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Nr. 90.

weis

Tonnerstag den 30. August 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchcnt» lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

Jüreis Hersseld.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar« mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet uiL wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

# Das Wirthschaftsiahr 1882. M bemüht, so spekuirrt sie dabei nur auf den r r X etwaigen Mangel von Einsicht, den sie bei derBe-

Ebenso wie die Handelskammer-berichte im Ein- völkerung hinsichtlich dieser complicirten und schwer seinen den Nachweis geliefert haben, daß Handel zu übersehenden Verhältnisse voraussetzt. Um so und Industrie während des Jahres 1882 sich in nothwendiger ist es, fortwährend und nachdrücklich einer sehr günstigen Lage befanden, bestätigen auch ^e Bevölkerung aus Grund des vorstehenden die Veröffentlichungen des statistischen Amts über " .....- ' .......

den auswärtigen Verkehr des deutschen Zollgebiets im

Allgemeinen und Großen, daß das Wirthschaftsjahr 1882 erfreuliche Gesammtergebnisse geliefert hat.

Die Einsuhr von Waaren nach Deutschland während des Jahres 1882 betrug (nach Abzug des Werthes der Edelmetalle) dem Werthe nach 3129,5 Millionen Mark, die Ausfuhr hingegen 3191,1, der Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr be­trug mithin 61,6 Millionen Mark. Die entsprechen­den Zahlen für 1881 waren 2963,0, bezw. 2977,1, der Ueberschuß 14,1 Millionen Mark. Im Jahre 1880 hatte der Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr 74,7 Millionen Mark betragen, in Den Jahren vorher war die Ausfuhr hinter der Ein­fuhr erheblich zurückgeblieben; 1878 um 800 M.lli- onen, 1879 um über 1000 Millionen Mark.

Die Theorie der Freihändler, daß ein Volk reicher wird, wenn es von dem Auslande möglichst viel Werthe erhält, darf schon längst als ein über­wundener Standpunkt gelten. Die Handelsbilanz ist vielmehr für ein Volk nur dann günstig, wenn es mehr producirt und absetzt, als es einkauft und consumirt. Es kommt aber darauf an, was es einkauft und was es absetzt. Wenn man die von dem statistischen Amt veröffentlichten Zahlen prüft, ergiebt sich, daß die Einfuhr die Ausfuhr ür- De- zug auf Rohstoffe und auf Nahrungs- und Genuß- mittel, welche unser eigener Boden nicht oder nicht in genügendem Maße erzeugt, bedeutend übersteigt: wir haben vom Auslande an diesen Waaren- gruppen 600 Millionen Mark mehr gekauft als an dasselbe abgesetzt. Dagegen haben wir an Er­zeugnissen unserer Industrie an das Ausland für 658,3 Millionen mehr verkauft als eingekauft, so daß also ein Ueberschuß von 58,3 Millionen Mark über das, was wir dem Auslande für Roh­stoffe, Nahrungs- und Genußmittel schuldig waren, durch unserer Hände Arbeit erzielt wurde.

Es ergiebt sich hieraus, daß wir mit dem Ge­schäftsabschluß des Jahres 1882 in hohem Maße zufrieden sein können: denn wir haben mit unseren Fabrikaten bezahlt, was wir zum Leben und zur Industrie selbst brauchten, und darüber hinaus noch einen sehr erheblichen Gewinn erzielt, während früher die Industrie nicht nur nicht im Stande war, den Werth der Rohstoffe und Nahrungsmittel, die vom Auslande bezogen werden müssen, zu bezahlen, sondern auch nicht den Andrang fremder Industrie- erzeugnisse abzuwehreu.

Nun aber wird von sreihändlerischer Seite auf die trotz aller Zölle wachsende Einfuhr hin­gewiesen: sie stieg von 2820,7 Millionen Mark im Jahre 1880 auf 2962,9 im Jahre 1881 und auf 3129,5 Millionen Mark im Jahre 1882. Die Zunahme der Einfuhr erstreckt sich jedoch nicht auf Jndustrieprodukte, sondern auf Rohstoffe und Nahrungs- und Genußmittel. Und hieraus ergiebt sich, daß Deutschland consumtionsfähiger ge­worden und daß die Industrie nicht nur einen ver- niehrten Bedarf an Rohstoffmaterialen auszuweisen, sondern auch durch vermehrten Verdienst zahlreiche Klassen kauffähiger gemacht hat.

Das Wirthschaftsjahr 1882 kann demgemäß als ein vollgültiger Beweis von der Richtigkeit der Wege gelten, welche unsere nationale Wirthfchalts- Politik eingeschlagen hat. Dieser Beweis m Ver­bindung mit den Einzelberichten der Handelokam« mern entzieht der freihändlerischen Opposition alle und jede Berechtigung zu den Klagen und Vor­spiegelungen, mit denen sie die Bevölkerung zu sich herüberlocken zu können glaubt. Wenn sie trotz­dem auch wieder aus den Handelskammerberichten und aus den Veröffentlichungen des statistischen AmtS Kapital für ihre Anschauungen zu schlagen

Beweismaterials dahin zu belehren, daß die nationale Wirthschaftspolitik uns vom Auslande

unabhängig gemacht und unsere Industrie dermaßen gekräftigt hat, daß wir mit unseren Erzeugnissen Alles bezahlen, was wir vom Auslande beziehen müssen, und daß wir dabei noch einen erheblichen Ueberschuß erzielen: dieser Ueberschuß ist der Ver­dienst aus unserer wirtschaftlichen Arbeit und be­deutet eine Vermehrung und Kräftigung des natio­nalen Wohlstandes.

politische Nachrichten.

Deutschland.

Der theilweise ungünstigen Ernteverhältnisse wegen fallen in den Kreisen Angermünde, Greifen­hagen und Königsberg i. Westpr. die auf den 11. und 12. September festgesetzten Corps-Manöver des Garde-Corps ans. Infolge dessen tritt eine Aenderung in der Entlassung der Reserven einiger Regimenter ein. Es werden entlassen: am 16. September die Reserven des 2. Garde-Regiments z. F., des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2, des 3. Garde-Grenadier-Regiments Königin Elisabeth und des 3. Garde-Regiments z. F.; am 17. September die Reserven des L Garde-Regiments z. F., des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Re- giments Nr. 1, des Garde-Füsilier-Regiments, des 4. Garde-Regiments z. F., des Garde-Jäger- Bataillons, des Garde-Schützen-Bataillons und des Garde-Pionier-Bataillons. Die Entlassung der Reserven der Garde-Cavallerie und derGarde- Artillerie-Regimenterwird von der Garde-Cavallerie- Division und der Garde-Feld-Artillerie-Brigade noch geregelt werden.

Die bayrischen Minister v. Lutz und v. Crails- Heim haben sich am 27. d. zum Besuch des Reichskanzlers, Fürsten von Bis marck, nach Kissin- gen begeben.

# Mehrere Blätter berichten, daß es in der Absicht liege, schon in den nächsten Tagen die Grundsteinlegung für das neue Reichs­tagshaus vorzunehmen, um dem jetzt zusammen­tretenden Reichstage die Betheiligung an der Feier zu ermöglichen. Wie wir vernehmen, haben aller­dings Erörterungen hierüber stattgefunden, dieselben haben indessen bisher noch zu keiner Entscheidung geführt.

# Die Handelskammer zu Crefeld erörtert in ihrem letzten Jahresberichte _ben wohlthätigen Einflnß der Durchführung des Staatsbahnsystems auf die industriellen und Handelsverhältnisse ihres Bezirkes, welche unter der Herrschaft der früheren Privatbahnen und ihrer Sonderinteressen vielfach arg benachtheiligt waren.Erst dem Lüaatsbahn- system", so berichtet die Kammer,ist es Vorbehal­ten gewesen, hierin Wandel zu schaffen, nachdem Crefeld und sein Hinterland lange Jahre die Opfer oft kleinlicher Konkurrenzverhältnisse welche die Staatsoberaufsicht nicht hindern konnte, gewesen sind. Die Fürsorge, wUche der Minister der öffent­lichen Arbeiten und die zuständigeu Staatseisen- bahnbehörden den Verkehrsverhältnissen Crefeld's widmen, finde die dankbarste Anerkennung bei der dortigen Bevölkerung." Auch aus Thüringen wird über die Besserung der Verkehrsverhältnisse nach dem Uebergang der dortigen Bahnen auf den Staat berichtet. Die Handelskammer zu Mühl- hausen referirt,daß die von ihr im vergangenen Jahre, beim Uebergang der Thüringer Eisenbahn in den Besitz des Wtaates ausgesprochenen Hoff­nungen und Erwartungen auf eine Lessergestaltung der dortigen Verkehrsmittel nicht getäuscht worden seien. Die Königlichen Eisenbahnbehörden hätten

unter Anerkennung der seitherigen äußerst mangel­haften Verbindungen auf der Gotha-Leinefelder Bahn, den Vorstellungen und Anträgen der Handels­kammer lebhaftes Interesse und Entgegenkommen bewiesen. Dies werde um so freudiger anerkannt, als die früher von der Privateisenbahngesellschaft den betheiligten Kommunen gegenüber geübte Praxis hierzu in einem grellen Gegensatz gestanden habe." Auch von der Handelskammer zu Halle wird über mannigfache Verbesserungen speziell im Tarifwesen berichtet, welche von der Staatsbahn­verwaltung nach Uebernahme der Thüringischen Eisenbahn durchgeführt seien, und mit großem Dank das bisher schon Geleistete anerkannt. Be­züglich des Personenverkehrs bemerkt dieselbe Han­delskammer, daß in jeder Beziehung das Bestreben der Staatseisenbahnverwaltung zu Tage trete, die Personenbeförderung auf den Preußischen Staats­bahnen den Bedürfnissen des reisenden Publikums anzupassen und zu einer wahrhaft muster­gültigen zu machen.

Die auf Anordnung des Ministers der öffent­lichen Arbeiten von der Staatseisenbahnverwaltung eingerichteten Lehrwerkstätten zur Ausbildung von-Werkmeistern für die Maschinenindustrie, na- menüich von Locomotivführern, Wagen-und Werk-, meistern für den Eisenbahndienst, haben sich sehr gut bewährt. Die Lehrlinge werden in den ersten beiden Jahren der vierjährigen Lehrzeit in be­sonderen Lehrwerkstätten ausgebildet und in allen Arbeiten unterrichtet und sodann verschiedenen Werkstattsabcheilungen überwiesen, um durch zu-. oerWige Arbeiter mit allen vorkommenden Arbeiten bekannt gemacht zu werden.

Oesterreich-Ungarn.

Aus Pest wird vom 27. August geschrieben: Aus Zaglaegerszyg werden Ausschreitungen gegen die Juden gemeldet, welche bereits am Donnerstag begannen und an den folgenden Tagen sich der­maßen steigerten, daß das Militär einschreiten mnßte. Da auch die Exeedenten mit Gewehren sich bewaffnet hatten, so gab es auf beiden Sei­ten Todte und Verwundete. Die Verwüstung des Eigenthums ist sehr erheblich. Gestern sollen die Bauern von Zaglaegerszyg und Umgebung einen neuen Angriff auf die Juden und das Mili­tär gemacht haben, wobei gegen 20 L>oldaten ge- tödtet und verwundet wurden. Auch in Scungo und Keszthely kamen Ausschreitungen gegen die Juden vor. In Großkaniza haben nur unbedeu­tende Zusammenrottungen stattgefunden, welche durch Polizei und Dragoner gesprengt wurden.

Ferner wird ans Preßburg vom 28. August gemeldet: Gestern fanden in Großmogendorf Tu­multe statt. Mehrere Wohnungen und Geschäfts- locale von Juden wurden geplündert nnd demolirt, die sich flüchtenden gemißhandelt. Der Kreisnotar Balla wurde durch einen Messerstich verwundet.

. Spanien.

Der König von Spanien ist überall, wo er auf seiner Rundreise durch die Provinzen hingekommen und zwar wohlgemerkt, durch diejenigen Pro­vinzen, welche aufständische Bewegungen gezeigt hattenenthusiastisch empfangen worden. Besser kann die Niederwerfung des Aufstandes nicht do- cumentirt werden. Als ein Zeichen des vollstän­digen Vertrauens des Königs in die Wiederher­stellung der Ruhe muß dann sein Entschluß ange­sehen werden, die Reise nach Deutschland in Ausführung zu bringen. In Spanien legt man der Reise des Königs eine größere politnche Be­deutung bei und ist der Ansicht, daß Spanien Anschluß an den Friedensbund der mitteleuro­päischen monarchischen Mächte sucht. Dieselbe Anschauung wird von den französischen Blättern vertreten. Aber wie s

Rußland.

Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind