstation zu Marburg die Milch der verschiedenen Theilhaber, also der Lieferanten auf ihren Fettgehalt untersuchen.

Wenn vorhin den flachen Milchgefäßen das Wort geredet wurde, so wolle er ,dagegen nur bemerken, daß unsere besten Ritter für die Milch­verwerthung, die Herren Michelfen und Boysen, die flachen Aufrahmgefäße auf das Entschiedenste verdammen.

Sammelmolkereien sind für eine bessere Ver­werthung der Milch unerläßlich, und für die Landbevölkerung geradezu ein unbedingtes Be­dürfniß, auf deren , Errichtung man mit aller Kraft hinwirken muß.

Folgender Gegenstand der Tagesordnung:

Anlage von Kolonien zur Beschäftigung