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rung von allen anwesenden Schulmännern mit । stürmischem Leifall ausgenommen wurde, glaube auch ich mit meiner Forderung nicht mehr Zurück­halten zu dürfen, und spreche hiermit den Wunsch aus, daß das was jetzt in den Samariter-Schulen gelehrt wird, demnächst als ein Theil der Natur­kunde schon in der Schule zu lehren sei.

Gewiß liegt doch jedem Menschen die Kunde von dem, wie er bei Unglücksfällen seinem Neben- menschen helfen könne, noch näher, als die Lehre von dem Bau und der Lebensweise des Elephanten, des Löwen oder der Ameise?

In vielen Schulen werden ja auch die geringen Kenntnisse von dem Bau und den Funktionen des menschlichen Körpers, welche nöthig sind, um mit Verständnis die erste Hilfe zu leisten, bereits ge­lehrt, und da bedarf es ja nur eines kleinen Schrittes, um auch diese Lücke auszufüllen.

In welcher Form nun, meiner Ansicht nach, und in welcher Ausdehnung dem Laien die erste Hilfe gelehrt werden solle, das habe ich in meinem „Leitfaden für Samariter-Schulen" gezeigt, und wer sich die Mühe geben will, denselben durch- zulesen, der wird die Ueberzeugung gewinnen, daß wir weder Heilgehilfen, noch Kurpfuscher ausbilden wollen, sondern einfach „Nothhelfer".

Es liegt auf der Hand, daß gewisse Menschen­classen weit häufiger in die Lage kommen werden, bei plötzlichen Unglücksfällen zugegen zu sein als andere, und so ist es auch in den Satzungen des Samariter-Vereins ausdrücklich betont worden, daß die Samariter-Schulen zunächst und vorzugs­weise für solche Classen errichtet werden müßten, als da sind: Polizeibeamte und Gensdarmen, Feuerwehrmänner, Bergleute, Fabrikaufseher, Werk- und Maschinenmeister, Seeleute u. f. f.

An den meisten Orten, wo seitdem Samariter- Vereine entstanden sind, hat man denn auch den Anfang damit gemacht, diese Classen der Gesell­schaft zum Unterricht heranzuziehen.

Damit ist aber keineswegs gesagt, daß nicht auch allen anderen die Gelegenheit gegeben werden solle, sich diese Kenntnisse zu erwerben, da jeher doch in die Lage kommen kann, einem verunglückten Nebenmenschen die erste Hilfe leisten zu müssen.

Der Deutsche Samariter-Verein hat sich ferner die Aufgabe gestellt, die Samariter-Schulen zu versorgen mit den für den Unterricht nöthigen Hilfsmitteln, als Bildern, Modellen und Verbandgegenständen. In welcher Weise wir diese Aufgabe zu lösen versucht, zeigen Ihnen die hier ausgestellten Schulmittel.

Sie sehen hier zunächst einige anatomische Wand- tafeln, auf denen das Knochengerüst, die Lage der wichtigsten Eingeweide und der hanptsächlrchsten Adern dargestellt sind, ferner ein einfaches Schema des Blutkreislaufes, durch welches auch dem Laien der Unterschied zwischen Blutungen aus Pulsadern und Blutadern deutlich gemacht werden kann.

Dann sehen Sie zwei Tafeln, auf welchen ein einfacher Beinbruch und ein mit einer Hautwunde verbundener Bruch dargestellt ist, damit der so äußerst große Unterschied dieser beiden Brucharten dem Laien klar werde.

Endlich hier auf dieser sechsten Tafel die Dar­stellung einiger Verrenkungen, wonach sich jeder eine Vorstellung von den dadurch entstehenden Formveränderungen machen kann.

Mit Hilfe dieser Tafeln habe ich in 5 einstündigen Vorlesungen meinen Zuhörern das was zur Er­lernung der ersten Hilfe nöthig ist, vorgetragen, und an jede der Vorlesungen schlössen sich halb­stündige Uebungen an, in der Anwendung derjenigen Hilfsmittel, welche von Laien ohne genauere medicinische Kenntnisse erlernt werden können.

Diese Uebungen betrafen vor allem die Anwen­dung des dreieckigen Tuches zu Nothverbänden. Es werden dazu Tücher benutzt, auf welche die verschiedenen Formen dieser Nöthverbände aufge- druckt sind, so daß wer ein solches Tuch bei sich trägt, im Nothfall durch einen Blick auf die Ab­bildungen sich jederzeit das Erlernte ins Gedächtnis zurückrufen kann.

Außerdem enthält die für den Unterricht bestimmte Sammlung einige Schienen und Binden, mit deren Hilfe bei Arm- und Beinbrüchen der erste Noth­verband angelegt werden kann, wenn der Arzt weit entfernt wohnt und man den Verletzten zu ihn: oder in ein Krankenhaus zu transportiren genöthigt ist.

Als Beispiele, wie man die verschiedenartigsten Gegenstände für den Nothverband verwenden könne, werden einige Zweig- und Strohschienen benutzt und ein Blumentopfgitter, welches für Nothver- bände besonders gut zu verwenden ist.

Diese kleinen Watteballcn, welche bei den Uebungen auf singirte Schuß- oder Stichwunden gelegt und festgebunden werden, sollen stets daran erinnern, daß nichts unreines mit der Wunde in Berührung gebracht werden darf.

Endlich enthält der Kasten mehrere Gegenstände,

welche zur Stillung von Blutungen aus verletzten Pulsadern, also zur Verhütung des Verblutungs- todes dienen können.

Das eine ist ein Stück von einem Baumast, mit welchem bei den Uebungen gezeigt wird, wie bei den weitaus am häufigsten vorkommenden Blutungen ans Hand und Vorderarm, wenn ein harter Gegenstand zwischen Brust und Oberarm gelegt wird, ein leichter Druck genügt, um den Blutstrom zu hemmen.

Das zweite ist ein elastischer Gurt, mit Hilfe dessen man imstande ist, anch bei Verletzungen großer Adern an den Beinen die Blutung so lange zu hemmen, bis der Arzt kommt.

Und das dritte ist ein kleiner Knebel, um zu zeigen, wie man, wenn man auch keine andere Hilfsmittel hat als ein Taschentuch, durch Jm- provisirung eines Knebel-Tourniquets den Blut­strom wenigstens für einige Zeit lang beherrschen kann.

Dies sind die Mittel, mit deren Hilfe nunmehr in allen Samariter-Schulen der Unterricht ertheilt wird.

Die für den Samariter so überaus wichtigen Uebungen im Transport der Verletzten werden zum Schluß der Vorlesungen eifrig geübt. Die dazu nöthigen Tragbahren lassen sich überall her- bcischaffcn oder im Nothfall improvisiren.

Außerdem hat der Deutsche Samariter-Verein noch Exemplare von Hilfskisten (Samariter-Apo- theken) ausgestellt, welche in mehr oder minder großer Vollständigkeit diejenigen Mittel und Ver- bandgegeustände enthalten, die zur Leistung der ersten Hilfe nöthig sind.

Die größeren Kisten sind für Polizei-, Eisen­bahn- und Rettungs-Stationen, für abgelegene Landgüter und für Schiffe bestimmt, die ohne Arzt in See gehen, die kleineren für die Eisenbahn- Postwagen, welche nach Anordnung S. Excellenz des Herrn Staatssecretär Dr. Stephan sämmt- lich mit solchen versehen werden sollen.

Wenn nun auch die Ausstellung des Deutschen Samariter-Vereins sich in keiner Weise messen kann mit der äußerst großartigen und mannig­faltigen Ausstellung der Wiener freiwilligen Ret­tungsgesellschaft, 10 bitte ich berücksichtigen zu wollen, daß jener Gesellschaft die reichsten Geld­mittel von allen Seiten zu Gebote gestellt worden sind, während unser Verein mit nur geringen Mitteln versehen, sich die äußerste Sparsamkeit zur Pflicht gemacht hat und vor allem darauf ausgeht, die genannten Aufgaben mit möglichst geringen Kosten zu erfüllen.

Für den Unterricht nun, welcher mit Hilfe dieser Mittel und nach Anleitung meines Leit­fadens in den Samariter-Schulen ertheilt wird, habe ich bei jeder Art von Unglücksfällen immer als Hauptregeln in den Vordergrund gestellt:

1. zu warnen vor schädlichen Hilfsleistungen;

2. zu ermähnen, daß man unverzüglich nach ärztlicher Hilfe schicke, oder den Verunglückten zum Arzte transportire;

3. von Hilfsleistungen nur diejenigen zu lehren, welche jeder Laie nach geringer Uebung an- zuwenden imstande ist.

Trotzdem hat sich gegen die Samariter-Schulen grade von ärztlicher Seite eine Opposition erhoben, welche offenbar aus völliger Unkenntnis der von uns verfolgten Zwecke hervorgegangen ist. Voraus­sichtlich wird sich diese Opposition mit der Zeit von selbst wieder zur Ruhe geben; da sie aber grade hier in Berlin der Wirksamkeit des Samariter- Vereins hindernd in den Weg tritt, so kann ich mir nicht versagen, auf die von derselben geäußerten Bedenken einiges zu erwidern.

Die hauptsächlichsten Einwürfe, welche man uns gemacht chat, sind folgende:

Die Samariterhilfe sei vollkommen entbehrlich, ihr Nutzen sehr fraglich. Ohne eine gründliche wissenschaftliche Vorbildung sei kein Mensch im­stande, die erste Nothhilfe zu leisten. Die Sama­riter-Schulen förderten die Curpfuscherei und bedingten dadurch eine schwere Schädigung des öffentlichen Wohles.

Die Samariterhilfe soll vollkommen entbehr­lich sein, weil überhaupt so selten Unglücksfälle vorkämen, welche schleunige Hilfe nöthig machten, und weil es überall Aerzte genug gebe. Solche Behauptungen kann wohl nur jemand anfstellen, der sich niemals in der Welt etwas umgesehen hat, und dessen Gesichtskreis in der dumpfen Luft seiner Studierstube oder in den engen Straßen einer Großstadt eingeschrumpst ist. Wie oft zeigen sich nicht die schlimmsten Unglücksfälle auf dem Lande, in Dörfern oder auf Landgütern, beim Gebrauche landwirthschast- licher Maschinen, auf den Landstraßen, in Wald und Feld, an Seen und Flüssen, auf Bergen und in entlegenen Thälern, kurz an Orten, wo ärztliche Hilfe meilenweit entfernt, oft erst nach

vielen Stunden oder gar nicht herbeigeholt werden kann.

Wo ist denn auf den kleinen Schiffen auf der See, bei Schiffbrüchigen an unwirthbaren Küsten, in der Tiefe der Bergwerke, wo ist bei großen Eisenbahnunfällen sogleich ärztliche Hilfe zu haben, und wie ist es im Kriege? Daß auch hier trotz aller Bemühungen der Militärbehörden die Ver­wundeten oft gar zu lange auf ärztliche Hilfe warten müssen, das beweisen nicht bloß die herz­erschütternden Schilderungen von Henri Dunant und von Dr. Naundorff, sondern auch alle die Bestrebungen der Vereine vom rothen Kreuz, der Johanniter- und Maltheser-Ritter, welche darauf ausgehen, schon auf dem Schlachtselde die oft mangelnde ärztliche Hilfe zu ersetzen.

Und selbst in großen Städten, wo mit der wachsenden Bevölkerung die Zahl der Aerzte ent­sprechend zugenommen hat, kommt es doch oft genug vor, daß Menschenleben verloren gehen, weil kundige Hilfe erst um Stunden, ja selbst um Minuten zu spät eintraf. Ich brauche nur an die vielen Unglücksfälle zu erinnern, welche in Fabriken durch die Räder und Treibriemen der Maschinen, durch die Walzen und Kreissägen und durch Platzen der Dampfkessel hervorgerufen werden.

Die zweite Behauptung, daß die Samariterhilfe ohne Nutzen sei, weil ohne gründliche wissenschaft­liche Vorbildung kein Mensch imstande sei, die erste Nothhilfe zu leisten, läßt sich ebenso leicht widerlegen.

Ich brauche nur daran zu erinnern, wie oft Ertrunkene int Zustande des Scheintodes an das Ufer gebracht werden. Hier kann augenblickliche zweckmäßige Hilfe, wie sie in den Samariter- Schulen gelehrt wird, das scheinbar entflohene Leben zurückzurufen. Es gilt, durch Nachahmung der Athembewegungen wieder Luft in die Lungen zu pumpen, damit auch das Herz wieder zu schlagen beginne. Unkundige verlieren meistens die Zeit mit den unzweckmäßigsten Versuchen, das vermeint­lich verschluckte Wasser aus dem Körper zu schaffen, indem sie den Ertrunkenen auf den Kopf stellen, ihn über ein Faß rollen und bergt m., wahrend jede Minute von der größten Wichtigkeit ist. Wenn man aber bis zur Ankunft des Arztes die Hände in den Schoß legt, dann wird man schwer­lich jemals einen Ertrunkenen wieder ins Leben zurückrufen.

Von welcher Wichtigkeit die schleunige Hilfe bei scheinbar Ertrunkenen ist, das hat auch die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" längst anerkannt, indem sie auf allen Stationen Anweisungen zur Wiederbelebung angeschlagen hat und nunmehr beabsichtigt, einen Theil ihrer Mannschaften zu Samaritern ausbilden zu lassen.

Von den Fällen, in denen Bewußtlose auf der Straße gefunden werden, will ich nur wenige Worte sagen, um zu zeigen, daß selbst oberfläch­liche Kenntnisse doch von einigem Nutzen sein können. Der Samariterschüler lernt, daß es viele verschiedene Arten von Bewußtlosigkeit giebt, die selbst der Arzt nicht immer auseinanderzuhalten vermag. Er lernt deshalb auch keinerlei Art von ärztlichen. Eingriffen anwenden, sondern nur was zu thun ist, um ferneren Schaden von dem Be­wußtlosen abzuhalten. Wichtig ist die Belehrung des Laien über diesen Gegenstand aber deswegen, weil gar nicht selten aus Unkunde die größten Misgriffe gemacht werden.

So kam es in London früher häufig vor, daß man vom Schlage Betroffene, Fallsüchtige, Ohn­mächtige oder Verblutete, weil man sie alle für Betrunkene hielt, in die Polizeiwachen schleppte, um sie hier ihren vermeintlichen Rausch ausschlafen zu lassen. Am Morgen fand man sie dann todt, während manche durch rechtzeitige Hilfe hätten gerettet werden können. Seitdem sämmtliche Londoner Polizeimänner als Samariter ausge­bildet und in diesem Punkte aufgeklärt worden sind, kommt das niemals mehr vor.

Daß der Laie einen Beinbruch von einer Ver­renkung oder einer bloßen Quetschung unterschei­den lernt, hat an sich geringen Werth, wenn er nur die Ueberzeugung gewinnt, daß in allen solchen Fällen möglichst bald ärztliche Hilfe herbeigeholt werden muß. Sehr wichtig aber ist es für ihn, zu wissen, daß durch unzweckmäßiges Anfassen, Aufheben und namentlich durch unzweckmäßigen Transport die Verletzung unendlich verschlimmert, ein einfacher Beinbruch in einen gefährlichen com- plicirten Bruch verwandelt werden kann. Des­halb lernt der Samariter in solchen Fällen die Kleidungsstücke vorsichtig entfernen, bei offenbaren Beinbrüchen den Transport zum Arzte durch einen Nothverband möglich machen und den Transport so schonend ausführen, daß der Verletzte auf demselben nicht große Schmerzen und weiteren Schaden erleidet.

Seitdem in London und in allen größeren