Wr. 81.
für den
Donnerstag den 9. August 1883.
Das „ÄrcisblaU" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Amortisatioi^-ErKläruniz.
Der auf den Namen Heinrich Thomas von Kleba am 16. Januar 1883 unter Nr. 3882 ertheilte Legitimations-Gewerbeschein für das Jahr 1883 zum Handel mit selbstversertigter Seife, Werg, Werggarn und Wagenschmiere ist angeblich verloren gegangen.
Dieser Schein wird hierdurch mit dem Bemerken für „ungültig" erklärt, daß dem Vorgenannten eine Duplicat-Aussertigung ertheilt worden ist.
Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domainen und Forsten.
_____Sch ö n i a n.
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Kreis Hersselv.
H-rss-ld, den 7. August 1883,
Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises haben mir unfehlbar bis zum 18. d. M t s. zu berichten,
1) wie viele Zuchtkühe (eiuschl. zweijährige Rinder)
2) wie viele angekörte Zuchtbullen dermalen in ihren Gemeinden rc. vorhanden sind. 10041. Der Königliche Landrath _____ Freiherr von Broich.
""Hersfeld, "den 7. August 1883.
Für die am 12. September 1867 geborene Barbara Katharina Knoth zu Laudershausen ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
10051. Der Königliche Landrath
Freiherr von B r o i ch.
# Directe und indirecte Steuern.
Der liberal-freihändlerische französische National- öconom Paul Leroy-Beaulieu, auf dessen Urtheil auch unsere Liberalen sich oft berufen haben, ist — wie er in seinem neuesten Werk über die Finanz- wissenschaft bekundet — jetzt ein entschiedener Anhänger des indirecten Steuersystems geworden. Er schreibt: „Uns sind jetzt die fatalen Konsequenzen eines Steuersystems, in welchem die directen Steuern im Vordergrund standen, mehr und mehr klar geworden. In Democratien, wo alle Gewalten erwählt werden und schnell aus einer Hand in die andere übergehen, wo der Kampf der Parteien heiß ist und wo die Partei, welche die Majorität bei den Wahlen hat, souverän regiert ohne jegliches Gegengewicht, kann, ja muß die directe Steuer auf die Länge ein nothwendiges Bedrückungsinstrument werden, ein Bedrückungsinstrument wider die Gesammtheit, sofern sie auf alle reichen und wohlsttuirten Klassen ausgedehnt wird. Die griechische Geschichte bietet viele Beispiele vonMaß- regeln, welche aus der directen Steuer ein Mittel der Depossedirung, der Einschüchterung und der Rache machen. In Frankreich, in den Gegenden, in denen der democralische Geist am tiefsten in die Lokalbehörden eingedrungen ist, beginnt man diese Jnconvenienzen bereits zu spüren. In den südlichen Departements benutzen die Municipalräthe z. B. dieRepartition der Gebäudesteuer ganz offen zur Wahlbeeinflussung; die sorgfältig ausgesuchten Repartitoren schätzen die Häuser ihrer politischen Gegner doppelt so hoch, als die ihrer Freunde. Nicht ohne Grund hat Montesquieu mit vollem Recht von den indirecten Steuern gesagt: sie seien für die Freiheit die natürlichsten, weil sie auf eine weniger directe Weise zu der Person in Beziehung treten."
Beaulieu weist nun an Zahlenbeispielen nach, daß die von den Liberalen stets vorgebrachte Behauptung, der weniger Begüterte werde durch die indi- recten Steuern verhältnißmäßig höher besteuert als der Reichere, unbegründet sei. Dieser von vielen Nationalöconomen verbreitete Irrthum rühre
daher, daß gewöhnlich nur ein oder der andere indirecte Steuersatz, der geradezu im Mißverhält- uiß mit dem Einkommen zu stehen scheint, isolirt in's Auge. gefaßt wird und dabei alle anderen tu» directen Steuersätze übersehen werden, die jenem wieder das Gegengewicht halten. Man rechnet nur den persönlichen individuellen Verbrauch eines reichen Mannes und denkt viel zu wenig daran, daß er auch indirecte Steuern für seine Dienerschaft, für alle Leute, die, sei es temporär, sei es ständig, sich bei ihm aufhalten, zahlt.
Daß der fortschrittliche Liberalismus auch bei uus noch immer das Steckenpferd der directen Steuern reitet, hat seinen Grund darin, daß er — wie er oft selbst zugestanden hat — die Macht des Parlaments ausdehnen und diese in seine Hand bekommen will. Diese Macht läßt sich am besten den Wünschen einer Partei gemäß handhaben, wenn derselben die unbeschränkte Disposition auch über die Einnahmebewilligung zukommt. Deshalb schwärmt der Liberalismus auch für Quotisirung der directen Steuern, d. h. für jährliche Festsetzung der Summe, die aufgebracht werden soll: hierdurch würde er eine Waffe gegen die Regierung in die Hand bekommen, die seiner Herrschaft nur förderlich sein könnte. Aber es würde dann eben eine Parteiherrschaft Platz greifen, welche die anderen Parteien vergewaltigt.
Montesquieu, der auf die Entwicklung der Ideen des modernen Liberalismus so viel Einfluß gehabt hat, beleuchtet in seinem „Geist der Gesetze" die Beziehungen des Steuerwesens auf die politische Freiheit, und kommt dabei zu folgendem, von dem Liberalismus viel zu wenig beherzigten Ausspruch: „Die Kopfsteuer paßt eher zu knechtischen Völkern, die Zölle, welche nur mittelbar die Person treffen, eignen sich eher für einen gemäßigten Staat, in welchem die Freiheit werth gehalten wird." Unter Zöllen sind hier die indirekten Abgaben überhaupt gemeint, unter Kopfsteuer die von Ludwig XIV Angeführte capitation welche eine in »2 Klassen' erhobene Personal-Klassensteuer war. Mit anderen Worten: die directen Steuern werden von Montes- quieu im Interesse der Freiheil und zur Vermeidung der Parteiherrschaft verworfen, während er die indirecten Steuern eines gemäßigten, nicht de- mocratisch regierten Staates für würdig hält. Unsere Fortschrittler aber wollen eben den gemäßigten Staat nicht, sondern eine Parteiherrschast: deshalb wollen sie nichts von indirecten Steuern wissen, über deren politischen wie volkswirthschaftlichen Nutzen doch mehr und mehr in allen nicht fortschrittlichen Kreisen die Zweifel schwinden, und der ebenso bereits von dem Vater des contineutälen Liberalismus Montesquieu anerkannt war, wie er heute auch die Anerkennung des liberal-freihänd- lerischen Nationalökonomeu Leroy -Beaulieu gefunden hat.
potlUsche Nachrichten.
Deutschland.
# A m 26. October diesesJahres wird dem preußischen und dem deutschen Volke ein bedeutungsvoller Gedenktag zum fünf uud zwanzigsten Male wiederkehren, — der Tag, an welchem unser - Kaiser und König die Regierung und Verwaltung des deutschen Staates antrat. Bereits seit längerer Zeit von einem schweren und (wie sich in der Folge zeigte) unheilbare« inuneren Leiden heimgesucht, sah der verewigte König Friedrich Wilhelm IV. sich am 8. October 1858 genöthigt, die Regierung seines Landes deut damaligen Prinzen von Preußen, unserem jetzigen Kaiser und Könige, zu übertragen und eine bezügliche Mittheilung au die beiden' Häuser des Landtages zu richten. Am 26. October desselben Jahres trat der zweite Sohn König Friedrich Wilhelms III. unter Annahme des Titels eines Prinz-Regenten in sein hohes Amt, das er länger als zwei Jahre, bis zu dem am 2. Januar
1861 erfolgten Tode seines königlichen Bruders in dessen Vertretung und seitdem kraft eigenen Rechtes mit einem Erfolge geführt hat, der in der neueren Geschichte beispiellos dasteht. Von vielen Seiten ist der Wunsch und die Erwartung ausgesprochen worden, die fünfundzwanzigste Wiederkehr des Beginns dieser glorreichen, vom reichsten Segen begleiteten Regierung festlich begangen zu sehen. Der pietätvolle Sinn unseres Monarchen hat es anders bestimmt. Der Tag, auf welchen die Nation mit frohem und gerechtem Stolze zurückblickt, bedeutet dem Kaiser zunächst nur die Rückerinnerung an das jahrelange leidensvolle Siechthum eines geliebten und verehrten Bruders, dem am Ende seiner Regierung eine schwere, von ihm selbst und dem königlichen Hause mit Geduld und Ergebung getragene Prüfung auserlegt worden war. Dem Gedächtniß dieser Zeit soll sein ernster Charakter erhalten bleiben und aus diesem Grunde von der festlichen Begehung des 26. October 1883 abgesehen werden. Diesem Act kaiserlicher Pietät wird das antheilsvolle Verständniß der Nation nicht fehlen. Den Willen seines Kaisers ehrend, wird das preußische Volk den Tag, der den Anfang einer neuen großen Zeit-bezAchnete, in der Stille, aber darum nicht minder dankbar gegen die Vorsehung begehen, die seit fünfundzwanzig Jahren über König und Vaterland eine so reiche Fülle des Segens ausgegossen hat. Möge dieser Segen unserem Kaiser und Könige noch lange, dem Vaterlande für alle Zeit erhalten bleiben!
Se. Majestät der Kaiser und König hat die Verwaltungsreformgesetze Allerhöchst vollzogen und sind dieselben mit der Allerhöchsten Unterschrift aus Gastein bereits Mitte voriger Woche in Berlin wieder eingelangt. Das Organisationsgesetz trägt als Tag der Vollziehung das Datum des 31. Juli, das Zuständigkeitsgesetz das Datum des 1. August.
Deutsch - französische Literarkonvention. Der Austausch der Ratifikationsurkunden zu der deutsch-französischen Literarkonvention vom 19. April er. hat am 7. d. in Berlin stattgefunden. Die Konvention tritt drei Monate nach genanntem Tage in Wirksamkeit.
Ueber die Reichstags-Stichwahl in Kiel liegt heute folgende Meldung vor: Für Hänel sind bis jetzt 13191, für Heinzel8771 St. gezählt. — 5 Bezirke fehlen noch.
Die Nachricht, daß der General der Infanterie und Generaladjutant des Kaisers von Oberuitz, kommandirender General des XVI. Armeekorps, den Abschied erbeten habe, entbehrt, wie der „Nat. Ztg." von kompetenter Seite mitgetheilt wird, jeder Begründung.
Zufolge abermaliger Weisung der chinesischen Regierung ist das chinesische Kriegsschiff „Ting-Auen" in Deutschland zurückbe- halten. Die Ordre an den „Vulkan" in Stettin, abermals abzumustern, ist seitens der chinesischen Gesandtschaft am 5. d. Mts. abgegangen.
Frankreich.
Der Tod des Herrschers von Anam, Tuduc, ist nach der Auffassung der „Times" geeignet, die Wiederherstellung von friedlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Anam zu fördern. Köyig Tuduc starb am 20. Juli, geboren war er im Jahre 1830; er war der jüngere Sohu des Königs Tonitri, der zu seinen Gunsten den älteren «ohn, dessen ge- wültthütiger Charakter Besorgniß erregte, vom Throne ausschloß. Im Jahre 1858 kam Tuduc mit Spanien und Frankreich wegen Verfolgung der Missionäre in Konflikt. Die vereinigte Flotte beider Staaten nahm die Forts bei Turenne und die Franzosen besetzten Saigon. Der Krieg gegen China unterbrach damals die Feindseligkeiten; nach dessen Beendigung mußte Tuduc seinen Frieden mit Frankreich machen. Die Verwickelungen, die jetzt vorliegen, sind auf den Fremdenhaß Tuducs zum großen Theil